Kleines Rechenbeispiel zu esoterischen Gewinnmargen: Glaskügelchen für die Erde

13 04 2015

Ich gebe es ja zu, wenn ich Worte wie „Erdheilung“ oder gar „Erdheilritual“ lese, dann rollen meine Augen automatisch und in meine Nase glaube ich weihrauchgeschwängerte Novemberluft aufsteigen zu fühlen – und das hat einen ganz profanen Grund: Meine früheren Nachbarn! Diese hatten ihre Gartenhütte zum „Meditationszentrum“ erklärt und dort bisweilen Erdheilrituale durchgeführt … … ich weiß ja nicht was die dort, keine 10m von meinem Balkon entfernt, getrieben haben, auf jeden Fall war immer eine riesige Portion Weihrauch dabei. Den Novemberabend, an dem ich von einer Dienstreise zurück kommend, in unsere Straße einbog und mir in dem neblig-feuchten, weihrauchgeschwängerten Dunst ein Marder mitten auf der Straße entgegen wankte werde ich wohl nie vergessen. Die damalige Webseite ist sogar noch irgendwie auffindbar, aber da das mit dem Meditationszentrum längst passé zu sein scheint möchte ich mich doch anderen, womöglich wesentlich erfolgreicheren „Erdheilern“ zuwenden. Über den „Erfolg“ bei irgendwelcher Heilung kann ich natürlich nichts sagen, aber zumindest hätten diese Anbieter finanziellen Erfolg, wenn sie denn genug Dumme Kunden finden …

Es geht um eine Firma, die gutgläubigen und wohlmeindenden Erdenfreunden folgendes verkauft:

glasnuggets01Eine „unvergleichlich erschwingliche Möglichkeit der Erde zu helfen“ soll es also sein, wenn man sich diese Glasnuggets zulegt. „Erdheilung so einfach wie noch nie – leicht bezahlbar, diebstahlsicher und umweltneutral.“  posaunt die Werbebotschaft hinaus und bezeichnet diese Wunderdinger als „Reinigend – harmonisierend – aufbauend„. Und weiter mit der Werbebotschaft:glasnuggets02Die Wirkungen klingen geradezu atemberaubend:

  • fördert das biologische, kristalline und feinstoffliche Leben,
  • wirkt sowohl im Wasser wie im Boden und in der Luft,
  • verbindet sich harmonisch mit anderen, harmonisch wirkenden Hilfsmitteln bzw. Feldern,
  • vererbender Effekt im Wasser, was besonders in stehenden Gewässern den Einsatz relativ weniger  Glasnuggets notwendig macht und Flüssen eine permanente Zone der Erneuerung schenkt, aus der sich heilendes Wasser mit der Strömung weiter fließt – somit werden auch physisch unzugängliche Zonen energetisch zugänglich gemacht.
  • Einige mut- und/oder messbare Parameter: ph-Wert, Schwermetalle, Sauerstoffgehalt, Radioaktivität, Boviseinheiten, Informationsstruktur. Bitte teilen Sie uns, wenn Sie die Möglichkeiten zur Messung haben, Ihre Ergebnisse mit!
  • Blockierte Lebensenergie fließt wieder – kann zur „Entstörung“ der lebensstörenden Effekte durch Radar, Mikrowellen-Funktürmen, Elfwellen u.s.w. eingesetzt werden.

Klasse, was diese kleinen Dinger (laut Beschreibung so genannte „Muggelsteine“ mit einer Größe von 17-20 mm) so alles können sollen! Ein wenig blöd ist ja, dass die „mut- und/oder messbaren Parameter“ nur aufgelistet werden und man die Ergebnisse selbst mitteilen soll. Und wenn sich jetzt die Schwermetalle durch die Glasteilchen erhöhen, die Radioaktivität zunimmt oder der Sauerstoffgehalt im Gartenteich sinkt? Immerhin wird das mit den Boviseinheiten ganz bestimmt funktionieren, denn Hirngespinste sind bekanntlich realitätsresistent. Aber wie und wo (warum fragt man natürlich nicht!) wendet man diese Dinger denn nun an? Dazu gibt die Webseite eine etwas eigenartige Antwort:

Fühlige Menschen spüren schnell, wie Energie und Harmonie, Freude und Leben in ein vormals belastetes und wenig lebendiges Gebiet schnell zurückkehrt. Der beschenkte Bereich bekommt seine natürliche Kraft zurück, Naturwesen finden sich ein, die Wasserqualität verbessert sich im Ganzen durch bessere Selbstregulierung u.v.m. kann beobachtet werden. Berichten Sie uns!

