Das Zugunglück von Bad Aibling und die astrologischen Leichenfledderer – eine Ergänzung

7 04 2016

Egal was auf der Welt passiert, die Astrologen können das Geschehene immer im Nachinein (und nur im Nachhinein) mit schwachsinnigen, bisweilen schwülstig formulierten, Sternengelaber erklären. Das ist nichts Neues, aber nachdem im GWUP-Blog ein ganz spezielles Kleinod der astrologischen Leichenfledderei gepostet wurde habe ich jetzt doch mal meine Sammlung zu diesem Thema herausgeholt und möchte sie kurz präsentieren. Wie bekannt waren am 9. Februar zwei Regionalzüge in der Nähe von Bad Aibling frontal zusammen gestoßen, weil der zuständige Fahrdienstleiter fatalerweise beiden Zügen die Fahrt in den eingleisigen Abschnitt erlaubt hatte.

Der im GWUP-Blog angesprochene Dr. Firgau hatte dann aus den Geburtsdaten der 11 Todesopfer ein „durchschnittliches Geburtsdatum“ (im Astrologensprech heißt das „Kombin“) ausgerechnet und aus diesem sowie aus ähnlichen Datumswerten ein „Gruppenschicksal“ herausgedeutelt – und sich so (nicht zum ersten Mal, man beachte die Kommentare im GWUP-Blog) lächerlich gemacht. Aber er war natürlich nicht der einzige astrologische Leichenfledderer …

Im Astrogeography-Blog von Georg Stockhorst geht es um Ort und Zeit des UNfalls, und schwupps sind irgendwie Venus und Merkur die Schuldigen:

Das Ereignis Horoskop zeigt eine Merkur – Venus Konjunktion in Haus 12 bei 20° und 24° des Erdzeichens Steinbock exakt auf der astrogeographischen Position des Ereignisortes bei 21° Steinbock. Da beide Planeten, die Venus als Herrscher des Zeichens Stier und Merkur als Herrscher des Zeichens Zwillinge den IC als im Horoskop genau den Punkt besetzen der die Erde unter dem Ereignisort betrifft ist ihre Konjunktion auch in dieser Hinsicht als Hauptindikation für das Geschehen an dem Ereignisort zu bewerten.

Ich bin ja ganz sicher, dass es die ziemlich genau gleiche Konstellation am gleichen Tag auch noch an anderen Orten gab – komischerweise ohne irgendeinen Unfall. Bei der astrologischen Onlinepostille Loop! wird auch astrologisch gedeutelt, aber hier wird ein ganz anderer Grund für das Unglück gefunden, denn hier geht es irgendwie um Saturn und eine Schütze-Sonne bei der Erstfahrt des Zuges:

Am auffälligsten ist dabei wohl die fast exakte Konjunktion des aktuellen Saturns mit der Schütze-Sonne der Erstfahrt (blau umrandet). Diese Schütze-Sonne steht dazu ja noch in Konjunktion mit Mars, was nun einerseits wunderbar die Möglichkeiten der Eisenbahn bebildert (den weiten Raum schnell zu erobern), andererseits unter ungünstigen Voraussetzungen eben auch die Gefahr von Unfällen hervorhebt.

Bei den Allgeiers ist es wieder ganz anders, denn jetzt ist es der Steinbock im Wassermann … … und der Mond, und Neptun und (wieder) der Merkur:

Zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes um 6:40 Uhr wechselte der Aszendent gerade vom Steinbock in den Wassermann. Er befand sich also im sogenannten Vakuum-Bereich, der die Unklarheiten, das nicht Erkennen der Situation andeutet. Ferner lief der Mond auf Neptun zu, den Planeten der Täuschung. Drei Planeten, unter anderem der rückläufige Merkur, der den Zug, die Eisenbahn symbolisiert, standen im 12. Haus, klassisch der Bereich des Unglücks.

… und auch Mars ist irgendwie dabei (den hatten wir noch nicht):

Die Sonne, die wohl den Fahrdienstleiter bzw. den Verantwortlichen symbolisiert, gegen den inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr läuft, stand ganz offensichtlich unter großer innerer Anspannung und Druck, die ihn zu dieser Fehlreaktion verleitete. Gewaltplanet Mars stand in Haus 9, dem Haus der Reise.

Aha …

Ganz abstrus wird es dann im Bluesastrologiecafe:

Das Quadrat der Sonne mit Mars und das Quincunx zwischen Mars im Skorpion (!) zu Uranus im Widder lässt keinen anderen Schluss zu:

Bad Aibling-Zugunglück: Experte vermutet bewussten Eingriff

Äh was? Bewusster Eingriff? Kein Unfall, kein Fehler des Fahrdienstleiters sondern ein bewußter Eingriff? Vielleicht war der „Experte“ ja Alexander Gottwald, denn dessen von so ziemlich jeder abstrusen (und tiefbraun düftelnden) Verschwörungstheorie geschwängerte Faseleien zum Thema beschäftigt sich mit den folgenden Fragen:

– War Bad Aibling ein Unfall?

– Diente es der Vertuschung der dubiosen Absage der Rosenmontagsumzüge?

– Diente es als rituelles Menschenopfer mit schwarzmagischem Hintergrund?

– Gar in einer Reihe mit vorherigen Zugunglücken?

– Diente es als Warnung an die bayrische Landesregierung wegen Putin?

Was für ein Schwachsinn! Und übrigens, Herr Gottwald, der Mainzer Rosenmontagszug wurde völlig zurecht abgesagt! Ich war an diesem Tag in Mainz (ich wohne da) und es fing pünktlich zum geplanten Zugstart (… na ja, ein paar Minuten früher) so richtig heftig zu stürmen an. Wenn Sie den Mainzer Rosenmontagszug kennen würden (Motivwagen mit leichten, aber hohen, Aufbauten; die berühmten „Schwellköpp„) hätten sie – wie ich – bis kurz vor dem geplanten Start an der Sinnhaftigkeit er Absage gezweifelt, im Nachhinein war es genau die richtige Entscheidung. Da war nichts, aber auch gar nichts, dubios! Aber wahrscheinlich haben Sie, Herr Gottwald, für den Sturm auch ganz bestimmt eine spezielle Erklärung, die mit Sicherheit irgendwelche weitere Verschwörungstheorien ins Feld führt.

Wie immer machen sich die astrologischen Leichenfledderer mit ihrem Gemurmel nicht nur lächerlich, sie müssen auch damit leben, dass manche dieses von den Sternschwurblern zelebrierte Suhlen in menschlichen Tragödien (zur eigenen Erhöhung) von nicht wenigen Menschen als ziemlich widerlich angesehen wird.





