Regierungswechsel in Deutschland, Revolution in Amerika und Wiesn oder Wasn Anschlag: Herr Ritter liest mal wieder aus Palmblättern

10 04 2016

Er hat es tatsächlich wieder gemacht, Thomas Ritter, selbst ernannter Palmblattdeuter und Besitzer eines beschädigten Kristallschädels, hat nach dem Ablauf seiner letzten Dreijahresprognose eine neue aufgelegt, gültig für die Jahre 2016 – 2018.  Klar, dass ich mir die Prognosen angesehen habe, denn in der Vergangenheit hatte er sich des öfteren sehr weit aus dem Fenster gelehnt und von Teroranschlägen in Frankfurt bis zur Ermordung des Papstes allen möglichen Quatsch vorhergesagt. Und auch für 2016 enttäuscht Herr Ritter nicht.

Irgendwie beginnt das Ganze aber etwas wirr, denn er wendet sich zunächst dem abgelaufenen Jahr zu:

Durch Wind, starken Regen und ungewöhnliche Wärme können ab September und Oktober 2015 alte, überwunden geglaubte, aber auch neue, und bislang in Europa unbekannte Krankheiten auftreten – es besteht die Tendenz zu einer seuchenartigen Ausbreitung dieser Leiden.

OK, das war wohl nichts. Also weiter:

Im Zusammenhang damit werden sich auch alte Weltbilder sowie Religionen bis zum Juni 2016 grundlegend verändern, und vielleicht sogar auflösen.

Was? Religionen lösen sich bis Juni dieses Jahres auf? Schön wär’s ja, dazu wird ein „friedliches Miteinander“ angekündigt – außer für die USA, denn dort …

[…] werden die Gläubigen auf alten Wahrheiten beharren. Dort kommt es zwischen August und September 2016 zu religiös motivierten bewaffneten Auseinandersetzungen.

Mitteleuropa hat es da besser, denn hier erwarten Ritters Palmblättchen bis Jahresende „große Veränderungen bei der Versorgung von Alten und Kranken […], die von vielen Betroffenen als gerecht angesehen werden.“ Damit sich niemand sicher fühlt wird dann gleich wieder diffus gewarnt:

Im Sommer jedoch ergeben sich insbesondere im Bereich der Wirtschaft und Politik in Europa ungeahnte Schwierigkeiten. Schwelende Konflikte brechen auf, und es wird viel diplomatischen Geschicks bedürfen, diese einigermaßen friedlich zu lösen.

Betroffen ist auch mal wieder die Finanzwelt, aber ganz schlimm soll es in „Amerika“ werden:

Vor allem in Amerika wird es jedoch wegen der eskalierenden sozialen Ungleichheit 2016 Unruhen geben. Die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung und die Wut gegen grassierende Korruption sind groß genug, um eine regelrechte Revolution auszulösen, die mehr ist als nur ein politischer Aufruhr.

Unklar ist, ob damit jetzt die USA gemeint ist oder andere Staaten. Egal, solche Prognosen hatte der Mann bisher jedes Jahr in seine Prophezeiungen eingebaut, das Szenario scheint ihn zu faszinieren. Das Thema Flüchtlinge kommt natürlich auch vor, und hier hat er eine sensationelle Prognose auf Lager:

Ein immer größeres Problem in Zentraleuropa sind die Flüchtlinge aus zahlreichen Ländern. Unter dem Druck der Situation gibt die amtierende Regierung ihre Amtsgeschäfte Mitte 2016 auf. 

Oha! Unsere Regierung gibt Mitte des Jahres auf? Wirklich? Da wette ich doch gerne dagegen …

So richtig schwarz sieht Herr Ritter wieder einmal für den Papst bzw. Rom:

Neben den zerstörerischen und verlustreichen Angriffen in Rom auf den Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche … 

… und auch für Süddeutschland, wobei nicht ganz klar ist, ob die Münchner Wiesn oder der Stuttgarter Wasn gemeint ist, wenn der Mann ein blutiges Attentat ankündigt:

… wird sich das blutigste Attentat im Herbst auf einem großen Fest im Süden Deutschlands ereignen. Durch Explosionen kommen dort viele Menschen zu Tode, noch mehr werden verletzt.

Es folgt noch eine kleine Wetterprognose, wobei ein Teil bereits jetzt offensichtlich falsch ist, denn der Winter ist jetzt, im April 2016, längst vorbei:

Auch das Wetter trägt zu den Problemen bei. Der Sommer 2015 kommt früh, es ist heiß trocken schon im Frühling. Der eigentliche Sommer dagegen zeigt sich nur mäßig warm, aber recht naß. Der Winter bleibt bis in den April 2016. Nur langsam wird es wärmer, der Sommer zeigt sich verregnet und führt an den großen europäischen Strömen wieder zu Überschwemmungen. Im Herbst 2016 toben viele schwere Stürme und verursachen fürchterliche Schäden.

Aha, Überschwemmungen und schwere Stürme – für die Stürme werden sogar betroffene Länder genannt:

Die Sturmfluten an den Küsten hinterlassen Chaos, Deutschland, Polen, Skandinavien und Holland stehen müssen hohe Kosten für den Wiederaufbau aufbringen.

Es bleibt also alles beim Alten. Herr Ritter behauptet irgendwelche Katastrophen aus alten Palmblättern herausgelesen zu haben und blamiert sich wieder einmal mit deren Veröffentlichung auf seiner Webseite. Immerhin dürfte die ein oder andere seiner Prognosen ihren Weg in die jährliche Prognoserückschau finden.

 

(Das ist die Nummer 15 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2016)





Esoterikurteil: Geld für verstorbene Unsterbliche muss zurückgezahlt werden!

12 12 2015

Gerichte müssen sich hierzulande manchmal mit etwas abwegigen Fällen befassen, insbesondere wenn es um Esoterik geht. Ein sehr schönes Urteil fällte der 14. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes (OLG) München in Augsburg am 10.12.2015: Ein selbst ernannter „spirituellen Meister“ muß 109.500,88 Euro – zuzüglich Zinsen – an ein Ehepaar aus dem bayrischen Bad Wörishofen zurückzahlen.

Die Pressemeldung des bayrischen Rundfunks zum Thema beschreibt das „Geschäftsmodell“ des Verurteilten mit folgendem schönen Satz:

Der Esoteriklehrer hatte seinen Meisterschülern versprochen, das Geld an bereits verstorbene Unsterbliche zu transferieren.

Verstorbene Unsterbliche? Herrlich! Wie das genau funktionerte kann man hier nachlesen:

Das Paar hatte zwischen Juli 2007 bis September 2013 jeden Monat zehn Prozent seines Einkommens einem Freund und gleichzeitig spirituellen Berater überwiesen […] Dieser hatte versprochen, das Geld an die „Unsterblichen“ weiterzuleiten. Dabei sollte es sich um verstorbene Persönlichkeiten handeln, mit denen der Berater real in Kontakt treten und das Geld überreichen könne. Das überlassene Geld sollten die „Unsterblichen“ dann zum Wohle der Menschheit einsetzen.

Für das betrogene Ehepaar war das dann wohl so etwas wie eine Spende für einen ihrer Meinung nach sehr guten Zweck. Dass sie dafür sogar Rechnungen bekamen in denen Leistungen wie „Marketing, Coaching, Beratung oder Suchmaschinenoptimierung“ ausgewiesen wurden störte das Paar offensichtlich jahrelang nicht. Vielleicht würden sie noch heute zahlen, wenn sich der Meister nicht mir seiner Partnerin verkracht hätte:

Als der Berater sich von seiner Partnerin trennte, blieb dies nicht ohne Folgen. Die Frau erschütterte den Glauben des Klägers und seiner Ehegattin. Sie teilte ihnen telefonisch im September 2013 mit, dass die regelmäßigen Zahlungen nicht den „Unsterblichen“ und damit dem Wohl der Menschheit, sondern lediglich ihrem Ex-Mann zugute gekommen seien.

