Frau Treppner will die Dollarmillion …

12 11 2015

Ja, ich weiß. In den letzten Monaten war hier nicht allzu viel zu lesen, aber ich hatte einfach zu viel zu tun. Natürlich habe ich auch mehr als die 18 bisher hier erwähnten Prognosetexte/-seiten für die alljährliche Auswertung gesammelt, die ca. 50 weiteren Blogeinträge, Newsletter und Youtube-Videos waren nur so langweilig, dass ich mir lakonische Kommentare dazu verkniffen habe. Aber seit gestern gibt es etwas Interessantes, und da muss ich einfach kommentieren – und nicht nur weil ich dort auch erwähnt werde …

Es geht – nach langer Zeit ‚mal wieder – um Frau Treppner, eine Frau, die sich im Internet als große Kartenlegerin, Hellseherin und was-weiß-ich-noch zu inszenieren versucht. Legendär ihre fast schon wahnwitzigen Interviews im DAF (Deutsches Anleger Fernsehen), in denen man zum Beispiel erfahren konnte, dass sich Gold prostituiert. Für 2008 hatte sie sich selbst eine ganze Reihe von Treffern bei ihren DAX-Prognosen gut geschrieben, sogar für Monate für die sie gar keine Prognose abgegeben hatte. Jetzt aber will sie es wirklich wissen, denn sie will die Dollarmillion von der JREF (James Randi Educational Foundation) abkassieren, die bekanntlich für den Nachweis einer parawissenschaftlichen Fähigkeit ausgelobt ist. Mal schauen was die Dame dazu so schreibt

Sie behauptet sich schon einmal bei der JREF beworben zu haben und dann zur GWUP verwiesen worden zu sein:

Ich weiß nicht mehr genau wann, 2007 oder 2008, da hatte ich mich schon einmal beworben. So weit ich mich erinnere, war aber Hüter des Heiligen Grals die GWUP. Irgendwie konnte man sich über diese Vereinigung bewerben. Das tat ich.

Ich weiß ja nicht ob sie sich wirklich beworben hat, aber bei ihren mir bekannten „Prognosen“ dürfte sie durch jede Vorprüfung gefallen sein. Jetzt also der nächste Versuch:

Ich, nicht dumm,[…]

da masse ich mir kein Urteil an …

[…] hab mich dann direkt bei dem Verein „JREF“ (James Randi Educational Foundation) beworben. Mein Englisch ist etwas mühselig. Vielleicht hat man mein Anliegen damals nicht verstanden, auf jeden Fall gab es auch keine Antwort.

Könnte das daran liegen, dass die Kriterien für einen solchen Antrag nicht erfüllt wurden? Das erfordert nämlich nicht nur das Lesen eines englischen (!!!) Textes, sondern auch das Verstehen desselben.

Nach einigem Blabla über ihre tollen Prognosen im Rahmen irgendwelcher Fernsehaufnahmen (ich erinnere mich) – natürlich lag sie immer richtig, wurde allerdings herausgeschnitten – will sie sich nun dem ultimativen Test stellen. Zumindest behauptet sie das:

Nun ist die Zeit aber reif für eine weitere Offensive. Schließlich habe ich mir die Sporen mit der Börsen-Astrologie mehrfach verdient. Bis hin zur Wallstreet. Ok, ich bin auch nicht 100 %, aber die muss ich auch nicht unter Beweis stellen, sofern ich die Anforderungen richtig heraus lesen konnte.

Nein, sie braucht keine 100%, sie muss nur besser als der Zufall sein (was sie bei den mir bekannten Prognosen niemals war) …

Ich würde mich ja auch der GWUP stellen, aber 1. haben die keine Eier in der Hose und Angst vor mir und 2. würden dann Laien mir als Profi die Regeln diktieren. Der Ehre wegen und für den Freifahrtschein aller Astrologen würde ich es natürlich machen. Als Löwe mag ich auch Herausforderungen. Ich bin mindestens genauso blasiert wie die Buchhalter.

