Ein astrologischer Wahrsagercheck: Frau Keidel-Joura hat immer Recht!

4 01 2019

In einer selbst verfassten Pressemeldung auf openPR mit dem Titel

Wahrsagercheck 2018: Treffsichere Sterne

setzt sich die Bremer Astrolgin Christine Keidel-Joura mit ihren eigenen Prognosen für das abgelaufene Jahr 2018 auseinander und hat natürlich nur Treffer entdeckt. Dass ich die treffer von Frau Keidel-Joura nirgends vermerkt habe liegt natürlich daran, dass mir ihre Prognosen schleicht und einfach unbekannt waren. Erstellt hatte sie diese für eine Veranstaltung, und ja, sie scheint dort Vorhersagen gemacht zu haben, denn:

„Die Astrologie zeigt Tendenzen, Wahrscheinlichkeiten, Bildhaftes. Sie dient vor allem der Sinnfindung. Manchmal sind die Konstellationen allerdings ziemlich eindeutig. Dann ist es auch möglich, Vorhersagen zu wagen“, so die Astrologin.

Und welche Prognosen hat sie gewagt? Zum Beispiel diese:

Schon im letzten Januar hat sie beim Themenabend zu den Konstellationen im neuen Jahr geäußert, dass wir 2018 in Bremen wieder deutliche Chancen auf mehr Sonne und einen schönen Sommer haben würden.

„Chancen auf mehr Sonne“ gilt für jedes Jahr, denn auch wenn es den ganzen Sommer geregnet hätte, die Chance, dass im Sommer die Sonne scheint, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass der Sommer aber wegen irgendeiner Sternkonstellation besonders heiß wurde, das dürfte bei Meteorologen Kopfschütteln hervorrufen.

Dass es im Sommer 2018 recht reiß hergehen dürfte, war zudem an der einmaligen Mondfinsternis in Verbindung mit einer besonderen Mars-Konstellation zu erkennen. Hier kam unser hell leuchtender Nachbarplanet der Erde so nahe wie zuletzt im Hitzesommer 2003.

Um welche Mars-Konstellation ging es? Wie war das Wetter, als diese Konstellation das letzte Mal herrschte? OK, der Mars war in 2018 nah an der Erde und 2003 auch – und 2003 gab es auch eine Hitzewelle – aber wenn das zusammenhängen würde, dann könnten das wahrscheinlich die Meteorologen erklären. Eine weitere Prognose sieht Frau Keidel-Joura als Treffer:

„Neue Erfahrung in alten Systemen“, lautete außerdem ihr Titel für die Konstellationen im Juni und Juli 2018.

Natürlich fand Frau Keidel-Joura dafür „Entsprechungen“, egal ob bei Trump, der EU, oder mit der Maaßen-Affäre – aber Moment, die war doch wirklich erst ab September, so dass die Prognose dafür nicht gelten kann. Und irgendwelche Nachrichten, die zu seiner Blabla-Prognose passen lassen sich immer finden. Auch die Börsenprognose von Frau Keidel-Joura ist windelweich:

An der Börse kann es zu einer Konsolidierung kommen.

Ja, kann es. Oder auch nicht. Da eine Konsolidierung Seitwärts- oder Abwärtsbewegung der Kurse bedeuten kann, ist eine solche Prognose also nicht gerade sensationell und die Kursverluste am Jahresende sind auch für diese „Prognose“ kein Beleg

Wenn Frau Keidel-Joura ernsthaft daran interessiert ist kann sie mir ja ihre Prognosen für 2019 schicken (ich würde sie nicht veröffentlichen), allerdings sollte sie auch dazu schreiben was als Beleg für einen Eintritt der Prognose gelten soll und was eben nicht. Ansonsten haben ihre Prognosen die Qualität der folgenden Verkehrsnachricht:

Im Sendegebiet kann es aktuell zu Staus auf Autobahnen kommen.

Jeder Stau macht die „Nachricht“ richtig, wenn kein Stau da ist ist sie auch richtig – aber hilfreich ist das natürlich nicht.

*Update: Ich hatte Mond und Mars verwechselt und musste deswegen einen Abschnitt korrigieren. Frau Keidel-Joura hatte hier recht, der Mars war 2018 wirklich ähnlich nahe  der Erde wie 2013 (da gab es auch eine Hitzewelle), das ist aber ein astronomischer Fakt und hat mit Astrologie nichts zu tun.

