Frau Treppner will die Dollarmillion …

12 11 2015

Ja, ich weiß. In den letzten Monaten war hier nicht allzu viel zu lesen, aber ich hatte einfach zu viel zu tun. Natürlich habe ich auch mehr als die 18 bisher hier erwähnten Prognosetexte/-seiten für die alljährliche Auswertung gesammelt, die ca. 50 weiteren Blogeinträge, Newsletter und Youtube-Videos waren nur so langweilig, dass ich mir lakonische Kommentare dazu verkniffen habe. Aber seit gestern gibt es etwas Interessantes, und da muss ich einfach kommentieren – und nicht nur weil ich dort auch erwähnt werde …

Es geht – nach langer Zeit ‚mal wieder – um Frau Treppner, eine Frau, die sich im Internet als große Kartenlegerin, Hellseherin und was-weiß-ich-noch zu inszenieren versucht. Legendär ihre fast schon wahnwitzigen Interviews im DAF (Deutsches Anleger Fernsehen), in denen man zum Beispiel erfahren konnte, dass sich Gold prostituiert. Für 2008 hatte sie sich selbst eine ganze Reihe von Treffern bei ihren DAX-Prognosen gut geschrieben, sogar für Monate für die sie gar keine Prognose abgegeben hatte. Jetzt aber will sie es wirklich wissen, denn sie will die Dollarmillion von der JREF (James Randi Educational Foundation) abkassieren, die bekanntlich für den Nachweis einer parawissenschaftlichen Fähigkeit ausgelobt ist. Mal schauen was die Dame dazu so schreibt

Sie behauptet sich schon einmal bei der JREF beworben zu haben und dann zur GWUP verwiesen worden zu sein:

Ich weiß nicht mehr genau wann, 2007 oder 2008, da hatte ich mich schon einmal beworben. So weit ich mich erinnere, war aber Hüter des Heiligen Grals die GWUP. Irgendwie konnte man sich über diese Vereinigung bewerben. Das tat ich.

Ich weiß ja nicht ob sie sich wirklich beworben hat, aber bei ihren mir bekannten „Prognosen“ dürfte sie durch jede Vorprüfung gefallen sein. Jetzt also der nächste Versuch:

Ich, nicht dumm,[…]

da masse ich mir kein Urteil an …

[…] hab mich dann direkt bei dem Verein „JREF“ (James Randi Educational Foundation) beworben. Mein Englisch ist etwas mühselig. Vielleicht hat man mein Anliegen damals nicht verstanden, auf jeden Fall gab es auch keine Antwort.

Könnte das daran liegen, dass die Kriterien für einen solchen Antrag nicht erfüllt wurden? Das erfordert nämlich nicht nur das Lesen eines englischen (!!!) Textes, sondern auch das Verstehen desselben.

Nach einigem Blabla über ihre tollen Prognosen im Rahmen irgendwelcher Fernsehaufnahmen (ich erinnere mich) – natürlich lag sie immer richtig, wurde allerdings herausgeschnitten – will sie sich nun dem ultimativen Test stellen. Zumindest behauptet sie das:

Nun ist die Zeit aber reif für eine weitere Offensive. Schließlich habe ich mir die Sporen mit der Börsen-Astrologie mehrfach verdient. Bis hin zur Wallstreet. Ok, ich bin auch nicht 100 %, aber die muss ich auch nicht unter Beweis stellen, sofern ich die Anforderungen richtig heraus lesen konnte.

Nein, sie braucht keine 100%, sie muss nur besser als der Zufall sein (was sie bei den mir bekannten Prognosen niemals war) …

Ich würde mich ja auch der GWUP stellen, aber 1. haben die keine Eier in der Hose und Angst vor mir und 2. würden dann Laien mir als Profi die Regeln diktieren. Der Ehre wegen und für den Freifahrtschein aller Astrologen würde ich es natürlich machen. Als Löwe mag ich auch Herausforderungen. Ich bin mindestens genauso blasiert wie die Buchhalter.

Angst? Vor Ihnen, Frau Treppner? Lächerlich! Und nein – bei solchen Tests werden keine Regeln einseitig diktiert. Man entwirft gemeinsam ein – wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes – Testprotokoll.

Ich bin ja neugierig,ob Frau Treppner nur labert oder sich tatsächlich bewirbt. Bei der GWUP hat sie zumindest schlecht recherchiert, denn ihr Halbsatz …

In Deutschland befasst sich mit dem paranormalen Belegen die GWUP (hier gibt es aber keinen Zaster)

… ist definitiv falsch. OK, man könnte offensiver darauf hinweisen, aber die 10.000 Euro sind noch da. Und wenn sie den GWUP-Test besteht, dann darf sie sich auch gerne für die Dollarmillion der JREF bewerben, denn das wäre eine Referenz an der die JREF nicht vorbei kommt. Und dass sie eine Referenz braucht, das hat sie immerhin herausgelesen:

wie man bei JREF lesen kann, gilt das übliche Bewerbungsverfahren nicht mehr. Ab sofort muss man Referenzen vorlegen (habe ich!!! – zig-fach!) …

Aber ob diese Referenzen als solche anerkannt werden? Da wäre ich doch skeptisch! Aber man braucht ja noch etwas:

… und mit einem Fernseh-Team kann man ab Anfang nächsten Jahres, sofern ich es richtig übersetzt habe, sofort geprüft werden.

Nein, Frau Treppner, das haben sie nicht so ganz richtig verstanden! Ein unabhängiges (!!) Fernsehteam alleine reicht nicht, denn, egal ob bei der GWUP oder der JREF, zunächst muss das Testprotokoll, also die Regeln, abgestimmt werden.

