Die vrm-Akademie wirbt für esoterischen Unsinn

21 01 2016

Bereits im Juni letzten Jahres waren mir auf Grund eines Hinweises auf Facebook ein paar mehr als fragwürdige Angebote in der von den Herausgebern meiner geliebten Lokalzeitung (die mich per Onlineabo auch auf meinen Dienstreisen zuverlässig begleitet) organisierten Erlebnis-Akademie aufgefallen. Jetzt haben sie ein Angebot – unter anderem für das kommende Wochenende – das wirklich nur noch aus haarsträubender Esoterik besteht. Das Selbstverständnis der vrm-Akademie klingt ja noch vielversprechend:

Ihre Tageszeitung, egal ob gedruckt oder online, ist mehr als ein Informationsmedium. Wir nehmen das wörtlich und bieten Ihnen in der VRM-Akademie spannende, oft außergewöhnliche und interessante Seminare, Workshops, Vorträge und Events in überschaubaren Gruppen an.

Da steht nichts von Esoterik, aber dann wird dieser „Kurs“ beworben:

Sie wollen sich selbst oder Ihrer Familie bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Unruhe, Schlaflosigkeit und anderen körperlichen Beschwerden etwas Gutes tun können? Ohne schädliche Nebenwirkungen? Jederzeit anwendbar?

Natürlich wollen wir das! Und es ist ja auch ganz einfach, denn dafür gibt es das Sonuspunktur®-Seminar! Sonuspunktur®? Was soll das sein? Das wird natürlich gleich „erklärt“:

Dann können Sie im Sonuspunktur®-Seminar lernen, wie das auch für medizinische Laien gut möglich ist. Ausgehend von der traditionellen chinesischen Medizin bewirkt ein Ausgleich der körpereigenen Energiebahnen eine Stärkung Ihres Energiesystems und aktiviert Ihre Selbstheilungskräfte. Anders als mit Nadeln in der Akupunktur werden hier verschiedene Stimmgabeln auf Schmerzpunkte, Sehnenansätze, Nerven, Muskel- und Bindegewebe sowie auf Akupunkturpunkte und Reflexzonen gesetzt. Die unterschiedlichen Schwingungsfrequenzen der Stimmgabeln bringen blockierte Bereiche Ihres Körpers wieder in die richtige Schwingung. Die Kurse sind sowohl für medizinische Laien als auch für Menschen, die im medizinischen Bereich tätig sind, geeignet.

Wow! Was für ein Bullshit-Text! Akupunkturpunkte und Reflexzonen sind Hirngespinste! Aber halt, Stimmgabeln und Akupunkturpunkte? Da klingelt etwas bei mir – und tatsächlich, vor vier Jahren war mir der Schwachsinn schon einmal aufgefallen, damals hatte ein homöopathischer Spermienverschüttler ein ähnliches Verfahren im Angebot, unter dem Namen Phonophorese.

Sucht man im Internet nach der Sonuspunktur® findet man zwei Damen, die diese „Anwendungen“ anbieten und mit einem fast identischen Text bewerben. Das ist nicht verwunderlich, denn die beiden haben sich das Verfahren auch irgendwie ausgedacht. Die Beschreibung ist reinstes Bullshitbingo, mit echten Stilblüten:

Dazu gehört die Erkenntnis, dass die Organe etc. über spezielle Eigenschwingungen verfügen, welche im gesunden Zustand bei allen Menschen in etwa gleich sind.

Was? Organe schwingen? Mit welcher Frequenz? Mit welcher Amplitude? Also ich habe ja noch nichts davon gemerkt (ok, es gibt Organe die können schwingen) …

Bei einer Krankheit schwingt wenigstens ein Organ oder Körperteil in einer „falschen“ Frequenz und kann dabei nicht nur die Gesamtharmonie stören, sondern auch andere Organe und Körperteile aus der Balance bringen.

Hmm, ich werde also krank, wenn ich meinen Arm in einer falschen Frequenz schwingen lasse?

Heilversprechen geben die beiden Damen natürlich nicht ab, sie versprechen nur eine eventuelle Aktivierung der Selbstheilungskräfte und wann sie hilfreich sein kann:

Eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch Sonuspunktur® kann hilfreich sein bei:

  • Stress und innerer Unruhe,
  • Schmerz- und Entzündungsprozessen
  • Husten und Erkältungen
  • Konzentrationsstörungen / AD(H)S
  • Energielosigkeit
  • Traurigkeit, Angst
  • Kopfschmerzen und Migräne und
  • Schlafstörungen

sowie auch zur

  • Durchblutungsförderung
  • Verbesserung des Stoffwechsels
  • Ausscheidung von von Schlacken
  • Entstörung von Narben

und vielem mehr.