Wie fies von der Ex-Partnerin den betrogenen Kunden einfach die Wahrheit zu sagen! Wie schrieb Marcus Hammerschmitt in seinem empfehlenswerten Büchlein „Instant Nirvana“:

Esoterik gibt Antworten auf die Frage „Was ist Wahrheit?“ und verzichtet dabei auf den notwendigen Umweg über die Realität.

 Auch der Senat des OLG war wohl sehr überrascht, dass der Kläger und seine Frau sich so weit von der Realität entfernt hatten:

Zwar ist dem Senat kaum nachvollziehbar, wie jemand daran glauben kann, dass eine physisch reale Geldübergabe an in Wirklichkeit lange verstorbene Persönlichkeiten erfolgt, auch wenn diese nach der Überzeugung des Klägers und seiner Ehefrau unsterblich waren. Nach Anhörung des Klägers als Partei und Einvernahme seiner Ehefrau als Zeugin ist der Senat aber überzeugt, dass diese hieran geglaubt haben.

„Selbst schuld!“ könnte man jetzt sagen – dieser Meinung war das Gericht jedoch glücklicherweise nicht:

Doch im Hinblick auf die Leichtgläubigkeit der Kläger zieht das Gericht eine interessante Parallele zu Fällen aus der realen Welt, die insbesondere nach der Bankenkrise mehrfach vor Gericht gelandet waren: „Andererseits ist der Beklagte aber als Lehrer und umfassender Berater des Klägers und seiner Ehefrau tätig geworden. Diese sind deswegen in dem Vertrauen auf die Richtigkeit der Angaben des Beklagten geschützt. Diese für Anlageberater entwickelte Rechtsprechung ist auch im vorliegenden Fall anzuwenden.“

Eine bemerkenswerte Urteilsbegründung! Wer seinen Kunden also mit esoterischem Schwachsinn das Geld aus der Tasche zieht haftet genauso wie ein Anlageberater der dies mit irgendwelchen Gewinnversprechen tut.

Man könnte dem bereits erwähnten Marcus Hammerschmitt fast schon prophetische Gaben unterstellen, denn er schrieb in „Instant Nirvana“ auch:

Esoterik ist psychischer Anlagebetrug.

Bleibt zu hoffen, dass in ähnlichen Fällen auch ähnlich geurteilt wird!





Neues von der vhs Mainz: Viel weniger Esoterik – Warum dann Astrologie, Feng Shui, Schüßler-Salze und Lebensenergiegequatsche?

27 06 2015

Irgendwie scheint das mit „meiner“ Volhshochschule eine Art „neverending story“ zu werden. Bereits 2010 hatte ich darauf hingewiesen, dass die Mainzer Volkshochschule einen Pendelkurs im Angebot hatte, in dem man lernen können sollte wie man die Verträglichkeit von Lebens- und Arzneimitteln „auspendelt“. Im Sommer 2013 hatte ich mir das damals aktuelle Programm der vhs Mainz vorgenommen und eine ganze Reihe zweifelhafter Angebote identifiziert, die dem Leitbild der vhs Mainz (Aufklärung!) vehement widersprachen. Nachdem ich im Juli 2014 noch einmal auf Esoterikkurse hingewiesen hatt kochte das Thema dann im September 2014 – ausgelöst durch einen offenen Brief des GWUP-Wissenschaftsrats – so richtig hoch. Die Lokalpresse und der SWR berichteten, die Opposition im Stadtparlament forderte eine Streichung des Pendel-Kurses und die mehr als lächerlichen Reaktion der vhs auf Facebook sorgte für weiteres Kopfschütteln. Auch der Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) griff das Thema im November noch einmal auf. Heute war ich in der Mainzer Innenstadt unterwegs und bin nun stolzer Besitzer eines druckfrischen Exemplar des neuen vhs-Programms – und ich war natürlich gespannt, ob die Leitung der vhs Mainz auf die Kritik reagiert hat.

Immerhin: Der Pendelkurs ist weg! Hier scheint die öffentliche Kritik Wirkung gezeigt zu haben! Auch die Kategorie „Esoterik“ ist verschwunden, denn statt früher “Neue Wege (Psychologie, Kommunikation, Astrologie, Esoterik)” heißt die Kategorie im Themenblock “Mensch und Gesellschaft” nun “Neue Wege (Psychologie, Kommunikation, Astrologie)”.

Aber es gibt Astrologiekurse! Diese unter „Neue Wege“ einzusortieren ist ja schon lächerlich genug, denn eigentlich müssten die vier Angebote (Kursnummern V12201, V12202, V12203, V12204) ja wohl eher unter „Alte Holzwege“ einsortiert werden. Esoterik bleibt es trotzdem, auch wenn das entsprechende Label in der Kategorisierung der vhs Mainz nicht mehr vorkommt. Die Kursleiterin ist natüüüüüürlich keine Wahrsagerin, sie schreibt über sich:

Wichtig ist mir klarzustellen, dass ich keine Wahrsagerin bin. Ihnen also auch keine Vorhersagen über eventuell eintretende konkrete Ereignisse oder Personen in Ihrem Leben geben möchte.

Und was macht sie dann?

Ich teile Ihnen lediglich die Themen mit, die für Sie in der nächsten Zeit anstehen und gebe Hinweise auf eventuell auftretende Hindernisse und Schwierigkeiten.

Und wo ist hier der Unterschied zur Wahrsagerei? Ich sehe keinen! Da hilft auch die folgende Distanzierung nichts:

Wahrsagerei halte ich im Zusammenhang mit Astrologie für unseriös und möchte mich ausdrücklich davon distanzieren.

Klar, unseriös sind immer die Anderen!

Und was gibt es sonst noch an esoterischen Angeboten? Natürlich Feng Shui! Drei von fünf Kursen in der Kategorie „Wohnen“ im Themengebiet „Haus und Garten“ drehen sich um dieses Thema und was …

Erfahren Sie, was Ihr Geburtselement ist, welche Eigenschaften Ihnen zugeordnet werden und wie Ihr Element mit dem vorherrschenden Jahreselement interagiert. (aus der Beschreibung von Kurs V72105: „Farben und Elemente im Feng-Shui)

… mit dem Thema „Wohnen“ zu tun hat dürfte sich halbwegs rational denkenden Menschen kaum erschliessen. Die Kursleiterin der Feng Shui Kurse ist übrigens von einem „Internationalen Feng Shui Institut“ mit Sitz in Bad Schwalbach ausgebildet worden – vermutlich an 6 Wochenenden, denn so lange dauert ein Beraterkurs dort. Für die Kursleiterin spricht natürlich auch, dass sie sich als Geistheilerin betätigt (PRANA healing) und von einer selbst ernannten „Heilerin und Medium“ als Lebens-Energie Therapeutin „ausgebildet“ wurde.

Immer noch angeboten wird auch ein Kurs zu den unsäglichen Schüßler-Salzen (die Beschreibung ist identisch mit der von 2013)  incl. „antlitzdiagnostischer Hinweise“ und mehrere Kurse in denen Heilpraktiker/innen über Gesundheitsthemen referieren dürfen. Warum versucht die vhs eigentlich nicht für Kurse zu Gesundheitsthemen Profis von der örtlichen Universität zu gewinnen?