Man soll das Ganze also erspüren? Und wenn’s nicht klappt hat man falsch erspürt? Und was macht man jetzt eigentlich genau mit den Glasdingern? Schauen wir mal unter „Anwendung“ nach:

 Geeignet für das Ausbringen im Boden, in alle Arten von Gewässern – fließende und stehende, natürliche wie künstliche, von Kleinstgewässern bis zum offenen Meer – sowie praktisch an allen sinnvollen Orten. Kann leicht versteckt werden und somit auch an Orten platzierbar, die anderen Hilfsmittel nicht zugänglich sind oder wo sie schnell entfernt werden würden.

 Aha, man soll das Zeugs also irgendwo auslegen oder ins Wasser werfen … … weiter:

einige Glasnuggets in einem Elementewirbel platziert, verstärkt dessen Wirkung und verbindet sehr harmonisch mit anderen Hilfsmitteln und Naturwesen,

Was ist ein „Elementewirbel“? Was sind „Naturwesen“ und können die auch beißen (erst am Wochenende hat mich ein geflügeltes Naturwesen überfallen und gestochen – Premiere 2015!)?

Wasser: wirken bei jedem ph-Wert, soweit dies innerhalb der natürlichen Ordnung sinnvoll ist.

Ja, ok – aber wie wirken denn die Dinger??????

Wirkung beginnt sofort sich aufzubauen, Beobachtungen je nach Bereichsgröße ab einigen Tagen bis Wochen mit Ausgangzustand vergleichen.

Welche Wirkung?????

Irgendwie scheinen die Anbieter weder zu wissen, wie ihre Glasdinger wirken, noch wo oder wie man sie verwenden soll. Irgendwie soll man also diese Glasdinger kaufen – für 1,75 Euro pro Stück – und dann irgendetwas damit machen (… und nachschauen was dann passiert). Tolles Produkt, aber nur für den Verkäufer, denn man kann die gleichen Teile auch woanders kaufen … … aber zu ganz anderen Preisen. Hier kosten 10 Stück 0,99 Euro, dort 55 Stück 2,99 Euro (und 220 wegen Mengenrabatt 9,98 Euro). Über die Möglichkeit, solche Glasdingens im 10 kg – Gebinde für 35- 60 Euro zu kaufen möchte ich gar nicht nachdenken.

Gehen wir von der teuersten Version des Einkaufspreises aus, dann kostet ein Glasdingens gerade mal 10 Cent, mit Mengenrabatt wahrscheinlich weniger als 5 Cent. Verkauft wird das Ganze dann für 1,75 Euro pro Stück, also fast dem 20-fachen (oder 35-fachen) des Einkaufspreises. Der Begriff „Raubtierkapitalismus“ dürfte bei den Käufern dieser Erdheildingens eher unbeliebt sein, aber eine solche Gewinnmarge ist ja schon irgendwie … (nein, das sage ich jetzt nicht).

Was stand nochmal in der Werbung? Ach ja: „extrem preiswert“ …





Der Hessische Esoterikrundfunk: Schon wieder Werbung für einen Scharlatan

4 01 2015

Erst vor wenigen Tagen war sich die Sendung „hallo hessen“ im Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks nicht zu schade einem offensichtlichen Scharlatan ausführliche Werbezeit zu gewähren und eine Sendung in schlechtestem Astro-TV-Niveau auszustrahlen, gestern hat dann der Radiosender hr1 nachgezogen und den ganzen Tag über Werbung für einen Astrologen gemacht. Kritische Stimmen waren natürlich auch dieses Mal nicht vorhanden, statdessen durfte der Astrologe Alexander Graf von Schlieffen den ganzen Tag lang mit lächerlich belanglosen Texten Werbung für seine nicht ganz so billigen Dienstleistungen an die Hörerschaft bringen. Bei einem privaten Sender wäre das wenig überraschend, aber ein öffentlich-rechtlicher Sender mit definiertem Bildungsauftrag sollte da doch ein wenig wählerischer sein. Wikipedia beschreibt das mit dem Bildungsuftrag wie folgt:

Zu den Bildungsaufgaben zählt neben der Wissens– und Kulturvermittlung auch das Verständnis für soziale, kulturelle und geschichtliche Zusammenhänge, die religiöse und politische Bildung.