Angst? Vor Ihnen, Frau Treppner? Lächerlich! Und nein – bei solchen Tests werden keine Regeln einseitig diktiert. Man entwirft gemeinsam ein – wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes – Testprotokoll.

Ich bin ja neugierig,ob Frau Treppner nur labert oder sich tatsächlich bewirbt. Bei der GWUP hat sie zumindest schlecht recherchiert, denn ihr Halbsatz …

In Deutschland befasst sich mit dem paranormalen Belegen die GWUP (hier gibt es aber keinen Zaster)

… ist definitiv falsch. OK, man könnte offensiver darauf hinweisen, aber die 10.000 Euro sind noch da. Und wenn sie den GWUP-Test besteht, dann darf sie sich auch gerne für die Dollarmillion der JREF bewerben, denn das wäre eine Referenz an der die JREF nicht vorbei kommt. Und dass sie eine Referenz braucht, das hat sie immerhin herausgelesen:

wie man bei JREF lesen kann, gilt das übliche Bewerbungsverfahren nicht mehr. Ab sofort muss man Referenzen vorlegen (habe ich!!! – zig-fach!) …

Aber ob diese Referenzen als solche anerkannt werden? Da wäre ich doch skeptisch! Aber man braucht ja noch etwas:

… und mit einem Fernseh-Team kann man ab Anfang nächsten Jahres, sofern ich es richtig übersetzt habe, sofort geprüft werden.

Nein, Frau Treppner, das haben sie nicht so ganz richtig verstanden! Ein unabhängiges (!!) Fernsehteam alleine reicht nicht, denn, egal ob bei der GWUP oder der JREF, zunächst muss das Testprotokoll, also die Regeln, abgestimmt werden.

Ich will aber mal nicht so sein und erkläre hier kurz wie das geht – es ist nämlich gar nicht so schwer:

  1. Schreiben Sie auf was sie zu können glauben (z.B. mittels Astrologie die Kurse bestimmter Aktien oder Indizes voraussagen)
  2. Beschreiben Sie genau (und vorab), wann eine ihrer Prognosen als Treffer gilt und wann eben nicht (z.B. Der Wert einer Aktie XY/eines Index fällt/steigt im Zeitraum Z – das kann jeder von ihnen frei zu wählende Zeitraum sein; „fällt“ heißt Wert wird kleiner, „steigt“ heißt Wert wird größer im angegebenen Zeitraum, der zum Börsenbeginn in z.B. Frankfurt beginnt und mit dem Closing dortselbst endet)
  3. Es gilt die einfache Regel: „knapp daneben ist auch vorbei“! Wenn die Aktie/der Index ein paar Tage früher oder später steigt oder fällt, dann ist die Prognose nicht „fast richtig“ sondern einfach falsch!

Wieviele Treffer bei wie vielen Versuchen sie dann zum Bestehen des Tests benötigen würden, das kann ihnen ein Statistiker, möglicherweise auch ich, dann gerne sagen. Erst aber müssen Sie ihre Hausaufgaben machen – das Fernsehteam brauchen sie erst wenn das Protokoll mit GWUP oder JREF abgestimmt ist.





Schwurbelei hoch drei – mit Astrologei

25 08 2012

Laut Wikipedia ist ein Essay „eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema. Die Kriterien streng wissenschaftlicher Methodik können dabei vernachlässigt werden.

Und genau um ein solches (oder einen solchen) Essay geht es hier heute. Um einen Text dessen Überschrift – „Das Dilemma einer kleinen Null“ – mich neugierig gemacht hat und dessen Subtitel („Astrologie: Alles entsteht abhängig von etwas anderem„) schon die ersten Fragezeichen aufwirft. Für mich. Zumindest! Und wenn es dann losgeht – mit dem Text natürlich – dann wecken gleich die ersten beiden Worte durchaus gespannte Erwartung in mir, denn der Text beginnt mit