Schließlich geht es in mindestens zwei Kursen um Feinstoffliches und Lebensenergiequatsch – auch das Begriffe, die ausschließlich von Esoterikern benutzt werden, und die jeglichen Sinngehalt entbehren! Muss man den Leuten wirklich für solch einen Käse Geld aus der Tasche leiern und den Schwachsinn noch mit vhs-Weihen adeln? Die jeweiligen Anbieter werben jedenfalls gerne stolz damit, dass sie einen vhs-Kurs halten dürfen, denn damit wird ja ihre Lehre quasi „offiziell“ akzeptiert – auch wenns der letzte Quatsch ist!

OK, der Anteil der Esoterikkurse an der vhs Mainz hat sich – auf den ersten Blick – doch ziemlich verringert, und das ist auch gut so. Auf fast 600 Seiten findet man überwiegend seriöse und gute Bildungsangebote für wirklich alle Menschen. Könnte man nicht auch noch den kleinen Rest des offensichtlichen Esoterikquatschs ersatzlos streichen? Als Mainzer würde ich mich wirklich sehr freuen, wenn ich auf „meine“ Volkshochschule wieder so richtig stolz sein könnte.





Kleines Rechenbeispiel zu esoterischen Gewinnmargen: Glaskügelchen für die Erde

13 04 2015

Ich gebe es ja zu, wenn ich Worte wie „Erdheilung“ oder gar „Erdheilritual“ lese, dann rollen meine Augen automatisch und in meine Nase glaube ich weihrauchgeschwängerte Novemberluft aufsteigen zu fühlen – und das hat einen ganz profanen Grund: Meine früheren Nachbarn! Diese hatten ihre Gartenhütte zum „Meditationszentrum“ erklärt und dort bisweilen Erdheilrituale durchgeführt … … ich weiß ja nicht was die dort, keine 10m von meinem Balkon entfernt, getrieben haben, auf jeden Fall war immer eine riesige Portion Weihrauch dabei. Den Novemberabend, an dem ich von einer Dienstreise zurück kommend, in unsere Straße einbog und mir in dem neblig-feuchten, weihrauchgeschwängerten Dunst ein Marder mitten auf der Straße entgegen wankte werde ich wohl nie vergessen. Die damalige Webseite ist sogar noch irgendwie auffindbar, aber da das mit dem Meditationszentrum längst passé zu sein scheint möchte ich mich doch anderen, womöglich wesentlich erfolgreicheren „Erdheilern“ zuwenden. Über den „Erfolg“ bei irgendwelcher Heilung kann ich natürlich nichts sagen, aber zumindest hätten diese Anbieter finanziellen Erfolg, wenn sie denn genug Dumme Kunden finden …

Es geht um eine Firma, die gutgläubigen und wohlmeindenden Erdenfreunden folgendes verkauft:

glasnuggets01Eine „unvergleichlich erschwingliche Möglichkeit der Erde zu helfen“ soll es also sein, wenn man sich diese Glasnuggets zulegt. „Erdheilung so einfach wie noch nie – leicht bezahlbar, diebstahlsicher und umweltneutral.“  posaunt die Werbebotschaft hinaus und bezeichnet diese Wunderdinger als „Reinigend – harmonisierend – aufbauend„. Und weiter mit der Werbebotschaft:glasnuggets02Die Wirkungen klingen geradezu atemberaubend:

  • fördert das biologische, kristalline und feinstoffliche Leben,
  • wirkt sowohl im Wasser wie im Boden und in der Luft,
  • verbindet sich harmonisch mit anderen, harmonisch wirkenden Hilfsmitteln bzw. Feldern,
  • vererbender Effekt im Wasser, was besonders in stehenden Gewässern den Einsatz relativ weniger  Glasnuggets notwendig macht und Flüssen eine permanente Zone der Erneuerung schenkt, aus der sich heilendes Wasser mit der Strömung weiter fließt – somit werden auch physisch unzugängliche Zonen energetisch zugänglich gemacht.
  • Einige mut- und/oder messbare Parameter: ph-Wert, Schwermetalle, Sauerstoffgehalt, Radioaktivität, Boviseinheiten, Informationsstruktur. Bitte teilen Sie uns, wenn Sie die Möglichkeiten zur Messung haben, Ihre Ergebnisse mit!
  • Blockierte Lebensenergie fließt wieder – kann zur „Entstörung“ der lebensstörenden Effekte durch Radar, Mikrowellen-Funktürmen, Elfwellen u.s.w. eingesetzt werden.

Klasse, was diese kleinen Dinger (laut Beschreibung so genannte „Muggelsteine“ mit einer Größe von 17-20 mm) so alles können sollen! Ein wenig blöd ist ja, dass die „mut- und/oder messbaren Parameter“ nur aufgelistet werden und man die Ergebnisse selbst mitteilen soll. Und wenn sich jetzt die Schwermetalle durch die Glasteilchen erhöhen, die Radioaktivität zunimmt oder der Sauerstoffgehalt im Gartenteich sinkt? Immerhin wird das mit den Boviseinheiten ganz bestimmt funktionieren, denn Hirngespinste sind bekanntlich realitätsresistent. Aber wie und wo (warum fragt man natürlich nicht!) wendet man diese Dinger denn nun an? Dazu gibt die Webseite eine etwas eigenartige Antwort:

Fühlige Menschen spüren schnell, wie Energie und Harmonie, Freude und Leben in ein vormals belastetes und wenig lebendiges Gebiet schnell zurückkehrt. Der beschenkte Bereich bekommt seine natürliche Kraft zurück, Naturwesen finden sich ein, die Wasserqualität verbessert sich im Ganzen durch bessere Selbstregulierung u.v.m. kann beobachtet werden. Berichten Sie uns!

Man soll das Ganze also erspüren? Und wenn’s nicht klappt hat man falsch erspürt? Und was macht man jetzt eigentlich genau mit den Glasdingern? Schauen wir mal unter „Anwendung“ nach:

 Geeignet für das Ausbringen im Boden, in alle Arten von Gewässern – fließende und stehende, natürliche wie künstliche, von Kleinstgewässern bis zum offenen Meer – sowie praktisch an allen sinnvollen Orten. Kann leicht versteckt werden und somit auch an Orten platzierbar, die anderen Hilfsmittel nicht zugänglich sind oder wo sie schnell entfernt werden würden.

 Aha, man soll das Zeugs also irgendwo auslegen oder ins Wasser werfen … … weiter:

einige Glasnuggets in einem Elementewirbel platziert, verstärkt dessen Wirkung und verbindet sehr harmonisch mit anderen Hilfsmitteln und Naturwesen,

Was ist ein „Elementewirbel“? Was sind „Naturwesen“ und können die auch beißen (erst am Wochenende hat mich ein geflügeltes Naturwesen überfallen und gestochen – Premiere 2015!)?

Wasser: wirken bei jedem ph-Wert, soweit dies innerhalb der natürlichen Ordnung sinnvoll ist.

Ja, ok – aber wie wirken denn die Dinger??????

Wirkung beginnt sofort sich aufzubauen, Beobachtungen je nach Bereichsgröße ab einigen Tagen bis Wochen mit Ausgangzustand vergleichen.

Welche Wirkung?????

Irgendwie scheinen die Anbieter weder zu wissen, wie ihre Glasdinger wirken, noch wo oder wie man sie verwenden soll. Irgendwie soll man also diese Glasdinger kaufen – für 1,75 Euro pro Stück – und dann irgendetwas damit machen (… und nachschauen was dann passiert). Tolles Produkt, aber nur für den Verkäufer, denn man kann die gleichen Teile auch woanders kaufen … … aber zu ganz anderen Preisen. Hier kosten 10 Stück 0,99 Euro, dort 55 Stück 2,99 Euro (und 220 wegen Mengenrabatt 9,98 Euro). Über die Möglichkeit, solche Glasdingens im 10 kg – Gebinde für 35- 60 Euro zu kaufen möchte ich gar nicht nachdenken.