 

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Mr. X kennt die richtige Uhrzeit? Glaub‘ ich nicht!

26 06 2017

Der Name Melwyn Lorenzen dürfte wirklich nur eingefleischten Fußballenthusiasten etwas sagen, oder den grünbehemdeten Fans des SV Werder Bremen, denn dort hat der junge Mann noch bis Ende Juni 2017 einen gültigen Vertrag als Fußballprofi. Fußball ist ja nicht so meins, aber der junge Mann steht gerade vor einem sehr interessanten Problem. Nach den er in der Saison 2015/16 noch 15 mal in der Bundesliga zum Einsatz kam, ja sogar ein Spiel für die Nationalmanschaft von Uganda absolvieren durfte, verlief die abgelaufene Saison weniger erfolgreich: Lorenzen kam nur noch in der 2. Mannschaft zum Einsatz. Jetzt läuft sein Vertrag aus, aber einen neuen Vertrag als Profi zu finden könnte an einem etwas eigenartigen Problem scheitern, denn der Vertrag muss irgendwie zur richtigen Uhrzeit kommen. Lorenzen behauptet:

Ich habe Angebote aus Deutschland und aus dem Ausland. Aber ich warte auf eine gute Konstellation in der Transferperiode. Es ist wichtig, zu welcher Uhrzeit man seinen Vertrag unterschreibt. Sie bestimmt über den Werdegang bei einem Verein. Ich habe Klubs schon deshalb abgesagt“ – Quelle

Konstellation? Na klar, der junge Mann ist einem Astrologen auf den Leim gegangen! Und tatsächlich, der ominöse Mr. X soll mit „Astrologie, Mathematik und Medizin“ arbeiten – ich vermute ja, dass der Mann mit der lächerlichsten Astrologievariante überhaupt, der , arbeitet, aber sicher kann ich natürlich nicht sein. Die Methode ist aber auch egal, qualitätsmäßig sind sie ja eh  Dass der unbekannt bleiben wollende Astrologe (und was immer sonst noch) die üblichen Behauptungen über seine Kundschaft auf Lager hat (Kunden aus der Politik, der Wirtschaft und der Showbranche …), geschenkt, das sagen sie doch alle. Und natürlich hätte er schon so manche Fußballwelt gerettet, wenn man ihn denn gelassen hätte

„Mr X.“ betonte derweil im Gespräch mit der „Bild“, dass Marco Reus mit seiner Hilfe niemals verletzt wäre, und dass die Bayern mit ihm das Champions-League-Finale 2012 gegen Chelsea im heimischen Stadion nicht verloren hätten.

Im Nachhinein irgend etwas zu behaupten, was niemals zu belegen ist, ist schon ziemlich frech. Ob er dem jungen mann auch vorausgesagt hat, dass er sich einen neuen Verein suchen werden muss?

 

 

 

 





Lustige homöopathische Widersprüche: lactosefreie Lactose und glutenfreies Gluten

20 07 2016

Vor einigen Wochen hatte irgendwo bei facebook – wo kann ich leider nicht mehr finden – irgend ein Skeptiker bei einer großen, auf Homöopathika spezialisierten Onlineapotheke nachgefragt, wie sie denn ihr Homöopathikum „Plutonium Nitricum“ herstellen würden und einige äußerst ausweichende Antworten erhalten. Kurz zusammengefaßt soll irgendeine hohe homöopathische Verdünnung ohne jede radioaktive Strahlung von irgendeinem wissenschaftlichen Labor geliefert und dann weiter potenziert verdünnt worden sein. Kein Wunder, dass das Mittel nur in Hochpotenzen verfügbar ist, gemäß dieses wunderbaren Blogposts galt: „Die niedrigste Potenz ist C30, was einem Gramm Plutonium auf die 10.000-fache Masse des Universums entspricht, als Globuli dann noch auf die hundertfache Menge an Zucker aufgebracht.“ „Galt“ ist richtig, denn das Mittel gibt es in dieser Online-Apotheke inzwischen nicht mehr. Angst mussten sich die Anwender dieses und anderer Homöopathika eh nicht machen, denn bei absolut allen homöopathischen Mitteln dieser Online-Apotheke werden die Inhaltsstoffe wie folgt aufgelistet:

Globuli von Remedia Homöopathie und Salvator Apotheke bestehen aus Saccharose,

Dilutionen von Remedia Homöopathie und Salvator Apotheke bestehen aus Ethanol-Wassergemisch