Ich will aber mal nicht so sein und erkläre hier kurz wie das geht – es ist nämlich gar nicht so schwer:

  1. Schreiben Sie auf was sie zu können glauben (z.B. mittels Astrologie die Kurse bestimmter Aktien oder Indizes voraussagen)
  2. Beschreiben Sie genau (und vorab), wann eine ihrer Prognosen als Treffer gilt und wann eben nicht (z.B. Der Wert einer Aktie XY/eines Index fällt/steigt im Zeitraum Z – das kann jeder von ihnen frei zu wählende Zeitraum sein; „fällt“ heißt Wert wird kleiner, „steigt“ heißt Wert wird größer im angegebenen Zeitraum, der zum Börsenbeginn in z.B. Frankfurt beginnt und mit dem Closing dortselbst endet)
  3. Es gilt die einfache Regel: „knapp daneben ist auch vorbei“! Wenn die Aktie/der Index ein paar Tage früher oder später steigt oder fällt, dann ist die Prognose nicht „fast richtig“ sondern einfach falsch!

Wieviele Treffer bei wie vielen Versuchen sie dann zum Bestehen des Tests benötigen würden, das kann ihnen ein Statistiker, möglicherweise auch ich, dann gerne sagen. Erst aber müssen Sie ihre Hausaufgaben machen – das Fernsehteam brauchen sie erst wenn das Protokoll mit GWUP oder JREF abgestimmt ist.





Wahnwitzprognosen: Neues von Iris Treppner

21 02 2011

Ich bin ja kein Fußballfan, aber Fußballprognosen nehme ich schon alleine deswegen immer wieder gerne in die Wahrsagercheck-Auswahl, weil dort häufig sehr leicht zu entscheiden ist, ob sie richtig oder falsch waren. Immer klappt das natürlich nicht, denn auch Astrologen und Hellseher flüchteten sich zum Beispiel bei der letzten WM eher in mit Konjunktiv angereicherte Allgemeinplätze a la „die Mannschaft könnte weit kommen“ (oder eben nicht), aber immerhin gibt es seit dem 6. Dezember 2010 eine exakte astrologische Prognose für den Ausgang der aktuellen Bundesligasaison. Das Interview mit der einschlägig bekannten Iris Treppner im Deutschen Anleger Fernsehen brachte so Wundersames zutage, dass sich sogar die im sonntäglichen WDR-Nachtprogramm laufende Fansendung Zeigler’s wunderbare Welt des Fußballs der Sache annahm und die offensichtliche Prozentrechnungslegasthenikerin zu weiteren Höhenflügen animierte, die sich in der Ankündigung der Sendung wie folgt lesen:

Woran liegt der Gladbacher Niedergang? Das weiß Arnd leider auch nicht so genau. Was er allerdings weiß, ist: Im Januar wird es noch einmal ein kurzes Aufbäumen geben, aber spätestens im April ist der dritte Abstieg der Bundesliga-Geschichte Realität. Verraten hat ihm das eine Expertin: die Astrologin Iris Treppner. Die verblüfft des weiteren mit wahnwitzigen Prognosen zu Schalke und Bayern. Vor allem letztere müssen sich richtig warm anziehen: Eine große Willkür steht ins Haus in München.

Was sie im Originalinterview des DAF gesagt hatte, kann man sich nochmal auf YouTube ansehenhören:

Dass Frau Treppner hier – nicht zum ersten Mal – als Börsenastrologin bezeichnet wird säht mehr als leise Zweifel an der Qualität der zuständigen Redaktion. Wenigstens rühmt sich der Sender selbst auf der Unternehmensseite lediglich seiner Quantität, weil er  „mit über 30 Redakteuren eine der größten TV-Börsenredaktionen in Deutschland beschäftigt„. Fachleute können es jedenfalls nicht gewesen sein, die freiwillig Frau Treppner’s Interview den Hörern präsentierten – dass sie vom Börsengeschehen keine Ahnung hat sondern lediglich sinnfrei umherschwafelt hat sie ja bereits am 19. August 2010 eindrucksvoll gezeigt (sie sagte damals: der Markt habe keine Energieen, man solle bis Ende des Jahres mit Investitionen im DAX warten – ok, bei 6075 lag der DAX am 19.8., am Jahresende waren es  6914 – wer dem Rat von Frau Treppner folgte hat also knappe 14 Prozentchen Wertsteigerung verpasst … … Astrologie ist wirklich ein teures Hobby …).

Dieses Mal übertrifft sie sich wirklich selbst. Nach einigem Geschwurbel über die VW-Aktie antwortet sie auf die Aussichten der Aktie des Bundesligaclubs Borussia Dortmund:

Also die Aktie selber können sie eigentlich vergessen (1:58)

Das ist eine Konkurskonstellation (2:20)

Nächstes Jahr ist der Spaß vorbei. Das ist natürlich möglicherweise auch ein Hinweis darauf, dass Borussia nicht Meister wird. (2:32)

OK, Dortmund wird nicht Meister! Ziemlich eindeutig! Aber jetzt beginnt der Wahnsinn erst richtig:

Würden die mit Artikeln aus der Sexbranche Geld verdienen wollen, damit hätten sie Erfolg! (2:48)

Sexy Trainer oder sexy Unterwäsche, damit hätten sie Erfolg. (3:03)

Was für ein Schwachsinn! Aber wem das noch nicht genug an Unsinn war, dem empfehle ich das  Zeiglerinterview – es beginnt ab so ca. 15:00 min. und bietet noch mehr astrologisch motivierten Unsinn – wie Zeigler richtig bemerkte: der reine Wahnwitz!





Lottogewinn, Blitzschlag und Wahrscheinlichkeiten: Frau Treppner verrechnet sich wieder

6 08 2010

Dass es Astrologen immer mal wieder mit Lottoprognosen irgend welcher Art probieren ist nichts Neues. Vollmundige Versprechungen sind dabei an der Tagesordnung und auch Iris Treppner – bekannt für falsche Prognosen (hier, da oder dort erwähnt) und schamlose Übertreibungen bei der Bewertung ihrer „Trefferquoten“ zum DAX oder zum Goldkurs – macht da keine Ausnahme.

Schon die Überschrift auf ihrer Lottoseite ist eine Frechheit:

Lottogewinn? Jetzt ganz sicher!