Gehen wir von der teuersten Version des Einkaufspreises aus, dann kostet ein Glasdingens gerade mal 10 Cent, mit Mengenrabatt wahrscheinlich weniger als 5 Cent. Verkauft wird das Ganze dann für 1,75 Euro pro Stück, also fast dem 20-fachen (oder 35-fachen) des Einkaufspreises. Der Begriff „Raubtierkapitalismus“ dürfte bei den Käufern dieser Erdheildingens eher unbeliebt sein, aber eine solche Gewinnmarge ist ja schon irgendwie … (nein, das sage ich jetzt nicht).

Was stand nochmal in der Werbung? Ach ja: „extrem preiswert“ …





Meine Volkshochschule (vhs Mainz) ist nur noch peinlich …

9 09 2014

Mein Versuch die Lokalpresse (AZ Mainz) über die Lächerlichkeit einiger Kurse „meiner“ Volkshochschule zu informieren war leider nicht erfolgreich, aber inzwischen gab es in der Folge eines offenen Briefs auf dem gwup-Blog ein ganz kleines Shitstörmchen auf der facebook-Seite der vhs Mainz, das nach einer versuchten Erklärung der vhs ein klein wenig angeschwollen ist. Der von der vhs eingestellte Text ist aber auch wirklich so was von peinlich …

Noch mal kurz um was es eigentlich geht: Die vhs Mainz bietet unter anderem einen Kurs namens „Pendelpraxis I“ an, in dem die Kunden – gegen Zahlung einer Kursgebühr – lernen sollen „Lebensmittel, Medikamente, Kosmetika und mehr auf Verträglichkeit und biologische Qualität zu testen„.  Dies ist entweder (höchst unwahrscheinlich) eine wissenschaftliche Weltsensation oder (ziemlich sicher bis zum Beweis des Gegenteils!) der übliche esoterische Schwachsinn, der bisher noch bei jedem ordentlichen Test versagt hat. Der Kurs kann also nicht leisten was er verspricht und ist daher eine Mogelpackung, ja man könnte sogar von Betrug an den Kunden reden – oder würde man sich nicht betrogen fühlen wenn z. B. in einem Sprachkurs Englisch die Kursleitung dieser Sprache gar nicht möchtig wäre? Hinzu kommt, dass es ja noch mehr hanebüchene Kursangebote gibt, aber dazu später noch mehr.

Es beginnt mit einer schon ‚mal etwas eigenartigen Überschrift:

Ein Wort in eigener Sache 

Und dann beschwert sich die vhs darüber, dass einzelne Leute die Seite der vhs wegen des angebotenen Pendelkurses negativ bewertet haben und weist darauf hin, dass dies nur wegen diesem Kurs erfolgte. Nun ja, es ist ja auch eine Beleidigung für den Intellekt wenn eine öffentliche Bildungseinrichtung esoterischen Unsinn anbietet statt – gemäß dem eigenen Leitbild – die Menschen aufzuklären. Dann versucht die vhs  irgend etwas zu erklären, aber was eigentlich? Auf das Thema der Kritik selbst wird jedenfalls kaum eingegangen, dafür wird ein wenig mit Zahlen jogliert – ich habe mit erlaubt den Text Satz für Satze und auch die Rechnerei zu kommentieren (in rot):

Volkshochschulen stehen allen Menschen offen. Richtig, aber was hat das mit der Kritik zutun?

Sie trennen nicht, sondern sie verbinden. Blabla!

Sie teilen nicht auf, weder nach sozialer Herkunft noch nach akademischer und nicht akademischer Ausbildung. Noch mehr Blabla!

Sie sind Orte der Offenheit und Toleranz und bieten damit auch Menschen mit unterschiedlichen und gegensätzlichen Auffassungen die Möglichkeit, individuelle Bildungsbedürfnisse zu befriedigen. Seit wann hat Bildung etwas mit gegensätzlichen Auffassungen zu tun? Soll eine vhs auch die „Bildungsbedürfnisse“ von Kreationisten, Anhängern der Hohlwelttheorie oder gar Holocaustleugnern befriedigen? Besonders bei Letzterem würde jede vhs – zurecht – wohl Probleme bekommen, obwohl dies ja auch nach Meinung der Vertreter dieses Wahnsinns „nur“ eine gegensächliche Auffassung von Geschichte ist!

Volkshochschulen sind damit ein Abbild unserer pluralen Gesellschaft, und das ist auch gut so. Noch immer keine Antwort auf die konkrete Kritik!

Die Teilnahme an Veranstaltungen der Volkshochschule basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Was für eine Binsenweisheit!

Niemand wird gezwungen gegen seinen Willen eine bestimmte Veranstaltung zu besuchen. Natürlich nicht!

Erwachsene entscheiden selbst, welche Themen sie interessieren und sind daher engagiert bei der Sache. Was hat das jetzt mit dem Pendelkurs zu tun?

Und auch das ist gut so. Zu oft bei dem scheidenden Berliner Bürgermeister zugehört?

Manchmal hilft auch ein Blick auf Zahlen, um eine vermeintliches Problem angemessen zu bewerten. Na dann her mit den Zahlen!

Die Volkshochschule Mainz hat im vergangenen Jahr 74042 Unterrichtsstunden durchgeführt. Der – einzige – Pendelkurs umfasst 9 Unterrichtsstunden. Dies entspricht einem Anteil von 0,12 Promille. OK, in soweit richtig gerechnet.

Selbst wenn man alle Veranstaltungen, die im Übrigen auch unter der Überschrift „Esoterik“ angeboten werden, zusammennimmt, ergibt dies 77 Unterrichtsstunden. Als ob es eine Rechtfertigung ist wenn man zugibt nicht nur ausnahmsweise einmal sondern sogar mehrfach esoterischen Unsinn angeboten zu haben. Dass die Überschrift stimmt macht das Ganze nicht besser.

Dies entspricht einem Anteil von 1 Promille, d. h. von 1000 durchgeführten Unterrichtsstunden entfällt 1 Unterrichtsstunde auf den Bereich Esoterik. Ja, und das ist genau die eine pro Tausend Stunden zuviel, denn damit wird nicht aufgeklärt sondern – wie mehrere Kommentatoren zurecht anmerkten – Volksverdummung betrieben.

Schließlich – auch durch dauerhaftes Wiederholen wird aus einer Unwahrheit keine Wahrheit. Ein wahrer Satz! Und aus esoterischen Hirngespinsten wird auch an einer vhs keine Bildung!

Die Behauptung, hier würden Steuergelder eingesetzt, ist schlicht falsch. Na ja, immerhin zahlt die vhs keine Steuern – alleine dadurch ergibt sich eine Art Bezuschussung.

An dieser Stelle können und sollen nicht die komplizierten und nach Bundesland unterschiedlichen Bezuschussungen in der Weiterbildung dargelegt werden. Nein, müssen sie auch nicht! Aber immerhin geben sie zu, dass es bisweilen Bezuschussungen gibt. Für das Thema Pendel- und andere Esoterikkurse ist dies allerdings unerheblich.