Ach wie spannend! Eine Definition der Astrologie! OK, Essay – also wird es wohl eine eher subjektiv gefärbte „Definition“ sein. Wie wird diese wohl aussehen? Ähnlich wie in der Wikipedia? Wird dort in irgend einer Form stehen, dass die Astrologie „Zusammenhänge zwischen Positionen und Bewegungen von Himmelskörpern und Ereignissen im irdischen Bereich“ postuliert oder – wegen der Subjektivität der Autorin – doch wirklich beschreibt? Wird es Belege hageln? Eindeutig! Unwiderlegbar! Oder vielleicht doch nicht? Also schnell weiterlesen:

OK, als Definition der Astrologie taugt das jetzt nicht allzu viel. Alleine der erste Satz – was soll der bedeuten? Eine Kette, die zu Gründen führt wieso sich etwas ändert – oder eben nicht? Nun ja, wie war das noch? Essay! Persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema! Vielleicht kommt da ja noch was! Weiter geht es übrigens so (und ab jetzt lass‘ ich das mit den Screenshots):

Immer aber entsteht am Ende (oder war es am Anfang?) ein ganz anderes Bild. Eine Meinung, die aus einem riesigen Raum von Zeichen, Zahlen oder Bedeutungen aufsteigt, den das Universum uns anbietet. Diese große, rote Sonne des: Es IST. Deren erster Strahl wiederum einen noch größeren Raum erhellt, die ganze, weite Welt, von sehr kleinen Menschen bewohnt. Alles Verhältnismäßigkeit. Alles abhängig. Sie leben. Sie denken. Mit ihren Möglichkeiten und Grenzen tanzt, ohne Unterbrechung, ohne Sammlung, ohne Verlust, unser kleiner Raum namens Astrologie. Er erfindet, innerhalb jenes endlosen, wunderbaren, ANDEREN Raumes (namens Universum), unsere Sicht neu. Webt ein Netz, das sich vervielfältigt und junge, frische Pulsschläge des Kosmos zählt.

Wow! Ein Raum namens Astrologie tanzt, erfindet irgendeine Sicht neu und webt ein Netz – Bilder, die zwar nichts erklären, mich aber wegen ihrer inhaltsleeren Schwurbeligkeit durchaus faszinieren (… das ist natürlich auch sehr subjektiv) – oder doch eher erheitern? Letzteres! Und ja! Kann ich auch! „Sätze“ aus wenigen Worten schreiben!

Kopiert man den gesamten Text in ein handelsübliches Textverarbeitungsprogramm erhält man ungefähr sieben Seiten (incl. Bilder), in denen die Autorin wortreich zeigt, dass ihre persönlichen Definitionen und ihr persönliches Verständnis bestimmter Begriffe zumindest als eigenwillig bezeichnet werden müssen. So kommt es zu Sätzen wie dem folgenden:

Realität ist eine demokratische Entscheidung, die Schnittmenge von Milliarden einsamer Bewusstseins-Wesen.

Äh tatsächlich? Realität ist eine Mehrheitsentscheidung? Und wenn sich die Mehrheit entscheidet, dass die Sonne sich gefälligst um die Erde zu drehen hat, dann tut sie das auch? Im Kopf der Autorin vielleicht, und genau so subjektiv wird auch die Astrologie „begründet“:

Aha, die Tage werden mir lang. Wenn da mal kein Magier seine Hand im Spiel hat! Es muss an den Gestirnen liegen. Und, siehe da. Plötzlich fühlten Menschen sich besser. Es wurde warm, im Monat Mai. Die angenehme Zeit des Jahres begann. Stier war geboren.

Dumm nur, wenn ich das als Neuseeländer, Uruguayaner oder Feuerländer lese – da wurde und wird es im Mai nämlich kalt! Und zwar richtig! Die eisige, unangenehme Zeit beginnt.

Viel, viel später erst wurde ein Reim für alle daraus, jene alte, mutige Wissenschaft, die Mutter aller Abstrakta, die noch heute als Spiegel tausendfacher Lebensmuster wirkt. Astrologie.