Ach nee, nicht schon wieder! Auch die „Methode“ ist nicht neu. Denn sie weiß natürlich, dass die Voraussage von Lottozahlen gar nicht funktioniert …

Nein, ich kann Ihnen nicht die richtigen Zahlen im Vorwege nennen,

… behauptet aber folgendes zu können:

aber ich kann Ihnen sagen, wann es sich für Sie lohnt Lotto zu spielen.

Nein, Frau Treppner! Das kann schlicht und einfach nicht funktionieren. Dies zu widerlegen, dazu genügt ein einfaches Gedankenexperiment: Nehmen wir einfach an, dass ab der nächsten Ziehung nur noch diejenigen Leute Lotto spielen, für die es sich nach dieser Analyse auch tatsächlich zu spielen lohnt – würde dann der deutsche Lottoblock mehr Geld an die Mitspieler ausschüttet als er an Spielbeiträgen einnimmt?

OK, dass Rechnen nicht die Stärke von Frau Treppner ist hat sie ja bereits gezeigt – und ein Wort wie „statistisch“ sollte sie am besten gar nicht verwenden, denn dann wird’s  vollkommen falsch:

Statistisch betrachtet werden wir nämlich eher sechsmal vom Blitz getroffen, denn einmal im Lotto zu gewinnen.

Was für ein Unsinn –  obwohl der Grund dafür für Laien nicht ganz so einfach zu verstehen ist. Aber wer das Wort „statistisch“ verwendet sollte schon ein wenig über Wahrscheinlichkeiten Bescheid wissen …

Die Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres ein einziges Mal vom Blitz getroffen zu werden wird hier auf ca. 1:20 Millionen geschätzt (es gibt auch andere Schätzungen), die eines Lottohauptgewinns (6er mit Superzahl) kann man pro abgegebenen Tipp berechnen und sie beträgt ungefähr 1:140 Millionen. Man wird also mit einer ca. 6 mal höheren Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres vom Blitz getroffen, als dass man mit irgendeinem einzelnen Lottotipp den Supergewinn holt. Schon dieser Vergleich ist wenig sinnvoll (welcher Lottospieler gibt schon ein Mal im Jahr einen einzigen Tipp ab?). Nun aber zum Blitz: Schon die Wahrscheinlichkeit das 2. Mal (innerhalb eines Jahres) vom Blitz getroffen zu werden setzt voraus, dass man zunächst ein erstes Mal (mit der oben angegebenen Wahrscheinlichkeit) getroffen wurde – es handelt sich also um eine bedingte Wahrscheinlichkeit. Da die beiden Blitzschlagereignisse unabhängig sind, muss man die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten multiplizieren … … und erhält so schon für den 2. Blitzschlag eine Wahrscheinlichkeit von 1:400 Billionen. Beim 6. Blitztreffer (binnen eines Jahres) wäre man nicht nur ein sensationeller Pechvogel, sondern hätte auch die Ehre, dass einem ein Ereignis zugestoßen wäre, dessen Wahrscheinlichkeit bei 1:64 Septillionen (nach der „Langen Leiter“) oder 1: (64*10⁴²) liegt. Wäre das die Gewinnwahrscheinlichkeit beim Lotto, dann hätten wir in Deutschland seit der ersten Ziehung im Oktober 1955 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch keinen einzigen Hauptgewinner zu verzeichnen. Dies entspräche nämlich in etwa einem Lottospiel bei dem man 6 aus 60 Millionen (ohne Superzahl) bzw. 6 aus 41 Millionen (mit Superzahl) tippen müsste.

Aber der Frau geht es ja wohl eher um andere Zahlen: 50 Euro kostet die völlig nutzlose Voraussage von vermeintlich lohnenden Zeiträumen zur Abgabe eines Tippscheins … … natürlich nur gegen Vorkasse und – selbstverständlich – ohne jede Garantie.





Dreiste Überteibungen – Frau Treppner und der DAX

8 02 2009

Über die Unfähigkeit der Hamburger Astrologin Iris Treppner den einfachen Wert von 100% zu berechnen hatte ich bereits vor einiger Zeit berichtet. Inzwischen hat sie auf ihrer Webseite eine ganze Liste fantastischer Trefferquoten zu ihren Börsenprognosen als Resumee für 2008 veröffentlicht und wagt es sogar, diese mit ihren Originalprognosen zu belegen. Dass sie ihre Quellen nennt und verlinkt ist durchaus lobenswert – andere Astrologen und Wahrsager behaupten ihre früheren Treffer in der Regel nur und sind bei der Lieferung von Belegen mehr als sparsam. In diesem Fall jedoch belegt dies nur Eines: Frau Treppner’s dreiste Suche nach Anerkennung als „Zukunftserkennerin“ – die weder vor falsch berechneten Prozentzahlen noch vor hanebüchenen Übetreibungen ihrer vermeintlichen Fähigkeiten zurück schreckt.Vielleicht liegt das ja daran, dass sie auf jeden Fall reich oder „mega-berühmt“ werden will: wie Elke vom Ratgeber-Blog berichtete ist es laut einem Interview aus dem Jahr 2006 ihr eigentliches Ziel in St. Moritz oder Kitzbühel Polo zu spielen …

Ich nehme jetzt einfach mal die DAX-Prognosen als Beispiel. Für diese hat sie sich eine Trefferquote von 83% bescheinigt und hat für jeden der 12 Monate bewertet, ob ihre Prognose richtig oder falsch war. Sie attestiert sich dabei 10 Treffer:

Treppner's Ergebnis

Treppner's Ergebnis

Eine Frechheit ist schon alleine die Bewertung von Juli und August: Frau Treppner hat keine Prognose abgegeben, attestiert sich aber jeweils einen Treffer? Hält die Frau ihre Leser für besonders doof? Aber schauen wir doch einfach in ihre Originalprognose, die sie in einem registrierungspflichtigen Börsenforum veröffentlicht hat. Sie antwortet dabei auf die Frage nach dem DAX-Stand Mitte 2008 wie folgt: Den Rest des Beitrags lesen »





Die Quellen zur Prognoserückschau 2011

14 12 2011

Wie in den letzten drei Jahren möchte ich hier die Quellen für die inzwischen veröffentlichte Prognoserückschau der GWUP veröffentlichen (hier der Link zur Pressemeldung) – wie üblich mit der ein oder anderen Anmerkung.

Zum Einstieg hatte ich dieses Mal die 2011 zwei Mal durch die Medien geisternde Weltuntergangsprognose von Harold Camping aufgegriffen. Zu diesem Thema gibt es mehr als genug Quellen, und mancher erinnert sich noch gerne an die im Mai kurzzeitig im Internet kursierenden Rapturebomb-Fotospäße.

Beispiele für die – üblichen – Katastrophenprognosen finden sich in Allgeiers Astrologisches Jahresbuch 2011 zu hauf. Im Internet gibt (oder gab) es die Seiten von

Das sind natürlich nicht die einzigen, aber ich habe dieses Jahr einfach gelost welche Katastrophenpropheten ich nennen werde …

Christa Heidecke’s Auslassungen zu Fukushima waren in ihrem Blog zu finden. Nachdem sie im „Horoskop der Katastrophe“ keine Hinweise auf die selbe finden konnte nahm sie einfach ein paar andere Horoskope – bis die Sterne zur Katastrophe passten. Lächerlicher geht’s kaum.

Das hanebüchene Gelaber von Frank Felber zur Voraussagbarkeit von Erdbeben (… und warum er selbst das nicht tut!) ist zu Beginn dieses Interviews (mit dem Deutschen Anleger Fernsehen) zu hören. Kritische Rückfragen der „Redakteurin“? Fehlanzeige!

Für die Promiprognosen habe ich

zitiert. Über Winfried Noé hatte ich bereits im April etwas geschrieben. Auch andere Skeptiker hatten sich des Themas angenommen und entsprechend kommentiert. Der – wenig erstaunliche – Westerwelle-Treffer war bei Aylin Bulanik zu lesen und sorgte bei Mona Stein für ein wenig Medienpräsenz. Die Zahl der politischen Kommentatoren die damals Ähnliches prophezeiten dürfte wesentlich höher sein.

Die  Suche nach einem Nachfolger des WM-Orakels Paul hatte ich während der FrauenFußballWM begleitet, dort gibt es auch Links zu einigen Originalseiten. Das Rugby-WM-Orakel „Sonny Wool“ hat eine eigene Webseite und ist sogar auf  facebook vertreten. Die Information über die Trefferquote fand sich bei Wikipedia.

Frau Treppners Fußballprognosen stammen aus zwei ihrer Interviews mit dem Deutschen Anleger Fernsehen (7.12.2010 und 13.9.2011) und der Sonntagnächtlichen Show „Zeigler’s wunderbare Welt des Fußballs“ (leider ist die  Sendung vom 12.12.2010nicht mehr online verfügbar). Beim DAF hat sie auch die inkriminierte Börsenprognose abgesondert (7.7.2011). Vorsicht! Diese Interviews sind keine Realsatire, die Frau meint das wirklich ernst!

Frank Felber äußerte sich ebenfalls in Interviews mit dem DAF. Der Mann kennt – im Gegensatz zu Frau Treppner – die börsenüblichen Fachtermini nicht nur, er scheint sie auch richtig anzuwenden. Die Terminierung der Spanienpleite findet sich zu Beginn dieses Interviews.  Die 8000er-Riesen-Rallye im DAX entstammt  diesem Interview vom 7.12.2010 und enthält dazu noch hemmungloses Astrogeschwurbel ohne jeden Sinn. Am 17. Oktober und 17. November dieses Jahres schwenkte er auf einen DAX-Einbruch ab dem 25. November um und nannte 4000 bis 4500 Punkte.

Am Ende noch eine Erwähnung von Palmblattleser Thomas Ritter. Seine Zeitreisenprognose für 2012 ist herzallerliebst. Nicht kommentieren möchte ich seine Prognose, dass bei öffentlichen Unruhen in Rom der Papst erst fliehen können und dann doch gemeuchelt werden soll. Wie war das doch bei Nikki Pezaro mit ihrer World Prediction Nr. 14? Für „The world’s first brain transplant“ ist Ritter auch ein guter Kandidat, denn in Punkto Intelligenz kann er damit nur gewinnen.





Drei Siege, drei Unentschieden und drei -ste Ausreden

12 09 2011

Es kommt ja selten vor, dass AstrologINNen sich zu halbwegs exakten Prognosen versteigen, aber heute ist es tatsächlich passiert. Iris Treppner, (laut Bild) blondbezopfte Oberschwurbelfee mit Prozentrechenschwäche und Fußballfaible (Mönchengladbach ist übrigens nicht abgestiegen, Frau Treppner!) durfte ‚mal wieder im Deutschen Anleger Fernsehen bei der einschlägig vorbelasteten Frau Thonak ein Interview geben.

Frau Treppner, die es auch bei der Atomkatastrophe von Fukushima schaffte sinnloses Fußballblabla unterzubringen, weiß es dieses Mal wirklich ganz genau:

… so wie es aussieht werden sie wohl am Dienstag gleich gegen Arsenal gewinnen … (0:22)

… insgesamt, im Verlauf der Vorrunde mit drei Siegen und drei Unentschieden (0:27)

So genau waren ihre Prognosen selten, aber was war mit ihrer Dezemberprognose? Da hatte sie ja aus den Sternen gelesen, dass Dortmund eben nicht Meister werden wird … … überraschenderweise wagt Frau Thonak dieses Mal eine wirklich kritische Frage:

C. Thonak: Sie hatten ‚mal angesprochen, dass Jürgen Klopp als Trainer nicht so richtig zu Dortmund passt. Hat sich das mittlerweile geändert?

Iris Treppner antwortet:

Also diese Erkenntnis hatte ich ja vor allen Dingen an der Aktie fest gemacht, und nicht am Verein, das ist Unterschied. Und der Verein und Jürgen Klopp haben zusammen eine Negativkonstellation, das hat sich nicht geändert. Ich hab‘ auch an der Aktie einen Erfolg oder Mißerfolg in der Meisterschaft zum Beispiel festgemacht, denn unlogischerweise ist der BVB Meister geworden und im gleichen Monat ist die Aktie des BVB nach unten gegangen. Diesen Zusammenhang habe ich nicht begriffen, und diesen Zusammenhang werde ich auch nie begreifen.

Ein Blick in den Chart der Aktie zeigt, dass Frau Treppner offensichtlich keine Ahnung hat. Die Aktie lag zwischen Ende 2008 und Ende 2010 immer so zwischen 1,00 und 1,20 Euro, jetzt aber bei über 2 Euro – und vorher gab es auch einiges an Bewegung (2006 lag der Kurs ebenfalls über 2 Euro). Der Standard-DAX-Anleger wäre über eine solche Performance wohl doch eher begeistert gewesen. Und wenn sie den Vergleich zwischen Jürgen Klopp und Verein nicht gemacht haben will (sagt sie bei 1:44), warum hat sie dann im Dezember vollmundig Schwachsinn herausposaunt? Damals gab sie sich recht sicher, aber bei Astrologen soind solch dreiste Ausreden durchaus üblich. Dann rät sie den Dortmundern noch, sich beim Verkauf von Fanartikeln am FC St. Pauli zu orientieren, insbesondere am „inoffiziellen Bereich“, den sie damals auch angesprochen haben will. Ob sie damit diese beiden Zitate aus dem Dezemberinterview meint?

Würden die mit Artikeln aus der Sexbranche Geld verdienen wollen, damit hätten sie Erfolg! (2:48)

Sexy Trainer oder sexy Unterwäsche, damit hätten sie Erfolg. (3:03)

Am Ende spekuliert Frau Treppner noch über den Jungstar Mario Götze und will genau wissen, dass dieser in 2 Jahren seinen Verein wechseln wird – bzw., sollte er das schon vorher tun, dann dann eben nochmal.

Der bekannte Spruch über den Herrn, der Hirn herunterwerfen soll, dürfte bei Frau Treppner schon lange sinnlos sein – ob es an den blonden Zöpfen liegt, dass sie gegen Denken immun scheint, darüber möchte ich nicht spekulieren. Das Deutsche Anleger Fernsehen möchte sich aber offensichtlich weiter mit solchen Schwachsinnsinterviews lächerlich machen …





Meine börsenastrologischen Lieblinge …

7 08 2011

… lagen angesichts der aktuellen Turbulenzen auf dem weltweiten Börsenparkett so weit daneben, dass man fast schon Mitleid kriegen könnte. So sieht zum Beispiel ganz aktuell die Auswertung des seit vielen Jahren laufenden „Experiments“ des Astrologen Karsten Kröncke aus, der für jeden Handelstag aus den Sternen vorab ermittelt ob der DAX steigen oder fallen wird (auf dem Link ganz unten auf EXPERIMENT Tagesprognosen für DAX klicken, der Rest ist ein lahmer Aufguss seiner alten Grobprognosen):

Immerhin gibt er ehrlich seine früheren Trefferquoten an  (das war nicht immer so), so dass sich die Leser ihren Teil denken können: Mit einem Münzwurf fährt man bei einem Prognoseexperiment dieser Art ebenso gut.

Bei Iris Treppner ist man Fehlprognosen ja gewohnt. Anfang Juli prophezeite sie einen 3-monatigen Aufwärtstrend für den DAX und sah den Index bei 8000 Punkten (… und den Dow Jones zum Jahresende bei 14000). OK, das kann ja theoretisch noch kommen – aber nachdem sie sich beim Erdbeben in Japan damit rausgeredet hat, dass sie das Beben vorher deswegen nicht gesehen hat, weil sie den NIKKEI nicht betrachtet, zieht eine solch fadenscheinige Ausrede jetzt nicht. Ob die Leute vom Deutschen Anleger Fernsehen jetzt endlich aufhören, dieser Dame regelmäßig Werbezeit einzuräumen?

Dank an Bernd Harder, der im GWUP-Blog auf die „Zürich-Axiome“ (“Die wahren Gesetze der Geldanlage”) von Max Gunther hinwies, die auch explizit einen Abschnitt zum Thema Übersinnliches beinhalten. Den dort zu findenden Sätzen zur Börsenastrologie ist eigentlich nichts hinzuzufügen:

Dazu meint das Traders Journal:

Gunthers sinnvoller Rat: Schauen Sie sich die ganzen Astrologen, Tarotkartenleger, Gurus etc. an – sind diese Leute reich? Oder jedenfalls deutlich wohlhabender als der Durchschnitt?

Natürlich nicht. Wenn es um Geld geht, tappen sie genauso im Dunkeln wie andere.

Die Verfechter der mystischen Lehren wissen natürlich immer wieder blendende Beispiele ihrer „Erfolge“ zu nennen, ohne die zahllosen Reinfälle zu erwähnen. Das beweist nichts, außer dass jeder mal richtig liegt.”





Noch mehr Leichenfledderer und ein Interview aus Absurdistan

5 04 2011

Angesichts der Katastrophe in Fukushima segeln auch einzelne Homöopathen auf der radioaktiven Angstwelle und versuchen sich mit ihren Angeboten für  „Mittel gegen Radioaktivität“ (sogar auf japanisch!)  die Taschen zu füllen. Bei Astrodicticum Simplex (mit weiteren Beispielen) und im GWUP-Blog wurden diese „Angebote“ schon entsprechend kommentiert. Die üblichen Erklärungsversuche der Astrologen, die im Nachhinein über ihre „Gestirnsstellungen“ herumschwurbeln sind zwar ebenso lächerlich, zocken aber nicht ganz so dreist wie die Anhänger des ultimativen Verdünnungswahns ab. Für all jene, die unter akutem Schwurbeldefizit leiden, es gibt eine ganze Reihe weiterer Beispiele …

Dabei darf auch der Astroletter des Allgeier-Verlags nicht hintan stehen, in dem es mittendrin ganz, ganz düster wird:

Die Erde wird auch aufbrechen im westlichen Teil von Amerika. Der obere Teil von Europa ändert sich in einem kurzen Augenblick. Land wird erscheinen vor der Ostküste von Amerika. Wenn das erste Aufbrechen in der Südsee erscheint, oder im Mittelmeerraum und der Ätna-Region, als Sinken und Aufsteigen von meist gegenüberliegendem Gleichen, wissen wir, es hat begonnen.