Nur – wer solche Behauptungen aufstellt, sollte sich, an den eigenen wissenschaftlichen Ansprüchen gemessen, vorher sachkundig machen. Und das war alles? Am Ende statt dem Versuch einer Argumentation ein billiges Ablenkungsmanöver – traurig, dass „meine“ (ich habe mehrere Kurse dort besucht) vhs sich so lächerlich macht.

Die Kommentare auf dieses Armutszeugnis in „beleidigter Leberwurst“- Stimmung waren eindeutig – ein paar Beispiele:

Die Verträglichkeit von Lebensmitteln durch Pendeln zu ermitteln oder gar zu verbessern, dürfte wohl unstreitig „Humbug“ sein und nicht wissenschaftlich aufgeklärt. Bei der In Anspruch genommenen Neutralität verbietet es sich, solch einen unwissenschatlichen Kram anzubieten. Ich finde, dass sich die VHS, die auf welchem Weg auch immer staatliche Vorteile in Anspruch nimmt, zum Mittäter einer Täuschung gegenüber den Kursteilnehmern macht und damit einen Schaden sowohl finanziell herbeiführt (Kursgebühr und Verschwendung öffentlicher Förderung) als auch moralisch (Förderung von Humbug, Täuschung der Teilnehmer).

Wie ärmlich. Auf den berechtigten Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit, ja sogar aktiver Volksverdummung reagiert die VHS Mainz mit einem Belehrungspamphlet in ablenkendem, altväterlichem Politikerduktus. 

Wenn ich im letzten Jahr 9 schwere Körperverletzungen begangen habe und insgesamt 77 Gewalttaten, wird das dann dadurch entschuldigt, das ich 73.965 Menschen, denen ich in Fußgängerzonen und im Straßenverkehr begegnet bin, nichts angetan habe? Nichts anderes ist die Argumentation hier. Für eine Bildungseinrichtung ungeeigneter Unsinn bleibt für eine Bildungseinrichtung ungeeigneter Unsinn, egal wie sinnvoll der Rest ist.

Und ein weiterer Kommentator hatte noch folgende Bitte:

Liebe(r) Verfasser(in) des obigen Textes, ich bitte Sie, den Anteil Ihres esoterischen Angebots am Gesamtprogramm noch einmal zu berechnen, diesmal inklusive wirklich aller esoterischer und pseudowissenschaftlicher Inhalte; ich und viele weitere hier helfen gerne.

Na klar helfen wir, also ich zum Beispiel. Ich habe mir das aktuelle Kursprogramm nochmal durchgeschaut und folgende eindeutig esoterischen Kursangebote gefunden:

U12301 Pendelpraxis I 9
U12302 Mit der Wünschelrute unterwegs 12
U12303 Jahresabschiedsritual 2,67
U12304 Tarot – die Grundlagen des Kartenlegens 16
U12305 Tarot, ein Weg zur Persönlichkeitsentwicklung 20
U12306 Tarot, ein Weg zur Persönlichkeitsentwicklung Workshop 4
U12201 Astrologie Basics 16

Das sind jetzt 79,67 Stunden – aber damit sind wir noch nicht am Ende, denn auch in anderen Kursbereichen lauert Esoterik satt. Nehmen wir zum Beispiel Schüßlersalze, zwei weitere Kurse in der völlig unkritisch (Aufklärung???) mit esoterischen Heilungsversprechen die Kunden verdummt werden:

U82101 Schüßler-Salze 4,3
U82100 Schüßler-Salze 4,3

So richtig lächerlich wird es wenn man in Kursbeschreibungen hanebüchenen Nonsens wie den folgenden liest:

Die Probleme einer adäquaten Ernährung werden aus feinstofflicher Betrachtung besprochen: Über die Nahrung haben wir mit feinstofflichen Wirkungen zu tun, die uns belasten oder beleben.

Durch die feinstoffliche Betrachtung kann verstanden werden, was in diesen Situationen geschieht.

… setzt genau in diesem scheinbaren Nichts – nämlich in den feinstofflichen Ebenen – an.

Diese Zitate stammen aus den folgenden Kursbeschreibungen:

U82106 Hilfe, wer zieht mir Energie ab? Hintergründe und Tipps 2
U82107 Hilfe, wer zieht mir Energie ab? Hintergründe und Tipps 4,3
U82108 Anspannung, Ängste, innere Unruhe – woher kommen sie, wie lösen sie sich? 2
U82109 Anspannung, Ängste, innere Unruhe – woher kommen sie, wie lösen sie sich? 4,3
U82118 Nahrung – die Basis unserer Lebensfreude, Essen wir mehr als wir sehen? 2
U82119 Nahrung – die Basis unserer Lebensfreude, Essen wir mehr als wir sehen? 4,3

… und wenn das keine Esoterik ist, was soll das bitte sonst sein? Aber es gibt noch mehr:

U72100 Feng-Shui – Basics 6,6
U24103 Gesünder wohnen – Erdstrahlen und Elektrosmog 4
U81734 Handreflexzonen-Therapie 4
U81735 Handreflexzonen-Therapie 4

Dabei sind weitere Kurse aus verschiedenen Themenbereichen, die von Heilpraktikern (!!!) gehalten werden (vielleicht sollte sich ‚mal ein Psychologe das diesbezügliche Angebot der vhs Mainz ansehen …), ebenso wenig berücksichtigt wie einige Kurse zur traditionellen chinesischen „Medizin“ . Immerhin haben wir jetzt schon

125,77 Esoterikstunden

und das sind wahrscheinlich noch lange nicht alle.

Ich versuche das jetzt ‚mal auf der Seite der vhs Mainz zu verlinken – vielleicht gibt es ja noch eine Reaktion ….





Mail an eine Astrologin …

15 01 2014

Nachdem ich vorgestern Abend meine Gedanken zu zwei Texten einer Astrologin veröffentlicht hatte erhielt ich gestern mittag eine Mail von ihr mit dem Betreff „Ihr Negativbeitrag über mich“. Da ich gehört habe, dass man privat zugesandte Mails nicht unbedingt veröffentlichen sollte verzichte ich darauf dies hier zu tun – aber meine Antwort darauf darf natürlich jeder lesen:

Sehr geehrte Astrologin
Vielen Dank für ihre Nachricht.
Zunächst einmal habe ich keinen Negativbeitrag über sie persönlich geschrieben, sondern mir lediglich erlaubt ihren Fernsehauftritt und ihre veröffentlichten Texte zu kommentieren. Über ihre Person habe ich mich außerhalb dieses Zusammenhangs nicht geäußert und ich habe auch keinen Grund dies zu tun.
Sie irren wenn sie glauben, ich würde die Astrologie hassen. Ich nehme sie nur nicht ernst und das hat eine ganze Reihe von Gründen. Alleine von „der Astrologie“ zu sprechen verbietet sich wenn man die Vielfalt der verschiedenen und sich teilweise vehement widersprechenden astrologischen Schulen betrachtet. Neben der Tatsache, dass die Behauptungen der Astrologie, man könne auf irgendeine objektive Art einen Zusammenhang zwischen Gestirnsständen und dem Leben auf der Erde feststellen (wenn man von den bekannten, aber für die Astrologie völlig irrelevanten, Einflüssen von Sonne und Mond absieht), den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen vollkommen widerspricht, ist es insbesondere die Tatsache, dass alle objektiven Überprüfungen astrologischer Behauptungen keinerlei für irgendeine astrologische Schule sprechende Ergebnisse zeigen konnten.
 
Und ich gebe zu, ich amüsiere mich über diese schwammigen, teilweise schwülstigen Formulierungen, die man in solchen Texten findet. Die Benutzung bedeutungsvoll klingender Vokabeln, die beim näheren Hinsehen keinerlei konkret fasslichen Inhalt haben, finde ich amüsant – und genau deshalb habe ich ihren Text auch in dieser Weise kritisiert.
 