Eine „mutige“ „Wissenschaft“? Die Dame macht sich sogar Gedanken darüber wie es wäre, wenn Astrologie irgendwie zu den Wissenschaften zählen würde und meint:

Alles andere ist sonnenklar: Wenn wir, die unfeierlich Ausgegrenzten, zu ihnen gehörten, den Wissenden, den amtlich attestierten Weisen, den Erfindern des kultivierten Daseins, würde vermutlich auch bei uns, die wir über alles und nichts miteinander diskutieren, keine Krähe mehr der anderen ein Auge aushacken. Wir wären im Nachteil. An-erkannt zu-erkannt. Der Prüfung unserer Erkenntnisse an der Wirklichkeit enthoben, wie alle, die das Branding haben: Wissenschaft.

Was für ein hanebüchener Schwachsinn! Jede Erkenntnis, die die Prüfung an der Wirklichkeit nicht besteht, wird im Mülleimer der Wissenschaftsgeschichte entsorgt. So einfach ist das! Klar, manchmal dauert das, weil zum Beispiel die zur Prüfung der Erkenntnis notwendigen Werkzeuge noch nicht vorhanden sind. Aber hat „die Wissenschaft“ damit Probleme? Nein! Ganz im Gegenteil! Und wenn sich zeigt, dass ein ganzes Fachgebiet eben nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, dann verschwindet es aus dem wissenschaftlichen Kanon. Astrologie wurde einstmals an Universitäten gelehrt – bis man merkte, dass dieses Hilfsmittel zur Beschreibung der Realität unbrauchbar war.

Was folgt sind seitenweise weitere Belege dafür, dass die Autorin von Wissenschaft – und insbesondere Mathematik – nicht einmal im Entfernsten den Hauch einer Ahnung hat. Mein Lieblingssatz findet sich übrigens in folgendem Abschnitt:

Ohne Respekt vor der Existenz von Zahlen funktioniert die Mathematik nämlich erst gar nicht. Trotzdem verlangte nie einer von Adam Riese, das Dasein der Zahl 714 oder 3165 erst einmal gründlich zu beweisen, bevor er seine Practica verfaßte und aufstieg in den Olymp der Rechengötter. Auch die binomischen Formeln hat noch keiner als „Aberglaube“ identifiziert und dingfest gemacht. Weil sie – natürlich – auf Annahmen, nämlich erfundenen Variablen oder Werten, fußen. Und das, obwohl sie und ihre Formelbrüder und -schwestern allesamt vom Menschen erdacht und nur innerhalb des Systems der Mathematik beweisbar sind.

Das mit den binomischen Formeln, an die man glauben müsse, ist nur eine von vielen lustigen Sequenzen. Erinnert mich an einen sehr schönen Dialog aus dem Buch „Odile“ von Raymond Queneau. Der Protagonist, Hobby-Mathematiker und ich-Erzähler spricht mit einem Bekannten namens Saxel – und erklärt die Auflösung von Gleichungen ersten und zweiten Grades. Saxel glaubt etwas verstanden zu haben …

Meine Intelligenz wird unheimlich: die Quadratwurzel. Die Quadratwurzel, das ist das Bemerkenswerte. Und ich sehe auch worauf sie hinaus wollen: das ist klar, das ist einfach, das ist schön. Für die Gleichung dritten Grades muss man eine Kubikwurzel ziehen, für die Gleichung vierten Grades eine vierte Wurzel und für die Gleichung fünften Grades eine fünfte Wurzel und für die Gleichung sechsten Grades eine sechste Wurzel und so fort. Das ist logisch! Logisch einfach, nicht wahr?

Nein, vom fünften Grad an stimmt nämlich nichts mehr.

Aber wieso denn das?

Es ist unmöglich, Gleichungen über den vierten Grad hinaus algebraisch aufzulösen, ausgenommen ganz besondere Fälle. Die allgemeine Gleichung lässt sich nicht ausführen.

Man weiß eben nicht wie’s gemacht wird

Man beweist es.

Das ist ja skandalös.

Aber weiter zum Schwurbeltext dieser Frau. Sie schreibt:

Astrologie funktioniert.