Dabei beziehen sich die Allgeiers allerdings nicht auf irgendwelche Sterne, sondern auf den bekannten Katastrophenpropheten Edgar Cayce. Dass übrigens auch als seriös geltende Medien auf den esoterischen Katastrophenzug aufspringen zu müssen glauben zeigte vor einigen Tagen sogar die Süddeutsche – zum Glück ist im GWUP-Blog eine passende Antwort zu lesen.

Auch um Japan ging es in diesem Interview im Deutschen Absurditäten Anleger Fernsehen. Die Interviewerin Christina Thonack hat sich in der Vergangenheit schon des Öfteren als völlig unkritische Stichwortgeberin für unsinniges Geblubber verschiedener Astrologen betätigt, und auch in diesem Fall lässt sie die einschlägig bekannte Iris Treppner minutenlang Sinnlosigkeiten absondern ohne auch nur eine einzige Aussage der Frau in Frage zu stellen. Ich habe mir erlaubt, mögliche Fragen und Anmerkungen in rot in dieses „Interview“ einzubauen. Frau Thonack’s Stichworte sind in schwarz, Frau Treppners Unsinn in blau:

Was sagen sie zu Japan, war die Katastrophe absehbar?

Nein, eigentlich nicht oder vielleicht doch!

Also wie jetzt? Hätte man es voraussehen können, oder nicht?

Also über den NIKKEI hätte man die Krisensituation vielleicht erkennen können, wenn man sich damit auseinandergesetzt hätte.

Standardausrede! Schon die derzeit von der Polizei gesuchte Patricia Bahrani hat des öfteren auf entsprechende Fragen mit der gleichen Ausrede geantwortet!

Ich hab’s persönlich jetzt nicht getan, weil meine Prognosen beim NIKKEI – wie soll ich jetzt sagen – weniger treffsicher waren …

Noch weniger treffsicher als der andere Mumpitz? Ist ja kaum möglich …

… deswegen habe ich den NIKKEI einfach rausgenommen. Allerdings wenn man jetzt die richtigen Daten gehabt hätte, dann hätte man einen Hinweis darauf haben können, dass es dort kriselt.

Es kriselt? Eine zynischere Umschreibung für die dortigen Katastrophen habe ich bisher kaum gelesen!

Einen einzigen Hinweis habe ich, das ist der Transit Neptun-Saturn, der ist zur Zeit aktiv und zwar bis 2013 noch und das ist eine Konkurskonstellation, aber die wirkt sich auf jeden anders aus.

Typisch astrologische Entscheidungsneurose: Eine Konkurskonstellation, die sich auf jeden anders auswirkt – wieso greift eigentlich die Interviewerin nicht ein?

Zum Beispiel van Gaal, der Trainer von Bayern München hat diese Konstellation auch …

Ja, ja – Frau Treppner möchte wohl lieber über Fußball salbadern, auch das ist nichts Neues … … aber was sie hier macht heißt auf Deutsch: Themaverfehlung! Aber so lange es die Interviewerin nicht merkt …

… und der verlässt zum Beispiel den Verein. Also es wirkt sich bei jedem anders aus und ich hätte jetzt nicht angenommen, dass es so heftig in Japan aussehen könnte.

Ja wie jetzt? Erst sagt sie, sie hätte nicht nachgeschaut, jetzt hat sie nicht angenommen, dass so etwas passieren könnte? Merkt Frau Thonack eigentlich irgendwann, dass Frau Treppner nur Müll redet?

Das heißt, die Schwierigkeiten können auch bis 2013 noch Nachwirkungen zeigen?

Nö, sie merkt es offensichtlich nicht! Wenigstens hätte sie fragen können, was denn jetzt van Gaal mit Japan zu tun haben soll und ob sie jetzt nachgeschaut habe oder eben nicht …

Ich hoffe, dass es nur bis 2013 geht. Ich hab‘ auch nicht das Originalhoroskop da ich nicht den Einstieg der Handelszeit habe des NIKKEI. Das ist alles spekulativ …

Danke! Also das war jetzt offen zugegebenes reines Raten! Warum bricht die Interviewerin das Ganze nicht einfach ab? Ihre Gesprächspartnerin hat doch offensichtlich keine Ahnung wovon sie redet!

… mir fehlen viele weitere Angaben um mich da festlegen zu können oder zu wollen. Ich hoffe, dass nur dieser Transit dafür sorgt, dass es eben zur Zeit schlecht aussieht in Japan und dass ein Ende 2013 in Sicht ist.

Äh, ein Ende von was? Aber ok, sie will sich ja nicht festlegen …

Übertragen wir das mal auf Deutschland. Wie wird denn der DAX sich nach den Problemen in Japan weiter entwickeln.

Wow! Ganz unerwartet schießt Frau Thonack eine konkrete Frage aus der Hüfte! Respekt! Das riecht ja fast schon nach dem Hauch einer Redaktionsassisstenzanwärterin …

Ich meine schon im letzten Jahr gesagt zu haben, ihnen gegenüber (ich glaub‘ es war im August) dass es jetzt im Februar/März turbulent zu geht.

Nöö! Im Augustinterview (mit der gleichen Interviewerin) hatte sie nichts dergleichen gesagt, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass es bis zum Jahresende eher „seitwärts“ weiter gehen sollte (falsch). Im Dezember laberte sie tatsächlich über März 2011 – es ging aber dabei gar nicht um den DAX, sondern um die  VW-Aktie.