Bei solchem Entlangschlittern an der Grenze zu Heilversprechen muss man sich natürlich auch noch ein wenig absichern. Das sieht dann bei einer der Damen so aus:

sonus1

Die andere beschreibt das ausführlicher,und fügt noch folgenden Satz hinzu:

Für Schäden, die durch den Verzicht auf anerkannte und übliche medizinische Diagnostik und Anwendung entstehen, kann daher keine Haftung übernommen werden.

Ein Problem gibt es aber: Beide sind weder Ärztinnen noch Heilpraktikerinnen, dürfen also ihre (offensichtlich namentlich geschützte) Sonuspunktur® gar nicht selbst irgendwelchen Kunden „verschreiben“. Hier wird aber eine bekannte rechtliche Grauzone ausgenutzt, denn auch wenn die beiden Damen niemanden ihr Stimmgabelgemache als Heilbehandlung „verschreiben“ dürfen, ist ihnen das Anbieten und Abhalten von Seminaren erlaubt. Und so empfehlen sie den – zahlenden – Kunden (das von der vrm-Akademie beworbene Wochenendseminar kostet 190 Euro) frech die Selbstbehandlung bzw. die Behandlung von Familenmitgliedern.

Dass die Anbieterin dieses Schwachsinns ganz stolz auf die Kooperation mit der vrm-Akademie ist zeigt ein Blick auf ihre Seminarliste, denn dort wird das an prominenter Stelle erwähnt. Es ist schon sehr ärgerlich, wenn ein an sich guter Verlag mit solchen Kooperationen hanebüchenen Unsinn gesellschaftsfähig macht. Dass die Seminare sogar im Weiterbildungsportal RLP zu finden sind macht das nicht besser, ich werde der zuständigen Ministerin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz eine Nachricht zukommen lassen …

 





MMS-Messe kein XING-Event mehr

11 02 2015

Das ging ja schnell! Vor wenigen Tagen hat XING mir einige Events vorgeschlagen, darunter auch den usäglichen „Spirit of Health“ Kongress 2015 in Kassel. Man konnte sich über die XING-Events sogar anmelden – meine Rückfrage per Mail mit Hinweis auf den Inhalt dieser Veranstaltung wurde postwendend beantwortet, und jetzt liefert eine Suche nach diesem Event Event bei XING nicht mehr das (… sogar mit Anmeldeseite):

soh06sondern das:

soh04Dass der Kongress wirklich abgesagt sein soll glaube ich ja nicht, aber vielleicht sollten sich die Veranstalter in Kassel ein Beispiel an den XING-Leuten nehmen …





Zuschauerverdummung, leicht entschärft: WDR ändert Homöopathietipps – aber nur ein wenig!

17 06 2014

Vor einer Woche hatte der WDR in seiner Nachmittagssendung daheim & unterwegs eine Heilpraktikerin zu Gast, die den Fernsehzuschauern eine homöopathische Reiseapotheke empfahl. Auf einer Webseite wurden die Tipps nochmals zusammengefasst, und was man damals dort lesen konnte war wirklich gemeingefährlich. Ich hatte hier darauf hingewiesen, und Elke vom RatgeberNewsBlog hatte im Kommentar noch auf einen anderen, völlig unsinnigen „Tipp“ verwiesen:

Cantharis bei Verbrennungen und Sonnenbränden zweiten Grades (wenn Blasen und Brennen auftreten).

Nun hat die Redaktion ihre Webseite ein wenig verändert und zumindest einige wirklich absurde Behauptungen der Heilpraktikerin entschärft. Dies betrifft schon gleich den ersten Abschnitt zum Mittel Arnica:

Stand dort in der letzten Woche noch folgendes:

Das bekannteste homöopathische Mittel. Es hilft schnell bei Verletzungen aller Art wie Prellungen, Quetschungen, Bluterguss, Schürf- und Bisswunden, aber auch bei Muskelkater. Blutungen hören schneller auf, Wunden verheilen besser, blaue Flecke verschwinden eher oder entstehen gar nicht erst. Bei schlechtem Heilungsverlauf empfiehlt unsere Heilpraktikerin eine Calendula-Tinktur.

So ist jetzt der mittlere Satz (oben fett markiert) mit wirklich hanebüchenen Behauptungen verschwunden. Immerhin möchte man sagen, aber irgendwelche Belege dafür, dass dieses homöopathische Mittel überhaupt bei den erwähnten „Verletzungen aller Art“ hilft dürfte die Heilpraktikerin nicht liefern können, dieser Teil der Zuschauerverdummung bleibt einfach stehen.

