Prognoserückschau 2009: Alle Quellen und ein „vergessener“ Abschnitt

14 12 2009

Wenn die alljährliche Pressemeldung zur Prognoserückschau von der GWUP veröffentlicht ist bekomme ich zum einen Fragen nach den genauen Quellen gestellt und muss zum anderen erklären, warum es die ein oder andere Prognose nicht in die Auswahl für die Pressemeldung geschafft hat. Die Quellen hatte ich schon im letzten Jahr hier im Blog vollständig genannt, und das werde ich jetzt auch wieder tun. Zusätzlich gibt es dazu noch einen Abschnitt, der es am Ende nicht in die Pressemeldung geschafft hatten (natürlich ebenfalls mit Quellenangabe).

Zunächst zu den Quellen der GWUP-Prognoserückschau (für Links nutze ich seit Kurzem wo immer es geht WebCite® – dadurch stören mich nachträgliche Änderungen von im Internet abgegebenen Prognosen nicht mehr …) :

Als Einstieg habe ich ein paar der „Prophezeiungen“ von Nikki Pezaro für 2009 gewählt: aus den „World Predictions“  Nr. 59 (Golden Gate Brücke), Nr. 23 – 25 (Obama) und Nr. 13 (Nessie) sowie aus dem Abschnitt „The Royals“ Nr. 11 (Kronjuwelen), Nr. 9 (Buckingham brennt) und Nr. 13 (Windsor auch) . Die ausgefallenen Terrorangriffe habe ich aus Nr. 1 der „Additional Predictions“ und Nr. 70 der „World Predictions“.

Ray O. Nolan’s prognostizierte Wunderheilungen fanden sich auf seiner Webseite, Manfred Dimde’s Weltkriegsgefasel steht in seinem Buch „Nostradamus 2009“ (ISBN-10: 3426780976). Ich hatte mir das Werk im März besorgt und fand auf Seite 76 folgendes:

Hier, im Text für 2009, hinterlegt er, worauf die Menschen unserer Zeit, die mit klarem Blick die Ereignisse erkennen wollen, besonders achten sollten.

  • Erstens: 100 Staaten werden vom Dritten Weltkrieg betroffen sein.
  • Zweitens: Ein Waffensystem wird durch einen Beschluß geächtet, abgelehnt oder auch nur bekämpft.
  • Drittens: Ein auffälliges Merkmal sind 11 Staaten oder Staatschefs, die sich nicht daran halten.
  • Viertens: 100 Staaten werden es sein, die darunter zu leiden haben.

Rosalinde Haller hat wie üblich auf ihrer Prophezeiungen-Webseite die angesprochenen Aussagen gemacht (über den Menueintrag „Prophezeiungen“ kommt man auf  eine Übersichtsseite, dort geht’s über „Neu: 2009“ zu den Originaltexten), Emanuel Charis wurde in der Zeitschrift „Fernsehwoche“ Heft 1/2009 (erschienen am 24.12.2008), auf Seite 5  wie folgt zitiert: „Es sind schwere Stürme in der Karibik zu erwarten. Der Wasserspiegel steigt stark an und es wird weltweit Katastrophen geben. Wir werden auch zum ersten Mal erleben, wie eine Insel komplett im Wasser versinkt.

Lilo von Kiesenwetter hatte den Anschlag auf Obama in der RTL-Sendung „Prophezeiungen 2009“ erwähnt, eine genaue Auflistung aller Prognosen aus der Sendung findet sich im Blog von cimddwc. Die Palmblattprognosen von Herrn Ritter habe ich inzwischen auch ins WebCite-Archiv überführt – neben dem Text für 2009 auch die für 2007 und 2008 zum Vergleich und zur Dokumentation seiner überragenden Fähigkeiten im Umgang mit Copy&Paste.

Die Ratschläge von Susanne Eder gibt’s auf ihrer Webseite, Hannelore Roller-Bollmann gründet ihre Ratschläge auf die „rückläufigen Planeten“ 2009, die  Zitate stehen bei Saturn und Uranus. Sehr schön ist auch der Text für den rückäufigen Jupiter (15.6. bis 12.10.), denn er liefert eine wunderbare Ausrede für alle aktuellen Erstsemester, wenn sie für ihr Studium länger als geplant brauchen:

In dieser Zeit keine expansiven Projekte planen oder starten wie Reiseexpeditionen, Studien, Immatrikulationen, die Ergebnisse erzielen nicht die geplanten Vorstellungen oder ufern ins Unendliche aus.