Woher diese Einflüsse kommen, das war mir da auch nicht klar, jetzt wissen wir das! Aber ich glaube, insgesamt wird der DAX unbeeindruckt aus der Sache ‚rausgehen. Also natürlich geht’s jetzt mit ‚runter, keiner weiß jetzt wo’s hingeht, wo die Leute etwas anlegen sollen, aber es stellt sich hier schnell heraus, wo die Schwerpunkte sind.

Ja, man sieht wo die Schwerpunkte sind! Frau Treppner zeigt – zum wiederholten Mal – dass sie auch ohne jedes Wissen bereit ist völlig sinnfreien Schwachsinn in irgendwelche Mikrofone zu posaunen – wenn man sie denn lässt.

Wer sich auch noch den Rest antun will, der kann sich’s ja hier anhören





Prognoserückblick 2010: Die vollständige Quellenliste (mit 2 Updates)

15 12 2010

Der diesjährige Prognoserückblick ist veröffentlicht, und wie im letzten Jahr möchte ich hier die vollständige Quellenliste (und ein paar Anmerkungen) verfügbar machen.

Los gehts’s natürlich – fast schon traditionell – mit Nikki Pezaro’s Webseite deren Stand Ende 2009 ich hier gesichert habe.

Die WM-Prognosen fanden sich in der Printpresse …

  • Die Weltmeisterprognose von Sunil Kumar Das stand im Lokalteil Witten der WAZ (datiert auf den 1.1.2010)
  • Ramona Kreis wurde für die Ausgabe vom 29.12.2009 von der Augsburger Allgemeinen Zeitung interviewt
  • von Hans-Jürgen Butz (… und Luisa Franca, Ana Wäsler, Klaudia Braungart und Karin Biela) war in der Silvesterausgabe der tz München auf Seite 4 weitgehend nichtssagendes Blabla zu lesen
  • Astrid Fuhrmann’s Ratereien waren in der Thüringer Allgemeinen vom 31.12.09, Seite TCMZ131 zu lesen

… oder im Internet:

Zu Paul ein kleines Video, das natürlich verschweigt dass die SeaLife-Betreiber auch an anderen Standorten mit ähnlichen WM-Aktionen die Zuschauer in ihren Aqua-Zoo locken wollten: in München durften Seepferdchen ran, in Berlin Langusten und in Hannover Paul’s Artgenosse Armstrong. Vermutlich war das Ergebnis dieser Prognosen so schlecht, dass man sie der Öffentlichkeit lieber verschwieg. Übrigens gab es bereits 2006 ein Oktopusorakel (Benedikt und Angus) – dieses hatte jedoch den deutschen Kickern das Aus im Viertelfinale prophezeit und sich damit für weitere Aufgaben disqualifiziert. Weitere Prognosetiere hatte ich während der WM ja häufiger erwähnt: die blinde Schäferhündin Kobi aus dem Tierheim Weimar hatte immerhin 5 Treffer bei 6 Versuchen während sich das Tierorakel aus dem Chemnitzer Zoo als ziemlich unzuverlässig zeigte (1 Treffer bei 6 Versuchen).

Das „fast apokalyptische Jahr“ samt sinnfreiem Katstrophengeblubber von Christiane Durer ist ja wenigstens vom optischen Eindruck her durchaus noch als lesbar einzustufen, bei den noch drastischeren Schwarzsehereien von Roland Schank schmerzen die Augen angesichts seines unterirdischen Seitendesigns. Susanne Eder hat ein „Langzeitarchiv„, in dem sie ihren Katastrophenprognosen offensichtlich per Zufallsgenerator die ihrer Meinung nach passenden Ereignisse zuordnet. Hier mal die Screenshots zu den im Artikel erwähnten Themen:

Fast noch schöner war die folgende Trefferbezichtigung, die auf ihren Voraussagen für 2009 beruht:

Vorausgesagt hatte sie allerdings etwas ganz anderes:

Die Börsenprognosen habe ich aus Aussagen aus der Zeitung „Die Welt“ vom 3.1.2010, aus der Schweizer Finanzzeitschrift „Cash“ (datiert auf den 1.1.2010), einem Text auf heute.de, der leider nicht mehr online verfügbar ist und sich auch nicht nach WebCite überführen liess sowie einem Interview, das Henning Schäfer mit dem Deutschen Anleger Fernsehen führte (… und das ich am 14. August abgespeichert habe).

Der Rest findet sich dann wieder bei der oben erwähnten Nikki Pezaro.

Update 1: Der Mann heißt natürlich Roland Schank und nicht Schrank!

Update 2: Jetzt hatte ich doch glatt vergessen, meinen eigenen Prognosetreffer zu nennen und zu belegen! In einem Interview mit einem sehr netten Journalisten von der Zeitung Rheinpfalz, das am 3.Januar 2010 erschien, fand sich auch folgende Passage:

… und natürlich lag ich mit dieser Prognose vollkommen richtig! Den Beleg habe ich auf WebCite archiviert.





Astrologenschwurbel: Börse runter, Inflation schon oben

14 08 2010

Nachdem sowohl von der für gestern (Freitag der 13.) vorausgesagte Gnadenlose Auslöschung als auch von der seit letzter Woche laut einem Wiener Bibelschreiber drohenden Landung Außerirdischer oder dem von einer in Spanien lebenden deutschen Astrologin ermittelten „schlechtesten Horoskop seit 100 Jahren“ nichts zu spüren war, kann man sich wieder anderen Themen zuwenden.