Natürlich darf jeder Mensch glauben was er oder sie will. Und wenn sie tatsächlich – wie in der von Ihnen bevorzugten astrologischen Schule beschrieben – glauben, dass die Sternzeichen eine Art „genetische Grunddisposition“ des Menschen darstellen, dann dürfen sie das gerne tun. Mit der Realität hat dieser offensichtliche Unsinn allerdings nichts zu tun – es sei denn Ihre astrologische Schule verwendet den Begriff „genetisch“ in einem völlig anderen Sinne als er normalerweise gebräuchlich ist. Ich habe übrigens in meinem Blogbeitrag kein Wort über die von Ihnen favorisierte Astrologieschule verloren, obwohl ich heute nicht zum ersten Mal auf der entsprechenden Internetseite war, verstehe also gar nicht warum sie diese in der Mail an mich so ausführlich erwähnen und diverse Links mitschicken (nicht einer davon war für mich neu).
Widersprechen muss ich ihnen allerdings, wenn sie schreiben, ihre „Arbeit“ hätte mit Wahrsagerei etc. nichts zu tun. Was sie in den von mir besprochenen Texten machen ist nichts anderes als das Stellen von Zukunftsprognosen – und genau solche, esoterisch motivierte Zukunfstprognosen sammele und bespreche ich in meinem Blog. Ihr Text ist da keine Ausnahme sondern eine Prognose von vielen. Dass sie sich so vehement von „Wahrsagerei“ abgrenzen ändert nichts daran, dass sie mit diesem Text genau das getan haben. Dass sie keine Ereignisse voraussagen ändert daran ebenfalls nichts, das machen die meisten Wahrsager, Hellseher und Astrologen nämlich auch nicht. Und mit der verbalen Abgrenzung von der Wahrsagerei ist es sowieso nicht so weit her, denn die von ihnen verwendete Methode behauptet ja selbst folgendes leisten zu können („Alterspunktmethode“):
Der Alterspunkt (AP) beschreibt in einem Sechsjahres-Rhythmus den zyklischen Lebenslauf durch die zwölf Häuser. Er zeigt keine Ereignisse an, sondern die subjektiven Erfahrungen und eignet sich deshalb nicht zur Zukunftsvorhersage.
Der Satz widerspricht sich selbst, denn die „Anzeige“ „subjektiver Erfahrungen“ aus dem Horoskop ist eine Zukunftsvorhersage – sogar eine sehr konkrete! Was sonst? Wobei mich außerdem interessierten würde wie man auf diesen Sechsjahres-Rhythmus gekommen ist. Wie ist dieser begründet, wo sind die diesen Rhythmus belegenden Daten? Was hat dieser „Rhythmus“ – zum Beispiel – mit den anthroposophischen Jahrsiebten zu tun? Oder lehnen sie die Lehren des Oberanthroposophen Rudolf Steiner ab, weil er sich um ein Jahr verrechnet hat?

Außerdem bieten Sie auf ihrer Webseite „Kinderhoroskope“ an, schreiben Sie da nichts über die vermeintliche Zukunft des Kindes? Ist das dann keine Wahrsagerei, wenn sie irgendwelche Behauptungen über die Zukunft eines ihnen völlig unbekannten Menschen beschreiben? Meines Erachtens schon – es sei denn sie könnten das „Funktionieren“ ihrer astrologischen Methode in einem objektiven Test belegen. Sie können mir ja gerne schreiben, wie Sie sich einen solche, objektive Prüfung ihrer Fähigkeiten vorstellen, ganz gemäß Punkt 7 aus den“ Richtlinien für die astrologisch-psychologische Schulung und BeraterInnen-Funktion.“ ihrer Astrologieschule:

Forschung sollte für überliefertes Wissen den Nachweis erbringen oder neue, in der menschlichen Realsituation stets nachvollziehbare Ordnungssysteme und methodische Praktiken entwickeln. Der/die astrologisch-psychologische BeraterIn/LehrerIn sollte ständig die Haltung des Forschers an sich kultivieren. Dazu gehört insbesondere die ständige Bereitschaft, sich kritischer Diskussion zu stellen und solche durch Offenlegung des eigenen Vorgehens zu ermöglichen.
Sind sie bereit, ihre Fähigkeiten und die Möglichkeiten ihrer astrologischen Schule einem objektiven Test zu unterziehen?
Mit freundlichen Grüßen
 
PS: Nein, ich bekomme für das was ich hier tue nichts; ich mache das schlicht und einfach aus Spaß.




Auch 2014 im Angebot: Weltuntergänge

4 01 2014

Danke an die Tageszeitung „Die Welt“ für diese schöne Zusammenfassung der aktuell vorausgesagten Weltuntergänge für 2014. Es ist zwar nicht alles neu (die für den Juni 2014 angedrohte Säurewolke hatte ich schon vor Monaten erwähnt), aber die Ragnarök-Geschichte aus der nordischen Mythologie kannte ich noch nicht und das mit dem 4. März (Fastnachtsdienstag!) ist mir auch neu. Aber bei letzterem Datum soll es ja „nur“ um Erschütterungen an den Börsen, wenn auch in „ungeahntem Ausmaß“ gehen.

Bleibt der viel zu frühe Weltuntergang am 22. Februar, der aber immerhin auf einen Samstag fällt, so dass man am Abend zuvor noch eine ausgiebige Weltuntergangsparty feiern kann. Als Kleiderordnung empfiehlt sich der Wikingerlook a la Hägar oder Wickie, als Getränk wird Met serviert – das kann ja nur eine erfolgreiche Feier werden. Ob sich dieses Mal auch wieder jemand die Rechte an den Feierlichkeiten zu sichern versucht wie damals 2012?

Inzwischen ganz vergessen ist das Katastrophenszenario eines möglicherweise auf die Erde stürzenden Asteroiden, das 2003 durch die Presse geisterte und eine Katastrophe für den 21. März 2014 befürchten liess. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass dieser Asteroid tatsächlich die Erde treffen würde wurde aber bereits damals von den Astronomen auf 1:909000 geschätzt und taugt damit heute nur dazu einzelne Verschwörungstheoretiker ein wenig in Panik zu versetzen. Inzwischen ist auch bekannt, dass der durchaus große Gesteinsbrochen knappe 20 Millionen km an der Erde vorbeifliegen wird, und zwar am 26. März 2014.

Als Hinweis auf den chinesischen Kalender entpuppt sich derweil eine „Weltuntergangsprognose“ von Apples Sprachprogramm Siri. Wie vereits im Vorjahr (am 7. August) weist Siri auch 2014 (am 27. Juli) und 2015 (am 14. August) auf den Beginn des chinesischen „Geistermonats“ mit dem drastischen Satz „Opening Gates of Hades“ hin.

Auf Facebook propagiert indes eine kleine Gruppe von Genervten den Weltuntergang am 28.6.2014 – die Begründung ist eindeutig: „ständig kommen irgendwelche bekannten Sekten und sagen den Weltuntergang voraus, wir jetzt auch„. Recht haben sie, und das Datum ist in Bezug auf einen Weltuntergang ebenso wahrscheinlich wie die anderen genannten Termine.