Neues Futter für die astrologischen Leichenfledderer: Das verschwundene Flugzeug

18 03 2014

Seit vielen Tagen ist der Flug der Malayan Airlines mit der Flugnummer MH370 verschwunden und die Vermutungen darüber, was denn tatsächlich mit dem Flugzeug und den Passagieren geschehen ist werden immer wilder. Solange es keine Antwort auf die drängenden Fragen gibt, solange bleibt natürlich Zeit für allerlei Spekulationen, aber egal ob es ein tragisches Unglück, eine Flugzeugentführung oder gar eine Art terroristischer Anschlag war, solange wir nicht mehr wissen als bisher, solange sollte man sich mit Spekulationen zurückhalten, denn immerhin geht es um das Leben von etwa 250 Menschen. Aber solche mysteriösen Geschehnisse haben auf einige Astrologen eine geradezu magische Anziehungskraft, sie müssen sich einfach ihrer astrologischen Erklärungsdiarrhoe hingeben – das erklärt zwar nichts, aber sie und einige ihrer Fans scheinen diese perverse Art von Leichenfledderei als eine Art Hobby zu betrachten …

Bereits am 9. März analysierte die US-Astrologin Beth Turnage, dass es wohl ein plötzlicher Unfall war und der Pilot den Kurs nur deswegen wechselte, weil er eine Notwasserung probieren wollte – die dann aber wohl nicht funktionierte. Dies erkannte sie auf Basis des Horoskops des damals letzten bekannten Funkkontakts des Flugzeugs.

Der indische Astrologe Yuvaraj Sowma war sich am letzten Mittwoch sicher, dass es am Donnerstag große Fortschritte bei der Suche nach dem Flugzeug geben sollte – war aber wohl nichts, vielleicht hätten die Leute ja mehr beten sollen, denn dies sollte, nach Meinung des Astroschwurblers, das Auffinden des Flugzeugs unterstützen.

Eine andere indische Astrologieseite war sich ebenfalls sicher:

And, before the week is over (week from the date of the take off), the teams searching will have some firm answers – and location of the debris/ traces.

Nein, falsch! Und ob die Vermutung stimmt, es habe sich um ein eher technisches Problem gehandelt, ist ja noch lange nicht klar.

Bei Astrophoenix musste der „Astro-Fox“ seine Deutungen erbrechen, und wollte (am 14. März) folgendes aus den Sternen gelesen haben:

Es ist im Meer versunken.
Personen (oder nur eine) an Board sind für den Absturz verantwortlich.
Die Personen (oder die eine) haben den Selbstmord in Kauf genommen.
(Wenn es einer der Piloten war, so litt er an Depressionen oder Wahnvorstellungen)
Der Pilot hat selbst (oder unter Zwang) das Flugzeug zum Absturz gebracht und ins Meer gestürzt.

OK, die erste Aussage ist nicht unwahrscheinlich, aber der Rest sind genau die Dinge, über die die Nachrichtenagenturen auch spekulieren. Welches Horoskop der Mann zurate gezogen hat ist unklar, aber er muss sich dann noch mit 2 Kreisen auf einer Karte lächerlich machen – da soll man nämlich das Flugzeug finden … … oder

#nicht eingezeichnet: 5°N87°W, das ist südlich von Kalkutta und östlich der Nordspitze von Indonesien. Ursache ist dabei nicht das Ausgehen des Kraftstoffs sondern Geschehnisse an Bord. (Durchdrehen des Piloten oder eine Mißglückte “Einmischung/Übernahme”.)

Ach Herr-Astro-Fox, macht es eigentlich Spaß auf dem Rücken von knapp 250 Menschen solchen Unsinn zu blubbern?

Den Vogel schießt aber wieder einmal meine Lieblings-Online-Astrologiepostille ab, denn dort gibt es gleich zwei lange Texte zum verschwundenen Flugzeug. Im ersten Astrogelaber (Autorin sri) werden immer zwei verschiedene Daten (also Datum, Uhrzeit und Ort) zu einem einzigen Horoskop zusammengefasst (das nennt man Synastrie, man zeichnet also zwei Horoskope quasi „ineinander“ – und hat dann natürlich viel mehr Deutungsmasse), und schon diese Auswahl ist irgendwie schräg. Aus den gemeinsamen Horoskopen von

  • Erstflug dieses Flugzeugtyps und letztem Funkkontakt des vermissten Flugs
  • Erstflug dieses Flugzeugtyps und einem früheren Rollfeldunfall des vermissten Flugzeugs
  • Letztem Funkkontakt des vermissten Flugs und dem Einschlag des ersten Flugzeugs in die Zwillingstürme des World Trade Center am 11. September 2001

wird folgendes geschlossen:

Damit wäre ein terroristischer Einfluß möglich.

Na klar, wer mit Terrorismusdaten sucht, der glaubt auch solches zu finden. Ich frage mich was passiert wäre, wenn die Leute von der Astrologiepostille das Geburtsdatum des Papstes, oder das von Peter Maffay, oder das vom letzten Fußball-WM-Finale für die Synastrie benutzt hätten – unsinniger wäre das auch nicht gewesen, aber vielleicht hätte es gezeigt, dass an Bord des Flugzeuges mindestens ein Katholik gesessen hatte, dass irgendjemand suboptimale Musik auf dem Kopfhörer hatte oder dass sich im Koffer eines Fluggastes ein Fußball befand. Aber die Loop-Leute wären nicht die Loop-Leute wenn sie sich nicht noch ein scheunentor-breites Hintertürchen dazufantasiert hätten:

Betrachtet man allerdings die Achs-Überlagerung 12/6 plus Sonne dieses ersten WTC-Hits mit dem MC/IC des Signals oben, deutet sich auch an, dass der terroristische Verdacht unter Umständen reine Täuschung ist.

Fazit des ersten Textes: Nichts Genaues weiß man nicht, also warum dann das Ganze?

Der zweite Text stammt vom 15. März, kann jetzt also die neuen „Erkenntnisse“ mit verbraten (Autor: „meta“). Und man bietet sogar eine Art „Hilfe“ an:

[…] aber vielleicht mag sich ja der eine oder andere Hinweis zeigen, der zumindest für die Rettungskräfte hilfreich auf ihrer Suche nach möglichen Ursachen und Hintergründen ist.