Das Verständnis für soziale und kulturelle Zusammenhänge in Bezug auf die Astrologie scheint beim Hessischen Rundfunk jedoch nur auf dem Betrachten von Astro-TV zu beruhen, denn warum sonst sollte man sonst auch noch solche vollkommen inhaltsleeren Texte auf den eigenen Webseiten veröffentlichen wie diesen:

Worauf sollten Sie achten?
Es kann passieren, dass manche Dinge, mit denen Sie sich seit langer Zeit beschäftigen, ein bisschen an Reiz verlieren. Daher ist es an der Zeit, sich von bestimmten Themen – auch im Beruf – zu verabschieden. Gleichzeitig ist es ein Jahr, das emotional sehr aufregend werden kann. Diese Erregung steht auch für eine Art Neuanfang im Privat- und Familienleben.

Ein einziges Blablabla, ohne jeden Inhalt, und der Rest ist auch nicht besser. Gut war das wirklich nur für den Astrologen, der durch diese Aktion ganz kostenlos Werbung für seine gar nicht kostenlose Dienste bekommen hat. Seine Preisliste sieht übrigens so aus:

Die Kosten für eine Stunde am Telefon sind 150€.

Die Kosten für eine halbe Stunde am Telefon sind 70€.

Die Kosten für eine Stunde vor Ort sind 200€.

Kann man bei diesem Astrologen eigentlich seine gezahlten Rundfunkgebühren bei der Rechung anrechnen lassen?





Astro TV? Nein, Hessischer Rundfunk! (mit Update)

31 12 2014

Wer am 30.12.2014 beim Zappen über die Sendung „hallo Hessen“ im hessischen Fernsehen gestolpert ist (sie ist noch ein paar Tage in der Mediathek verfügbar), dürfte ein wenig überrascht gewesen sein. Was dort zu sehen war würde man eher bei einem Sender wie Astro-TV erwarten: Eine völlig unkritische Selbstdarstellung eines selbsternannten Handlesers, Pendlers und Wahrsagers, dem der Hessische Rundfunk auf Kosten der Gebührenzahler eine über 40-minütige Werbeveranstaltung ermöglichte. Kritische Rückfragen? Fehlanzeige! Und die Reaktion auf kritische Stimmen auf Facebook spricht auch Bände:

hr301214Das „Augenzwinkern“ war nirgends zu sehen, stattdessen Werbung pur mit einem  vermeintlich „sensationellen“ Prognosetreffer (siehe Update unten) des Wahrsagers – für einen öffentlich-rechtlichen Sender mit Bildungsauftrag war das ein absolutes Armutszeugnis, und beim HR  nicht das erste Mal.

Beibt die Frage ob der HR diesem Menschen auch noch eine Gage gezahlt hat? Ich befürchte ja, dass die das getan haben – und damit die Gebührenzahler auf deren eigene Kosten veralbert. Wieviele auf diesen lächerlichen Unsinn hereingefallen sind möchte ich gar nicht wissen – für den Wahrsager ist es auf jeden Fall ein lukratives Geschäft: 20 Euro nimmt der für eine „Kurzberatung“, 100 Euro für eine Stunde Gelaber – und natürlich wirbt er im Internet gerne mit diesen Auftritten. Dass der Mann nicht mehr als schwammiges Gelaber drauf hat konnte man in der Sendung übrigens sehr gut überprüfen …

Zum sensationellen Prognosetreffer:

Der Handleser/Pendler-Schwurbifex hatte einer Teilnehmerin an der Vorjahressendung (einer Frankfurter Konditorin) kommenden Kindersegen prognostiziert, und tatsächlich, im August wurde der Dame ein Kindlein geboren. Komisch ist dabei natürlich, dass die Frau zum Zeitpunkt der Sendung so etwa in der 8. Schwangerschaftswoche gewesen sein muss (wenn es denn keine Frühgeburt war) und ihr die Schwangerschaft schon „irgendwie“ hätte auffallen müssen („ihre Tage“ dürfte sie ja schon 2 mal nicht gehabt haben). So ist die Darstellung des hr nicht nur eine lächerliche Esoterikwerbung, mit dem nach dem Duktus der Sendung quasi selbst recherchierten Trefferbeispiel wird der Fernsehzuschauer schlicht und einfach betrogen!

 





Zuschauerverdummung, leicht entschärft: WDR ändert Homöopathietipps – aber nur ein wenig!