Wer hätte gedacht, dass eine Astrologin solcherlei behauptet?

Das ist das große, verrufene Wunder für die, die um sie wissen. Zu denen übrigens auch ich gehöre.

Welch Überraschung! Aber dem nächsten Kurzsatz …

Deshalb heisst es Wissenschaft.

… muss ich dann doch heftig widersprechen. Es ist eben keine Wissenschaft – auch wenn man für die Deutung eines Horoskops sehr viel „Wissen“ erwerben muss. Wenn ich alle Ergebnisse, alle Torschützen, alle Spielverläufe der Fußball-Bundesliga auswendig kennen würde, dann wäre das noch lange kein Beleg für irgend einen fußballerischen Sachverstand (den ich mangels Interesse definitiv nicht habe) – bestenfalls könnte ich damit zeigen, dass ich eine Menge unnützes Wissen in meinem Gehirn speichern kann.

Auch die Psychologie kriegt natürlich ihr Fett weg …

Obwohl sich unsere Arbeit, das Stiefkind der Forschung, häufig viel greifbarerer Parameter bedient, als beispielsweise diese kleine Schwester Psychologie, die mit dem gewichtslosen Pfund der Seele hantiert, fehlt uns immer noch die Eintrittskarte in den Dom der universitären Glaubens-Systeme.

… und mit den Quanten lässt sich immer gut schwurbeln:

Waren Astrologen lange der Ansicht, dass sich ihre Berufung eigentlich (im Sinne einer eher schlampigen Argumentation) über Koinzidenzen (oder Synchronizitäten) erklärt (Saturn macht einen 180-Grad-Winkel zum Mars und ich habe – kausal unabhängig davon – einen bösen Unfall), unterstützen neuere quanten-mechanische oder -technische oder -physikalische Forschungen der anerkannten Naturwissenschaft inzwischen auch wieder eine sehr alte, fast abergläubische Annahme. Die Planeten selbst könnten tatsächlich Wirkungen auf den menschlichen Organismus ausüben. Wenn es also wahr sein sollte, dass Lichtjahre entfernte Protuberanzen auf der Sonnenoberfläche an Akupunkturpunkten auf menschlichen Versuchsobjekten direkt den Hautwiderstand beeinflussen, wäre all das natürlich drin.

Wobei die Sonne natürlich nicht allzu viele Lichtjahre von uns entfernt ist – und das mit den Akupunkturpunkten ist mindestens bullshit hoch 9.

Weitere Beispiele erspare ich mir jetzt. Dieser Text ist wirklich eine absolute Meisterleistung! Die Menge der Abschnitte, aus denen man keinen vollkommen lächerlichen, total verschwurbelten Bullshitsatz extrahieren kann ist genau Null!  Deswegen wohl auch die Überschrift („Das Dilemma einer kleinen Null„). Erschienen ist das übrigens vor einiger Zeit in dieser astrologischen Onlinepostille.

Da die Autorin ihren Text unter dem Kürzel „sri“ veröffentlicht hat könnte man auf die Idee kommen, dieses „sri“ in Zukunft als Maß für solcherlei Bullshitschwurbelei zu definieren. Ich würde diesem Essay 100 sri für den durchschnittlichen Bullshitfaktor pro ausgedruckter Seite geben, als Referenzwert sozusagen (… wozu die formalen Besonderheiten des Textes durchaus mit beitragen). Kennt jemand einen Text mit noch mehr „sri„?