Na wunderbar! Wenn sowieso in allen Globuli nur Saccharose und in allen Dilutionen nur ein Ethanol-Wassergemisch zu finden ist, wieso dann diese Unterscheidung von mehreren Tausend verschiedenen homöopathischen Stoffen? Dass die eigentlich – zumindest ab einer gewissen Potenz Verdünnung – sowieso nicht in den Globuli oder den Dilutionen enthalten sind, darauf weisen Skeptiker ja häufiger hin, aber auch darauf, dass in Niedrigpotenzen durchaus noch – zumindest das ein oder andere Molekül – des Ausgangsstoff zu finden ist und dass dies dann für starke Allergiker durchaus gefährlich werden kann. Paradebeispiel ist das Mittel Apis, das aus zerdrückten Honigbienen besteht. Dieses gibt es als Dilution schon in einer Verdünnung von D3, also 1:1000 – für starke Bienengift-Allergiker dürfte das durchaus ein Gefährdungspotential darstellen, denn einen allergischen Schock können schon einige wenige Moleküle des Bienengifts auslösen.

Viel interessanter ist aber eine weitere Anmerkung, die sich auch bei allen Homöopathika dieser Online-Apotheke findet, nämlich diese zum Thema Laktose/Gluten:

Homöopathische Globuli und Dilutionen von Remedia Homöopathie und Salvator Apotheke sind laktosefrei und glutenfrei

Nimmt man die oben zitierte Liste der Inhaltsstoffe (gilt wie gesagt für jegliche Homöopathika bei dieser Online-Apotheke), dann ist dieser Hinweis trivial. Ich habe aber leichte Zweifel an dieser Aussage denn verkauft wird auch folgendes Mittel:

aktblog01Wir lernen: In homöopathischer Lactose ist offensichtlich gar keine Lactose drin, selbst dann nicht, wenn rechnerich noch welche drin sein müsste, denn homöopathische Lactose gibt es auch in Niedrigpotenzen, die durchaus noch Moleküle der Ausgangssubstanz enthalten können:

aktblog02Ich bin kein Chemiker, aber eine Verdünnung von 1:10000 bei den Dilutionen dürfte mit Sicherheit noch Moleküle der Ausgangssubstanz enthalten. Also entweder ist hier die Beschreibung bezüglich Laktose und Gluten falsch (und die Inhaltsstoffe!), oder die angebotenen Dilutionen sind eine schlichte Mogelpackung.

Immerhin ist das bei dem homöopathischen  Gluten ein klein wenig anders:

aktblog03

Gluten gibt es also erst ab einer Verdünnung von 1:10000000000, in dieser Dilution könnte aber – wenn mich meine Rechenkünste bezüglich der Avogadro-Konstante nicht täuschen – trotzdem das ein oder andere Teil dieses „Stoffgemischs aus Proteinen“ vorhanden sein – und wieder bleibt nur eine Schlußfolgerung: Entweder die Liste der Inhaltsstoffe und der Hinweis auf die Glutenfreiheit ist falsch, oder die Dilutionen werden nicht ordnungsgemäß hergestellt.

Ich finde es ja wirklich toll, dass hier lactosefreie Lactose und glutenfreies Gluten angeboten werden – als ob die Homöopathie nicht schon lächerlich genug wäre …





Homöopathiewerbung bei T-Online – jetzt noch schamloser!

22 06 2016

Mitte Mai hatte ich mich zu der Ratgeber-Sektion zum Thema Homöopathie im Internetportal von T-Online geäußert, und diese – wegen der mangelnden Hinweise darauf, dass es sich um eine Anzeige handele – als schamlos bezeichnet. Gestern habe ich dort mal wieder nachgesehen und war durchaus überrascht, aber nicht im positiven Sinne. Die Seite gibt es immer noch, absolut wortgleich, aber jetzt ist das Ganze (plötzlich?) keine Anzeige mehr (ganz oben in der Menuzeile erschien früher das – viel zu kleine – Wort „Anzeige“), zumindest gibt es nun keinerlei Hinweis mehr darauf, dass es sich bei diesem Artikel (und anderen) um Werbung handelt. Das ist schon ein wenig eigenartig – man stelle sich vor, das selbe Portal würde plötzlich die Werbung für Mc Donalds, Coca Cola oder VW als redaktionellen Ratgeberinhalt veröffentlichen und als Ratgeber gegen Hunger, Durst oder Umweltverschmutzung bezeichnen … … nein, darauf würde natürlich niemand kommen. Bei der Homöopathie scheint das allerdings anders auszusehen …

Ich habe das dort mal entsprechend kommentiert und bin auf eine Antwort gespannt.