Na klar! Irgendwo in Deutschland sitzt also ein Mensch, der mehr zu wissen gaubt als die in Vollzeit suchenden Rettungskräfts vor Ort – was für eine lächerliche und peinliche Selbstüberhöhung! Dieses Mal werden übrigens ganz andere Horoskope zur Deutung in Betracht gezogen, es sind dies:
  • das Horoskops zum Start des Flugzeuges
  • der Start des Fluges KA007 von Korean Airlines vom 31.08.1983 in New York (das Flugzeug wurde westlich der Insel Sachalin von russischen Kampfflugzeugen abgeschossen)
  • das Horoskop des ersten Offiziers des vermissten Fluges (in Synastrie mit einem aktuellen Horoskop)

Und wo ist die eingehende Betrachtung der Horoskope der Flugbegleiterinnen, der Leute im Kontrollturm, der Mechaniker auf dem Flughafen von Kuala Lumpur oder der Tante der Ehefrau des Bruders des Fluggastes auf Platz 22C? Egal, soviel Arbeit haben sich die Autoren wohl nicht gemacht – und da der erste Offizier wohl auch von den Behörden überprüft wurde kann man ihn jetzt zum astrologischen Sündenbock stempeln:

[…] dann finden sich bei ihm die klassischen Auslöser für Unberechenbarkeit und heimliche Absichten. Eingebunden in die energetischen Hauptakteure des Großen Quadrats. Seine Sonne auf 11° Widder wird gerade in diesen Tagen von Uranus überlaufen, dass Quadrat von Jupiter ist ebenfalls fast exakt. Im Vorfeld hat Pluto schon seit einigen Monaten für Probleme gesorgt und auch die genaue Konjunktion von Neptun mit seiner Radix-Venus in den letzten Wochen und Monaten macht ihn eher zu einem Kandidaten für genauere Überprüfungen. Als Anlage hat er eine Sonne-Jupiter Konjunktion im Quadrat zu Neptun im Steinbock, auch hier kann zumindest der Verdacht entstehen, dass er eine Art Doppelleben geführt hat, dass vor allem in den letzten beiden Jahren, durch die Auslösungen von Uranus und Pluto eine neue Dimension bekommen hat.

Ja klar, einem wildfremden Menschen wird per Ferndiagnose ein Doppelleben diagnostiziert astrologisiert – was für eine maßlose Überheblichkeit … … aber man lässt sich ja auch hier eine Hintertür:

Wohlgemerkt – einen Verdacht, denn natürlich könnte man diese Auslösungen auch so deuten, daß er selbst von den Ereignissen als Person „überrollt“ wurde. Nur wenn die momentane Frage aller Ermittler ist, wer von beiden alle Funk-Verbindungen abgebrochen hat und einen völlig anderen Kurs einschlug, stände aus meiner Sicht eher der Co-Pilot im Fokus einer Überprüfung.

Hauptsache ausführlich geblubbert, Herr „meta“ – und auch hier ist sich der Autor nicht zu schade um sich mit einer Karte möglicher Fundorte des vermissten Flugzeugs zu blamieren. Klar, dass hier völlig andere Orte angekreuzt sind als beim oben erwähnten Astro-Fox – ich vermute mal dass beide ähnlich falsch liegen …

Am Ende wird die Terrorismus-Vermutung aus dem ersten Text ad acta gelegt, und eine andere Vermutung geäußert:

Dass man die Maschine auch noch jetzt unversehrt findet, würde ich mir im Sinne aller Angehörigen und Passagiere sehr wünschen. Aber die Geschichte, die sich bisher zeigt, spricht eben eher nicht von Zu- oder Unfällen, sondern von einem verwirrten Menschen, der in einem bestimmten Moment seines Lebens falsche Entscheidungen getroffen hat. Um es freundlich zu formulieren.

… und es wird eine Prognose gegeben, wann man das Flugzeug denn finden wird:

Betrachtet man das gesamte Ereignis als einen Ausdruck der globalen Anspannung unter dem Quadrat von Jupiter, Pluto und Uranus, dann sollte sich aber zumindest in den nächsten 2-3 Tagen klären lassen, wo die Maschine jetzt ist, spätestens wenn der Mond das Quadrat komplettiert.

Nun ja, wir werden sehen was passiert. Die zunehmende Menge an Informationen und die Erweiterung der Suche (jetzt sogar mit Hilfe der ISS) sollte ja irgendwann dazu führen, dass das Flugzeug gefunden wird. Die Selbstüberschätzung der Astrologen, die tatsächlich glauben ihr absurdes Geschwurbel mit weitgehend willkürlich hervorgekramten Horoskopen hätte irgend einen Sinn, ist angesichts der höchstwahrscheinlichen Opfer aber in jedem Fall eine bodenlose Frechheit.





Schumi’s Unfall und die Sterne: Der besserwisserische Leichenfledderer

7 01 2014

Es hätte mich wirklich gewundert, wenn die Leute von Loop! die einzigen gewesen wären, für die der Skiunfall des Rekordweltmeisters im Im-Kreis-herum-fahren der Starschuß für die beliebte astrologische Leichenfledderei – das vermeintliche „Erklären“ des Unfalls und des Unfallzeitpunkts mit astrologischen Floskeln – gewesen wäre. Und ich habe absichtlich nicht in die üblichen Astrologieforen geschaut, weil mir solcherlei Frechheiten doch irgendwie widerlich erscheinen. Wenn aber ein Astrologe seine Ergüsse bei astrologie.de postet, dann kann ich dem gar nicht entgehen. In inzwischen – Stand heute, 22:00 Uhr –  sieben Aktualisierungen findet der Autor Peter-Johannes Hensel noch für die absurdesten Details irgendwelches astrologisches Gelaber, mit dem er auf den verschiedenen Pressemeldungen seine astrologische Leichenfledderersuppe köcheln kann. Beispiel gefällig? Bitteschön:

7. Aktualisierung, 05.01.14, 11:21h: Ein Skifahrer soll sich bei der Polizei gemeldet haben, weil er den Sturz von Michael Schumacher ungewollt gefilmt haben will. Sollte sich auch dies bewahrheiten, so wäre wiederum auch dieser Mann sowohl für den Fokus bzw. die Primärwirkung Sonne-Pluto (s. bitte Erstveröffentlichung unten bzw. 6. Aktualisierung) als auch für die dazu gehörige externe Ursachenebene (hier Waagevenus-Pluto) eine analoge Projektionsfläche, ebenso wie es der als Priester verkleidete Journalist und der „Ferrari-Pater“ aus Maranello (s. bitte 4. Aktualisierung) für die Rahmenbedingung Sonne-Saturn-Jupiter sind.