Kühe, Hühner und Radioprogramme

17 08 2012

Vor gut zwei Wochen fiel mir dieser Artikel auf, in dem ein Beitrag auf DRadio Kultur zurecht als kritiklose Werbung für den absoluten Nonsens „Tiertelepathie“ dargestellt wurde. Dass es auch anders geht zeigte die Redaktion von SWR2-Wissen im Januar 2011. In einem immer noch als downloadbarem mp3-File zur Verfügung stehenden halbstündigen Sendung mit dem Titel „Was sagt die Kuh, die muht?“ zeigte der Sender wie man das Thema „Kommunikation mit Tieren“ wesentlich sachlicher darstellen kann. Nachdem zunächst eine Tierkommunikatorin von einer Kuh erfahren will, dass diese jetzt doch lieber sterben möchte (… weil sie ihre Leistung nicht mehr bringen kann!!!!!!) wird das ganze Spielchen durch einen einfachen Test entlarvt: zwei Tierkommunikatorinnen lassen sich von ein und derselben Kuh etwas erzählen … … und liefern völlig widersprüchliche Ergebnisse. Warum das so ist erklärt  Dr. Peter Brugger ausführlich und entlarvt die vermeintlichen Fähigkeiten der TierkommunikatorINNen als bloßes Wunschdenken in Verbindung mit bekannten anderen psychologischen Faktoren (Barnum-Effekt etc.). Auch auf die bekannte Geschichte vom „Klugen Hans“ wird in der Reportage als Paradebeispiel eines vermeintlichen Effekts eingegangen. Dass man aus den Lautäußerungen der Tiere möglicherweise tatsächlich auf irgendetwas schließen kann ist natürlich ein ganz anderes Thema – das ebenfalls (für Kühe) beleuchtet und von den behaupteten Fähigkeiten der esoterischen Tierkommunikation klar abgegrenzt wird.

Schade eigentlich, dass sich bei DRadio-Kultur niemand das halbe Stündchen Zeit genommen hat, um in diese Sendung reinzuhören … … wäre doch auf der Fahrt zur Tierkommunikatorin Zeit genug gewesen …





Weltbild gefällig? (Zwei Danksagungen)

9 04 2012

Danke Jörg W.! Dieses Video erklärt kurz und prägnant dein (und mein) Weltbild:

Und auch auf diese hervorragende Miniserie über „Diskussionszerstörer“ kann man nicht oft genug hinweisen:

Teil 1: Galileo – Gambit

Teil 2: Informier dich erst mal

Teil 3: Beweis doch mal…

Teil 4: Idioten

Teil 5: Finale

Wer statt Videos lieber lesen möchte, dem bietet der RatioBlog eine sage und schreibe 20-teilige Reihe (!!!!) über die „beliebtesten“ Fehlschlüsse. Danke auch dafür!





Ein Dingens zum Wetter machen!

27 07 2011

In den letzten Wochen war das Wetter ja nicht so toll. Der andauernde Regen ließ einen Journalisten letzten Freitag sogar folgende Verzweiflungsüberschrift verfassen: Tief Otto blieb erwartungsgemäß unbeeindruckt, denn so einfach liess es sich eben nicht verscheuchen.

Dabei ist Tief Otto ist gar nicht schuld an dem schlechten Wetter – das hat ganz andere Gründe. Es sind – man glaubt es kaum – die Lieblingshimmelsphänomene der Verschwörungsfraktion, die Kämmtrails Chemtrails! Erklärt wird das auf einer leicht kommerziellen Webseite mit folgenden Worten:

In Folge von chemtrails zieht meist eine dichte Wolkendecke den Himmel zu. So dass man vieler Orts die chemtrails überhaupt nicht zu Gesicht bekommt.

Man weiß es selbst ganz genau, bei trüben Wetter kommen recht schnell auch trübe Gedanken auf. Und trübe schlecht gelaunte oder auch traurige Menschen lassen sich viel leichter beeinflussen und steuern von Funk und Fernsehen,
aber auch von den Print-Medien( Zeitschriften, Bücher), als gut gelaunte lebenslustige und lebensfrohe Menschen.

Aha! Das schlechte Wetter soll also dafür sorgen, dass wir leichter von Funk und Fernsehen „gesteuert“ werden können. Aber wohin? Und warum? Auch hier findet diese Seite eine Antwort:

Auf der Erde setzt unaufhaltsam eine Erhöhung des Bewusstseins der Bevölkerung ein, und diese ganzen chemtrails( schlechtes trübes Wetter) und die negativen Medien sind nur ein letzter verzweifelter Versuch dies zu verhindern.