17 06 2014

Vor einer Woche hatte der WDR in seiner Nachmittagssendung daheim & unterwegs eine Heilpraktikerin zu Gast, die den Fernsehzuschauern eine homöopathische Reiseapotheke empfahl. Auf einer Webseite wurden die Tipps nochmals zusammengefasst, und was man damals dort lesen konnte war wirklich gemeingefährlich. Ich hatte hier darauf hingewiesen, und Elke vom RatgeberNewsBlog hatte im Kommentar noch auf einen anderen, völlig unsinnigen „Tipp“ verwiesen:

Cantharis bei Verbrennungen und Sonnenbränden zweiten Grades (wenn Blasen und Brennen auftreten).

Nun hat die Redaktion ihre Webseite ein wenig verändert und zumindest einige wirklich absurde Behauptungen der Heilpraktikerin entschärft. Dies betrifft schon gleich den ersten Abschnitt zum Mittel Arnica:

Stand dort in der letzten Woche noch folgendes:

Das bekannteste homöopathische Mittel. Es hilft schnell bei Verletzungen aller Art wie Prellungen, Quetschungen, Bluterguss, Schürf- und Bisswunden, aber auch bei Muskelkater. Blutungen hören schneller auf, Wunden verheilen besser, blaue Flecke verschwinden eher oder entstehen gar nicht erst. Bei schlechtem Heilungsverlauf empfiehlt unsere Heilpraktikerin eine Calendula-Tinktur.

So ist jetzt der mittlere Satz (oben fett markiert) mit wirklich hanebüchenen Behauptungen verschwunden. Immerhin möchte man sagen, aber irgendwelche Belege dafür, dass dieses homöopathische Mittel überhaupt bei den erwähnten „Verletzungen aller Art“ hilft dürfte die Heilpraktikerin nicht liefern können, dieser Teil der Zuschauerverdummung bleibt einfach stehen.

Auch die Beschreibung des Mittels Apis (Bienengift) hat die Redaktion ein wenig verändert und den Hinweis auf die Anwendung des Mittels „auch bei allergischer Reaktion“ entfernt. Hier hatte Elke in ihrem Kommentar zurecht moniert, dass für sie als Allergikerin die Gabe von Apis D6 (bei der Internetapotheke remedia.at ist auch D2 zu finden!) bei irgend einem anderen Stich höchstgefährlich wäre. Vielleicht hatte die Heilpraktikerin auch deswegen vorsorglich Homöopathika in der „Potenzierung“ C30 „empfohlen“ (zumindest hat sie keine andere Version genannt) …

Die Beschreibung von Belladonna hat die Redaktion um eine ganze Reihe von haltlosen bis gefährlichen Behauptungen der Heilpraktikerin gekürzt. So sah es noch letzte Woche aus:

Bei Sonnenstich, klopfenden Kopfschmerzen und Hitzschlag ist Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin. Er hilft auch bei beginnenden brennenden Halsschmerzen und bellendem Husten. Ebenso findet er Anwendung bei schnell steigendem Fieber und Fieberkrämpfen.

Jetzt steht dort nur noch folgendes:

Bei Sonnenstich, klopfenden Kopfschmerzen und Hitzschlag soll Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin sein.

Man beachte, dass aus einem „ist Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin“ jetzt plötzlich ein „soll Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin sein“ geworden ist.

In der Beschreibung der Mittel Cantharis und Urticaria hat die Redaktion nur den folgenden Satz stehen lassen:

Die homöopathischen Notfallmittel gegen Verbrennungen und Sonnenbrand.

Die weitere Beschreibung, aus der ich oben schon kurz zitiert habe, ist verschwunden (hier natürlich noch nachzulesen!), und das ist auch gut so. Dass diese homöopathischen Mittel in einem echten Notfall tatsächlich angebracht sind möchte ich jedoch bezweifeln, besser wäre es wohl gewesen, diese Mittel nur bei einem homöopathisch verdünnten „Notfall“ zu empfehlen. Ansonsten fragt man sich schon, warum die Redaktion eines öffentlich-rechtlichen Senders bei Gesundheitsfragen nicht einfach einen kompetenten Arzt – hier etwa einen Hautarzt – fragt, bevor sie ihren Zuschauern Unsinn präsentiert.