Egal was passiert, irgendwelche Sterne oder speziellen Konstellationen findet Herr Hensel immer, und das schon von Anfang an. Immer wenn eine neue Nachricht über Schumi kommt weiß Hensel das nachher irgendwie zu beschwafeln. Das klingt dann zum Beispiel so:

1. Aktualisierung 31.12.13, 10:35h: […] Erklärung: Mond/Krebs entspricht astromedizinisch u.a. der Gehirnsubstanz (und allen damit verbundenen Erkrankungen und Verletzungen), Zwillinge/Merkur/3 andererseits der Funktion des Gehirns. Beides ist hier extrem traumatisiert. Die Ableitung in den 1. Quadranten ermöglicht es dem Geschehen, über den Mond in 3 auf der physischen Ebene überhaupt als Symptom phänomenologisch in Erscheinung zu treten. Das heißt, dass das substanzielle Hirntrauma das körperliche Abbild der Schuld (s.u.) ist (siehe bei weitergehendem Interesse die APL bzgl. der detaillierten astromedizinischen Zuordnungen). Der zerbrochene Helm spiegelt sich schlüssig in der Fokuskonstellation Sonne-Pluto in dem Sinne, als die gelebte (Sonne) Vorstellung (Pluto) der Wirklichkeit (Sonne im Quadrat in den 4. Quadranten zu Saturn-Neptun) letztlich nie standhalten kann (über schicksalhafte Korrektive gebrochen wird). Der sich daraus immer ergebenden Aufgabe, die eigenen Vorstellungen der Wirklichkeit anzupassen, ist Michael Schumacher aus unten beschriebenen Gründen nicht „freiwillig“ nachgekommen.

Mond/Krebs entspricht der Gehirnsubstanz? Na dann können Sie das sicher belgen, Herr Hensel! Ansonsten ist ihr Gelaber einfach unerträglich! Für all ihre astrologischen Scwurbeleien können Sie doch sicher irgendwelche statistisch abgesicherten Daten vorlegen, oder? Und wenn wir Ihnen die Daten mehrere Datensätze von ähnlichen Unfällen anderer Personen geben, müssten sie diese ja zweifelsfrei zuordnen können, oder? Würden sie sich einem solchen Test (auch wenn er nicht einfach zusammenzustellen wäre) unterziehen? Oder ist es ihnen lieber hanebüchene Vermutungen über ihnen persönlich völlig fremde Menschen in der Öffentlichkeit zu verbreiten, wie das Folgende:

Erfahrung der Todesnähe im Sinne eines „Gebeugtwerdens“ aufgrund eines übertriebenen Bedeutungsdrangs und irrational-unbewusster Schuldempfindung über den Weg amokartiger Gewalteinwirkung, die sich als Resultat vernunftsverlorener Revierflucht ergibt. Was sich hier IM GRUNDE zeigt, was sich als der hinter allem stehende unbewusste Ereigniswunsch darstellt ist ein Mensch, der einen Weg suchte, im Sinne einer Selbstbestrafung seine vermeintliche Schuld in Form einer Todesstrafe zu sühnen. Ob diese „vollzogen“ wird, oder ob Michael Schumacher in irgendeiner untransformierten Weise am Leben bleibt, ist natürlich menschlich von großer Bedeutung, letztlich aber im Sinne der Buße bedeutungslos. (fette Hervorhebungen von mir)

Sorry, Herr Hensel, auch wenn mir Herr Schumacher bisher reichlich egal war (Autorennen finde ich so ziemlich das langweiligste was das Fernsehen zu bieten hatte und hat) finde ich ihre selbstbeweihräuchernden Vermutungen einfach nur widerlich!

 





Wenn die Leichenfledderer aus dem Schatten springen: Schumi und die Sterne

31 12 2013

Tja, es ist mal wieder so weit: die Leichenfledderer schärfen ihre Messer, auch wenn es noch gar keine Leiche gibt. Der Unfall des Formel-1-Rekordweltmeisters muss natürlich astrologisch seziert werden, und zwar bei den Leuten der astrologischen Onlinepostille Loop!. Dabei wagen sie natürlich keinerlei Prognose, und begründen das mit folgenden Sätzen:

Jede öffentliche, astrologische und medizinische Prognose erübrigt sich ethisch, solange die Lebens-Gefahr nicht gebannt ist. Damit wollen wir uns deshalb auch nicht beschäftigen, sondern Schumi von Herzen wünschen, dass er sein schwierigstes Rennen packt.

Ja, klar – aber man kann natürlich trefflich darüber spekulieren, ob man ein solches Unglück nicht vielleicht doch in den Sternen hätten lesen können, oder darüber, welche Planeten denn jetzt diese Tragödie ausgelöst haben könnten bzw. darüber dass der Mann ja derzeit sowieso … … was für ein hanebüchener Unsinn. He, ihr Leute von Loop! Das war ein tragischer Skiunfall! Der Ex-Formel-1-Pilot ist nicht über einen eurer Planeten gestolpert sondern hat abseits der registrierten Pisten einen Unfall gehabt. Die Planeten haben damit nichts zu tun, und eure lächerlichen astrologischen Deutungsversuche sind nichts anderes als der schäbige Versuch auf dem realen Leiden eines Menschen eure peinliche Astrosuppe zu kochen.

Genau wie einer eurer Kollege nach der Fukushima-Katastrophe behauptete, man hätte dies ja astrologische vorhersehen können, ist dieser Text nichts anderes als reine Leichenfledderei (auch wenn der Mann ja noch lebt). Aber so sind die Astrologen eben manchmal: Persönliche Tragödien werden schamlos ausgenutzt, und da ist es egal, ob es sich um einen oder zigtausende Menschen handelt, ich empfinde solches Handeln in der Öffentlichkeit als absolute Frechheit!!!

 

 

 





Fukushima-Leichenfledderer-Nachtrag

26 07 2011

Das katastrophale Erdbeben im Norden Japans ist zwar lange vorbei, aber irgendwie war mir ein Leichenfledderer-Interview im DAF durch die Lappen gegangen. Nach 01:17 Minuten erklärt Herr Felber etwas absolut Sensationelles:

Prinzipiell ist es schon so, dass man auch Erdbeben mit Hilfe der Astro-Kartographie voraussagen kann bzw. zumindestens Breitengrade auf der Erde festlegen kann wo zu welchen Zeiten besonders erhöhte Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, dass ein Erdbeben stattfindet.

Wow! Da stellt sich nur die Frage, warum hat er denn nicht nachgeschaut?

Dass man dies dann noch auf ein bestimmtes Land einschränken kann, dafür müsste man dann die verschiedenen Nationalhoroskope durchschauen und das ist eine unglaubliche Menge an Arbeit für einen Astrologen so dass er dies von vorne herein nicht tut …

Zu viel Arbeit also. Tja, schade aber auch. Nicht nur, dass damit Menschenleben hätten gerettet werden könnten, auch finanziell würde sich der Aufwand doch eigentlich lohnen: Es winken nämlich nicht nur Ruhm und Ehre sondern auch eine Million Dollar!

… und gleichzeitig stellt sich natürlich die Frage der Sinnhaftigkeit …

Wie bitte? Es macht also keinen Sinn, Menschenleben zu retten? Und – in diesem Fall – wäre es keine gute Idee gewesen, vielleicht einige Wochen vorher (da war die astrologische Konstellation ja schon bekannt) darauf hinzuweisen, dass man Kernkraftwerke in bestimmten Regionen vielleicht vorsorglich doch herunterfahren soll? Für mich zeugt diese Aussage von Herrn Felber von einer gewissen Menschenverachtung …

… denn nur zu leicht ist es im Grunde nur eine Panikmache und im Endeffekt erntet er das Gelächter wenn’s nicht eintritt.