Ui! Eine Erhöhung des Bewusstseins? Hab‘ ich noch gar nichts von gemerkt! (Ist aber auch kein Wunder bei dem Mistwetter!) Wie äußert sich das? Vielleicht ja darin, dass sich immer mehr Menschen irgendwelche Abwehrutensilien gegen diese pöhsen Chemtrails kaufen (sollen). Das wäre wohl der Wunsch des Autors dieser Seite, denn der verkauft solche Teile seit Jahren. Sahen diese Chemtrailabwehrdinger anfangs noch ziemlich häßlich aus und trugen teilweise martialische Namen (z.B. hhg für „heilige Handgranaten“) so hat eine Art Evolution dafür gesorgt, dass die Dinger inzwischen sogar als unscheinbare Kunstobjekte durchgehen. Glauben sie nicht? Hier ein paar Screenshots des alten Krams …

… und hier das neue Dingens, das …

… wie der Text unter dem Bild zeigt außerdem für den blauen Himmel verantwortlich gemacht wird, weil …

Der EnergieKegel bricht die Wolkendecke auf, einige Tage nachdem man den EnergieKegel aufgestellt hat, färbt sich der Himmel oft in ein dunkles Rot.
Dadurch das die chemtrails nicht mehr ihre volle Wirkung erzielen können,
verschwinden die Wolken über dem EnergieKegel, und man sieht die
gesamte Verschmutzung der Atmosphäre. […]

Nach einiger Zeit wird immer öfter ein schöner Blauer Himmel zu sehen sein,
wenn der EnergieKegel die Umgebung gereinigt hat.

So einfach ist das also! Man stellt einfach diese kleinen, unscheinbaren weißen Gipskegel Energiekegel auf und schon wird der Himmel blau. Wie das ganze funktionieren soll wird übrigens auch mit Hilfe eines Bilds „erklärt“:

Der Gips bündelt also irgend eine Energie, die dann die bösen Wolken – und ganz zu allererst natürlich die Chemtrails – vertreibt. Beweisfotos gibt’s auch, aber die sollte man sich auf den Seiten selbst anschauen.

Sollte man solche Kegel nicht einfach flächendeckend in Deutschland aufstellen? Gemäß dem Hersteller müsste es mit dem schlechten Wetter dann ja ganz schnell vorbei sein: das ganze Land würde sich in der Sonne räkeln und nette Grillabende mit Freunden würden die Beeinflussung der Bevölkerung durch Glotze und andere Medien zumindest erschweren. Ganz zu schweigen von der dann einsetzenden Bewusstseinserhöhung …

Der Preis von 30 Euro (excl. MWSt., plus 3,90 Euro Versandkosten – also 39,60 Euro insgesamt) macht das Ganze übrigens zu einem absoluten Schnäppchen, wenn man vergleicht wie viel Geld Menschen ansonsten dafür ausgeben, dass sie ein paar Tage in der Sonne liegen können.

Andererseits: Wenn überall solche Kegel ‚rumstehen und die Wolken vertreiben, was würden die Landwirte dazu sagen? Kann man die Dinger wenigstens abschalten, wenn Wälder, Wiesen und Felder nach Flüssigkeit dürsten? Einen Schalter habe ich nicht gesehen, aber vielleicht nützt es ja, die Kegelchen einfach in den Keller zu verbannen, oder mit einem Tuch zu verhängen. Leider steht darüber nichts auf den Seiten des Herstellers.

Bevor ich mir so ein Kegelchen zulege warte ich erst noch auf den nächsten Evolutionsschritt. Wie man bereits an der heutigen Form sieht, fehlen nur noch eine Portion Miniaturisierung, kleine farbliche Anpassungen und ein paar Änderungen im verwendeten Material, dann eignet sich dieses Dingens perfekt für’s kommende Weihnachtsgeschäft:

(da dieses Video nicht mehr da ist, hier eine Art Ersatz:

…)








%d Bloggern gefällt das: