Paul ist tot (mit paranormalem Update)

26 10 2010

Die Weltmeisterschaftsorakelkrake Paul wird die Wahrsagerzunft in Zukunft nicht mehr mit treffsicheren Prognosen in Serie bloß stellen können – sie starb im Aquarium Oberhausen. Zum Andenken an den achttentakligen Meistervoraussager ein schönes altes Lied von den Fehlfarben:

Mal sehen ob sein Nachfolger im Wasserbecken in 2 Jahren bei der Fußball-EM ebenso erfolgreich sein wird – immerhin soll auch er wieder Paul heißen …

Update:

Eben ist mir aufgefallen, dass ein paar Programmmacher im ZDF offensichtlich auch hellseherische Fähigkeiten haben. Ausgerechnet am heutigen Abend sendet der Theaterkanal um 22:55 Uhr den Film mit dem passenden Titel:

Vielleicht wollen zum nächsten Sportereignis ja die Leute vom Theaterkanal für den Oktopus einspringen …





WM-Prognosenfinale: Paul sieht Spanien und Deutschland siegen

9 07 2010

In den letzten Tagen und Wochen ist die Fußball-WM auch zu einem Wettbewerb de Tierorakel mutiert. Wer am Ende zum Superstar der WM erkoren wird muss sich noch zeigen, bei den Tierorakeln hat es Oktopus Paul zu Kultstatus (sogar der Spiegel berichtet!) gebracht – auch wenn hierzulande ihn manche inzwischen lieber auf dem Grill als im Sealife Oberhausen sehen möchten. Dabei hat er doch nur – die richtigen!!! – Ergebnisse vorausgesagt und mit 6 von 6 richtigen Prognosen eine fast schon beängstigende Trefferquote hingelegt. Jetzt ruhte er sich erst ‚mal aus, bevor er sich an die Voraussage für die letzten beiden Spiele wagte. Die aktuellen Voraussagen von Paul (erstmals hat er auch ein Spiel ohne deutsche Beteiligung getippt) sorgen bei unseren holländischen Nachbarn für wenig Begeisterung, während ’schland am Samstag Abend mit einer letzten Siegesfeier rechnen kann. Sollte das Tentakelorakel auch hier richtig liegen, dann hätte er tatsächlich eine sensationelle Trefferquote erreicht, eine die bei einem reinen Zufallsexperiment durch Münzwurf nur mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 0,4% zu erreichen gewesen wäre.

Ob die anderen Tierorakel ihre Quoten noch verbessern können? Tierheimhund Kobi aus Weimar liegt bei 5 von 6 richtigen Tipps, das Chemnitzer Tierorakel (verschiedene Zootiere) bei 1 von 6. Vielleicht kriegt auch Hamster Hansi von Einslive (bisher 1 von 2) nochmals einen Einsatz …

Widerspruch zu Paul’s Prognosen kommt von astrologischer Seite. Sowohl hier als auch da wird für Finale bzw. Spiel um den 3. Platz die jeweils andere Mannschaft favoritisiert. Hingegen scheint Herr Amann die WM-Voraussagerei inzwischen aufgegeben zu haben, denn außer seinen Erklärungen wie er seine Voraussagen berechnet ist in seinem Blog nichts mehr zur WM finden. Ob ihm seine dauernden Prognosepleiten so peinlich waren, dass er versucht hat alle seine Spuren zu löschen? Dagegen gibt’s im Starfish-Blog auch noch alle bisherigen Prognosen zum Nachlesen – aktuell aber keine Voraussagen zu den letzten beiden Spielen.

Update 1: 9.7. 21:00:

Jetzt widerspricht auch noch ein Papagei dem Prognosekraken. Mani heißt dieses Federvieh und verfügt gerüchteweise über excellente Seherfähigkeiten. OK, wie excellent genau, darüber schwieg sich die Tagesschau leider aus …

Update 2: 10.7. 13:00:

Im Starfish-Blog gibt es jetzt doch noch zwei Prognosen zu den abschließenden Spielen. Die Prognose: Spanien gewinnt, Deutschland verliert.





Neue WM-Prognosenupdates zum Halbfinale: Paul tippt auf Spanien – aber Hoffnung aus Chemnitz! – und Weimar (Kobi rules)!