Natürlich erntet der Astrologe Gelächter, wenn seine vollmundig verkündeten Prognosen nicht eintreffen. Stellt er sich aber mit Behauptungen wie den oben zitierten einer fairen und offenen Überprüfung, dann macht er sich keinesfalls lächerlich, sondern zeigt dass er bereit und gewillt ist seine Behauptungen zu belegen.

Herr Felber tut dies allerdings nicht. Er behauptet zwar, dass die Voraussage von Erdbeben mittels der Astrologie möglich sei, redet sich dann aber mit fadenscheinigen Ausreden (zu viel Arbeit) heraus. So darf er sich nicht wundern, wenn man ihn in der Öffentlichkeit in die Riege der schamlosen Leichenfledderer einreiht, die auf den Leichen der Opfer dieser Katastrophe ihr astrologisches Werbesüppchen kochen zu müssen glauben.

Sollte Herr Felber zu einem Test seiner behaupteten Fähigkeiten bereit sein, revidiere ich selbstverständlich gerne den obigen Text. Dann ziehe ich sogar meinen virtuellen Hut, übrigens auch dann, wenn seine Voraussagen falsch sein sollten.

PS: Dass die sich Redakteurin nennende Mitarbeiterin des DAF auch hier nicht eine einzige kritische Nachfrage stellt überrascht nicht wirklich. Frau Thonak lässt sich offensichtlich gerne von Sterndeutern irgendwelchen Unsinn erzählen.





Noch mehr Leichenfledderer und ein Interview aus Absurdistan

5 04 2011

Angesichts der Katastrophe in Fukushima segeln auch einzelne Homöopathen auf der radioaktiven Angstwelle und versuchen sich mit ihren Angeboten für  „Mittel gegen Radioaktivität“ (sogar auf japanisch!)  die Taschen zu füllen. Bei Astrodicticum Simplex (mit weiteren Beispielen) und im GWUP-Blog wurden diese „Angebote“ schon entsprechend kommentiert. Die üblichen Erklärungsversuche der Astrologen, die im Nachhinein über ihre „Gestirnsstellungen“ herumschwurbeln sind zwar ebenso lächerlich, zocken aber nicht ganz so dreist wie die Anhänger des ultimativen Verdünnungswahns ab. Für all jene, die unter akutem Schwurbeldefizit leiden, es gibt eine ganze Reihe weiterer Beispiele …

Dabei darf auch der Astroletter des Allgeier-Verlags nicht hintan stehen, in dem es mittendrin ganz, ganz düster wird:

Die Erde wird auch aufbrechen im westlichen Teil von Amerika. Der obere Teil von Europa ändert sich in einem kurzen Augenblick. Land wird erscheinen vor der Ostküste von Amerika. Wenn das erste Aufbrechen in der Südsee erscheint, oder im Mittelmeerraum und der Ätna-Region, als Sinken und Aufsteigen von meist gegenüberliegendem Gleichen, wissen wir, es hat begonnen.

Dabei beziehen sich die Allgeiers allerdings nicht auf irgendwelche Sterne, sondern auf den bekannten Katastrophenpropheten Edgar Cayce. Dass übrigens auch als seriös geltende Medien auf den esoterischen Katastrophenzug aufspringen zu müssen glauben zeigte vor einigen Tagen sogar die Süddeutsche – zum Glück ist im GWUP-Blog eine passende Antwort zu lesen.

Auch um Japan ging es in diesem Interview im Deutschen Absurditäten Anleger Fernsehen. Die Interviewerin Christina Thonack hat sich in der Vergangenheit schon des Öfteren als völlig unkritische Stichwortgeberin für unsinniges Geblubber verschiedener Astrologen betätigt, und auch in diesem Fall lässt sie die einschlägig bekannte Iris Treppner minutenlang Sinnlosigkeiten absondern ohne auch nur eine einzige Aussage der Frau in Frage zu stellen. Ich habe mir erlaubt, mögliche Fragen und Anmerkungen in rot in dieses „Interview“ einzubauen. Frau Thonack’s Stichworte sind in schwarz, Frau Treppners Unsinn in blau:

Was sagen sie zu Japan, war die Katastrophe absehbar?

Nein, eigentlich nicht oder vielleicht doch!

Also wie jetzt? Hätte man es voraussehen können, oder nicht?

Also über den NIKKEI hätte man die Krisensituation vielleicht erkennen können, wenn man sich damit auseinandergesetzt hätte.

Standardausrede! Schon die derzeit von der Polizei gesuchte Patricia Bahrani hat des öfteren auf entsprechende Fragen mit der gleichen Ausrede geantwortet!

Ich hab’s persönlich jetzt nicht getan, weil meine Prognosen beim NIKKEI – wie soll ich jetzt sagen – weniger treffsicher waren …

Noch weniger treffsicher als der andere Mumpitz? Ist ja kaum möglich …

… deswegen habe ich den NIKKEI einfach rausgenommen. Allerdings wenn man jetzt die richtigen Daten gehabt hätte, dann hätte man einen Hinweis darauf haben können, dass es dort kriselt.

Es kriselt? Eine zynischere Umschreibung für die dortigen Katastrophen habe ich bisher kaum gelesen!

Einen einzigen Hinweis habe ich, das ist der Transit Neptun-Saturn, der ist zur Zeit aktiv und zwar bis 2013 noch und das ist eine Konkurskonstellation, aber die wirkt sich auf jeden anders aus.

Typisch astrologische Entscheidungsneurose: Eine Konkurskonstellation, die sich auf jeden anders auswirkt – wieso greift eigentlich die Interviewerin nicht ein?

Zum Beispiel van Gaal, der Trainer von Bayern München hat diese Konstellation auch …

Ja, ja – Frau Treppner möchte wohl lieber über Fußball salbadern, auch das ist nichts Neues … … aber was sie hier macht heißt auf Deutsch: Themaverfehlung! Aber so lange es die Interviewerin nicht merkt …

… und der verlässt zum Beispiel den Verein. Also es wirkt sich bei jedem anders aus und ich hätte jetzt nicht angenommen, dass es so heftig in Japan aussehen könnte.

Ja wie jetzt? Erst sagt sie, sie hätte nicht nachgeschaut, jetzt hat sie nicht angenommen, dass so etwas passieren könnte? Merkt Frau Thonack eigentlich irgendwann, dass Frau Treppner nur Müll redet?

Das heißt, die Schwierigkeiten können auch bis 2013 noch Nachwirkungen zeigen?