Auch die Beschreibung des Mittels Apis (Bienengift) hat die Redaktion ein wenig verändert und den Hinweis auf die Anwendung des Mittels „auch bei allergischer Reaktion“ entfernt. Hier hatte Elke in ihrem Kommentar zurecht moniert, dass für sie als Allergikerin die Gabe von Apis D6 (bei der Internetapotheke remedia.at ist auch D2 zu finden!) bei irgend einem anderen Stich höchstgefährlich wäre. Vielleicht hatte die Heilpraktikerin auch deswegen vorsorglich Homöopathika in der „Potenzierung“ C30 „empfohlen“ (zumindest hat sie keine andere Version genannt) …

Die Beschreibung von Belladonna hat die Redaktion um eine ganze Reihe von haltlosen bis gefährlichen Behauptungen der Heilpraktikerin gekürzt. So sah es noch letzte Woche aus:

Bei Sonnenstich, klopfenden Kopfschmerzen und Hitzschlag ist Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin. Er hilft auch bei beginnenden brennenden Halsschmerzen und bellendem Husten. Ebenso findet er Anwendung bei schnell steigendem Fieber und Fieberkrämpfen.

Jetzt steht dort nur noch folgendes:

Bei Sonnenstich, klopfenden Kopfschmerzen und Hitzschlag soll Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin sein.

Man beachte, dass aus einem „ist Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin“ jetzt plötzlich ein „soll Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin sein“ geworden ist.

In der Beschreibung der Mittel Cantharis und Urticaria hat die Redaktion nur den folgenden Satz stehen lassen:

Die homöopathischen Notfallmittel gegen Verbrennungen und Sonnenbrand.

Die weitere Beschreibung, aus der ich oben schon kurz zitiert habe, ist verschwunden (hier natürlich noch nachzulesen!), und das ist auch gut so. Dass diese homöopathischen Mittel in einem echten Notfall tatsächlich angebracht sind möchte ich jedoch bezweifeln, besser wäre es wohl gewesen, diese Mittel nur bei einem homöopathisch verdünnten „Notfall“ zu empfehlen. Ansonsten fragt man sich schon, warum die Redaktion eines öffentlich-rechtlichen Senders bei Gesundheitsfragen nicht einfach einen kompetenten Arzt – hier etwa einen Hautarzt – fragt, bevor sie ihren Zuschauern Unsinn präsentiert.

Nach den üblichen Tipps zur Einnahme und Lagerung von Homöopathika (z.B. „Alkohol, Kaffee, Zahnpasta, ätherische Öle, Kaugummi sowie manche Kräuter und Kräutertees beeinträchtigen die Wirkung der Globuli„) kommt am Ende ein Satz, der nicht wirklich überraschen kann:

Bitte beachten Sie: Die Heilpflanzenkunde ersetzt bei Beschwerden nicht den Besuch eines Arztes oder Heilpraktikers.

Ein Satz, der wohl als Feigenblatt dienen soll, falls sich vielleicht doch ‚mal jemand auf diese „Tipps“ beruft und dann zu Schaden kommt – aber bei dem es gar nicht um die oben immer noch empfohlenen Mittelchen geht, denn Homöopathie ist eben keine „Heilpflanzenkunde„, und sie war es auch nie! Ob die eingeladene Heilpraktikerin, die sich gerne als eine Art natürliche Kräuterfee geriert und im Mai in der gleichen Sendung über die „Heilkraft der Erdbeere“ erzählen durfte (Quelle: ihre Facebookseite), diesen Unterschied kennt weiß ich natürlich nicht. Gesundheitstipps von medizinischen Laien – und das sind Heilpraktiker überwiegend – ohne Rücksprache mit einem echten Mediziner an seine Zuschauer herauszugeben ist auf jeden Fall ein Armutszeugnis für eine Redaktion – ganz besonders bei einem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender der ja immer noch so etwas wie einen Bildunsauftrag haben sollte.





Öffentlich Rechtliche Zuschauerverdummung – WDR gefährdet Allergiker!

12 06 2014

Es ist gar nicht so lange her, dass ein namhafter Skeptiker in der wdr-Nachmittagssendung „daheim & unterwegs“ erklären durfte, was eigentlich an Homöopahie so dran ist: Nichts nämlich! Heute durfte dann eine Heilpraktikerin Werbung für eine homöopathische Reiseapotheke machen, und wenn man den Text zur Sendung liest, dann fällt man insbesondere bei folgendem Satz fast vom Stuhl, insbesondere wenn man Menschen kennt die eine Allergie gegen Bienengift haben:

Apis

Das Gift der Honigbiene. Es wird bei Stichwunden aller Art, besonders aber bei Bienen- oder Wespenstich verabreicht, auch bei allergischer Reaktion darauf.

Das ist schlicht und einfach lebensgefährlich, denn wie schreibt die Wikipedia zum Bienengift:

Eine besondere Gefährdung besteht für Menschen, die an einer Insektengiftallergie leiden: Für sie kann selbst ein einzelner unbehandelter Stich tödliche Folgen haben. Allergologen schätzen die Häufigkeit der Insektengiftallergien auf 1 % der Bevölkerung.

Schauen wir einfach ‚mal nach, was in diesem Fall für Menschen mit einer solchen Allergie emfohlen wird:

Zur Selbstbehandlung bei erneutem Stich erhält der Patient ein sogenanntes „Notfallset“, welches folgende Medikamente beinhaltet:

Das zeitliche Vorgehen der Applikation erfolgt nach der oben gelisteten Reihenfolge: unmittelbar nach dem Stich werden das Antihistaminikum und das Glukokortikoid eingenommen. Adrenalin wird erst dann via Autoinjektor verabreicht, wenn über Hautreaktionen hinausreichende systemische Symptome auftreten (z.B. Atemnot, Schwindel, Übelkeit). In der Schweiz wird abweichend hierzu bereits bei einer generalisierten Hautreaktion zur Verabreichung von Adrenalin intramuskulär geraten. Allgemein gilt, dass unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden muss.

Von kleinen Zuckerkügelchen steht da nichts, und das ist auch gut so, denn – siehe oben …

 





Krankenkassenvoodoo und Voodookrankenkassen – eine kleine Auswertung

4 02 2014

In den Diskussionen um den Unsinn Homöopathie wird von Skeptikern immer wieder zurecht beklagt, dass diese Methode ja leider auch von vielen Krankenkassen bezahlt wird. Nun kann man atürlich einfach seine Kasse fragen, warum sie das tut – und wird die üblichen Antworten bekommen, wie man im ratgebernewsblog lesen konnte. Die Frage, ob es nicht die ein oder andere Krankenkasse gibt, die nicht für diesen Unsinn zahlt, ist dabei doch eigentlich leicht zu beantworten. Man müsste nur mal bei allen Krankenkassen nachfragen … … oder gibt es da nicht vielleicht doch irgendwo einen Überblick? Doch, gibts es, auf der Seite „Krankenkassenvergleich“ werden die Leistungen von 100 gesetzlichen Krankenkassen miteinander verglichen, man kann sich also einen richtig guten Überblick über die verschiedenen Leistungsangebote verschaffen. Auch wenn der Leistungsvergleich unter falscher Flagge segelt (Naturheilverfahren) kann man das Ganze ja mal analysieren und auswerten welcher Voodoo von irgendwelchen Krankenkassen bezahlt werden kann und welche Krankenkasse eigentlich den meisten Voodookram bezahlt.

Auf der zum Download bereitgestellten pdf-Datei finden sich die Namen von 100 Krankenkassen, von denen allerdings 12 an diesem Leistunsvergleich gar nicht teilgenommen haben. OK, vergessen wir dieses antwortfaule Dutzend und wenden uns den 88 Krankenkassen zu, die sich zu den 13 dezidiert genannten Voodooverfahren geäußert haben. Zusätzlich konnten von den Krankenkassen noch weitere Angaben gemacht werden. Dabei wurde unterschieden, ob eine der Voodooleistungen bei allen Leistungserbringern mit entsprechender Zusatzqualifikation oder nur bei einigen ausgewählten in Anspruch genommen werden kann (diese Unterscheidung habe ich für die folgende Auswertung nicht berücksichtigt).

Nun also zu den nackten Zahlen, und zur ersten Frage: Welcher Voodoo wird wie oft angeboten?
Beginnen wir mit den Exoten aus der 13er-Liste:

  • Chelattherapie (5 mal angeboten)
  • Irisdiagnostik (5)
  • Eigenbluttherapie (7)
  • Shiatsu (7)
  • Reflexzonenmassage (nicht Fußreflexzonen) (10)
  • Ayurveda (10)
  • Lichttherapie (15)

Schon in dieser Gruppe sind interessante Kandidaten dabei. So scheint die Chelattherapie eigentlich eine echte medizinische Therapie, die man aber nur bei schweren Vergiftungen mit Schwermetallen einsetzt. Ansonsten ist’s eben nicht sinnvoll und auch die Liste der Nebenwirkungen ist beeindruckend (Störung des Calciumstoffwechsels kommen mit der Folge von Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen und im Extremfall Atemstillstand; Nierenversagen; eine Schädigung des Knochenmarks), sogar Todesfälle sollen schon vorgekommen sein. Bei Irisdiagnostik, Eigenbluttherapie und Ayurveda ist die Pseudowissenschaftlichkeit Programm, zu Shiatsu sind nach dieser Seite keine positiven Studien bekannt. Bleiben die mir bisher unbekannten Methoden Lichttherapie und die Sache mit der Reflexzonenmassage (… aber nicht an den Füßen).