Nochmal Homöopathie: Infos für Herrn Hopp jetzt online

5 04 2016

Die Presse hat in den letzten Wochen und Monaten recht ausführlich über das vor einigen Wochen gegründete Informationsnetzwerk Homöopathie berichtet, das heute pressewirksam seine Onlinerepresenz gestartet hat. Eine Zielperson par excellence ist da wohl der Eglinger Heilpraktiker Mario Hopp, der – lustigerweise für die Ausgabe vom 1. April – in seiner Heimatzeitung interviewt wurde. Seine Antworten sind natürlich kein Aprilscherz, und an den Fragen des Journalisten kann man erkennen, dass einige Themen des Informationsnetzwerks durchaus bereits den Weg in die große weite Welt gefunden haben. Auf den gleich zu Beginn zu findenden Hinweis auf das Netzwerk antwortet der Heilpraktiker wie folgt:

Es ist grundsätzlich gut, dass es Kritiken gibt, weil dadurch das Thema Homöopathie in den öffentlichen Fokus rückt. Und es wird immer Pro und Kontra geben. In der fast 200-jährigen Geschichte der Homöopathie gab es immer wieder Gegner, die versucht haben, sie aus dem Verkehr zu ziehen. Das ist ihnen aber nie ganz gelungen und wird es auch diesmal nicht. Auch wenn diese Initiative natürlich kräftig angreift.

Zum Vorwurf, dass die Wirkung homöopathischer Mittel nicht über einen Placeboeffekt hinausgeht kommt zum Drölftausendsten Mal eine Anwort, die zeigt, dass Herr Hopp nicht weiß von was er redet, bzw. bei dem nicht ganz so einfachen medizinischen  Thema  „Placebo“ absoluter Laie ist:

Kinder oder auch Tiere können gar nicht an einen Heilerfolg durch homöopathische Mittel glauben. Aber die Homöopathie wirkt trotzdem. Da sieht man die Wirksamkeit der Mittel eindeutig.

Nochmal langsam zum Mitschreiben, Herr Hopp: Placeboeffekte bei Kindern und Tieren sind seit Jahrzehnten vielfach belegt (hier sind viele Studien dazu aufgeführt)! Und Placeboeffekte haben nichts mit „daran glauben“ zu tun.

Auf den Hinweis, dass homöopathische Präparate ihre Wirksamkeit nicht belegen müssen geht Herr Hopp nicht ein, aber er weiß natürlich:

Aber es gibt durchaus auch Studien, die eine Wirkung belegen.

Bei Herrn Aust kann er viele davon finden, mit der notwendigen Kritik …

Der Interviewer lässt aber nicht locker, weist darauf hin, dass „allium cepa“ besser klingt als „Küchenzwiebel“ und fragt nach ob das nicht „Augenwäscherei“ sei. Die Antwort von Herrn Hopp ist fast schon entlarvend:

Um einen Beipackzettel eines pharmazeutischen Medikaments zu verstehen muss man schon Mediziner sein. Den liest kein Mensch durch. Das ist doch auch nichts anderes.

Doch, Herr Hopp! Jeder wird beim Kauf eines echten Arzneimittels dazu aufgefordert, und die Anforderungen für den Beipackzettel aus §10 und § 11 des Arzneimittelgesetzes sind sehr ausführlich (werden aber natürlich nicht auf homöopathische Arzneimittel angewandt, dafür gibt es wieder einmal eine Ausnahmeregelung)

Der Höhepunkt des Wahnsinns ist aber Herrn Hopps Antwort auf folgende Frage:

Naja, die Homöopathie setzt auf Naturprodukte. Warum kann Hundekacke bei einer Behandlung also nicht beim deutschen Namen genannt werden, sondern wird zu excrementum canis?

Hier lautet die Antwort (mit Erwähnung des Informationsnetzwerks):

Mit diesen Argumenten versucht auch das Freiburger Netzwerk zu punkten. Aber die Mittel werden so hoch potenziert, also verdünnt, dass sie mit dem reinen Ausgangsstoff einfach nicht mehr viel zu tun haben. Und das muss irgendwie deutlich gemacht werden. Die Wirkung der homöopathischen Mittel entfaltet sich erst durch das Herstellungsverfahren, das heißt durch die Verdünnung und Verschüttelung.

Auch wenn ein vermeintliches Medikament mit Hundekacke „nicht mehr viel zu tun hat“, wüsste der Verbraucher wohl doch gerne, aus was das Zeugs hergestellt wurde. Eine fadenscheinigere Ausrede war selten …

Nun ja, der Mann ist gelernter Drucker, hatte also mit Medizin und Heilkunde in seinem früheren Beruf absolut nichts zu tun. Aber nach einem dreijährigen, nebenberuflichen „Studium“  weiß er natürlich mehr als viele Ärzte, die (heutzutage) in der Regel 6 Jahre Vollzeitstudium hinter sich haben (… und dazu diverse Zusatzausbildungen und Fortbildungen). Immerhin will er die Heilpraktikerprüfung im ersten Versuch bestanden haben …

Was er in dem Interview allerdings von sich gegeben hat war doch eher lächerlich. Für eine Kaspertruppe wie den Dachverband der homöopathischen Laienvereine ist er wahrscheinlich genau der Richtige – als Präsident, denn genau das will er werden. Und ein Laie ist der Mann tatsächlich, offensichtlich auch und gerade beim Thema Homöopathie.





Danke DHU!

13 03 2016

Endlich! Auf einer Seite der DHU, dem wohl bekanntesten Hersteller von Pseudomedikamenten wie Homöopathika und Schüßler-Salzen in Deutschland, kann man jetzt endlich statt der üblichen Werbesprüche ein paar Wahrheiten über Globuli lesen, zumindest zur Zeit. Grund dafür ist das 150-jährige Jubiläum des Unternehmens und die zu diesem Anlass ins Leben gerufene wirklich nette Aktion, die wie folgt beschrieben wird:

Wann hast Du das letzte Mal Danke gesagt? Hinterlasse hier Deine Danksagung und mit etwas Glück verstärken wir deine Botschaft zwischen dem 01.02. und dem 30.06. 2016 mit einem Blumenstrauß.

Die Folge ist sehr schön, denn jetzt stehen auf einer von einem Homöopathie-Hersteller ins Netzt gestellten Seite auch einmal ein paar schön bebilderte Wahrheitenen, so wie diese:

nutzlos

Mit DHU-Stempel werden Produkte der DHU in die Kategorie „nutzlos“ einsortiert – herrlich! Auch Susannchen, von Andrea Walter genial gestaltetes, globulifreies Mädchen, hat ihren Auftritt dort:

susannchen

Weitere Highlights aus den Danksagungen sind die drastische (aber natürlich nicht ernst gemeinte) Darstellung homöopathischer Nebenwirkungen (von kumi),  ein Dank an die evidenbasierte Medizin, die im Gegensatz zur Homöopathie nachweislich wirkt, und die Forderung, Globuli doch bitte dort einzusortieren wo sie hingehören:

baerli

Und schließlich wird auch ausnahmsweise einmal auf einer Homöopathenseite thematisiert, dass die Kügelchen gegenüber der echten Medizin Sonderrechte geniessen:

sonderrechte

Gespannt darf man sein, ob die Verantwortlichen jetzt in irgendeiner Weise reagieren. Lassen sie diese überwiegend ehrlich gemeinten Danksagungen auf ihrer Webpräsenz stehen oder finden sie eine fadenscheinige Begründung für eine Löschaktion? Wird vielleicht gar kommentarlos gelöscht? Immerhin soll die Aktion zwischen dem 01.02. und dem 30.06. 2016 laufen. Ich bin auf jeden Fall gespannt und habe mir eine Sonntagsmittagsversion der Galerie schon mal gespeichert …

Nachtrag: Inzwischen hat auch mein Guru Lorenz Meyer seine eigene Danksagung bekommen gebastelt, mit einem seiner bekannten Bullshitbingos und diesem Text:

Guru, Sie haben Recht! Wir von der DHU verkaufen nur Zucker und leere Versprechungen.

 

 





Esoterikurteil: Geld für verstorbene Unsterbliche muss zurückgezahlt werden!

12 12 2015

Gerichte müssen sich hierzulande manchmal mit etwas abwegigen Fällen befassen, insbesondere wenn es um Esoterik geht. Ein sehr schönes Urteil fällte der 14. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes (OLG) München in Augsburg am 10.12.2015: Ein selbst ernannter „spirituellen Meister“ muß 109.500,88 Euro – zuzüglich Zinsen – an ein Ehepaar aus dem bayrischen Bad Wörishofen zurückzahlen.