Nö, sie merkt es offensichtlich nicht! Wenigstens hätte sie fragen können, was denn jetzt van Gaal mit Japan zu tun haben soll und ob sie jetzt nachgeschaut habe oder eben nicht …

Ich hoffe, dass es nur bis 2013 geht. Ich hab‘ auch nicht das Originalhoroskop da ich nicht den Einstieg der Handelszeit habe des NIKKEI. Das ist alles spekulativ …

Danke! Also das war jetzt offen zugegebenes reines Raten! Warum bricht die Interviewerin das Ganze nicht einfach ab? Ihre Gesprächspartnerin hat doch offensichtlich keine Ahnung wovon sie redet!

… mir fehlen viele weitere Angaben um mich da festlegen zu können oder zu wollen. Ich hoffe, dass nur dieser Transit dafür sorgt, dass es eben zur Zeit schlecht aussieht in Japan und dass ein Ende 2013 in Sicht ist.

Äh, ein Ende von was? Aber ok, sie will sich ja nicht festlegen …

Übertragen wir das mal auf Deutschland. Wie wird denn der DAX sich nach den Problemen in Japan weiter entwickeln.

Wow! Ganz unerwartet schießt Frau Thonack eine konkrete Frage aus der Hüfte! Respekt! Das riecht ja fast schon nach dem Hauch einer Redaktionsassisstenzanwärterin …

Ich meine schon im letzten Jahr gesagt zu haben, ihnen gegenüber (ich glaub‘ es war im August) dass es jetzt im Februar/März turbulent zu geht.

Nöö! Im Augustinterview (mit der gleichen Interviewerin) hatte sie nichts dergleichen gesagt, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass es bis zum Jahresende eher „seitwärts“ weiter gehen sollte (falsch). Im Dezember laberte sie tatsächlich über März 2011 – es ging aber dabei gar nicht um den DAX, sondern um die  VW-Aktie.

Woher diese Einflüsse kommen, das war mir da auch nicht klar, jetzt wissen wir das! Aber ich glaube, insgesamt wird der DAX unbeeindruckt aus der Sache ‚rausgehen. Also natürlich geht’s jetzt mit ‚runter, keiner weiß jetzt wo’s hingeht, wo die Leute etwas anlegen sollen, aber es stellt sich hier schnell heraus, wo die Schwerpunkte sind.

Ja, man sieht wo die Schwerpunkte sind! Frau Treppner zeigt – zum wiederholten Mal – dass sie auch ohne jedes Wissen bereit ist völlig sinnfreien Schwachsinn in irgendwelche Mikrofone zu posaunen – wenn man sie denn lässt.

Wer sich auch noch den Rest antun will, der kann sich’s ja hier anhören





Futter für die Leichenfledderer: Das Erdbeben in Japan

12 03 2011

Kaum haben sich die ersten Nachrichten über das dramatische Erdbeben in Japan verbreitet, schon kroch der erste astrologische Leichenfledderer aus seinem Loch. Folgendes fand ich am Nachmittag des 11.3.2011:

Für manche mag dies unheimlich sein, das Zeitinhalte wie der Paradigmenwechsel des Uranus in den Widder, in der Nacht vom 11.03.11 auf den 12.03.11, ausgerechnet mit einem schweren Erdebeben in Japan einhergeht, das die Stärke 8,8 erreicht, und die Erschütterungen ( Uranus ) damit als ein selten schweres Erdeben kennzeichnen.

Nein, Spicaastro (im Impressum steht der Name Karl-Heinz Waldenberger), das ist nicht unheimlich, das ist schlicht und einfach dummdreiste Selbstbeweihräucherung.

In ihrem Blog wunderte sich später DAV-Astrologin Christa Heidecke:

Seltsamerweise zeigt das Erdbebenhoroskop selbst kaum relevante Spannungen.

Wie blöd! Aber echte Astrologen kennen natürlich die entsprechenden Tricks

Deshalb ziehe ich den letzten Neumond zu Rate, berechnet auf Tokio, mit den Transiten für heute.

So funktioniert das eben: Wenn das Horoskop nicht zum Ereignis passt, dann nimmt man eben ein anderes. Lächerlicher geht’s kaum.

Wie erwartet wird auch in astrologischen Diskussionsforen heiß diskutiert und – wie immer! – gibt es so viele verschiedene Horoskope, dass die Sternenschwurbler garantiert eines finden, das nach der von ihnen vertretenen Astrologielehre passend ist. In anderen Ländern sieht das übrigens genau so aus: hier, da (vom gleichen Autor gibt es auch eine „Erklärung„) oder dort gibt es ähnlichen Schwachsinn zu lesen.

Tja, hätte ein Astrologe das Erdbeben und die dramatischen Folgen tatsächlich öffentlich vorausgesagt (auf 2-3 Tage genau, mit der Angabe der ungefähren Stärke des Bebens und mit zumindest halbwegs exakten Orts- und Zeitangaben – wobei die Angabe „Japan“ wegen der täglich dort zu messenden Beben ohne hinreichend genaue Stärkeangabe nicht ausreichend gewesen wäre), dann könnte man vielleicht anfangen über den Wert der Astrologie zu diskutieren.

 

Ich hoffe sie verstehen nun den Wert der Astrologie und der objektiven Vorausschau.

Ja, Spicaastro! Wir verstehen. Astrologie hat keinen Wert, keinen Sinn und statt „objektiver Vorausschau“ wird immer nur im Nachhinein schäbig die Klappe aufgerissen.

Zum Weiterlesen …

Update: DAV-Astrologin Christa Heidecke hat ihren Artikel inzwischen erweitert, mit noch mehr sinnlosen Horoskopbildchen fleddert sich’s noch besser auf dem Rücken der Betroffenen. Auch dieser Herr nutzt die Katastrophe zum astrologischen Geblubber und hier qualifiziert sich jemand namens gil (offensichtlich aus Düsseldorf) mit gleich 5 Horoskopen ebenso für die Leichenfleddergarde wie die Astrologin Milena D Amico mit ihren Kommentaren in einem Questico-Forum.





Leichenfleddererupdate für Haiti

28 01 2010

Ich habe heute eine neue Kategorie für den Blog angelegt: „Astrologische Leichenfledderei“! Wie gewohnt kann menschliches Leid gar nicht groß genug sein,  die astrologischen Leichenfledderer kommen aus ihren Löchern gekrochen und krähen ihre an Absurdität nicht zu überbietenden Erklärungsversuche der( Netz)Welt entgegen. Auf den Leichen der laut aktueller Zählung ungefähr 150.000 jämmerlich verreckten Mitmenschen in Haiti (die übrigens ganz bestimmt nicht alle eine ähnliche Konstellation im Horoskop hatten) kann man ja schön sein Süppchen kochen und zeigen, wie toll man über das Sternenzeugs schwurbeln kann. Heute im Angebot: Der aktuelle Newsletter vom Allgeier-Verlag (darauf hätte ich wetten können – ist ja nicht das erste Mal), die Astrologin Susanne Eder und ein unbekannter Mailschreiber, der meinte sich bei der GWUP melden zu müssen.