Weltuntergangsupdate

7 11 2013

Am letzten Dienstag, also am 5. November, war mal wieder Weltuntergang und niemand hat’s gemerkt. OK, ich gebe zu, dass das nur den Leuten aufgefallen sein könnte, die für den für das letzten Jahr angekündigten Maya-Kalender-Weltuntergang eine kleine App namens WeltuntergangsCountdown heruntergeladen hatten. Diese lieferte im letzten Jahr auch pünktlich ein kleines Katastrophenvideo mit explodierender Erde – und startete dann einen neuen Countdown, der eben in dieser Woche endete. Woher dieses Datum kam war mir schon im letzten Dezember unklar, und ob auch dieses Mal wieder das kleine Katastrophenvideo lief weiß ich auch nicht, weil ich den Termin doch glatt verpaßt habe. Aber egal, war ja eh nichts.

Für die nahe Zukunft haben einige Verstörte aber schon mal mit neuen Weltuntergängen nachgelegt. Denn natürlich wird das für Anfang Dezember zu erwartende Himmelsspektakel keinesfalls von einem Kometen namens ISON veranstaltet werden! Es wäre doch wirklich viel zu einfach, wenn mal wieder ein Komet sichtbar wäre, nein, es handelt sich (wieder einmal) um den legendären Planeten Nibiru (… oder vielleicht doch ein Raumschiff?), das dann … … klar! Weltuntergang!

Falls das doch ein Komet sein sollte, dann sieht diese Webseite noch die Gefahr einer Kollission zwischen Jupiter und einem schwarzen Loch, in deren Folge dann auch unser unscheinbarer Planet … … klar! Weltuntergang! Und das noch an Weihnachten, aber immerhin, das soll am 25.12 stattfinden, also nach der Bescherung! Über die physikalischen Wahrscheinlichkeiten solcher Prognosen wollen wir dann lieber doch nicht nachdenken.

Falls wir auch das überstehen gibt es den nächsten Weltuntergang im Juni 2014, zumindest nach dieser Meldung. Jetzt soll also eine ominöse Weltraumwolke die Erde zerstören. Echte Astronomen dürften angesichts solcher Unsinnsmeldungen die wenigen noch vorhandenen Haare raufen, denn solch lächerlichen Nonsens zu kommentieren lohnt einerseits nicht, andererseits gibt man dadurch den abgehobenen Wissenschaftler, der den Unwissenden seine Erkenntnisse vorenthält. OK, ich bin zwar kein Astronom, aber dieser ganze Quatsch ist schlicht und einfach – nun ja – Quatsch, Unsinn, Schwachsinn …

Falls sich jemand tatsächlich wegen dieser neuen Weltuntergänge ängstigen sollte – immer daran denken, dass bisher restlos alle Weltuntergänge ausgefallen sind. Und auch die oben beschriebene App zum Weltuntergangscountdown kann zumindest die ärgsten Ängste ein wenig kurieren. Aktuell läuft der Countdown nämlich noch bis zum 25. Juni 2017 – und dann darf man sich gerne an den 5. November 2013 erinnern, denn da lag die App ja auch falsch.





Staunen und Rechnen lernen mit Homöopathie

30 07 2013

Wenn Homöopathie schon nicht unbedingt als so etwas wie eine Arznei taugt, so hilft sie immerhin noch beim Staunen, nämlich beim Staunen über Zahlen. So hat Dr. Aust in seinem wunderbaren Blog „Beweisaufnahme zur Homöopathie“ unlängst sehr ausführlich erklärt, wie man das Homöopathikum Vinum Christi C200 herstellen könnte. Das ist gar nicht mal so schwer, denn wenn man davon ausgeht, dass jener Jesus sich damals, beim so genannten letzten Abendmahl, ein gut gefülltes Glas mit etwa 200ml Flüssigkeit genehmigt hatte, so finden wir noch heute in jedem Wassertropfen etwa 5 dieser Moleküle (wenn wir davon ausgehen, dass sich die Flüssigkeit im ganzen auf der Erde verfügbaren Wasser gut verteilt hat). Nach Überschlagsrechnung und unter geschickter Verwendung der so genannten „generalisierten Quantentheorie“ (die ist vom Träger des Goldenen Bretts Prof. Dr. H. Walach erdacht worden – was es dazu zu sagen gibt kann man hier nachlesen) gibt der Autor auch noch herrliche Anwendungstipps für dieses wahrhaft sensationelle Homöopathikum … … einfach einen Zahnstocher in das verschüttelte Mittel und damit dann einen guten Whiskey impfen, das müsste doch eine tolle (und schmackhafte) Medizin ergeben.

In den USA hat man ähnlich gerechnet, das Ergebnis aber ein wenig anders dargestellt. Ein Mensch, der sich „Sai“ nennt hat auf google+ eine Idee veröffentlicht, die sich auf ähnliche Rechenspiele wie die gerade erwähnte Herstellung von Vinum Christi C200 beruft. Hier soll aber kein neues Homöopathikum hergestellt werden, sondern es wird – politisch völlig unkorrekt – eine einfache Forderung an die Herstellervon Homöopathika gestellt:

We have a simple proposal: that all homeopathic products containing less of the advertised ingredient than Hitler’s breath* have a large, clear statement on the front saying (a) how much more of Hitler’s breath they have, and (b) the most common name of the advertised ingredient. I’ve attached a sample for your marketing team’s enjoyment.

Tja, im Beispielbid, dem bekannten Mittel „oscillococcinum“ der französischen Firma Boiron (die schon mal einen kritischen Blogger verklagen wollte), wird angegeben, dass 10^380 mal soviel vom Atem des in Braunau am Inn geborenen Gröfaz in dem Mittelchen ist, als die angepriesenen Inhaltsstoffe (Entenherz und Entenleber). Nun ja, man hätte ja auch eine andere Person als Referenz nehmen können, oder eben vielleicht tatsächlich den Vinum Christi (aber in der Urtinktur), aber auf jeden Fall finde ich die Forderung nach der Nennung des „normalen Namens“ für den beworbenen Inhaltsstoff sehr gut.

Eigentlich dürfte sich kein dem Verbraucherschutz verpflichtet fühlender Politiker folgenden, sehr einfachen Forderungen entziehen:

1. Inhaltsstoffe müssen in Klarnamen (soweit vorhanden) angegeben werden: also Kochsalz statt Nitriacum Chloratum (das es hier sogar in verschiedenen Varianten gibt) oder Hundekacke statt excrementium canium

2. Inhaltsstoffe müssen in gebräuchlicher Gewichts- bzw. Volumenangabe – also g/mg bzw. l/ml – angegeben werden und dürfen nicht durch eine „Geheimsprache“ (C200, LM1000) verschlüsselt werden (das ist ja bestimmt auch für Allergiker wichtig …).

Wie schön wäre es, wenn  dann zusätzlich gefordert werden würde, dass ein Hersteller selbstverständlich jederzeit die Richtigkeit seiner „Mischung“ nachweisen können muss – am besten natürlich in einem Doppelblindversuch …

Aber Schluß mit dem Träumen. Ich finde bei solchen Rechenspielen wirklich erstaunlich welche Ergebnisse Überschlagsrechnungen liefern: mit jedem Atemzug atmen wir ein Molekül aus dem letzten Atemzug Caesars (Link) und mit jedem Liter Wasser trinken wir mehrere Moleküle des Weins vom letzten Abendmahl (wenn es denn stattgefunden haben sollte). Unvorstellbar? Nein! Einfache Rechnerei mit großen und kleinen Zahlen – und mit den bestätigten Ergebnissen zahlloser Forscher verschiedener Fachgebiete!