Weiter geht’s mit folgenden drei Klassikern:

  • TCM (20)
  • Alternative Krebstherapie (25)
  • Phytotherapie (28)

Mich hätte fast gewundert, das TCM nur bei 20 Krankenkassen im Angebot zu sein scheint, aber die beliebteste Methode stand hier gar nicht zur Auswahl, denn hier steht:

Übrigens: Akupunktur ist ist bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen zur Regelleistung aller Kassen geworden. Weitere Akupunkturbehandlungen dürfen inzwischen aber nicht mehr übernommen werden! Und auch ganz wichtig: Gesetzliche Krankenkassen dürfen NIE Leistungen für Heilpraktiker übernehmen – nur für Ärzte mit entsprechender Zusatzausbildung!

… und nun zu den Top-Voodoomethoden und ihrer Krankenkassenverbreitung:

Der 3. Rang geht an die Anthroposophische Medizin, die 32 mal im Angebot der Krankenkassen zu finden ist, der 2. Rang geht an die Osteopathie, die sage und schreibe 69 mal im Angebot der Krankenkassen auftauchte – aber wie erwartet geht der 1. Rang an die Homöopathie (wenn auch nur knapp) mit immerhin 74 Nennungen.

Klar, die Homöopathie liegt eindeutig an der Spitze, sogar noch eindeutiger als es die nackte Zahl der Nennungen in der Vergleichstabelle aussagt. So gibt die IKK Nord die Homöopathie nur unter „Weitere“ an, und andere Krankenkassen haben irgendwie das Kreuzchen vergessen. Ich habe nämlich mal bei den 13 Krankenkassen nachgeschaut, bei denen kein Kreuzchen bei der Homöopathie zu finden war. Und das Ergebnis? Unschön! Klar, natürlich übernehmen auch die BKK Schwarzwald-Baar-Heuberg, BKK Schleswig Holstein, die AOKs aus Bayern, Hessen, Nordost, Rheinland-Pfalz/Saarland, Rheinland/Hamburg, Sachsen-Anhalt und die  BKK Freudenberg sowie die WMF BKK die Kosten für Homöopathie (zumindest teilweise – bei einigen Krankenkassen sind die Ausgaben z.B. auf 100 Euro p.a. gedeckelt). Bleiben noch drei Krankenkassen übrig, und das sind die folgenden:

SIEMAG BKK

Salus BKK

Shell BKKlive

Bei diesen drei Krankenkassen habe ich wirklich keinen Hinweis darauf gefunden, dass sie in irgendeiner Weise für Homöopathie zahlen würden …

Nun zur 2. Auswertung, der Suche nach der Voodookrankenkasse, also der Krankenkasse, die den meisten Unsinn aus der obigen Liste bezahlt. Hier die Top 7, also jene Krankenkassen, die in der Auswertung mindestens 10 der 13 angegebenen Verfahren zumindest teilweise bezahlen, wobei ich die Reihenfolge natürlich rein subjektiv festgelegt habe:

Platz 7: Barmer GEK: Außer Eigenbluttherapie, Irisdiagnostik und Shiatsu wird alles angeboten.

Platz 6: HEK – Hanseatische Krankenkasse: Sie bietet alles außer Chelattherapie und Irisdiagnostik an.

Platz 5: Brandenburgische BKK: Hier fehlt nur die Chelattherapie im Angebot, allerdings ist die Kostenübernahme auf 100 Euro p.a. für alle Alternativmittel gedeckelt.

Platz 4: Bergische Krankenkasse: Alles außer dem Reflexzonengedöns dafür aber das gesamte Hufelandverzeichnis

Platz 3 Techniker Krankenkasse: Hier fehlen mit Chelattherapie und Irisdiagnostik zwar zwei Voodoo-Angebote, dafür gibt es aber zusätzlich leckere Blutegel und eine „Ordnungstherapie“. Außerdem lässt die hier erwähnte Aktion der TK noch mehr Voodoo erahnen.