Der anonyme Mailschreiber äußerte sich so:

Ich habe am 09.01.2010 vorhergesagt das das Jahr 2010 Jahr der Katastrophen wird das mit Haiti war erst der anfang,

Ok, wann und wo diese Vorhersage (wenn überhaupt) getätigt wurde ist piepegal, denn irgend ein Schwurbifex kündigt alljährlich das „Jahr der Katastrophen“ an. Wann? Wo? Was? – Fehlanzeige! Stattdessen im Nachhinein sich in irgend einer Katastrophe suhlen und die Leichen als Trophäen der eigenen Prognosekunst präsentieren – das ist schäbig und entlarvt den Schreiber als aufgeblasenen Wichitigtuer.

Im Langzeitarchiv der österreichischen Astrologin Susanne Eder findet man ihre Texte zu früheren Jahren, sogar mit haarsträubenden „Trefferkommentaren“ garniert. Für 2009 war folgende Sequenz in ihrem Jahrestext zu finden:

WETTEREXTREME – UMWELTKATASTROPHEN
Ab April, wenn Jupiter mit Neptun in Konjunktion steht, könnte es zu extremen Niederschlägen kommen. Hochwasser und Überschwemmungen könnten viel Unheil anrichten.

Allgemeines Blabla wie tausendmal gelesen – aber was will sie damit vorausgesehen haben? Das Erdbeben in Haiti natürlich:

3) Das Erdbeeben in Haiti, war zwar erst im Jänner 2010, aber auch hier war die Jupiter-Neptun-Konjunktion noch gegeben.

Und warum nur in Haiti und nicht anderswo? Und warum gerade zu diesem Datum und nicht zu einem anderen? Aber wem Sätze wie die folgenden in die Tastatur entgleiten …

Die Theorie der Quantenphysik bestätigt eigentlich das Jahrtausende alte Wissen der Astrologen, die immer schon sagten: „Wie oben, so unten.“

… dem kann man nur empfehlen sich die Bitte von „die wahrheit“ in den nächsten 6 Wochen immer wieder anzuhören und besonders die 2. Hälfte genau zu beachten – und dann langsam das Antischwurbelmantra für jedes einzelne Wassermolekül wiederholen, das sich bei einer homöopathischen D30 Potenz um ein einziges Wirkstoffmolekül kümmern muß:

QuantensindkeinArgumentgradwennmansiegarnichtkennt erstmalkapiernumwas’sgehtbevormanseineStimm’erhebt

Und dann, aber wirklich erst dann, reden wir in aller Ruhe über Erdbeben. Aber bis dahin dürfte die Dame ein wenig beschäftigt sein (ich rechne gerne aus wie lange das dauert …).

Den Vogel schießt aber wieder einmal der aktuelle Alllgeier-Newsletter ab: Nachdem für die Fakten wikipedia zitiert wird geht’s los:

In der Januar-Ausgabe von STERNBILD schrieben wir unter der Rubrik „Wetter“: „Saturn im Quadrat zu Pluto zeigt im gesamten Januar weltweit eine Gefahr von Naturkatastrophen an.“

Na und? Das haben zig andere auch geschwurbelt! Und was hat das Wetter mit Erdbeben zu tun????

Wie wir nun in der Vergangenheit immer wieder beobachten konnten, ist vor allem Pluto an Erdbeben beteiligt.

Pluto? Der Nichtmehrplanet? Böser Pluto!

Astrologisch gesehen herrscht Pluto ja auch über die tieferen Regionen der Erde.

Und wie macht der Pluto das?

Zurück zum Beben von Haiti. In diesem Unglückshoroskop tritt wieder einmal der schnell laufende Mond als Zündfunke in Erscheinung.

Das hatten wir doch schon ‚mal! Auch beim Amoklauf eines Schülers in Ansbach und beim S-Bahn-Mord in München war doch der Mond der Schuldige – schön, dass die Allgeiers so wunderbar Bescheid wissen – läuft also der Mond auf Saturn zu, dann gibts laut den Allgeiers Mord und Amoklauf, wendet er sich gen Pluto dann bebt die Erde …

Er läuft auf Pluto zu, der sich nicht nur in diesem großen und lang andauernden Quadrat zu Saturn befindet, sondern an diesem Tag zusätzlich eine enge Konjunktion mit dem rückläufigen Merkur bildet.

… aber nur wenn gleichzeitig … … was für ein hanebüchenes, dummdreistes Geschwafel im Nachhinein! Können die Macher dieses Newsletters nicht einfach ‚mal sagen, dass sie etwas nicht vorausgesehen haben?

Eine Konstellation, die im Sinne der möglichen astrologischen Analogien etwa auch zu Massenunfällen hätte führen können.

War aber nicht – was soll den die ganze Prognostiziererei, wenn die „Profis“ nicht mal sagen können ob’s auf der Autobahn kracht oder sich irgendwelche tektonischen Platten verschieben?

Der Mond läuft nun in diesem Horoskop nicht nur auf Pluto zu, er bezieht auch Uranus in das Geschehen mit ein, indem er ein Quadrat zu ihm bildet. Man könnte sagen, dass der Mond im Zulauf auf Pluto und im genauen Quadrat zu Uranus eine schicksalhafte Brücke zwischen Uranus und Pluto baute, die die Kräfte der Zerstörung passieren ließ.

Blubberitis im Endstadium. Aber wenn man sich im Archiv dieses Newsletters umschaut gibt’s eh nur 2 Alternativen: Entweder die Macher sind gnadenlose, von allen Skrupeln  längst erlöste Abzocker oder sie haben eine behandlungsbedürftige astrologische Vollmeise!

Interessant ist, dass wir in diesem Horoskop auch eine sehr schöne Konjunktion zwischen Sonne und Venus im 7. Haus, dem Bereich des Du haben, die zusätzlich mit dem aufsteigenden Mondknoten Kontakt hat. Sonne und Venus bilden allerdings auch ein Sextil zu Uranus, wodurch Uranus weitere Energie erhält. Dennoch: Vielleicht sind der Mondknoten sowie Venus und die Sonne in Haus 7 eine Aufforderung an die Menschlichkeit, an ein weltweites Zusammenstehen in der größten Not.

Tja, und am Ende wird nach dem ganzen zynischen Astrogemeier  ja fast noch die Gutmenschenkappe aufgesetzt. Aber einen Spendenaufruf für die Opfer sucht man im Newsletter vergeblich – dass man aber auch alles selber machen muss, denn …

… zu Haiti gibt’s ja eigentlich nur eins zu sagen:

BITTE SPENDEN!

und am besten für eine richtig gute Organisation (das Geld geht an „Ärzte ohne Grenzen“ und das „Rote Kreuz“).






Frisches Futter für die Leichenfledderer

19 01 2010

Kaum war die Nachricht von einem katastrophalen Erdbeben in Haiti in den Nachrichtensendungen angekommen, schon krochen die astrologischen Leichenfledderer wieder aus ihren Löchern. Es folgte das bekannte zynische Erklärungsritual: Man nehme irgendwelche astrologischen Konstellationen zum Zeitpunkt des Ereignisses (hier war’s das Erdbeben, im letzten Jahr z.B. der Amoklauf von Winnenden), füge ggf. noch weitere Konstellationen hinzu (hier z.B. das „Länderhoroskop von Haiti“; im Fall Winnenden ein ungefähres Geburtshoroskop des jugendlichen Amokläufers) und schon hat man ganz viel Material mit dem man der Öffentlichkeit zeigen kann, dass das Geschehene ja irgendwie doch astrologisch unausweichlich  – und damit prinzipiell vorhersagbar – war. Florian Freistetter hat sich ein paar dieser Texte angeschaut – und wie immer stellt sich dabei eine ganz einfache und banale Frage:

Warum hat keiner der zitierten Astrologen vor der Katastrophe gewarnt?

Die Antwort ist einfach: Weil sie es nicht können!

Wenn sie jetzt im Nachhinein anderes behaupten, dann ist das der zynische Versuch auf dem Leid vieler Menschen ihr übliches Werbesüppchen zu kochen. An dieser besonders ekligen Form der astrologischen Erklärungsdiarrhoe leiden glücklicherweise nicht alle Sterndeuter, manche geben sogar offen zu, dass sie solche Voraussagen gar nicht machen können:

Das Erdbeben habe ich natürlich nicht vorhergesagt, weil es ohnehin sinnlos wäre sich mit derlei Prognosen zu beschäftigen, da man sie weder lokalisieren noch verhindern kann.

Na, immerhin – warum Karl-Heinz Waldenberger dann trotzdem mit irgendwelchen astrologischen Scheinbegründungen herumjongliert muss er selbst wissen. Aber eigentlich braucht er die Astrologie ja gar nicht, denn sein „Unbewußtes“ hat ja schon Ende 2009 auf die Gegend hingewiesen:

Also irgendwie scheint mein Unbewusstes im Vorfeld von Ereignissen zu reagieren, wie sonst wäre ich auf ausgerechnet auf die Karibik und den Ort Cayo Samana gestossen …. seltsam!

Seltsam ist bestenfalls dieser lächerliche Versuch einen Urlaubstipp an einen Kunden (DomRep) vom 31.12.2009 irgendwie mit dem Erdbeben in Verbindung zu bringen. Ich könnte ja jetzt behaupten, dass „mein Unbewußtes“ noch viel näher dran war: Ich hatte mich nämlich gerade mal drei Tage vor dem Erdbeben mit einem Bekannten über dessen Urlaubspläne unterhalten, und der wollte doch tatsächlich an einer Karibikkreuzfahrt (incl. einem Stopp in Haiti!!!!) teilnehmen …





Vermischtes: HSV im Finale, Schweinegrippenastrologie und noch mehr Leichenfledderer

5 05 2009

Für einige Fussballfans im Norden hat der Astrologe Manfred Gregor eine gute und eine schlechte Nachricht: Der Hamburger SV erreicht das UEFA-Cup Finale gegen Werder Bremen, verliert aber am Sonntag in Bremen sein Bundesligaspiel. Wobei die in der Hamburger Morgenpost veröffentlichte Prognose für den UEFA-Cup nicht allzu gewagt ist, denn schließlich gewannen die Hamburger bereits das Hinspiel auswärts mit 1:0. Dass Gregor sogar die Matchwinner beider Spiele kennen will und für den Bremer Diego ein Tor in den ersten fünf Minuten des Sonntagsspiels vermutet ist eine in Astrologenprognosen selten genaue Aussage. Wenn’s daneben geht wird er sich wahrscheinlich mit der beliebten Ausrede, dass die Sterne nicht zwingen sondern nur „geneigt machen“ herausreden. Ob man den Lesern des Artikels bei der empfohlenen Reisebuchung zum Finale in Istanbul im Falle einer HSV-Niederlage am Donnerstag noch ein Rücktrittsrecht auf Kosten von Herrn Gregor einräumt ist leider nicht bekannt.

Die Schweinegrippe ist bereits vor Tagen ins Mundanforum von Astrologix geschwappt und bei den vielen dort zu findenden Horoskopbildern und abgedrehten Pseudoerklärungen mit Hilfe von Deutungen der Todeszeitpunkte von an der Spanischen Grippe im Jahr 1918 verstorbenen US-Soldaten (!!!) kamen sogar einer Mitdiskutantin namens „Marlies“ leise Zweifel. „NUR: Was hat die derzeitige Zeitqualität mit dem Tod dieses Soldaten zu tun? Hat sie überhaupt etwas damit zu tun?“ Userin „federkiel“ kontert mit einer kleinen Verschwörungstheorievermutung: „Also, wenn man mit der Lunge dieses Soldaten experimentiert hat, oder was gefunden hat, ist denen vielleicht etwas ausgekommen im Labor. Wäre ja nicht das Erste Mal„. Wie realitätsfern muß man eigentlich sein, um solches Hohlgeschwätz in eine Tastatur zu hämmern …

Nachdem bereits der Allgeier-Newsletter und der Astrologe Stephan E. Fuchs durch den tragischen Amoklauf eines Schülers in Winnenden mit einer besonders ekelhaften Form der astrologischen Erklärungsdiarrhoe infiziert wurden, scheint sich dieser Virus – etwas verspätet – auch bis zu Olaf Staudt verbreitet zu haben. Dieses Mal ist es die böse Zeitqualität und Staudt analysiert zielsicher aus der Ferne und den unvollständigen Geburtsdaten des Täters (die Geburtszeit fehlt in den Daten, die HSV-Prognostiker Manfred Gregor zugeliefert hat) „schwer wiegende Versäumnisse und emotionale Defizite von Seiten der Eltern“. Der dreiteilige Kommentar Winfried Noé’s zum gleichen tragischen Geschehen sowie das vedische Astrologiegeschwurbel von „Velvetrose“ alias Dirk Mett sind zwar schon etwas älter, aber wenn es so etwas wie eine Meisterschaft im Leichenfleddern geben würde, hätten sich die beiden Autoren ebenfalls qualifiziert. Dass Herr Mett eine solche Tat „eher früher, im Januar Februar erwartet“ hätte, und dies mit „dem Zeitpunkt der eigentlichen Beschlußfassung vor der Tat“ zu „erklären“ versucht ist die übliche Überheblichkeitsrhetorik eines sich allwissend fühlenden Nachherdeuters ohne jegliches Schamgefühl.








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