… und dass diese Erkenntnisse durch einfaches Nachrechnen die Homöopathie immer lächerlicher erscheinen lassen, das finde ich nicht allzu „schlimm“ …





Esoterikplauderstündchen bei Maischberger … (mit Update)

21 07 2012

Für kommenden Dienstag hat die ARD ‚mal wieder ein Esoterikplauderstündchen ins Programm genommen. Die Sendung „Menschen bei Maischberger“ steht unter dem Motto „Horoskope, Handlesen, Tarotkarten: Unsinn, der hilft?“ und ich wage vorauszusagen, dass im Verlaufe der Sendung das Astrologie-Bullshit-Bingo mindestens ein Mal erfolgreich gespielt werden kann. Beim Blick auf die Gästeliste überfällt mich schon vorab ein leichtes Gruseln denn wie bei solchen Sendungen üblich sind die Esoteriker klar in der Überzahl. Gespannt bin ich ja, wie sich Frau Maischberger selbst positioniert. Vor ein paar Jahren hatte Sie in einer Sendung mit ähnlicher Thematik Winfried Noê mit einer seiner Fehlprognosen konfrontiert und dessen Versuch sich herauszureden mit einem kurzen „Das stand so auf ihrer Webseite“ beendet.   Aber schauen wir uns einfach mal die Teilnehmer an dieser Talkrunde an.

Als erste Hella von Sinnen. Ob man ihren Humor mag ist natürlich Geschmacksache, aber bei „genial daneben“ finde ich sie wirklich klasse. Warum sie dabei ist? Hier stehts:

Astrologie hat für die Moderatorin jedoch nichts mit Glaube zu tun, „sondern mit Wissen und Erfahrung.“

Ok, also ein Astrologiefan? Schlimmer! Eine Hobby-Astrologin! Und weil wir gerade bei Sternschwurblern sind wurde auch „Deutschlands besten Astrologin“ eingeladen. Der Name dieser Dame – Mauretania Gregor – war mir bis dato völlig unbekannt. Hier übrigens ihr aktuelles Werbevideo für Juli …

… mit dem sie Werbung für das auf ihrer Webseite angebotene, monatliche Liebeshoroskop macht. Das kostet „ab 8,95 Euro“ – und man kann das dann auf ihrer Webseite anschauen. Und das verspricht sie:

Ihr erfahrt die heißesten Dating-Tage, ich sage Euch wann Ihr welchem Typ in die Arme laufen könnt und was schon die Qualität der Zeit über die Begegnung aussagt.

Natürlich gibt’s auch beste sowie schwierige Termine für Aussprachen und offene Gespräche über Gefühle, unerfüllte Sehnsüchte und Wünsche…

Das Übliche also! Aber wie fertig muss man sein, wenn man sich solche Videos wirklich für „mindestens 15 Minuten“ pro Sternzeichen antut? Den – wohl überwiegend – Zuhörerinnen wird permanent – mit enervierender Stimme, dickem Pathos und einer Mimik als wollte sie einem Kleinkind erklären wie man aufs Töpfchen geht – dick und fett Honig ums Maul geklatscht! Klar, das wollen die hören! Und jeden Monat wieder!

Eine Kartenlegerin muss natürlich auch sein. Auch hier ist es „Deutschlands Kartenlegerin Nr.1„! Auch diesen Namen – Sylvie Kollin – kannte ich bis dato noch nicht. In was sie Nummer 1 ist steht natürlich nicht da, aber ihr Selbstbewußtsein scheint grenzenlos:

„Man kann aus den Karten alles lesen. Die Karten sagen, was sowieso kommt“

Alles? Wirklich? Eingeladen ist auch einer ihrer Kunden: der Schauspieler Uwe Ochsenknecht, denn er

hat schon mehrmals den Rat der Kartenlegerin Sylvie Kollin gesucht und bescheinigt ihr eine neunzigprozentige Trefferquote.

Tut er tatsächlich, und zwar am Anfang und Ende ihres Imagevideos:

Wunderbar natürlich der Kerner-Schnipsel bei 0:34 …

Über Jürgen Fliege braucht man eigentlich nichts mehr schreiben. Dass der jeden esoterischen Mist vertritt ist bekannt. Ob man ihn mal wieder nach seiner Essenz fragen sollte? Vielleicht lässt er sich ja von Frau Gregor ein Liebeshoroskop erstellen …

Welche Rolle Prof. Dr. Ulrich Walter (Ex-Astronaut und Physiker) in diesem Panoptikum zugedacht ist weiß ich nicht. Dieser Satz …

Der Physiker und Lehrstuhlinhaber für Raumfahrttechnik hat sich einmal die Hand lesen lasse: Ihm wurde prophezeit, wie er sterben würde.

… macht kaum Hoffnung, dass er die rationale Seite vertreten soll. Man lässt in solchen Talksendungen ja gerne mal jemanden sprechen, der „beide Seiten“ irgendwie anerkennt. Und da ist ein Physikprofessor, der sich aus der Hand lesen liess, doch ein Supergast. Hoffentlich täusche ich mich mit dieser Einschätzung, und Prof. Walter macht es ebenso wie sein Kollege Prof. Martin Lambeck, der in ähnlichen Sendungen (z.B. auch bei Maischberger) immer wieder deutlich jeden Unsinn auch als solchen bezeichnete.

Bleibt noch einer, der sich garantiert dem ganzen Esoterikschwachsinn gegenüber stellt: Michael Schmidt-Salomon. Der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung wird wie folgt angekündigt:

Glaube und Aberglaube, Horoskope und Tarotkarten seien „Schabernack mit einer Menge Risiken und Nebenwirkungen.“ Die Naivität der Menschen werde ausgenutzt, finanzielle und gesundheitliche Gefahren könnten die Folge sein

Stimmt natürlich. Aber er wird möglicherweise alleine gegen alle argumentieren müssen. Wenn er dann so argumentiert wie er in seinem letzten Buch „Keine Macht den Doofen“ schreibt, dann wird das beim Fernsehzuschauer den Eindruck eines hyperarroganten Skeptikers hinterlassen. Seine „Streitschrift“ enthält nämlich meines Erachtens außer verbalen Rundumschlägen (alles Idioten!!!) nur einen eindrucksvollen Beleg dafür, dass er von Ökonomie keine Ahnung hat. Ich drücke ihm natürlich trotzdem alle Daumen …

Schön wäre es ja gewesen, wenn in dieser Sendung auch echte Spezialisten eingeladen worden wären. Ich kenne da zum Beispiel mehrere Psychologen, die den Zuschauern hätten erklären können wie und warum der ganze Unsinn „funktioniert“ …

Update: 

Der Spiegel hat das ganze schön kritisiert, obwohl der Journalist zwischendurch wohl mehrmals nicht hingehört hat. Das merkt man an folgendem Absatz:

Michael Salomon erwies sich als solider Realist und Gegenpol zu dem Aszendenten- und Tarot-Geschnatter, das sich in der Maischbergers Runde ausgesprochen raumgreifend erhob. Der Autor und Sprecher der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung erklärte, dass „Bahnensätze“ wie „bei aller Impulsivität sind sie doch ein sehr romantischer Geist“ irgendwie immer stimmen und brachte bisweilen gar Hella von Sinnen mit seinem etwas irritierenden Dauerlächeln zum Schweigen. Und er warnte vor der „sanften Verblödung“ durch Esoterik, wenn „Spitzentechnologie und Spitzenidiotie aufeinandertreffen“.

OK, der Mann heißt Schmidt Salomon, und war tatsächlich der einzige Lichtblick in der Sendung. „Bahnensätze“ (… ist inzwischen auf SPON korrigiert – aber auf meinem WEbCite-Link noch vorhanden)? Schmidt Salomon hat doch recht ausführlich erklären dürfen was „Barnumsätze“ sind … … aber egal. Ich hab‘ selten etwas peinlicheres im Fernsehen gesehen …








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