Die Pressemeldung des bayrischen Rundfunks zum Thema beschreibt das „Geschäftsmodell“ des Verurteilten mit folgendem schönen Satz:

Der Esoteriklehrer hatte seinen Meisterschülern versprochen, das Geld an bereits verstorbene Unsterbliche zu transferieren.

Verstorbene Unsterbliche? Herrlich! Wie das genau funktionerte kann man hier nachlesen:

Das Paar hatte zwischen Juli 2007 bis September 2013 jeden Monat zehn Prozent seines Einkommens einem Freund und gleichzeitig spirituellen Berater überwiesen […] Dieser hatte versprochen, das Geld an die „Unsterblichen“ weiterzuleiten. Dabei sollte es sich um verstorbene Persönlichkeiten handeln, mit denen der Berater real in Kontakt treten und das Geld überreichen könne. Das überlassene Geld sollten die „Unsterblichen“ dann zum Wohle der Menschheit einsetzen.

Für das betrogene Ehepaar war das dann wohl so etwas wie eine Spende für einen ihrer Meinung nach sehr guten Zweck. Dass sie dafür sogar Rechnungen bekamen in denen Leistungen wie „Marketing, Coaching, Beratung oder Suchmaschinenoptimierung“ ausgewiesen wurden störte das Paar offensichtlich jahrelang nicht. Vielleicht würden sie noch heute zahlen, wenn sich der Meister nicht mir seiner Partnerin verkracht hätte:

Als der Berater sich von seiner Partnerin trennte, blieb dies nicht ohne Folgen. Die Frau erschütterte den Glauben des Klägers und seiner Ehegattin. Sie teilte ihnen telefonisch im September 2013 mit, dass die regelmäßigen Zahlungen nicht den „Unsterblichen“ und damit dem Wohl der Menschheit, sondern lediglich ihrem Ex-Mann zugute gekommen seien.

Wie fies von der Ex-Partnerin den betrogenen Kunden einfach die Wahrheit zu sagen! Wie schrieb Marcus Hammerschmitt in seinem empfehlenswerten Büchlein „Instant Nirvana“:

Esoterik gibt Antworten auf die Frage „Was ist Wahrheit?“ und verzichtet dabei auf den notwendigen Umweg über die Realität.

 Auch der Senat des OLG war wohl sehr überrascht, dass der Kläger und seine Frau sich so weit von der Realität entfernt hatten:

Zwar ist dem Senat kaum nachvollziehbar, wie jemand daran glauben kann, dass eine physisch reale Geldübergabe an in Wirklichkeit lange verstorbene Persönlichkeiten erfolgt, auch wenn diese nach der Überzeugung des Klägers und seiner Ehefrau unsterblich waren. Nach Anhörung des Klägers als Partei und Einvernahme seiner Ehefrau als Zeugin ist der Senat aber überzeugt, dass diese hieran geglaubt haben.

„Selbst schuld!“ könnte man jetzt sagen – dieser Meinung war das Gericht jedoch glücklicherweise nicht:

Doch im Hinblick auf die Leichtgläubigkeit der Kläger zieht das Gericht eine interessante Parallele zu Fällen aus der realen Welt, die insbesondere nach der Bankenkrise mehrfach vor Gericht gelandet waren: „Andererseits ist der Beklagte aber als Lehrer und umfassender Berater des Klägers und seiner Ehefrau tätig geworden. Diese sind deswegen in dem Vertrauen auf die Richtigkeit der Angaben des Beklagten geschützt. Diese für Anlageberater entwickelte Rechtsprechung ist auch im vorliegenden Fall anzuwenden.“

Eine bemerkenswerte Urteilsbegründung! Wer seinen Kunden also mit esoterischem Schwachsinn das Geld aus der Tasche zieht haftet genauso wie ein Anlageberater der dies mit irgendwelchen Gewinnversprechen tut.

Man könnte dem bereits erwähnten Marcus Hammerschmitt fast schon prophetische Gaben unterstellen, denn er schrieb in „Instant Nirvana“ auch:

Esoterik ist psychischer Anlagebetrug.

Bleibt zu hoffen, dass in ähnlichen Fällen auch ähnlich geurteilt wird!








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