5 07 2010

Delfin Sayko, Seehund Macky, Schildkröte Jorge, Papagei Paco und die Promenadenmischung Clarito – fünf Tiere aus Argentinien, die sich vor dem Viertelfinalspiel letzten Samstag als tierische Auguren probierten und gnadenlos scheiterten. Alle fünf sollen den Tango-Kickern einen Sieg gegen die deutsche Mannschaft vorausgesagt haben, zumindest wollten das die argentinischen Fans gerne glauben. Als faire Sieger sollte man die Einladung argentinischer Fußballfans zu einem Oktopus-Dinner nicht mit einer adäquaten Gegeneinladung kontern. Am Dienstag um11:00 Uhr wird es übrigens so weit sein: Oktopus Paul, das WM-Orakel mit 100%-Trefferquote, wird seine nächste Prognose abgeben.

Auch Kobi aus dem Tierheim Weimar hat bisher eine 100%ige Trefferquote und wird sich vor dem Spiel am Mittwoch zwischen einer deutschen Bratwurst und – möglicherweise – einer spanischen Paella entscheiden müssen. Ein Glück, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss, denn bei mir hätte die Bratwurst dann keine Chance … … aber deswegen halte ich mich bei solchen Prognosen in der Regel doch lieber zurück (obwohl: Maradona’s Tränen hatte ich richtig erahnt, sie standen ja sogar in der Überschrift …).

Ob Astrologe Dietmar Amann noch eine astrologische Voraussage für das Halbfinale liefert weiß ich nicht, seine Weltmeister-Prognose (90% Wahrscheinlichkeit für Argentinien) hat er aber inzwischen kommentarlos gelöscht. Für einen anderen Astrologen soll das Finale Deutschland – Uruguay lauten, Fans hierzulande würden sich da natürlich tierisch freuen. Auch dieser astrologische Blog will Löw’s Kicker siegen sehen, traut sich aber beim anderen Halbfinale keine Prognose zu.

Die südafrikanische Astrologin Jeannete Brook hatte bisher ihre Prognosen erst im Nachhinein auf ihrer Webseite plaziert und begründete das auf folgende Weise:

Kindly note that in most cases, for this tournament, the forecasts are not displayed prior to the matches, although all predictions are made pre match. Prediction means attaining a result before the outcome of the event is known; this is verified by the times the charts are set, listed in each article below. Posting the forecasts prior to the events negates the need for clients to use my services; it also (rightly) upsets those who do. Should you wish to know the outcome of any match in advance you are most welcome to contract my services.

OK, Prognosen also nur gegen cash. Aber nehmen wir mal an, dass sie diese 7 Spiele tatsächlich richtig prognostiziert hat, was war dann bei den vielen anderen? Immerhin wagt sie es jetzt tatsächlich, ihre Prognosen für das Halbfinale vorab zu posten (die Viertelfinalprognosen waren dort am Sonntag noch nicht zu lesen …) und danach dürfte sich Prognosewauwau Kobi vor dem Finale zwischen Bratwurst und Goudakäse entscheiden müssen.

Ach ja – und beim Torjubel bitte auf die direkten Nebenpersonen achten!

Update 6.7. 11:20:

Oktopus Paul hat sich live im Fernsehen entschieden: Spanien soll das Halbfinale gewinnen … … jetzt fragt sich nur, ob er die spanische Mannschaft absichtlich in Sicherheit wiegen möchte oder ob doch tatsächlich dieses Mal eine Niederlage für die Bundeskicker droht.
Da hilft nur abwarten, denn Kobi aus Weimar und der Chemnitzer Zoo werden sich bestimmt auch noch äußern.

Update 2 6.7. 20:00:

Die Schweizer sind zwar nicht mehr dabei (trotz Sieg gegen Spanien!), aber der Tagesanzeiger aus dem Alpenländle hat sich heute mal die Prognosen der Leute angeschaut, die ansonsten eher auf Börsen und Konjunkturzahlen schielen statt Bälle auf dem Weg zu irgendwelchen Toren voraususagen. Im Artikel werden also die WM-Prognosen von UBS und JP-Morgan betrachtet, und da UBS-Favorit Brasilien bereits zu Hause Samba tanzt dürften die Schweizer Bänker jetzt Deutschland vorne liegen sehen. Bei JP Morgan hieß der Favorit vor dem Turnier übrigens England, aber immerhin sind die in der Rangliste folgenden Teams aus Spanien und Niederlande noch dabei. Was das für ein mögliches Finale heißt werden wir morgen Abend wissen.

Update 3 6.7. 20:25:

Jetzt wird’s wirklich spannend! Das Chemnitzer Tierorakel – dieses Mal durfte wieder Stachelschwein Leon an die Prognosefront – hat sich für die spanische Birne entschieden, und da bisher alle Chemnitzer Fütterungsorakel (auch das Stachelschwein beim Spiel gegen Australien) mit ihren Prognosen gnadenlos daneben lagen schürt Leon’s Birnenlust die Hoffnung der deutschen Fans. Hat vielleicht Paul dieses Mal nur taktisch gefressen, um die Spanier in Sicherheit zu wiegen? Vielleicht wusste er ja, dass die deutsche Kickerelite die Spanier für ihre Angewohnheit ihrem Nationalgericht Paella bisweilen Tintenfischringe beizufügen zu „bestrafen“ gedenkt …

Update 4 6.7. 21:30:

Und was wird Pauls Oktopuskollege Armstrong morgen prophezeien? Im Sealife Hannover kriegt der Achtarmer sogar ein Fußballfeld vor die Tentakeln gesetzt und darf sich dann ein Tor aussuchen aus dem es Freßbares zu erhaschen gilt. Das gilt dann als Tor, und die andere Mannschaft verliert – wie zum Beispiel Argentinien vor Kurzem gegen die deutschen Kicker (die Überschrift suggeriert fälschlicherweise schon das morgige Halbfinale …).

Update 5 6.7. 22:15:

Privates Telefonat kurz vor dem Ende des ersten Halbfinals – das Sparkassenorakel hatte bisher fast immer Recht und führt uneinholbar beim firmeninternen Tippspiel. Für das Halbfinale hat das Sparkassenorakel einen 2:1 Sieg für die deutsche Mannschaft vorausgesagt – und das ohne irgendwelche Fußballkenntnisse …

Update 6 6.7. 22:35:

Kobi, das bisher zu 100% sichere Hundeorakel aus Weimar, hat sich wieder entschieden: Deutschland gewinnt gegen Spanien! Jetzt wird sich morgen zeigen, ob Paul oder Kobi dieses Mal richtig lagen!

Update 7 7.7. 14:30

Jetzt hat auch Armstrong, der Oktopus aus dem Sealife Hannover, sein Votum abgegeben – und auch er wiegt die Spanier in möglicherweise trügerischer Sicherheit…

Update 8 7.7. 19:30

Kurz vor dem Spiel noch die letzten Prognosen aus der Orakelzunft: Hansi, der Einslive-Hamster, hatte schon gestern richtig auf Holland gesetzt, für heute sagt er einen deutschen Sieg voraus! Weniger tierisch sind die Prognosen unseres östereichischen Astrologen Dietmar Amann. Mit dem Tipp für gestern lag er ja daneben, aber wenn seine 50% Trefferquote aus dem Viertelfinale Bestand hat, dann …





Kurze WM-Prognosen-Updates: Paul sieht Maradona weinen! (Neu am 1.7.: Kobi auch!)

29 06 2010

Der kollektive Freudentaumel der hiesigen Fußball-Fans nach dem 4:1 Sieg im „Klassiker“ Deutschland gegen England geht so langsam in die Vorfreude auf das Viertelfinale gegen Argentinien über – trotzdem möchte ich kurz auf ein paar Prognosen zum England-Spiel zurückblicken. Die beiden Astrologen, die auf den Sieg der Deutschen nicht nur hofften, sondern dies auch irgendwie astrologisch „begründeten“ lagen mit ihren Tipps dieses Mal richtig. Auch der indische Astroyogi (!!!), der eine Siegwahrscheinlichkeit von 51,3% für die Löw-Kicker aus den Sternen ermittelt haben wollte, wird sich eines Treffers rühmen. Dagegen hatte Herr Amann für’s Achtelfinale wohl andere Sterne kontaktiert, denn bei ihm hätte England gewinnen sollen (seine vielen Vorrundenprognosen hat er inzwischen übrigens entfernt – so sah das am Ende aus).

Eine astrologische Prognose für das Argentinien-Spiel gibt es bereits im Starfish-Blog:

Aber vielleicht ist ja Uranus mitten in der Mond/Jupiter-Konjunktion ein Hinweis auf Überraschungen. Auch die Sonne/Südknoten-Konjunktion scheint mir Chancen für den Underdog Deutschland anzuzeigen, und zwar nach dem regulären Spielende. Vielleicht schafft Deutschland es, eine Verlängerung zu erzwingen, evtl. sogar mit anschließendem Elfmeterschießen. Dann könnte ich mir einen Erfolg der deutschen Mannschaft vorstellen.

So richtig überzeugend klingt das ja nicht – aber immerhin besteht ein wenig Hoffnung.

Nachdem Oktopus Paul auch den Achtelfinalsieg der Bundeskicker richtig „vorhergesagt“ und es damit auch in England zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat, dürfte nun bei den argentinischen Fußballfans das große Zittern beginnen:

Tintenfisch-WM-Orakel: Deutschland

besiegt Argentinien

Paul hat wieder zugeschlagen, und das Leckerli mit der deutschen Fahne gewählt! Bei seiner bisherigen WM-Trefferquote (100%) kann also eigentlich gar nichts passieren und die ’schland-Rufer stehen Samstag Abend wieder Fahnen schwingend am Straßenrand. Ob Maradona’s viele Bekreuzigungen vor jeder Halbzeit (waren es vor dem Spiel am Samstag laut Fernsehkommentator nicht genau 8 Stück?) diesen Zauber mittels göttlichem Beistand abwehren können? Zur Beruhigung der Hand Gottes und seiner Landsleute sei angemerkt, dass Paul nicht immer unfehlbar war: bei der EM 2008 lag er nämlich zumindest beim Vorrundenspiel gegen Kroatien falsch. Damals soll das Chemnitzer Tierorakel richtig gelegen haben – oder vielleicht doch nicht? Schaut man sich die aktuellen WM-Tipps aus Chemnitz an, so sieht es eher danach aus als hätte die Zoobelegschaft das Verhalten der Tiere falsch gedeutet. Welch anderer Grund für das kollektive Versagen von Leon (Stachelschwein – Niederlage gegen Australien), Petty (Flußpferd – Sieg gegen Serbien), Anton (Springtamarin – Niederlage gegen Ghana) und den Polarfüchsen (Niederlage gegen England) ist denn sonst denkbar?

Update 1 vom 30.6.:

Wie die WAZ meldete (dort gibt’s auch ein kleines Video) hat sich Oktopus Paul beim Tipp für das Argentinien-Spiel extrem viel Zeit gelassen. War seine Prognose für das England-Spiel binnen Minutenfrist gegessen (im wahrsten Sinne des Wortes) dauerte es dieses Mal 47 Minuten bis sich Paul zu einer Entscheidung durchringen konnte. Nun kann man spekulieren, ob dies irgend eine Bedeutung hat …

Übrigens sehen die Prognosen beim Castrol World-Cup-Predictor inzwischen wieder besser aus für das deutsche Team. Lag die Titelwahrscheinlichkeit vor dem Achtelfinale noch bei 5,4% …

… so stieg sie jetzt auf 9,4%:

Argentinien liegt hier allerdings knapp besser und beim direkten Vergleich sehen die Schmierölanalytiker Maradona’s Truppe mit einer Wahrscheinlichkeit von 52% vorne … … vor dem Achtelfinale hatten sie allerdings eine ähnliche Gewinnwahrscheinlichkeit für die Engländer berechnet:

Update 2 vom 30.6.:

Herr Amann hat zwar noch keine Prognosen für das anstehende Viertelfinale veröffentlicht, aber er ist sich zu 90% sicher dass Argentinien Weltmeister wird.

Update 3 vom 30.6.:

Herr Amann hat inzwischen die Achtelfinals „berechnet“. Seine Prognosen sehen (s.o.) für die deutschen Kicker nicht so rosig aus.

Abzuwarten bleibt auch, wie ein weiteres Tierorakel das Spiel am Samstag einschätzt. Im Tierheim Weimar darf Hund Kobi vor jedem Spiel entscheiden, ob er lieber Bratwurst (für Deutschland) oder ein anderes Futter (aus dem Land des Gegners) schnabulieren möchte. Was er für das Spiel gegen Australien orakelt hat weiß ich nicht, aber das serbische Cevapcici hat er jedenfalls der Bratwurst vorgezogen. Dass er Banane (Ghana) und Fish&Chips (England) verschmähte ist ja durchaus zu verstehen – ob er aber bei seiner nächsten Orakelei einem leckeren argentinischen Rindersteak widerstehen kann?

Update 4 vom 1.7.:

Noch eine schöne und absolut genaue Prognose gibt’s überraschenderweise bei der PC Welt: Zweimal Müller und Klose in der 90. sollen für einen 3:2-Sieg sorgen … … oder hat der Autor hier einfach nur von einer Simulation am PC berichtet?

Update 5 vom 1.7.:

Mit einem Video eindeutig belegt: Das Weimarer Hundeorakel namens Kobi widerspricht Oktopus Paul auch bei dieser Prognose nicht und zieht tatsächlich die deutsche Bratwurst dem argentinischen Rindersteak vor – also noch ein „Orakel-Punkt“ für ’schland!

Apropos Punkte: Auf dieser Seite ändert sich scheinbar (außer dem Namen der gegnerischen Mannschaften) gar nichts. Die deutschen Ersatzspieler Aogo und Butt sind noch immer rotgefährdet (auch der derzeit verletzte Cacau) und Özil noch immer Schiri’s Liebling – irgendwie doch etwas laaaaangweilig …

Update 6 vom 2.7.:

Jetzt hat sich auch das Chemnitzer Tierorakel wieder gemeldet – und widerspricht zum fünften Mal den Prognosen von Oktopus Paul und Tierheimbello Kobi (s.o.). Dieses Mal durfte die 6-jährige Lippenbärin Renate das Siegerteam voraussagen, und – nach der Deutung der Tierpfleger – hat sie sich für Argentinien entschieden. Aber wie ich bereits weiter oben vermutete, müssen sich die Tierpfleger langsam fragen lassen, ob sie ihre Tiere wirklich richtig verstehen …





WM-Prognosen Update: Hemispheren, Trikotfarben, Kraken, ein Erzengel und die Sterne

23 06 2010

Deutschlands WM-Gewinnwahrscheinlichkeit ist beim World Cup-Predictor des Co-Sponsors Castrol nach der Pleite gegen Serbien wieder gefallen. Dafür taucht jetzt erstmals Portugal in der Spitzengruppe auf – und Uruguay hat jetzt die gleiche Wahrscheinlichkeit wie die deutsche Mannschaft vor Turnierbeginn. Der regelmäßige Update der Seite lässt netterweise ausgeschiedene Teams auch gleich „verschwinden“:

Ob sich nach dem Spiel heute Abend auch die deutsche Fahne im „Schattenreich“ der Titelwahrscheinlichkeiten wieder findet bleibt anzuwarten. Die Fans werden sich natürlich gerne auf die Prognose von Hellseherin Annelie Eik (Vielen dank an den Vechtablog!) verlassen, die ihr direkt vom Erzengel Gabriel eingeflüstert wurde. OK, das Ende der deutschen Titelträume hat sie auch vorhergesagt, denn mit dem Halbfinale soll’s nichts werden – es sei denn der Erzengel hat sie angelogen.

Wer sich lieber an die Prognosen real existierender Wesen hält, dem sei Paul empfohlen. Der im Sealife Oberhausen lebende Oktopus soll bei seinen Prognosen zu den bisherigen WM-Spielen der deutschen Mannschaft eine 100%ige Trefferquote haben – für das Ghana-Spiel setzt das Krakenorakel wieder auf Deutschland! Ob Paul treffsicherer ist als seine Kollegen Benedikt und Angus bei der WM 2006? Diese sahen damals die  deutsche Mannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien ausscheiden …

Das astrologische WM-Tippspiel im Forum von astrologie.de liefert neben Ergebnisprognosen sogar noch Ratereien für den Zeitpunkt des ersten Treffers – komischerweise unterscheiden sich die Prognosen der Astropraktiker, auch wenn gleich zwei Mal das erste Tor für die 14. Spielminute prognostiziert wird. Nicht ganz so genau, aber immerhin optimistisch, schaut dieser Astrologe in die Sterne:

Also könnte man sagen, beide Favoriten gewinnen. Wir tun das mal und sagen hier einen Sieg für Deutschland und einen für Serbien voraus.

Update (23.6., 13:20 Uhr): Im Starfish-Blog wird auch gehofft, aber dort scheint die Autorin in den Sternen nichts Genaues zum Ghana-Spiel erkennen zu können:

Schwierig, schwierig. Ich glaube, die Sterne wollen mir nicht sagen, wer heute Abend gewinnt. Vielleicht ist das eine der Situationen, in der einfach noch alles offen ist und der Kosmos jetzt die Frage nicht beantworten kann.

Ob Herr Amann seine Prognoseseite mit den heutigen Spielen anreichert weiß ich nicht ( ich werde kurz vor 16:00 Uhr nochmals nachschauen und dann ggf. ein Update einfügen – Update 23.6., 22:48 Uhr: Für die Spiele heute gab es tatsächlich keine Prognosen von Herrn Amann … … die Seiten von 16, 18 und 22 Uhr sind jeweils auf WebCite archiviert – Update 24.6. 14:30: Für heute gibt’s wieder Prognosen), bisher ist seine Trefferquote jedenfalls nicht allzu berauschend. Bei 34 Spielen zu denen er einen wahrscheinlichen Sieger genannt hatte lag er 14 Mal richtig und  11 Mal falsch (die 9 Unentschieden fallen – gemäß seiner eigenen Treffer-Definition – aus der Wertung). Auch auf einen Titelgewinner will er sich astrologisch bisher noch nicht festlegen sondern bietet mit Argentinien, Brasilien, Deutschland, England und Uruguay fünf mögliche Weltmeister an.

Die südafrikanische Stundenastrologin Jaqueline Brook traut sich auch nicht, irgendeinen „astrologischen Favoriten“ zu küren. Sie sieht den Sieger in der „nördlichen Hemisphere“ beheimatet – Glück für Brasilien, denn dieses Land rechnet sie sowohl der südlichen als auch der nördlichen zu, Argentinien und Uruguay hätten demnach allerdings keine Chance. Spätestens zum Halbfinale will sie sich auf einen Favoriten festlegen (dann ist die Auswahl ja auch weniger groß) und überläßt es ihren Lesern ob diese die Ergebnisse schon vor dem jeweiligen Anstoß wissen wollen:

As the tournament unfolds I will take a closer look at certain teams and add the predictions for those matches to this article on this web site; it is up to the reader to decide if they wish to know the outcome of these events prior to kick-off, or not. The most exciting weeks will obviously be those of the semi finals and finals and by then I will have decided on a firm favourite!

Andi Singh aus Malysia will zumindest die Trikot-Farben der besten Teams aus den Sternen gelesen haben:

teams wearing green, purple, gray and brown would do well at this year’s World Cup.

Aha, und das grüne Team wird das braune im Finale schlagen … … fragt sich nur, welches Team überhaupt in braunen Trikots aufläuft! Vielleicht sollte sich der DFB jetzt ganz schnell noch neue Trikots bestellen, denn soweit ich weiß haben die deutschen Leibchen keine der genannten Farben – aber bitte nicht blau oder rot, denn damit sieht’s im Finale ebenfalls schlecht aus.





Weitere WM-Prognosen und Zahlenspielereien

17 06 2010

Das südafrikanische Summermärchen (kein Tippfehler) ist ja bereits voll im Gange, aber hin und wieder gibt es noch neue Prognosen zum Ausgang der WM. So hat sich der Mannheimer Wahrsager Emanuell Charis bei seiner Favoritenprognose auf die üblichen Verdächtigen „festgelegt“ – und sieht Deutschland als Vizeweltmeister. Einzelne Astrologen versuchen sogar so ziemlich jedes Spiel irgendwie vorherzusagen – bin mal gespannt, ob sie das bis zum Ende durchhalten, und ob die Ergebnisse dann in irgend einer Form überraschend sind.

Ist es nicht viel lustiger, beim kenntnisfreien Herumschwafeln mit Freunden eigene Prognosen zu erstellen und mit der Realität abzugleichen? Auch ohne tiefer gehende Fußballkenntnisse habe ich letzten Sonntag beim gemeinsamen Deutschland-Spiel-Kucken eine solche gewagt – das Ergebnis erinnerte dann allerdings  eher an folgendes Video:

Der damit beworbene Goal-Predictor ist eine wirklich nette Spielerei. Die von den Machern vorbelegten „Stärkepunkte“ in Angriff, Abwehr und 11m-Treffsicherheit kann man dort für alle Länder auf einer Skala von 0-9 beliebig ändern und ein Programm berechnet dann eine – jeweils neue – Ergebnisprognose für das gesamte Turnier (unter Berücksichtigung der aktuellen Ergebnisse). Wie das verwendete „Gaussian mathematical model for football match simulation“ genau funktioniert wird leider nicht verraten, aber mit ein wenig Manipulation habe ich folgende Ergebnisprognosen für Halbfinale und Finale gebastelt:

OK, das war jetzt natürlich völlig unrealistisch – zumindest was die einzelnen Spielergebnisse angeht. Noch unrealistischer ist freilich diese – wohl lustig gemeinte –  „Prognose“ des YouTube-Users „EpicClown“: bei ihm siegt Nordkorea im Finale gegen Neuseeland …

Auch die im Spiegel ewähnten Zahlenspielereien sind nicht ernst zu nehmen, denn hier geht es lediglich darum mit irgendwelchen obskuren Rechenexempeln den nächsten WM-Titel für die deutschen Balltreter irgendwie auf das Jahr 2010 zu rechnen … … oder – falls es dann doch nicht klappt – eben auf 2014. Ebenfalls im Spiegel begründet der FDP-Mann Dirk Niebel, warum der vierte deutsche WM-Titel – im Gegensatz zu 2006 – dieses Mal nicht zu vermeiden sei: Weil die FDP – wie bei den Titelgewinnen zuvor – mit in der Regierung sitzt! OK, die FDP saß auch während der Weltmeisterschaften 1998, 1994, 1986, 1982 und 1978 in der Regierung – also doch eher ein schlechtes Omen?

Derweil haben sich übrigens die Weltmeisterwahrscheinlichkeiten im bereits erwähntenWorld-Cup-Predictor“ nach der ersten Spielrunde in Südafrika verändert: Brasilien liegt noch immer vorne (22,0% statt 23,4%), dahinter folgen aber jetzt die Niederlande (16,2% statt 9,8%), England (10,4% statt 10,3%), Spanien (10,2% statt 17,0%), Deutschland (9,2% statt 5,7%) und Argentinien (9,0% statt 7,5%) – in etwas veränderter Reihenfolge.

Wahrscheinlichkeiten, Sternenschwurbel, mehr oder weniger lustige Raterei – es wird auch dieses Mal sein wie immer: Irgendjemand wird mit seiner Prognose Recht gehabt haben …





Fußball WM und Astrologie: kaum Prognosen, viel Blabla (Update)

11 06 2010

Hatte nicht Herr Amann aus Österreich ab dem 10. Juni seine astrologischen WM-Prognosen angekündigt? Ja, hatte er, aber auf seinem Blog sind sie bisher schlicht und einfach nicht zu finden. Ob die Prognosen so feinstofflich sind, dass man sie gar nicht mehr lesen kann? Vielleicht bezog sich das „ohne Gewähr“ in seiner Ankündigung vom 31.5. ja auch nicht auf die Richtigkeit der Prognosen sondern darauf, ob er sie überhaupt der Öffentlichkeit präsentiert …

Update, 14.6.: Inzwischen hat Herr Amann seine ersten Prognosen (… und heute Abend ist es schon eine mehr …) tatsächlich präsentiert – und dazu ein recht eigenartiges „Regelwerk“ zur Bewertung. Als Prognosen gibt er Prozentwerte für den Sieg einer der beiden Mannschaften an, als Fehler will er seine Prognose aber nur dann gewertet wissen, wenn die Mannschaft mit der höheren Wahrscheinlichkeit verliert. In seinen eigenen Worten:

Fehlinterpretationen gelten erst dann, wenn derjenige Staat verlieren würde, der als Sieger berrechnet wurde. Unentschieden gilt also nicht als Fehlinterptetation.

Mal sehen, ob er sich neben den bisherigen 8 (jetzt 9) Prognosen noch weitere zutraut … … bisher lag er bei 3 Spielen falsch, eines ging Unentschieden aus (wenn er es nicht als „Fehlinterpretation“ gezählt haben will, ok – dann ist es aber auch kein Treffer) und 4 Mal lag er richtig.

Seine Wiener Kollegin Rosalinde Haller erbat sich – laut dieser Meldung – noch ein wenig Bedenkzeit. Mal sehen, ob und wenn ja wann sie versucht ihre Traumquote von der EM 2008 zu toppen. Damals lag sie mit ihren sehr ausführlichen Tipps weitgehend daneben: Keines der von ihr im Februar ins Halbfinale prognostizierten Teams erreichte dieses tatsächlich …

Auch Iris Treppner, Spezialistin in den Disziplinen Prozentrechnung und Dreiste Übertreibung, hatte auf einer ihrer vielen Webseite angekündigt:

Sobald die Spielpläne stehen, gibt es auf dieser Seite weitere Informationen!