Platz 2: DAK-Gesundheit: Hier wird ja schon mal alles angeboten, und sogar ein wenig mehr. So gibt es zusätzlich Matrix-Rhythmus-Therapie, Kneippsche Verfahren, Chirotherapie, Muskelentspannung nach Jakobsen (upps – eine wirksame Methode unter den Voodoo-Angeboten … danke an Elke für den Hinweis). Die DAK kann es sich also leisten, fast jeden Mumpitz mit zu bezahlen.

Kommen wir nun zu meinem unangefochtenen Platz 1, der zweiten Krankenkasse, die nicht nur alles (also die 13 aufgelisteten Verfahren) sondern noch viel mehr anbietet: Es ist die

SECURVITA Krankenkasse

Nicht nur bietet diese – wie auch die Bergische KK – noch den gesamten Katalog aus dem Hufelandverzeichnis an, nein, sie geht sogar noch darüber hinaus und bezahlt (man muss sich das mal bildlich vorstellen) außerdem auch für (es ist wirklich unfaßbar) EIGENHARNTHERAPIE!

Darf ich also nach dem Besuch eines entsprechend verblödeten Arztes tatsächlich das Pipimachen mit der Krankenkasse abrechnen, wenn ich bei dieser Krankenkasse versichert bin?

Vielleicht frage ich ja mal bei der SIEMAG BKK nach ob ich so einfach zu denen wechseln kann – immerhin sind die Superkids auf der Webseite ‚mal eine etwas andere Werbung für eine Krankenkasse. Und wenn die mir bestätigen, dass sie bestenfalls für ganz wenig Voodoo … … dann würde ich meine Krankenkassenbeiträge viel lieber entrichten.





Lieber DZVhÄ: Nicht labern, machen!

24 01 2014

Vor einigen Tagen hat die GWUP einen Flyer zur Homöopathie veröffentlicht, der sich kritisch mit der „Heilslehre“ des Samuel Hahnemann auseinandersetzte. Nun hat der DZVhÄ – der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte –  eine korrigierte Version des Flyers vorgelegt, und gezeigt, dass man außer Laberargumenten nicht allzu viel zu bieten hat. Dabei könnten die DZVhÄ-Leute den pöhsen Skeptikern doch ganz einfach zeigen, dass an ihrer Leere etwas dran ist, aber bevor ich denen meinen alten Vorschlag nochmals unterbreite erst mal zu der eher lächerlichen Kritik am GWUP-Flyer.

Das fängt schon am Anfang an, wenn auf dem GWUP-Flyer ein paar wenig geschmackvoll klingende „Zutaten“ (Fliegenpilze, Schlangengift, Speichel tollwütiger Hunde, Kopfläuse, Kakerlaken, Hundekot, Eiter, Krebs und Leprazellen, Arsen, Quecksilber und Plutonium) aufgelistet werden, kontert die DZVhÄ mit folgendem Kommentar:

Wo ist das Problem, wenn doch „in diesen angeblichen Heilmitteln“kein einziges Molekül des Ausgangsstoffes mehr enthalten ist (s.u.)? Die Skeptiker sollten sich entscheiden, EKLIG oder KEIN WIRKSTOFF – beides zusammen geht schlecht. In der Medizin werden nun mal auch giftige Substanzen aus der Natur verwendet und bei einer Impfung werden auch Krankheitserreger eingesetzt.

Das Problem ist, dass es in diesem Abschnitt zunächst mal um die Abgrenzung zur „sanften Pflanzenheilkunde“ geht und nur ein paar Beispiele von Stoffen  genannt werden, aus denen Homöopathen Mittel herstellen. Die Auswahl ist übrigens ziemlich nett, mir wären da noch ganz andere Sachen eingefallen …

Danach geht es bei der GWUP um die Verdünnungen, und der DZVhÄ fällt folgendes ein:

Das Potenzieren „geht“ doch ein bisschen anders; z.B. gibt es noch
Arbeitsschritte wie Verreiben und Verschütteln.

Äh – nun ja, wenn ich ein Mittel 1:10 verschüttele dann ist das keine Verdünnung? Und wenn ich mit Milchzucker verreibe, dann wird das vermeintliche Heilmittel nicht „dünner“? Wenn ich meinen Kaffee mit Milch „verdünne“ rühre ich um, könnte natürlich auch verschütteln (ob mit oder ohne Buch mit Ledereinband) wenn ein Deckel auf der Tasse wäre … … aber wo ist der Unterschied? Wenn ich verschüttele dann verdünne ich nicht? Da fällt mir nur dieses schöne Beispiel aus England ein:

Die Erörterung des Verdünnungsgrades einiger Mittel wird von den Homöopathen wie folgt kommentiert:

Glauben Homöopathen, dass eineTablette Aspirin irgendwo ins Meergeworfen alle Kopfschmerzen dieser Welt beseitigt? Oder funktioniert die Homöopathie doch ganz anders?