Zum Thema Bildungsgutscheine und Astrologieausbildung habe ich mich hier letztmals geäußert, in diesem Zusammenhang verweise ich gerne auf weitere Artikel zu diesem Thema in den ScienceBlogs bei Florian Freistetter.

Die abschliessenden Betrachtungen zur Fußball-WM 2010 beruhen auf zwei Aussagen aus der bereits angesprochenen RTL-Sendung vom 3. Januar 2009.

Jetzt aber zu dem „vergessenen“ Abschnitt zu den Themen Fußball und Formel 1:

Auf welche Gestirnsstände sich die Astrologin Iris Treppner bezog als sie Bayern München nach einem spannenden Zweikampf mit Hoffenheim die deutsche Fußballmeisterschaft prophezeite, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall scheint der Flug von Fußbällen nicht aus den Sternen berechenbar zu sein, denn mit Georg Stockhorst und Monika Geiger lagen zwei weitere Sterndeuter mit dem gleichen Tipp daneben. Der Seher Hans-Jürgen Butz lag schon nähr an der Realität – hätte er allerdings noch verraten, welche Überraschungsmannschaft den Titel am Ende gewinnen würde (Bayern und Hoffenheim hatte er richtigerweise ausgeschlossen), man hätte ihm tatsächlich einen der seltenen Prognosetreffer zuschreiben können. Als ganz weit daneben entpuppten sich die Prognosen von Iris Treppner zur Formel 1 WM: Räikkönen vor Heidfeld, dann Massa und Hamilton ungefähr gleich stark dahinter – die 4 genannten Fahrer fanden sich am Ende zwischen den Rängen 5 und 13 wieder. Sind Frau Treppners sinnfreie Sätze wie „Sebastian Vettel wechselt im Sommer den Rennstall oder festigt seinen Vertrag“ bei einer Formel 1 Prognose eher der Unterhaltung zuzurechnen, wird es bei anderen Themen schon ernsthafter.

Quellen: Treppners Fußball und Formel-Prognose stammen von ihrer Webseite, diese ist nicht mehr online verfügbar, aber ich habe die damalige Version lokal abgespeichert. Ihr Formel 1 Text lautete folgendermaßen:

Besonders beständig fährt in der Saison 2009 Kimi Raikkönen! Er könnte Weltmeister werden, wenn Ferrari sich dazu durchringen würde, Lewis Hamilton vom Thron und als zweiten Fahrer hinter Raikkönen zu setzen.

Nick Heidfeld überrascht positiv trotz Pechsträhnen in der kommenden Saison 2009 – vor allem im Sommer. Er könnte im Ranking direkt hinter Raikkönen auftauchen.

Lewis Hamilton und Felipe Massa liefern sich ein Kopf-an-kopf-Rennen. Mit leichten Vorteilen für Massa. Da die beiden offensichtlich auf jeweils den anderen fixiert sind, nehmen sie irgendwie nicht wirklich am Geschehen teil und versäumen es wichtige Punkte zu sammeln.

Fernando Alonso wird der „Schattenfahrer“ der Saison. Entweder landet er immer auf unwichtige Plätze oder fährt tatsächlich sehr viel im Windschatten, um Vorteile zu bekommen. Helfen wird es ihm jedoch nicht.

Sebastian Vettel wechselt im Sommer den Rennstall oder festigt seinen Vertrag, weil er am Anfang der Saison mit guten Leistungen glänzen kann.

Robert Kubica fährt in der Saison unauffällig und wird kaum eine Konkurrenz darstellen.

Die anderen Fußballprognosen stammen aus einem Artikel aus der Münchner tz vom 30.12.2008, Titel: Fünf Hellseher blicken in Münchens Zukunft.

Natürlich hätten auch weitere Themen erwähnt werden können, aber nachdem in den letzten Jahren immer mal wieder Prognosen um DAX und zur Wirtschaft im Allgemeinen erwähnt wurden, habe ich in diesem Jahr davon abgesehen. In der Regel kann man in die schwammigen Prognosetexte zu diesem Thema im Nachhinein alles und nichts hineindeuten und es verwundert deshalb nicht, dass astrologische Tipps zu diesem Thema mit einem Haftungsausschluss garniert werden.





Vermischtes: Wahlprognosen, Lourdeswunder und Abmahndrohung (Teil 3)

22 09 2009

Eigentlich wollte ich ja schon letzte Woche etwas zu den Wahlprognosen verschiedener selbst ernannter Auguren schreiben, aber irgendwie fand ich nicht die Zeit dazu. Jetzt hat Florian ein paar Prognosen (u.a. Monika Piper-Albach, Winfried Noe, Markus Termin und Chritiane Durer) schon mal sehr schön zusammengefasst … … und dem ist nicht viel hinzuzufügen. OK, es gab natürlich noch weitere Prognosen, aber die waren weder besser noch genauer. Ein paar Beispiele möchte ich noch ergänzen:

Hans-Jürgen Butz hat laut Münchner TZ vom 30.12.2008 das „zweite Gesicht“ und immerhin bei seinen Fußballtipps (Meister wird nicht der FC Bayern sondern eine Überraschungsmannschaft) richtig gelegen. Ob seine Merkelprognose stimmt? „Sie bleibt nach der Bundestagswahl nicht Kanzlerin. Das wird ein Mann.“ meint Butz, nennt aber nicht den Namen des Nachfolgers. Im gleichen Artikel hatte sich die Kartenlegerin Klaudia Braungart nicht zu einer Wahlprognose entschliessen können (Angela Merkel muss sich auf einen harten Kampf bei der Wahl zur Bundeskanzlerin einstellen: „Das wird ein knappes Ergebnis.“), während die „Hexe“ Luisa Francia keinen Wechsel im Kanzleramt voraaussah. In der Brigitte durfte Roswitha Broszath ihre astrologischen Pseudo-Erkenntnisse zu einigen Spitzenkandidaten im Bundestagswahlkampf loswerden. Die einige bekanntermaßen höchst absurde Diagnosemethoden benutzende Heilpraktikerin (dass die Irisdiagnose Unsinn ist hat sich sogar bis zur AOK herumgesprochen; der ebenso zur Anwendung kommende Vegatest ist eine „Weiterentwicklung“ der Elektro-Akupunktur nach Voll und wurde bereits bei Quackwatch „gewürdigt“) findet in den Sternen von Merkel, Steinmeier, Westerwelle, Lafontaine, Künast und Trittin Trivialitäten zuhauf. Wer hätte denn gedacht, dass bei Lafontaine die Sterne auf „Genussorientierung“ hindeuten, dass „er dem luxuriösen Leben nicht abgeneigt“ ist und dass er „die sozialen Aspekte hoch“  hält? „Einfluss haben, Macht ausüben“ das sagen die Sterne zu Angela Merkel (für welchen Politiker gilt das nicht???) – nur bei Westerwelle verwirrt mich, dass „das weibliche Prinzip etwas kompliziert besetzt“ sein soll … … insgesamt viel Blabla ohne wirklichen Inhalt und nach der ergebnislosen Erörterung der Frage „wer passt zu wem“ weiß Frau Broszath noch, welche Planeten angeblich schuld sind, wenn das Volk sich partout nicht entscheiden kann: Am Wahltag ist Volkes Wille gespalten, das liegt am Einfluss von Saturn und Uranus. Aha!

Lourdes 16072009

Ab heute sollen sich – laut der Nostradamus-Exegese von Ray O. Nolan – in Lourdes diverse Wunderheilungen ereignen. Ich bin schon mal gespannt, ob die großen Nachrichtensender dann vielleicht live berichten wenn die Leute reihenweise ihre Krücken wegwerfen oder aus ihren Rollstühlen aufstehen. Warum gerade dieses Datum interessant sein soll, findet sich übrigens nicht nur bei Nolan, sondern wortgleich im Wikipedia-Artikel zu Bernadette Soubirous, jenem Mädel, dass den ganzen Rummel durch ihre angebliche Vision im Jahre 1858 startete: Vor genau 100 Jahre wurde nämlich ihr Leichnam (warum auch immer) exhumiert …  … ob das die florierenden Geschäfte mit allerlei Behältnissen zum Transport des vermeintlich wunderwirksamen Wassers besonders begünstigt weiß ich natürlich nicht. Zu Engpässen dürfte es in den vielen Souvenirläden aber nicht kommen, denn so wie auf nebenstehenden Foto vom 16.Juli dieses Jahres sieht es vor jedem Laden dort aus (man beachte die Plastikmadonnen mit abschraubbarem Kopf …).

Die Abmahndrohung von Herrn X eskaliert inzwischen weiter. Nachdem mir eine Unterlassungserklärung zugesandt worden war die mir im Falle des Nichtentfernens seines Textes von meiner Webseite eine Strafe von sage und schreibe knapp 23 Euro pro zitiertem Wort androht, habe ich die Sache einem Anwalt übergeben. Jetzt bin ich mal gespannt, wie das Ganze ausgeht …





Topaktuelle Fußballastrologie: Kaninchen gegen Astrologe 0:0

20 05 2009

Die Bildzeitung hat anlässlich des UEFA-Cup-Finales in Istanbul einen Reporter durch die Stadt und dann ins Stadion geschickt. Und dieser hat auch gleich ein tolles Experiment gewagt: Nachdem nämlich der Astrologe Manfred Gregor der Hamburger Morgenpost vor 2 Wochen fälschlicherweise den Finaleinzug des HSV prophezeit hatte fragt der Bildmensch lieber einen Prognoseprofi, nämlich diesen – äh – dieses da:

Das Wahrsagekaninchen

Das Wahrsagekaninchen "einfach so" ...

Und wie das Vieh arbeitet kann man hier sehen: Den Rest des Beitrags lesen »





Vermischtes: HSV im Finale, Schweinegrippenastrologie und noch mehr Leichenfledderer

5 05 2009

Für einige Fussballfans im Norden hat der Astrologe Manfred Gregor eine gute und eine schlechte Nachricht: Der Hamburger SV erreicht das UEFA-Cup Finale gegen Werder Bremen, verliert aber am Sonntag in Bremen sein Bundesligaspiel. Wobei die in der Hamburger Morgenpost veröffentlichte Prognose für den UEFA-Cup nicht allzu gewagt ist, denn schließlich gewannen die Hamburger bereits das Hinspiel auswärts mit 1:0. Dass Gregor sogar die Matchwinner beider Spiele kennen will und für den Bremer Diego ein Tor in den ersten fünf Minuten des Sonntagsspiels vermutet ist eine in Astrologenprognosen selten genaue Aussage. Wenn’s daneben geht wird er sich wahrscheinlich mit der beliebten Ausrede, dass die Sterne nicht zwingen sondern nur „geneigt machen“ herausreden. Ob man den Lesern des Artikels bei der empfohlenen Reisebuchung zum Finale in Istanbul im Falle einer HSV-Niederlage am Donnerstag noch ein Rücktrittsrecht auf Kosten von Herrn Gregor einräumt ist leider nicht bekannt.

Die Schweinegrippe ist bereits vor Tagen ins Mundanforum von Astrologix geschwappt und bei den vielen dort zu findenden Horoskopbildern und abgedrehten Pseudoerklärungen mit Hilfe von Deutungen der Todeszeitpunkte von an der Spanischen Grippe im Jahr 1918 verstorbenen US-Soldaten (!!!) kamen sogar einer Mitdiskutantin namens „Marlies“ leise Zweifel. „NUR: Was hat die derzeitige Zeitqualität mit dem Tod dieses Soldaten zu tun? Hat sie überhaupt etwas damit zu tun?“ Userin „federkiel“ kontert mit einer kleinen Verschwörungstheorievermutung: „Also, wenn man mit der Lunge dieses Soldaten experimentiert hat, oder was gefunden hat, ist denen vielleicht etwas ausgekommen im Labor. Wäre ja nicht das Erste Mal„. Wie realitätsfern muß man eigentlich sein, um solches Hohlgeschwätz in eine Tastatur zu hämmern …

Nachdem bereits der Allgeier-Newsletter und der Astrologe Stephan E. Fuchs durch den tragischen Amoklauf eines Schülers in Winnenden mit einer besonders ekelhaften Form der astrologischen Erklärungsdiarrhoe infiziert wurden, scheint sich dieser Virus – etwas verspätet – auch bis zu Olaf Staudt verbreitet zu haben. Dieses Mal ist es die böse Zeitqualität und Staudt analysiert zielsicher aus der Ferne und den unvollständigen Geburtsdaten des Täters (die Geburtszeit fehlt in den Daten, die HSV-Prognostiker Manfred Gregor zugeliefert hat) „schwer wiegende Versäumnisse und emotionale Defizite von Seiten der Eltern“. Der dreiteilige Kommentar Winfried Noé’s zum gleichen tragischen Geschehen sowie das vedische Astrologiegeschwurbel von „Velvetrose“ alias Dirk Mett sind zwar schon etwas älter, aber wenn es so etwas wie eine Meisterschaft im Leichenfleddern geben würde, hätten sich die beiden Autoren ebenfalls qualifiziert. Dass Herr Mett eine solche Tat „eher früher, im Januar Februar erwartet“ hätte, und dies mit „dem Zeitpunkt der eigentlichen Beschlußfassung vor der Tat“ zu „erklären“ versucht ist die übliche Überheblichkeitsrhetorik eines sich allwissend fühlenden Nachherdeuters ohne jegliches Schamgefühl.





Göttliches Krisenende und die Weltkatastrophe vom Heiligen Geist

11 04 2009

Bereits am 24. März berichtete das christliche Nachrichtenportal idea von einem amerikanischen Evangelisten, der eine Weltkatastrophe prophezeit hat. David Wilkerson heißt der Mann, und sein Katastrophenblabla wird im Artikel wir folgt zitiert:

„Demnächst wird ein Unglück geschehen, das die ganze Welt erschüttern wird. Es wird so furchterregend sein, dass wir alle erzittern werden, sogar der Frömmste unter uns“, heißt es in einem Schreiben des 77-jährigen vom 7. März. Der Heilige Geist habe ihn gedrängt, die Mitteilung weiterzugeben. Bedeutende Städte vor allem in den USA wie New York würden vom Feuer verschlungen. Zudem werde es weltweit Krawalle und Feuer sowie Plünderungen geben. Wilkerson empfiehlt, Vorräte für 30 Tage anzulegen. Er gehe davon aus, dass die Ereignisse „schon bald“ eintreten. „Wir sind unter dem Zorn Gottes“, schreibt Wilkerson.

Dazu erwähnt der Artikel auch einen Kommentar aus Deutschland:  „Das neutestamentliche Zeugnis zeigt in aller Klarheit auf, dass am Ende der Zeiten erschütternde Dinge geschehen werden, die sogar kosmische Ausweitung haben. Insofern ist ein solches Unglück nicht auszuschließen.“ Autor dieser Bewertung ist ein deutscher Experte für prophetisches Reden (toller Titel!), namens Christian Rust, der die Aussagen Wilkersons „geistlich geprüft“ (was bedeutet das?) haben will. Und auch wenn der zitierte Kommentar durchaus positiv klingt hat Rust doch etwas zu mäkeln:

Befremdet zeigt sich Rust davon, dass Christen nicht aufgerufen werden, „Buße und Umkehr einzuleiten, Ungerechtigkeit anzuprangern oder ihr entgegenzuwirken“, sondern sich Vorräte anzulegen.

Schön! Laut Rust sollte also eine Prognose das baldige Ende beschwören, damit die Motivation zur Buße und Umkehr steigt – was für ein Müll! Hinzu kommt, dass der Heilige Geist wohl undeutlich gesprochen oder sich Wilkerson nicht die Ohren gewaschen hat – sonst wäre die Zeitangabe sicher genauer als „Demnächst“ gewesen.

Etwas genauer ist da Horst Keller aus Markdorf: Seine Visionen stammen nämlich von Gott persönlich und er sieht – höchst selten in der Wahrsagerbranche – für die nähere Zukunft nicht schwarz. Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, kann nach den göttlichen Eingebungen des Herrn Keller die Krise einpacken:

Auch die Wirtschaftskrise hat er kommen sehen, behauptet er. Warum er niemanden gewarnt hat? Weil man ihm ja eh nicht glauben würde, seine Visionen als Humbug abtun könnte. Doch die Wirtschaftskrise werde vorübergehen: „Nächstes Jahr um diese Zeit wird es allen besser gehen“, lautet seine neueste Vorhersage. Die Menschen würden wieder Arbeit finden, Opel werde gerettet, das Ausland und die USA würden es schon richten. Der Kapitalismus würde sich zu 50 Prozent wandeln. Und: „Die Merkel packt das schon.“ Der Weg aus der Krise in Kürze. Alles wird gut?“Die Menschen sind so verängstigt, aber das müssen sie nicht sein“, sagt Keller.

Natürlich hat er die Krise selbst und übrigens auch die Tsunami-Katastrophe von 2004 kommen sehen – schade  nur, dass er dies – wie üblich – nicht belegen kann. Und dass er niemanden vor der Krise oder der Tsunami gewarnt hat liegt natürlich nur an den bösen Leuten, die seinen Humbug auch als solchen bezeichnen.

Spannend fände ich, wie das Ergebnis einer „geistlichen Prüfung“ der Kellerschen Prognosen durch den Experten für prophetisches Reden Christian Rust ausfallen würde. Hatte jetzt Gott Recht oder doch der Heilige Geist? Ich befürchte, dass wir auf ein solches realsatirisches Highlight leider verzichten müssen!





Vulkanausbruch zu spät

24 03 2009

Eigentlich hätte der Mount Redoubt ja schon Anfang März ausbrechen sollen – das zumindest hatte der Astrologe Sonaru vorausgesagt. Jetzt war es endlich soweit, die Süddeutsche und andere Medien melden, dass der von den Wissenschaftlern vor Ort schon seit einiger Zeit als nicht unwahrscheinlich eingestufte Ausbruch nun stattgefunden hat.
An irgendwelche „Sternenregeln“ hat er sich dabei wohl nicht gehalten – zumindest nicht an die von Sonaru. Aber wie ich die Astrologen kenne werden sie für den Ausbruchszeitpunkt bestimmt irgend eine Konstellation finden, die das Ganze „ausgelöst“ haben soll. Ich kann ja heute Abend mal mein Astrologieprogramm anwerfen und Vorschläge machen: Irgendeine gradgenaue Winkelbeziehung zwischen zwei astrologischen Objekten wie Planeten, Asteroiden, berechneten Punkten oder fiktiven Planeten werde ich schon finden.





Nostradamus 2009 – kein Ende des Dimdeschwurbels

16 03 2009

Fast schon eine Art lästige Pflichtlektüre ist das jährliche Nostradamus-Taschenbüchlein von Manfred Dimde,  das auf dem Umschlag für 2009 – wie in den Vorjahren auch – „Die aktuellen Prophezeiungen“ sowie einen „Schlüssel zur Zukunft“ verspricht. Zur Abwechslung war auf dem Cover noch „Beginn der Weltschicksalsjahre“ zu lesen – in den Vorjahren wollte an gleicher Stelle noch der Satz „Neues von Nostradamus“ sugerrieren, Herr Dimde hätte Neuigkeiten zu berichten.

Aber der Reihe nach. Zu Beginn betreibt Dimde, etwas Selbstbeweihräucherung und schreibt dass er bereits 1982 besonders dramatische Zeiten für die Jahre 2011 bis 2014 dräuen sah – und verschweigt diskret all seine Nonsensprognosen aus früheren Büchern. Sollte nicht schon 2002 Stuttgart im atomaren Feuer verglüht sein?

Danach (Seite 11) phantasiert Dimde unter der Überschrift „Seherinstumente“ über Kristallkugeln und den Gral bevor er ab Seite 17 versucht die Astrologie „einmal anders“ zu erklären. Wie letzterer Artikel den Dreh von Barcodes zur Astrologie mittel des Bildes eines Zebras findet ist schon bemerkenswert lächerlich: Er blendet das schwarz-weiß gestreifte Zebra vor den schwarz-weiß gestreiften Barcode und „erklärt“, dass „immer wenn im Vergleich zwischen Barcode und Zebra eine Übereinstimmung hinsichtlich eines Balkens besteht, wird beim Träger des Musters, wie man so schön sagt, etwas ausgelöst„. Zur Verfeinerung fügt Dimde noch hinzu, dass der Barcode in Bewegung ist und merkt an, dass „sowohl schwarze als auch weiße Balken Einfluß auf das Zebra haben„.  Bin mal gespant, ob diese Barcodeanalogie in der Zukunft auch mal von echten Astrologen verwendet wird …

Es folgen 50 Seiten, auf denen Dimde Fundsachen aus dem Internet und diversen Nachrichtenmagazinen mit kleinen Kommentierungen präsentiert.  Warum er dies tut bleibt unklar, denn eine Beziehung zu seinen „Deutungen“ der Vorjahre fehlt völlig. Den Leser fordert er auf, die Nachrichten selbst in die alten Jahrbücher von 2006 und 2007 einzutragen – eine ziemlich blöde Aufforderung, da die Texte vom 12. April 2007 bis zum 22. April 2008 datiert sind. Ich vermute, dass hier schlicht und einfach ein Kopierfehler vorlag, denn die Seiten 21 und 22 von Nostradamus 2009 sind mit den Seiten 13 und 14 von Nostradamus 2008 absolut identisch. Inhaltlich ist vielleicht der Kommentar auf Seite 59 zum 27.12.2007 interessant: Da er schon im Buch Nostradmus 2004 von einer Frau als „Drahtzieherin“ künftigen Unheils schwadronierte konnte er zu diesem Datum mit einem fett gedruckten „Sie war es nicht!“ die ermorderte ehemalige pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto ausschliessen. Ich hatte ja schon vor Jahren eher eine Angela oder eine Hillary vermutet …

Ab Seite 73 kommt dann endlich die Nostradamus-Prophezeiung für 2009 – bzw. das übliche Geraune, aus dem sich beim besten Willen kein Sinn erschliessen lässt. Es beginnt schon damit, dass er die Standardübersetzung schlicht ignoriert und schon bei seiner eigenen Übersetzung alles Mögliche hineinfantasiert. Danach kommt sein eigenes „Inflationsverfahren“, denn jede hingeraunte Nostradamuszeile bläst er zu einem neuen, noch unverständlicheren Vierzeiler auf, in den er dann – wie üblich – allerlei Katastrophen hineinphantasieren kann. Es geht – GÄÄÄÄHN – mal wieder um den dritten Weltkrieg (von dem 1oo Staaten betroffen sein werden), um irgendjemanden der aus Kastillien stammt, um eine Art Giftattacke, die den Boden 14 Jahre lang vergiftet und um den 8. Dezember 2009, an dem irgendetwas passieren oder vorbereitet werden soll.

Schwupps ist Seite 109 erreicht und schon geht’s ins Kalendarium. Pro Woche gibt es eine Doppelseite wobei rechts nur ein Horoskopbild und leere Zeilen zum Selbereintragen von Ereignissen zu finden sind. Links gibt es für jeden Tag ein „Astrothema“ und „Besonderheiten und allgemeine Tendenzen in dieser Woche“ (gegliedert nach Welt, Deutschland und Privat). Das Astrothema ist ein belangloser Nonsenssatz (heute z.B. „Auf einem Fischmarkt wird ein Wal versteigert„, morgen: „Freunde, die schunkeln„, gestern „Der linke Arm tut weh“) und man soll aus diesem Quatsch seine eigenen Prognosen herauslesen. Unter Besonderheiten wird nebulös und sinnfrei geschwurbelt – für  diese Woche im Angebot:

Unerfahrene und einfältige, aber dafür umso selbstbewusstere Politiker beginnen der Welt ihren Willen aufzuzwingen. (Welt)

Erfolge in der Forschung werden von Politikern übersehen. Dadurch kann das Fundament für die Lösung eines Problems der Zeit noch nicht gelegt werden. (Deutschland)

Diese Woche (12.-18.3.) bietet übrigens sogar eine der ganz wenigen, fast schon genial exakten Prognosen:

In der Landwirtschaft wird im Zusammenhang mit Futtermitteln ein ungewöhnlicher Skandal enthüllt. (Deutschland)

Über den Rest kann man eigentlich nur schweigen- wäre da nicht ganz am Ende des Buches (Seite 245) ein absolutes Highlight zu finden: Nach mehreren Seiten „Nostradamus und unsere Zukunft im WELTRAUM“ erklärt Dimde, mit welchen Begriffen Nostradamus moderne Technik beschrieben hat:

  • Die Lichter               Künstliche Sonnen im Erdorbit
  • Der Kopf                   Im Weltraum kreisende Computeranlagen
  • Der Spieß                  Ein besonderer Typ Raumschiff
  • Neue Himmel         Veränderte Planetenbahnen unseres Systems
  • Der Stein                   Gerät mit einer bestimmten Funktion

Da fehlt nur noch eine kurze Definition:

  • Der Papiermüll           Buch des Nostradamusdeuters Dimde







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