Gibt es aber nicht. So bleibt’s bei ihrer alten Prognose für ein Finale dessen Sieger „erst nach Verlängerung und vielleicht sogar erst beim 11-Meter-Schießen“ ermittelt wird: England – Argentinien

Im bayrischen Rundfunk durfte Petra Renzi fast 6 Minuten lang weitgehend Positives über die deutsche Mannschaft ins Mikro blubbern – zumindest bis zum Achtelfinale, denn die folgenden Tage sind dann „schlecht bestrahlt„. Sinnfrei und völlig wirr kicherte sich die Dame durch ein Interview – dessen Moderator man für die nächsten Tage eine Horde dauertrötender Vuzuela-Fans in die direkte Nachbarschaft wünschen möchte. Warum stellt der Mann nicht einmal eine konkrete Frage?

Aber nicht alle Sternenschwurbler verweigern die Prognosen so vollständig. Im Starfish-Blog gibt es eine wenig überraschende Prognose zum Spiel Deutschland gegen Australien – der erwartete Sieg der deutschen Kicker wird in der unter Astrologen üblichen Schwurbelsprache wie folgt begründet:

Ein wichtiger Faktor ist jedoch der Glückspunkt (Pars Fortuna), hier auf 26° Wassermann im 1. Haus. Er bildet ein Antiszium (Spiegelpunkt) zur Spitze des 10. Hauses, was ein sehr deutliches Argument für einen Sieg der Favoriten-Mannschaft ist. Zusätzlich bildet der Nebensignifikator für die deutsche Mannschaft, Mars, ein Sextil zum Antiszium des Glückspunktes.

Das muss man nicht verstehen – aber wer mag kann ja im Astrologenwiki solche Begriffe nachschlagen.

Solchen Umstand vermeidet man als Leser dieser Seite. Das 0:0 würde ich dabei nicht als Prognose für das Spiel verstehen wollen, denn hier werden lediglich irgendwie astrologisch den einzelnen Spielern bis zu 5 Fußbälle zugeordnet – also keinerlei Schwurbeltexte und eine Logik, die der ’schland-Fan auch nach dem 15. Bier noch verstehen kann (Ob die 92:82,5 Fußbälle irgendwie das Ergebnis symbolisieren sollen?). Außerdem gibt es bei einigen Spielern noch kleine, kurze Anmerkungen die irgendwie nach Fußball klingen – und durchaus überraschende Erkenntnisse liefern. Jetzt wissen wir nämlich, dass die Nummer 3 im Nationalmannschaftstor für das erste Spiel nicht nur einen „Publikum-Beliebtheitsprunkt“ sein eigen nennen kann, sondern auch „leicht rotgefährdet“ ist. Gilt das auch, wenn er gar nicht spielt? Andere Spiele haben einen „Fleißigkeitspunkt“ (der immer mit der Gefahr eines Platzverweises korreliert: „Extrem rotgefährdet„), einen „Technikpunkt“, einen „Gefährlichkeitspunkt“ – ein Australier hat gar einen Raubkatzen-(Torgefährlichkeits)punkt … … ob das Löw zu einer Sonderbewachung animiert?

Welche Bedeutung „Überraschungspunkt“ oder „Talismann-Glückspunkt“ haben weiß ich nicht, aber beim „Schiri-Lieblingspunkt“ habe ich ganz klare Vorstellungen: Mesut Özil wird also besonders viel und/oder hart foulen dürfen, ohne eine gelbe oder rote Karte bzw. einen Elfmeter für den Gegner zu riskieren … oder er erhält einen unberechtigten Elfmeter zugesprochen (Update: Ob seine mit einer gelben Karte bestrafte Schwalbe der Versuch war, den Schiri-Lieblingspunkt irgendwie „einzulösen“???). Eigenartig finde ich nur, dass auch ein Spieler der gegnerischen Mannschaft so einen Schiri-Lieblingspunkt hat. Wie entscheidet der Schiri, wenn sich ausgerechnet diese beiden auf dem Platz unsanft begegnen?

Ob man noch auf weitere astrologische Prognosen zur WM warten sollte? Wenn sogar Helen Fritsch, Leiterin der Hamburger Astropraxis (…  bei der man sich einzelne Kurse von der Bundesagentur für Arbeit finanzieren lassen kann …) schreibt …

Astrologische Prognosen über das konkrete Abschneiden einzelner Mannschaften sind unseriös,

… und sich dabei auf den Deutschen Astrologen Verband beruft, dann könnten sich die Sterndeuter doch all die Mühe beim Schreiben einer astrologische klingenden Begründung gleich sparen und – wie viele andere auch – einfach aus Spaß ein wenig raten. Eine bessere Trefferquote ist mit der Astrololgie bekanntlich eh nicht zu erzielen.

Weitere Prognosen gibt es hier und da und dort








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