Nach den üblichen Tipps zur Einnahme und Lagerung von Homöopathika (z.B. „Alkohol, Kaffee, Zahnpasta, ätherische Öle, Kaugummi sowie manche Kräuter und Kräutertees beeinträchtigen die Wirkung der Globuli„) kommt am Ende ein Satz, der nicht wirklich überraschen kann:

Bitte beachten Sie: Die Heilpflanzenkunde ersetzt bei Beschwerden nicht den Besuch eines Arztes oder Heilpraktikers.

Ein Satz, der wohl als Feigenblatt dienen soll, falls sich vielleicht doch ‚mal jemand auf diese „Tipps“ beruft und dann zu Schaden kommt – aber bei dem es gar nicht um die oben immer noch empfohlenen Mittelchen geht, denn Homöopathie ist eben keine „Heilpflanzenkunde„, und sie war es auch nie! Ob die eingeladene Heilpraktikerin, die sich gerne als eine Art natürliche Kräuterfee geriert und im Mai in der gleichen Sendung über die „Heilkraft der Erdbeere“ erzählen durfte (Quelle: ihre Facebookseite), diesen Unterschied kennt weiß ich natürlich nicht. Gesundheitstipps von medizinischen Laien – und das sind Heilpraktiker überwiegend – ohne Rücksprache mit einem echten Mediziner an seine Zuschauer herauszugeben ist auf jeden Fall ein Armutszeugnis für eine Redaktion – ganz besonders bei einem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender der ja immer noch so etwas wie einen Bildunsauftrag haben sollte.





Donnerstagsvideos (10): Ein wenig Mathematik

17 04 2014

Nachdem ich letzte Woche Urlaub hatte und es keine Donerstagsvideos gab habe ich diese Woche wieder ein paar schöne Vorträge, und dieses Mal gehts um mein Lieblingsfach in der Schule: Mathematik.

Zunächst geht es um den Mathematikunterricht in der Schule. Sean Briel und Daniel nach erzählen von ihren – erfolgreichen – Ansätzen für einen besseren Mathematikunterricht:

Masao Morita geht noch einen Schritt weiter und organisiert „mathematical concerts“ in denen er der Öffentlichkeit Mathmatik vorführt:

Michael Randy Gabel spricht über Mathematik und Musik und ergründet warum die meisten Menschen in der Schule das Interesse an diesem Fach verlieren:

Viel Spaß!





Donnerstagsvideos (9) – für Kurzentschlossene: Kumaré noch 3 Tage in der Servus-TV Mediathek verfügbar

3 04 2014

Der schöne amerikanische Dokumentarfilm Kumaré des New Yorker Filmmachers Vikram Gandhi lief letzte Woche – nicht zum ersten Mal – bei Servus TV, und ist deshalb auch wieder in der dortigen Mediathek verfügbar. Wer also etwa 90 Minuten Zeit hat und den Film noch nicht kennt, dem lege ich diese wirklich gut gemachte (und wahre) Geschichte eines gefakten Gurus ans Herz, der sich am Ende fast nicht traut seinen treuen Anhängern die Wahrheit zu sagen.

 

Viel Spaß!





Lieber DZVhÄ: Nicht labern, machen!

24 01 2014

Vor einigen Tagen hat die GWUP einen Flyer zur Homöopathie veröffentlicht, der sich kritisch mit der „Heilslehre“ des Samuel Hahnemann auseinandersetzte. Nun hat der DZVhÄ – der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte –  eine korrigierte Version des Flyers vorgelegt, und gezeigt, dass man außer Laberargumenten nicht allzu viel zu bieten hat. Dabei könnten die DZVhÄ-Leute den pöhsen Skeptikern doch ganz einfach zeigen, dass an ihrer Leere etwas dran ist, aber bevor ich denen meinen alten Vorschlag nochmals unterbreite erst mal zu der eher lächerlichen Kritik am GWUP-Flyer.

Das fängt schon am Anfang an, wenn auf dem GWUP-Flyer ein paar wenig geschmackvoll klingende „Zutaten“ (Fliegenpilze, Schlangengift, Speichel tollwütiger Hunde, Kopfläuse, Kakerlaken, Hundekot, Eiter, Krebs und Leprazellen, Arsen, Quecksilber und Plutonium) aufgelistet werden, kontert die DZVhÄ mit folgendem Kommentar:

Wo ist das Problem, wenn doch „in diesen angeblichen Heilmitteln“kein einziges Molekül des Ausgangsstoffes mehr enthalten ist (s.u.)? Die Skeptiker sollten sich entscheiden, EKLIG oder KEIN WIRKSTOFF – beides zusammen geht schlecht. In der Medizin werden nun mal auch giftige Substanzen aus der Natur verwendet und bei einer Impfung werden auch Krankheitserreger eingesetzt.

Das Problem ist, dass es in diesem Abschnitt zunächst mal um die Abgrenzung zur „sanften Pflanzenheilkunde“ geht und nur ein paar Beispiele von Stoffen  genannt werden, aus denen Homöopathen Mittel herstellen. Die Auswahl ist übrigens ziemlich nett, mir wären da noch ganz andere Sachen eingefallen …

Danach geht es bei der GWUP um die Verdünnungen, und der DZVhÄ fällt folgendes ein:

Das Potenzieren „geht“ doch ein bisschen anders; z.B. gibt es noch
Arbeitsschritte wie Verreiben und Verschütteln.

Äh – nun ja, wenn ich ein Mittel 1:10 verschüttele dann ist das keine Verdünnung? Und wenn ich mit Milchzucker verreibe, dann wird das vermeintliche Heilmittel nicht „dünner“? Wenn ich meinen Kaffee mit Milch „verdünne“ rühre ich um, könnte natürlich auch verschütteln (ob mit oder ohne Buch mit Ledereinband) wenn ein Deckel auf der Tasse wäre … … aber wo ist der Unterschied? Wenn ich verschüttele dann verdünne ich nicht? Da fällt mir nur dieses schöne Beispiel aus England ein:

Die Erörterung des Verdünnungsgrades einiger Mittel wird von den Homöopathen wie folgt kommentiert:

Glauben Homöopathen, dass eineTablette Aspirin irgendwo ins Meergeworfen alle Kopfschmerzen dieser Welt beseitigt? Oder funktioniert die Homöopathie doch ganz anders?

Immerhin eine gute Frage, aber was Homöopathen glauben ist völlig egal und der DZVhÄ sollte diese Frage wohl eher seinen Mitgliedern stellen (ich kenne da einige, die würden schockierende Antworten geben …). Immerhin gibt es  keinen Widerspruch zur GWUP-Darstellung. Die Tatsache, dass dann gar kein Molekül der Wirksubstanz übrig bleibt, animiert den DZVhÄ-Autor zu folgender Stilblüte:

Auch der Wirkmechanismus vieler schulmedizinischer Mittel konnte trotz Kenntnis ihrer chemischen Struktur noch nicht erforscht werden; dennoch werden sie mit unzweifelhafter Wirksamkeit eingesetzt.

Sorry, Thema verfehlt! Es geht darum, dass bei der „Höbbadie“ (Copyright by aargks) gar kein Molekül vorhanden ist und nicht darum, dass Wirkmechanismen vorhandener Moleküle (Hinweis für der DZVhÄ nahestehende Leser: das ist eben der entscheidende Unterschied!!!) noch nicht vollständig geklärt sind.

Bisweilen sind die Kommentare sogar selbst entlarvend. Wenn die GWUP die Simile-Regel, also das von Hahnemann postulierte Ähnlichkeitsprinzip wonach „Gleiches Gleiches heilen möge“, der Homöopathie als Irrtum bezeichnet, entgegnet die DZVhÄ:

Das Ähnlichkeitsprinzip kann nicht nur in der Homöopathie erfahren werden, sondern z.B. auch in der Psychotherapie als sogenannte „paradoxe Intervention“.

Seit wann geht es beim lustigen Globulischlucken um Psychotherapie? Oder behauptet die Homöopathie seit Neuestem eine Psychotherapie zu sein? Nun ja, Skeptiker loben ja gerade die psychologischen Faktoren der homöopathischen Behandlung (die zeit- und kostenraubende Anamnese), als eine Art Placeboverstärker, aber dass sich die Homöopathie in ihrer Wirkungsweise jetzt auf Psychotherapien beruft dürfte den seligen Herrn Hahnemann im Grabe rotieren lassen.

Zu den geforderten Belegen (welche Belege liefert eigentlich der Autor von der DZVhÄ, außer dass er ein oder zwei Studie namentlich erwähnt?) hat sich schon Herr Aust vom Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie gemeldet, und ich hoffe, dass er sich auch dieser erwähnten Studien annimmt. Kann ja sein, dass zumindest eine dieser Studien tatsächlich methodisch einwandfrei und „trotzdem signifikant“ ist – bei der Menge an nicht signifikanten Studienergebnissen muss es eine solche ja fast zwangsläufig geben, da ein Test auf einem Signifikanzniveau von 5% tatsächlich bei einer von 20 Studien fälschlicherweise ein positives Ergebnis erwarten lässt, obwohl tatsächlich keine Wirkung vorhanden ist.

Mein Lieblingskommentar des DZVhÄ-Argumentationsverweigerers ist aber der Kommentar zu der Kritik an den Arzneimittelprüfungen:

Falsch: Es gibt mehrere doppelblinde Arzneimittelprüfungen, u.a. Möllinger et al. Mehr als nur Placeboeffekt?

OK, ich kenne Herrn Mölllinger nicht, aber wenn der es – zumindest einmal – geschafft haben will bei einer doppelblinden Arzneimittelprüfung (die genaue Methodenbeschreibung wäre sehr interessant …) einen Beleg für die Wirksamkeit von Globuli oder Dilutionen zu „belegen“ (ohne Replikation ist das ein sehr schwacher Beleg … … dass dies auch ein Problem bei den „echten“ Pharmazeuten ist, das beschreibt Ben Goldacre in seinem lesenswerten Buch „Bad Pharma“ bzw. „Die Pharma Lüge“ ausführlich und sehr eindrucksvoll), dann sind er bzw. seine Probanden doch die idealen Kandidaten für meinen schon 2009 vorgeschlagenen homöopathischen Selbstversuch. Die Vorbereitung (Verblindung) sollte natürlich von der GWUP und dem DZVhÄ gemeinsam vorgenommen werden und es gilt – natürlich – immer noch mein damals vorgestelltes und später leicht revidiertes Studiendesign, das ich im Folgenden weiter optimiert habe (wir brauchen einen Apotheker, der nach allen Regeln der Kunst Homöopathika herstellen kann und darf, aber die gibt es natürlich in diesem Land):

  1. Freiwillige melden sich und geben ein Homöopathikum an, das sie an Hand der Wirkung erkennen zu können glauben. Angeben müssen sie noch, wie viele Globuli und wie viel Zeit sie brauchen, um die Wirkung zu erkennen. (Neu:) Sie erhalten dann 9 Portionen a 1g Globuli, die lediglich numeriert sind, und für die sie bei jeder 1g-Portion entscheiden müssen, ob es das homöopathische Mittel oder das Placebo ist (natürlich gibt es auch die ANtwort „weiß nicht“).
  2. Ein Apotheker stellt die Homöopathika her und diese werden – möglicherweise notariell beglaubigt – versiegelt. Natürlich dürfen Homöopathen und DZVhÄ-Vertreter die Herstellung überwachen
  3. Nun erfolgt die Verblindung (auch gerne mit Vertretern der DZVhÄ-Fraktion): Das Homöopathikum und – im Fachhandel erhältliche – leere Globuli werden nach dem Zufallsprinzip (50:50) auf vorher mit Nummern versehene Behältnisse a 1g verteilt. Dies wird – natürlich – dokumentiert, aber die Dokumentation wird nachher versiegelt und von einem Notar in seinem Safe verschlossen.
  4. Nun werden – wieder per Zufallauswahl – neun Behältnisse a 1g für die Testperson ausgewählt. Die Zahl „neun“ nehme ich nur aus einem Grund: es gibt nämlich diese „homöpathische Taschenapotheke„, die man für solche Tests verwenden könnte …
  5. Nun werden die gefüllten Taschenapotheken verschickt oder verteilt. Die Testpersonen müssen nun nur für jeden Inhalt der dort drin befindlichen (und natürlich nummerierten) Gläschen entscheiden, ob da das Homöopathikum oder das Placebo drin ist – oder ob sie sich keine Entscheidung zutrauen.
  6. Danach wird ausgewertet, in wieviel Prozent der Fälle die Homöopathiefraktion die “echten” Globuli erkannt hat und natürlich auch, ob dieses Ergebnis auf einem Signifikanzniveau von 5% signifikant ist (das hängt ja auch von der Anzahl der Teilnehmer ab).

Tja, lieber DZVhÄ, wenn ihr einen solchen – einfachen!!! – Selbstversuch mitmacht, dann werdet ihr auch von Skeptikern wie mir ernst genommen – auch dann, wenn das Ergebnis nicht in eurem Sinne ist.








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