Immerhin eine gute Frage, aber was Homöopathen glauben ist völlig egal und der DZVhÄ sollte diese Frage wohl eher seinen Mitgliedern stellen (ich kenne da einige, die würden schockierende Antworten geben …). Immerhin gibt es  keinen Widerspruch zur GWUP-Darstellung. Die Tatsache, dass dann gar kein Molekül der Wirksubstanz übrig bleibt, animiert den DZVhÄ-Autor zu folgender Stilblüte:

Auch der Wirkmechanismus vieler schulmedizinischer Mittel konnte trotz Kenntnis ihrer chemischen Struktur noch nicht erforscht werden; dennoch werden sie mit unzweifelhafter Wirksamkeit eingesetzt.

Sorry, Thema verfehlt! Es geht darum, dass bei der „Höbbadie“ (Copyright by aargks) gar kein Molekül vorhanden ist und nicht darum, dass Wirkmechanismen vorhandener Moleküle (Hinweis für der DZVhÄ nahestehende Leser: das ist eben der entscheidende Unterschied!!!) noch nicht vollständig geklärt sind.

Bisweilen sind die Kommentare sogar selbst entlarvend. Wenn die GWUP die Simile-Regel, also das von Hahnemann postulierte Ähnlichkeitsprinzip wonach „Gleiches Gleiches heilen möge“, der Homöopathie als Irrtum bezeichnet, entgegnet die DZVhÄ:

Das Ähnlichkeitsprinzip kann nicht nur in der Homöopathie erfahren werden, sondern z.B. auch in der Psychotherapie als sogenannte „paradoxe Intervention“.

Seit wann geht es beim lustigen Globulischlucken um Psychotherapie? Oder behauptet die Homöopathie seit Neuestem eine Psychotherapie zu sein? Nun ja, Skeptiker loben ja gerade die psychologischen Faktoren der homöopathischen Behandlung (die zeit- und kostenraubende Anamnese), als eine Art Placeboverstärker, aber dass sich die Homöopathie in ihrer Wirkungsweise jetzt auf Psychotherapien beruft dürfte den seligen Herrn Hahnemann im Grabe rotieren lassen.

Zu den geforderten Belegen (welche Belege liefert eigentlich der Autor von der DZVhÄ, außer dass er ein oder zwei Studie namentlich erwähnt?) hat sich schon Herr Aust vom Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie gemeldet, und ich hoffe, dass er sich auch dieser erwähnten Studien annimmt. Kann ja sein, dass zumindest eine dieser Studien tatsächlich methodisch einwandfrei und „trotzdem signifikant“ ist – bei der Menge an nicht signifikanten Studienergebnissen muss es eine solche ja fast zwangsläufig geben, da ein Test auf einem Signifikanzniveau von 5% tatsächlich bei einer von 20 Studien fälschlicherweise ein positives Ergebnis erwarten lässt, obwohl tatsächlich keine Wirkung vorhanden ist.

Mein Lieblingskommentar des DZVhÄ-Argumentationsverweigerers ist aber der Kommentar zu der Kritik an den Arzneimittelprüfungen:

Falsch: Es gibt mehrere doppelblinde Arzneimittelprüfungen, u.a. Möllinger et al. Mehr als nur Placeboeffekt?

OK, ich kenne Herrn Mölllinger nicht, aber wenn der es – zumindest einmal – geschafft haben will bei einer doppelblinden Arzneimittelprüfung (die genaue Methodenbeschreibung wäre sehr interessant …) einen Beleg für die Wirksamkeit von Globuli oder Dilutionen zu „belegen“ (ohne Replikation ist das ein sehr schwacher Beleg … … dass dies auch ein Problem bei den „echten“ Pharmazeuten ist, das beschreibt Ben Goldacre in seinem lesenswerten Buch „Bad Pharma“ bzw. „Die Pharma Lüge“ ausführlich und sehr eindrucksvoll), dann sind er bzw. seine Probanden doch die idealen Kandidaten für meinen schon 2009 vorgeschlagenen homöopathischen Selbstversuch. Die Vorbereitung (Verblindung) sollte natürlich von der GWUP und dem DZVhÄ gemeinsam vorgenommen werden und es gilt – natürlich – immer noch mein damals vorgestelltes und später leicht revidiertes Studiendesign, das ich im Folgenden weiter optimiert habe (wir brauchen einen Apotheker, der nach allen Regeln der Kunst Homöopathika herstellen kann und darf, aber die gibt es natürlich in diesem Land):