In einem Interview mit dem DAF, dem „Deutschen Anleger Fernsehen“ hat ein Börsenastrologe 8 Minuten lang (eine Tonaufnahme habe ich auf meinem Rechner gesichert) vor sich hin geschwurbelt und ein paar durchaus prüfbare Prognosen hinterlassen. Dass die Interviewerin dem ganzen Schwurbel sehr unkritisch gegenüber stand ist bei einem Sender, der vor wenigen Minuten ein Interview mit dem aus der „Nachrichtenredaktion“ des Kopp-Verlags bekannten Michael Grandt und gleich darauf Werbung für ein „The Secret„-Sequel sendete, kaum zu erwarten – und so durfte Henning Schäfer Weisheiten von sich geben, die der Nachwelt erhalten bleiben sollten (ich habe mich bei den Teiltranskripten bemüht, dem Redefluß von Herrn Schäfer eine vernünftige Interpunktion angedeihen zu lassen). Zu Beginn wird er nach dem historischen Hintergrund der Börsenastrologie gefragt, seine Antwort beschäftigt sich jedoch wenig mit der Börse:

„Also, die Börsenastrologie ist eine 5000-jährige Erfahrungslehre, kann man sagen. Früher wurden eigentlich eher Sachen analysiert, wo wie Menschen. Die psychologische Astrologie ist eigentlich ein sehr junges Feld. Früher gab es zum Beispiel Astrologen an Höfen, bei Königen, da wurden zum Beispiel Städtegründungen berechnet, oder wann fange ich einen Krieg an, oder wann geht eine Handelskarawane auf den Weg. Das waren sehr wichtige Informationen damals in den – vor 2000 oder 1000 Jahren, und dafür hat man Astrologen gebraucht“

Nach einigen weiteren Beispielen erzählt Schäfer dann davon, dass er eine Art „Geburtsdatum“ der einzelnen Aktien nutzt und daraus – in Verbindung mit den aktuellen Gestirnsständen – seine so genannten „Kosmocharts“ erstellt:

„Das sind natürlich sehr zyklische Prozesse, die dann natürlich auch bewertet werden, und werden dann praktisch in Plus und Minus in einer Sinuskurve abgetragen und so entsteht ein Kosmochart.

OK, als Mathematiker kenn ich mich ja ein wenig mit Sinus, Plus und Minus aus – wie er damit auf sein Bildchen kommt ist jetzt zwar nicht erklärt, aber das macht ja nichts. Es geht ja um die daraus zu ziehenden Schlüsse:

Auf dem Kosmochart können sie sehen, dass der DAX jetzt noch ein bischen Potential hat, vielleicht noch bis 20. August, eventuell auch bis 20.9. noch. Das sind noch zwei wichtige markante Hochpunkte, die man sich vielleicht einmal merken soll, aber – was einfach sehr wichtig ist – dass einfach der Herbst nochmal sehr kritisch wird. Spätestens ab dem 20.9. vielleicht auch schon ab dem 21.8. soll man sehr achtsam sein und sollte dann einfach auch mal teure Kurse einfach verkaufen und dann vielleicht in den Herbst warten.

Ob der 20.9. jetzt einen markanten Hochpunkt bilden soll oder es doch schon ab dem 21.8 abwärts geht, das wäre für einen Anleger ja doch wichtig … … aber was solls, andere Börsenschwafler sind mit ihren Aussagen da ja ähnlich ungenau. Immerhin liefert Herrr Schäfer doch noch eine Zahl, denn nach dem Hinweis auf irgendeinen – nichtastrologischen – Vierjahreszyklus sieht er den DAX sich 10-15% nach unten bewegen. Genauer scheinen es die Sterne nicht sagen zu können, aber ich denke mal wenn der DAX im Dezember mindestens 5800 Punkte hat, dann lag er mit diesem Kosmochart daneben. Über seine Goldprognosen kann er sich ja mit Frau Treppner austauschen …

Mit der Weisheit der Binsen füllte auch Gerald Peraeus seinen aktuellen Newsletter – und traut sich dazu noch den Fachleuten der Bundesanstalt Statistik Österreich zu widersprechen. Diese haben nämlich für den Verbraucherpreisindex in der Alpenrepublik in den letzten Monaten nur geringe jährliche Steigerungsraten von höchstenfalls 2,0% ausgewiesen, Herr Peraeus jedoch weiß es viel besser und findet auch astrologische Begründungen:

Die Entwertung über die Notenpresse ist jener Teil, der bereits weitgehend
abgeschlossen ist. Die damit verbundene Inflationsgefahr steigt deutlich an und wird
mit dem Ingress von Neptun (Prinzip der Ent-Wertung) in die Fische bedeutend
werden; derzeit bleibt dieses neu gedruckte Geld weitgehend im Bankensektor. Dass es aber schon jetzt eine Inflation gibt, zeigen die Blicke auf die Einkaufsrechnungen. Schätzungsweise ist all das, was zum Leben wirklich benötigt wird (Wohnen, Essen, Trinken, Energie, medizinische Versorgung), gegenüber 2009 um knapp 10% teurer geworden.

10% Inflation? Aber Herr Peraeus weiß natürlich:

Dies entspricht keiner offiziellen Statistik, sondern meinen eigenen Aufzeichnungen über Rechnungen für Lebensmittel, Wohnung, Restaurantbesuche etc.

Nun gut, man kann natürlich über den Warenkorb, der solchen Inflationsberechnungen zu Grunde liegt, endlos diskutieren, aber die von ihm beispielhaft genannten – gesunkenen – Preise für Handy und Fernseher gehen insgesamt zu nicht einmal 0,5% in den Index ein, so dass sein Lamentieren bestenfalls ein Beleg dafür ist, dass er nicht so ganz verstanden hat wie das mit dem Verbraucherpreisindex funktioniert. Oder er hat im letzten Jahr einfach zu viel Geld ausgegeben – das wäre natürlich ein ganz einfacher Grund für seine bahnbrechende Inflationserkenntnis. Das kenne ich übrigens aus eigener Erfahrung: Vor 3 Jahren stiegen meine jährlichen Ausgaben auch um einen zweistelligen Prozentsatz – was natürlich nicht daran liegen konnte, dass wir uns erstmals einen Familien-Skiurlaub gönnten und außerdem ein Umzug samt Renovierung anstand …








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