  1. Freiwillige melden sich und geben ein Homöopathikum an, das sie an Hand der Wirkung erkennen zu können glauben. Angeben müssen sie noch, wie viele Globuli und wie viel Zeit sie brauchen, um die Wirkung zu erkennen. (Neu:) Sie erhalten dann 9 Portionen a 1g Globuli, die lediglich numeriert sind, und für die sie bei jeder 1g-Portion entscheiden müssen, ob es das homöopathische Mittel oder das Placebo ist (natürlich gibt es auch die ANtwort „weiß nicht“).
  2. Ein Apotheker stellt die Homöopathika her und diese werden – möglicherweise notariell beglaubigt – versiegelt. Natürlich dürfen Homöopathen und DZVhÄ-Vertreter die Herstellung überwachen
  3. Nun erfolgt die Verblindung (auch gerne mit Vertretern der DZVhÄ-Fraktion): Das Homöopathikum und – im Fachhandel erhältliche – leere Globuli werden nach dem Zufallsprinzip (50:50) auf vorher mit Nummern versehene Behältnisse a 1g verteilt. Dies wird – natürlich – dokumentiert, aber die Dokumentation wird nachher versiegelt und von einem Notar in seinem Safe verschlossen.
  4. Nun werden – wieder per Zufallauswahl – neun Behältnisse a 1g für die Testperson ausgewählt. Die Zahl „neun“ nehme ich nur aus einem Grund: es gibt nämlich diese „homöpathische Taschenapotheke„, die man für solche Tests verwenden könnte …
  5. Nun werden die gefüllten Taschenapotheken verschickt oder verteilt. Die Testpersonen müssen nun nur für jeden Inhalt der dort drin befindlichen (und natürlich nummerierten) Gläschen entscheiden, ob da das Homöopathikum oder das Placebo drin ist – oder ob sie sich keine Entscheidung zutrauen.
  6. Danach wird ausgewertet, in wieviel Prozent der Fälle die Homöopathiefraktion die “echten” Globuli erkannt hat und natürlich auch, ob dieses Ergebnis auf einem Signifikanzniveau von 5% signifikant ist (das hängt ja auch von der Anzahl der Teilnehmer ab).

Tja, lieber DZVhÄ, wenn ihr einen solchen – einfachen!!! – Selbstversuch mitmacht, dann werdet ihr auch von Skeptikern wie mir ernst genommen – auch dann, wenn das Ergebnis nicht in eurem Sinne ist.





Und wieder mal am Mittwoch: Lesebefehle! Folge 5: Ein dreifaches A (Aluminium, Aargks und Apothekenzeugs)

7 08 2013

Vor einigen Wochen bin ich abends beim Zappen in eine vermeintliche Dokumentation hineingerutscht, die mich nach wenigen Minuten kopfschüttelnd weiter schalten liess. Es ging irgendwie um Aluminium und darum, dass dieses Zeugs sooooo gefährlich wäre. Für seinen Blog Nachdenken … bitte hat Stephan Angene die Behauptungen dieser vermeintlichen Dokumentation des einschlägig bekannten „Journalisten“ Bert Ehgartner mit wissenschaftlichen Argumenten sauber zerlegt (… und wurde vom GWUP-Blog als Gastbeitrag geadelt).

Angst essen Verstand auf, oder „Die Akte Aluminium“ von Bert Ehgartner

Seit dem 10. Mai gibt es einen Blog, der gleich zu Beginn mit sehr guten Beiträgen reüssierte. Insbesondere die dreiteilige Reihe (Teil 1, Teil 2 und Teil 3) zur Unterscheidung von Skeptikern und Pseudo-Skeptikern ist hervorragend, und seine Schwurbeleisuche in den Wahlprogrammen verschiedener Parteien sehr unterhaltsam. Auf jeden Fall ein Blog, den ich in meine Blogroll aufnehmen muss:

aargks

Claudia Graneis studiert Pharmazie und hat schon auf der letzten GWUP-Konferenz einen tollen Vortrag gehalten.  In ihrem Blog cloudpharming berichtet sie jetzt über ihre neue Undercover-Aktionen als Praktikantin in einer auf TCM () spezialisierten Apotheke. Nach der Einleitung unter dem Titel „Ein Monat in Absurdistan“ geht es im ersten Teil um das spannende Thema

Schwanger werden mit Fledermauskot

Auf die folgenden Teile dieser Serie bin ich jetzt schon gespannt …

Update: … und schon geht die Serie, reich bebildert, weiter: „Batshit crazy








%d Bloggern gefällt das: