Nachgereicht: „Topprognosen“ für 2010

28 12 2010

Die alljährliche Prognoserückschau führt bisweilen dazu, dass mir einzelne Astrologen und Wahrsager ihre eigenen Prognosetexte zum abgelaufenen Jahr mit dem Hinweis zuschicken, dass diese doch so viel besser gewesen seien als die von mir in der Pressemeldung erwähnten. Dieses Jahr war es eine österreichische Astrologin, die mir mit folgendem Kommentar ihr Welthoroskop 2010 zusendete:

Es gibt nicht nur laute Stümper, sondern auch stille Könner.

Vermutlich zählt sich die Dame selbst zu den stillen Könnern – Grund genug sich mal mit ihr zu beschäftigen.

Beim Namen ihrer Webseite rollen sich mir schon die Fußnägel hoch: http://astro-medizin.eu/. Und natürlich ist die Dame laut  Selbstbeweihräucherung Selbstbeschreibung die renommierteste Astrologin Europas, und der Name ihrer Webpräsenz erklärt sich dann auch ganz einfach:

Sie ist ausschließlich forschend tätig ist. Da sie gerne Kinderärztin geworden wäre, wurde ihr Forschungsgebiet Medizin. Und da ein Wassermann mit Widder Aszendent keine ausgetretenen Wege geht, interessierte sie die pränatale Diagnostik (vorgerburtliche Prägung). Heute ist sie auf diesem Gebiet weltweit Expertin.

Tatsächlich? Expertin? Das sieht man natürlich am Inhalt eines ihrer Bücher:

In Ihrem Buch „Dem Leben vor dem Leben auf der Spur“ behandelt sie neben 9 Krebserkrankungen u.a. auch den plötzlichen Kindstod durch Atemstillstand, Autismus, Diabetes und auch Aids und Gleichgeschlechtliche Liebe. Auch sie ist erbbedingt und pränatal erkennbar. Ihrer Meinung nach ist sie eine Variante der Schöpfung und eine vorgegebene, natürliche Geburtenkontrolle.

Unfassbar! Aids soll also pränatal (… aus dem Horoskop) erkennbar sein …

Nun aber  zu den Prognosen der alten Dame (Jahrgang 1925) für die letzten Jahre. Ich habe für den Katastropheneil ihrer Weltprognosen der Jahre 2007, 2008, 2009 und 2010 eine kleine Tabelle erstellt („ja“ bedeutet: wird in der Prognose erwähnt):

2007 2008 2009 2010
Naturkatastrophen(allgemein) ja ja ja ja
Seuchen/Epidemien ja ja ja
Abnahme der Sonnenenergie ja ja
Schneemassen / Lawinen ja ja ja
Hitze/Dürre ja ja ja ja
Waldbrände ja ja ja ja
Wasser/Luftverschmutzung ja ja ja ja
sterbende Wälder ja
Orkane ziehen Schneisen der Verwüstung ja ja ja
„galoppierender“ Klimawandel (o.ä.) ja ja ja
Pole schmelzen ja ja
Anstieg Meeresspiegel / Inseln versinken ja ja ja ja
Menschen hungern ja ja ja ja
Wasserknappheit ja ja ja ja
Störfehler in Atomkraftwerken ja ja ja ja
schwere Flugzeugunfälle ja ja ja
Stromausfälle ja ja ja
Schiffsunglücke ja ja

Fazit: Die Abnahme der Sonnenenergie ist offensichtlich 2009 zum Stillstand gekommen, sterbende Wälder gibt es sogar schon seit 2008 nicht mehr – dafür werden seit 2008 Stromausfälle und Flugzeugabstürze vorausgesagt und seit 2009 auch Schiffsunglücke. Meine Vermutung für das von ihr angedrohte „Welthoroskop 2011“: Eine große Portion Naturkatastrophen (Erdbeben, Vukanausbrüche etc.), gewürzt mit den üblichen Folgen (Hunger, Wasserknappheit); dazu ein wenig Klimawandel und eine Prise Technikkatastrophen (Atomkraftwerke, Flugzeuge etc.) – es würde mich wundern, wenn ich mit dieser Prognose völlig falsch liegen sollte ..

Der Rest besteht aus ähnlichen Schwarzsehereien (wer jedes Jahr einen Börsencrash vorhersagt hat alle paar Jahre automatisch einen Treffer …) und mehr oder weniger hanebüchenen Schwurbeleien – und auch hier wiederholt sich so manche Formulierung für die verschiedenen Jahre. Vielleicht liegt das ja daran, dass sie sich auf die Astrologie der „Hamburger Schule“ verlässt? Diese verwendet 8 zusätzliche Planetenimmaterielle Existenzen“, also Objekte, die in der Realität schlicht und einfach nicht existieren. Klar, dass ein solches Vorgehen auch nur zu immateriellen Treffern führen kann.





Prognoserückblick 2010: Die vollständige Quellenliste (mit 2 Updates)

15 12 2010

Der diesjährige Prognoserückblick ist veröffentlicht, und wie im letzten Jahr möchte ich hier die vollständige Quellenliste (und ein paar Anmerkungen) verfügbar machen.

Los gehts’s natürlich – fast schon traditionell – mit Nikki Pezaro’s Webseite deren Stand Ende 2009 ich hier gesichert habe.

Die WM-Prognosen fanden sich in der Printpresse …

  • Die Weltmeisterprognose von Sunil Kumar Das stand im Lokalteil Witten der WAZ (datiert auf den 1.1.2010)
  • Ramona Kreis wurde für die Ausgabe vom 29.12.2009 von der Augsburger Allgemeinen Zeitung interviewt
  • von Hans-Jürgen Butz (… und Luisa Franca, Ana Wäsler, Klaudia Braungart und Karin Biela) war in der Silvesterausgabe der tz München auf Seite 4 weitgehend nichtssagendes Blabla zu lesen
  • Astrid Fuhrmann’s Ratereien waren in der Thüringer Allgemeinen vom 31.12.09, Seite TCMZ131 zu lesen

… oder im Internet:

Zu Paul ein kleines Video, das natürlich verschweigt dass die SeaLife-Betreiber auch an anderen Standorten mit ähnlichen WM-Aktionen die Zuschauer in ihren Aqua-Zoo locken wollten: in München durften Seepferdchen ran, in Berlin Langusten und in Hannover Paul’s Artgenosse Armstrong. Vermutlich war das Ergebnis dieser Prognosen so schlecht, dass man sie der Öffentlichkeit lieber verschwieg. Übrigens gab es bereits 2006 ein Oktopusorakel (Benedikt und Angus) – dieses hatte jedoch den deutschen Kickern das Aus im Viertelfinale prophezeit und sich damit für weitere Aufgaben disqualifiziert. Weitere Prognosetiere hatte ich während der WM ja häufiger erwähnt: die blinde Schäferhündin Kobi aus dem Tierheim Weimar hatte immerhin 5 Treffer bei 6 Versuchen während sich das Tierorakel aus dem Chemnitzer Zoo als ziemlich unzuverlässig zeigte (1 Treffer bei 6 Versuchen).

Das „fast apokalyptische Jahr“ samt sinnfreiem Katstrophengeblubber von Christiane Durer ist ja wenigstens vom optischen Eindruck her durchaus noch als lesbar einzustufen, bei den noch drastischeren Schwarzsehereien von Roland Schank schmerzen die Augen angesichts seines unterirdischen Seitendesigns. Susanne Eder hat ein „Langzeitarchiv„, in dem sie ihren Katastrophenprognosen offensichtlich per Zufallsgenerator die ihrer Meinung nach passenden Ereignisse zuordnet. Hier mal die Screenshots zu den im Artikel erwähnten Themen:

Fast noch schöner war die folgende Trefferbezichtigung, die auf ihren Voraussagen für 2009 beruht:

Vorausgesagt hatte sie allerdings etwas ganz anderes:

Die Börsenprognosen habe ich aus Aussagen aus der Zeitung „Die Welt“ vom 3.1.2010, aus der Schweizer Finanzzeitschrift „Cash“ (datiert auf den 1.1.2010), einem Text auf heute.de, der leider nicht mehr online verfügbar ist und sich auch nicht nach WebCite überführen liess sowie einem Interview, das Henning Schäfer mit dem Deutschen Anleger Fernsehen führte (… und das ich am 14. August abgespeichert habe).

Der Rest findet sich dann wieder bei der oben erwähnten Nikki Pezaro.

Update 1: Der Mann heißt natürlich Roland Schank und nicht Schrank!

Update 2: Jetzt hatte ich doch glatt vergessen, meinen eigenen Prognosetreffer zu nennen und zu belegen! In einem Interview mit einem sehr netten Journalisten von der Zeitung Rheinpfalz, das am 3.Januar 2010 erschien, fand sich auch folgende Passage:

… und natürlich lag ich mit dieser Prognose vollkommen richtig! Den Beleg habe ich auf WebCite archiviert.





Astrologenschwurbel: Börse runter, Inflation schon oben

14 08 2010

Nachdem sowohl von der für gestern (Freitag der 13.) vorausgesagte Gnadenlose Auslöschung als auch von der seit letzter Woche laut einem Wiener Bibelschreiber drohenden Landung Außerirdischer oder dem von einer in Spanien lebenden deutschen Astrologin ermittelten „schlechtesten Horoskop seit 100 Jahren“ nichts zu spüren war, kann man sich wieder anderen Themen zuwenden.

In einem Interview mit dem DAF, dem „Deutschen Anleger Fernsehen“ hat ein Börsenastrologe 8 Minuten lang (eine Tonaufnahme habe ich auf meinem Rechner gesichert) vor sich hin geschwurbelt und ein paar durchaus prüfbare Prognosen hinterlassen. Dass die Interviewerin dem ganzen Schwurbel sehr unkritisch gegenüber stand ist bei einem Sender, der vor wenigen Minuten ein Interview mit dem aus der „Nachrichtenredaktion“ des Kopp-Verlags bekannten Michael Grandt und gleich darauf Werbung für ein „The Secret„-Sequel sendete, kaum zu erwarten – und so durfte Henning Schäfer Weisheiten von sich geben, die der Nachwelt erhalten bleiben sollten (ich habe mich bei den Teiltranskripten bemüht, dem Redefluß von Herrn Schäfer eine vernünftige Interpunktion angedeihen zu lassen). Zu Beginn wird er nach dem historischen Hintergrund der Börsenastrologie gefragt, seine Antwort beschäftigt sich jedoch wenig mit der Börse:

„Also, die Börsenastrologie ist eine 5000-jährige Erfahrungslehre, kann man sagen. Früher wurden eigentlich eher Sachen analysiert, wo wie Menschen. Die psychologische Astrologie ist eigentlich ein sehr junges Feld. Früher gab es zum Beispiel Astrologen an Höfen, bei Königen, da wurden zum Beispiel Städtegründungen berechnet, oder wann fange ich einen Krieg an, oder wann geht eine Handelskarawane auf den Weg. Das waren sehr wichtige Informationen damals in den – vor 2000 oder 1000 Jahren, und dafür hat man Astrologen gebraucht“

Nach einigen weiteren Beispielen erzählt Schäfer dann davon, dass er eine Art „Geburtsdatum“ der einzelnen Aktien nutzt und daraus – in Verbindung mit den aktuellen Gestirnsständen – seine so genannten „Kosmocharts“ erstellt:

„Das sind natürlich sehr zyklische Prozesse, die dann natürlich auch bewertet werden, und werden dann praktisch in Plus und Minus in einer Sinuskurve abgetragen und so entsteht ein Kosmochart.

OK, als Mathematiker kenn ich mich ja ein wenig mit Sinus, Plus und Minus aus – wie er damit auf sein Bildchen kommt ist jetzt zwar nicht erklärt, aber das macht ja nichts. Es geht ja um die daraus zu ziehenden Schlüsse:

Auf dem Kosmochart können sie sehen, dass der DAX jetzt noch ein bischen Potential hat, vielleicht noch bis 20. August, eventuell auch bis 20.9. noch. Das sind noch zwei wichtige markante Hochpunkte, die man sich vielleicht einmal merken soll, aber – was einfach sehr wichtig ist – dass einfach der Herbst nochmal sehr kritisch wird. Spätestens ab dem 20.9. vielleicht auch schon ab dem 21.8. soll man sehr achtsam sein und sollte dann einfach auch mal teure Kurse einfach verkaufen und dann vielleicht in den Herbst warten.

Ob der 20.9. jetzt einen markanten Hochpunkt bilden soll oder es doch schon ab dem 21.8 abwärts geht, das wäre für einen Anleger ja doch wichtig … … aber was solls, andere Börsenschwafler sind mit ihren Aussagen da ja ähnlich ungenau. Immerhin liefert Herrr Schäfer doch noch eine Zahl, denn nach dem Hinweis auf irgendeinen – nichtastrologischen – Vierjahreszyklus sieht er den DAX sich 10-15% nach unten bewegen. Genauer scheinen es die Sterne nicht sagen zu können, aber ich denke mal wenn der DAX im Dezember mindestens 5800 Punkte hat, dann lag er mit diesem Kosmochart daneben. Über seine Goldprognosen kann er sich ja mit Frau Treppner austauschen …

Mit der Weisheit der Binsen füllte auch Gerald Peraeus seinen aktuellen Newsletter – und traut sich dazu noch den Fachleuten der Bundesanstalt Statistik Österreich zu widersprechen. Diese haben nämlich für den Verbraucherpreisindex in der Alpenrepublik in den letzten Monaten nur geringe jährliche Steigerungsraten von höchstenfalls 2,0% ausgewiesen, Herr Peraeus jedoch weiß es viel besser und findet auch astrologische Begründungen:

Die Entwertung über die Notenpresse ist jener Teil, der bereits weitgehend
abgeschlossen ist. Die damit verbundene Inflationsgefahr steigt deutlich an und wird
mit dem Ingress von Neptun (Prinzip der Ent-Wertung) in die Fische bedeutend
werden; derzeit bleibt dieses neu gedruckte Geld weitgehend im Bankensektor. Dass es aber schon jetzt eine Inflation gibt, zeigen die Blicke auf die Einkaufsrechnungen. Schätzungsweise ist all das, was zum Leben wirklich benötigt wird (Wohnen, Essen, Trinken, Energie, medizinische Versorgung), gegenüber 2009 um knapp 10% teurer geworden.

10% Inflation? Aber Herr Peraeus weiß natürlich:

Dies entspricht keiner offiziellen Statistik, sondern meinen eigenen Aufzeichnungen über Rechnungen für Lebensmittel, Wohnung, Restaurantbesuche etc.

Nun gut, man kann natürlich über den Warenkorb, der solchen Inflationsberechnungen zu Grunde liegt, endlos diskutieren, aber die von ihm beispielhaft genannten – gesunkenen – Preise für Handy und Fernseher gehen insgesamt zu nicht einmal 0,5% in den Index ein, so dass sein Lamentieren bestenfalls ein Beleg dafür ist, dass er nicht so ganz verstanden hat wie das mit dem Verbraucherpreisindex funktioniert. Oder er hat im letzten Jahr einfach zu viel Geld ausgegeben – das wäre natürlich ein ganz einfacher Grund für seine bahnbrechende Inflationserkenntnis. Das kenne ich übrigens aus eigener Erfahrung: Vor 3 Jahren stiegen meine jährlichen Ausgaben auch um einen zweistelligen Prozentsatz – was natürlich nicht daran liegen konnte, dass wir uns erstmals einen Familien-Skiurlaub gönnten und außerdem ein Umzug samt Renovierung anstand …





Die Außerirdischen kommen ab Sonntag (mit Update)

5 08 2010

Nächstes Wochenende ist es soweit: Ein selbsternannter Prophet aus Wien erwartet mit folgenden Worten auf seiner  Webpräsenz eine große Sensation:

eingeschobenes Update: Aktuell ist die Neuigkeitenseite des Herrn aus Wien blütenweiß! Stattdessen lässt er sich jetzt darüber aus, dass der Zeitpunkt für was auch immer ja eigentlich völlig egal ist:Bleibt nur die Frage, ob dieser Christus bei der Durchsage der Zeiten (siehe unten) schlicht und einfach daneben gelegen hat? Na ja, am Montag wissen wir ja, ob dann massenhaft Ufos in Wien gelandet sind, denn das hatte der Autor ja erwartet und auch in seinem Büchlein erwähnt … … aber die aktuellen Neuigkeiten-Channelings einfach so zu löschen, das lässt schon tief blicken. Tja, meine frühere Vermieterin hätte dies mit der Frage nach dem „Arsch in der Hose“ kommentiert …

Wie er darauf (seine Ufo-Prognose) kommt hat er in seinen bisweilen wechselnden „Neuigkeiten“ auf seiner Webseite dokumentiert (… die ich von Zeit zu Zeit per Screenshot gesichert habe), und das liest sich dann so:… oder so: … oder so: … oder so:… oder so:

OK, wenn jemand behauptet, er würde Botschaften eines gewissen Herrn Jesus Christus channeln und er habe außerdem nichts weniger als die „Bibel des 21. Jahrhunderts“ verfasst (… und er werde sie veröffentlichen sobald er seinen bereits mehrfach prophezeiten 20-fachen Lottosechser errungen hat), dann fallen mir angesichts dieser Visionen und Channelings nebst downloadbaren Schwurbelbüchlein bestenfalls zwei Zitate ein:

Wieso heißt es, wenn ich mit Gott spreche, Gebet, aber wenn Gott mit mir spricht, Psychose? (Dr. Eckard von Hirschhausen, Kabarettist und Arzt in seinem Programm „Sprechstunde“)

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. (Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt)





WM-Prognosen Update: Hemispheren, Trikotfarben, Kraken, ein Erzengel und die Sterne

23 06 2010

Deutschlands WM-Gewinnwahrscheinlichkeit ist beim World Cup-Predictor des Co-Sponsors Castrol nach der Pleite gegen Serbien wieder gefallen. Dafür taucht jetzt erstmals Portugal in der Spitzengruppe auf – und Uruguay hat jetzt die gleiche Wahrscheinlichkeit wie die deutsche Mannschaft vor Turnierbeginn. Der regelmäßige Update der Seite lässt netterweise ausgeschiedene Teams auch gleich „verschwinden“:

Ob sich nach dem Spiel heute Abend auch die deutsche Fahne im „Schattenreich“ der Titelwahrscheinlichkeiten wieder findet bleibt anzuwarten. Die Fans werden sich natürlich gerne auf die Prognose von Hellseherin Annelie Eik (Vielen dank an den Vechtablog!) verlassen, die ihr direkt vom Erzengel Gabriel eingeflüstert wurde. OK, das Ende der deutschen Titelträume hat sie auch vorhergesagt, denn mit dem Halbfinale soll’s nichts werden – es sei denn der Erzengel hat sie angelogen.

Wer sich lieber an die Prognosen real existierender Wesen hält, dem sei Paul empfohlen. Der im Sealife Oberhausen lebende Oktopus soll bei seinen Prognosen zu den bisherigen WM-Spielen der deutschen Mannschaft eine 100%ige Trefferquote haben – für das Ghana-Spiel setzt das Krakenorakel wieder auf Deutschland! Ob Paul treffsicherer ist als seine Kollegen Benedikt und Angus bei der WM 2006? Diese sahen damals die  deutsche Mannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien ausscheiden …

Das astrologische WM-Tippspiel im Forum von astrologie.de liefert neben Ergebnisprognosen sogar noch Ratereien für den Zeitpunkt des ersten Treffers – komischerweise unterscheiden sich die Prognosen der Astropraktiker, auch wenn gleich zwei Mal das erste Tor für die 14. Spielminute prognostiziert wird. Nicht ganz so genau, aber immerhin optimistisch, schaut dieser Astrologe in die Sterne:

Also könnte man sagen, beide Favoriten gewinnen. Wir tun das mal und sagen hier einen Sieg für Deutschland und einen für Serbien voraus.

Update (23.6., 13:20 Uhr): Im Starfish-Blog wird auch gehofft, aber dort scheint die Autorin in den Sternen nichts Genaues zum Ghana-Spiel erkennen zu können:

Schwierig, schwierig. Ich glaube, die Sterne wollen mir nicht sagen, wer heute Abend gewinnt. Vielleicht ist das eine der Situationen, in der einfach noch alles offen ist und der Kosmos jetzt die Frage nicht beantworten kann.

Ob Herr Amann seine Prognoseseite mit den heutigen Spielen anreichert weiß ich nicht ( ich werde kurz vor 16:00 Uhr nochmals nachschauen und dann ggf. ein Update einfügen – Update 23.6., 22:48 Uhr: Für die Spiele heute gab es tatsächlich keine Prognosen von Herrn Amann … … die Seiten von 16, 18 und 22 Uhr sind jeweils auf WebCite archiviert – Update 24.6. 14:30: Für heute gibt’s wieder Prognosen), bisher ist seine Trefferquote jedenfalls nicht allzu berauschend. Bei 34 Spielen zu denen er einen wahrscheinlichen Sieger genannt hatte lag er 14 Mal richtig und  11 Mal falsch (die 9 Unentschieden fallen – gemäß seiner eigenen Treffer-Definition – aus der Wertung). Auch auf einen Titelgewinner will er sich astrologisch bisher noch nicht festlegen sondern bietet mit Argentinien, Brasilien, Deutschland, England und Uruguay fünf mögliche Weltmeister an.

Die südafrikanische Stundenastrologin Jaqueline Brook traut sich auch nicht, irgendeinen „astrologischen Favoriten“ zu küren. Sie sieht den Sieger in der „nördlichen Hemisphere“ beheimatet – Glück für Brasilien, denn dieses Land rechnet sie sowohl der südlichen als auch der nördlichen zu, Argentinien und Uruguay hätten demnach allerdings keine Chance. Spätestens zum Halbfinale will sie sich auf einen Favoriten festlegen (dann ist die Auswahl ja auch weniger groß) und überläßt es ihren Lesern ob diese die Ergebnisse schon vor dem jeweiligen Anstoß wissen wollen:

As the tournament unfolds I will take a closer look at certain teams and add the predictions for those matches to this article on this web site; it is up to the reader to decide if they wish to know the outcome of these events prior to kick-off, or not. The most exciting weeks will obviously be those of the semi finals and finals and by then I will have decided on a firm favourite!

Andi Singh aus Malysia will zumindest die Trikot-Farben der besten Teams aus den Sternen gelesen haben:

teams wearing green, purple, gray and brown would do well at this year’s World Cup.

Aha, und das grüne Team wird das braune im Finale schlagen … … fragt sich nur, welches Team überhaupt in braunen Trikots aufläuft! Vielleicht sollte sich der DFB jetzt ganz schnell noch neue Trikots bestellen, denn soweit ich weiß haben die deutschen Leibchen keine der genannten Farben – aber bitte nicht blau oder rot, denn damit sieht’s im Finale ebenfalls schlecht aus.





Weitere WM-Prognosen und Zahlenspielereien

17 06 2010

Das südafrikanische Summermärchen (kein Tippfehler) ist ja bereits voll im Gange, aber hin und wieder gibt es noch neue Prognosen zum Ausgang der WM. So hat sich der Mannheimer Wahrsager Emanuell Charis bei seiner Favoritenprognose auf die üblichen Verdächtigen „festgelegt“ – und sieht Deutschland als Vizeweltmeister. Einzelne Astrologen versuchen sogar so ziemlich jedes Spiel irgendwie vorherzusagen – bin mal gespannt, ob sie das bis zum Ende durchhalten, und ob die Ergebnisse dann in irgend einer Form überraschend sind.

Ist es nicht viel lustiger, beim kenntnisfreien Herumschwafeln mit Freunden eigene Prognosen zu erstellen und mit der Realität abzugleichen? Auch ohne tiefer gehende Fußballkenntnisse habe ich letzten Sonntag beim gemeinsamen Deutschland-Spiel-Kucken eine solche gewagt – das Ergebnis erinnerte dann allerdings  eher an folgendes Video:

Der damit beworbene Goal-Predictor ist eine wirklich nette Spielerei. Die von den Machern vorbelegten „Stärkepunkte“ in Angriff, Abwehr und 11m-Treffsicherheit kann man dort für alle Länder auf einer Skala von 0-9 beliebig ändern und ein Programm berechnet dann eine – jeweils neue – Ergebnisprognose für das gesamte Turnier (unter Berücksichtigung der aktuellen Ergebnisse). Wie das verwendete „Gaussian mathematical model for football match simulation“ genau funktioniert wird leider nicht verraten, aber mit ein wenig Manipulation habe ich folgende Ergebnisprognosen für Halbfinale und Finale gebastelt:

OK, das war jetzt natürlich völlig unrealistisch – zumindest was die einzelnen Spielergebnisse angeht. Noch unrealistischer ist freilich diese – wohl lustig gemeinte –  „Prognose“ des YouTube-Users „EpicClown“: bei ihm siegt Nordkorea im Finale gegen Neuseeland …

Auch die im Spiegel ewähnten Zahlenspielereien sind nicht ernst zu nehmen, denn hier geht es lediglich darum mit irgendwelchen obskuren Rechenexempeln den nächsten WM-Titel für die deutschen Balltreter irgendwie auf das Jahr 2010 zu rechnen … … oder – falls es dann doch nicht klappt – eben auf 2014. Ebenfalls im Spiegel begründet der FDP-Mann Dirk Niebel, warum der vierte deutsche WM-Titel – im Gegensatz zu 2006 – dieses Mal nicht zu vermeiden sei: Weil die FDP – wie bei den Titelgewinnen zuvor – mit in der Regierung sitzt! OK, die FDP saß auch während der Weltmeisterschaften 1998, 1994, 1986, 1982 und 1978 in der Regierung – also doch eher ein schlechtes Omen?

Derweil haben sich übrigens die Weltmeisterwahrscheinlichkeiten im bereits erwähntenWorld-Cup-Predictor“ nach der ersten Spielrunde in Südafrika verändert: Brasilien liegt noch immer vorne (22,0% statt 23,4%), dahinter folgen aber jetzt die Niederlande (16,2% statt 9,8%), England (10,4% statt 10,3%), Spanien (10,2% statt 17,0%), Deutschland (9,2% statt 5,7%) und Argentinien (9,0% statt 7,5%) – in etwas veränderter Reihenfolge.

Wahrscheinlichkeiten, Sternenschwurbel, mehr oder weniger lustige Raterei – es wird auch dieses Mal sein wie immer: Irgendjemand wird mit seiner Prognose Recht gehabt haben …





Prognosen 2010 (Teil 7): WM-Prognosen aller Art

7 06 2010

Kurz vor der Fußball-WM in Südafrika nimmt erwartungsgemäß auch die Zahl der Prognosen zum Ausgang des Kickerspektakels zu. Dabei könnten die Quellen der im Folgenden vorgestellten Prognosen unterschiedlicher kaum sein. Von Astrologen über mehr oder weniger fachkundige Ratereien bis zu statistischen Simulationsmodellen reicht die Bandbreite. Beginnen möchte ich mit drei Prognosen aus dem Bereich Mathematik/Statistik/Ökonometrie.

Als Co-Sponsor der Titelkämpfe hat sich Castrol mächtig ins Zeug gelegt und bietet auf einer  Fußballseite einen „World-Cup-Predictor„. Dort kann man nicht nur die Wahrscheinlichkeiten für den Titelgewinn der einzelnen Nationen, sondern sogar die Wahrscheinlichkeiten jedes im Turnier möglichen Spielergebnisses (zumindest in der Form Sieg – Unentschieden – Niederlage) und einiges mehr abfragen. Das Ganze wird offensichtlich laufend upgedated, denn die angegebenen Wahrscheinlichkeiten ändern sich immer wieder ein wenig.  Die Namen der drei Topfavoriten blieben allerdings in den letzten Tagen gleich: Brasilien (aktuell: 23,4%) vor Spanien (17,0%) und England (10,3%). Hinter den Niederlanden (9,8%) und Argentinien (7,5%) folgen die Bundeskicker mit 5,7% auf Rang 6.

Deka-Bank und UBS haben für ihre WM-Broschüren ebenfalls fleißig mit statistischen Simulationen herumgespielt. Auch hier hat Brasilien die jeweils höchste Siegeswahrscheinlichkeit. Während aber die Ergebnisse bei der DEKA-Bank den Castrol-Berechnungen noch weitgehend ähneln (bei der DEKA folgen Spanien, Niederlande, England, Italien und Deutschland) sieht die Reihenfolge hinter Brasilien (22%) bei der UBS ganz anders aus: Deutschland (18%),  Italien (13%), Niederlande (8%), Frankreich (6%) und Argentinien (5%) liegen allesamt vor Spanien und England (jeweils 4%). OK, wer jetzt im aktuellen Spektrum der Wissenschaft den Artikel ‚Ist Fußball Glücksspiel?‘ aus den Mathematischen Unterhaltungen gelesen hat, der wird auf diese Prognosen eh nichts geben. Wie der Autor dort am Ende anmerkt lässt sich das ansonsten (… im Liga-Alltag) recht zuverlässige mathematische Modell (… zuverlässig im Vergleich zu einem Zufallsgenerator) auf eine Weltmeisterschaft gar nicht übertragen, da ‚diese nur alle vier Jahre stattfindet und sich die Zusammensetzung der Mannschaften in diesem Zeitraum stark ändert.‘

Die Astrologen drücken sich ja normalerweise eher kryptisch aus, es gibt allerdings auch Ausnahmen: Dieser Astrologe verbreitet die frohe Botschaft für die Oranje-Kicker sogar über ein Video:

Österreich spielt zwar gar nicht mit, aber auch in der Alpenrepublik kann man in die Sterne schauen und daraus irgendwelche Nonsensschlüsse ziehen. Ich bin schon mal gespannt, welche Prognosen uns von Herrn Amann erwarten: In seinem Blog kündigte er am 30. 5. an, dass er ab dem 10. 6. astrologische Fußballergebnisse zur Verfügung stellen wird – selbstverständlich ‚ohne Gewähr‘. Mal abwarten, was da so kommt …

Über einige weitere Prognosen aus der Astrologenszene hat Florian Freistetter aktuell berichtet. Entgangen ist ihm allerdings die genialste aller Prognosen – und die Auszeichung dafür gebührt ohne Einschränkungen Winfried Noe:  Kurz vor Weihnachten 2009 hatte er  im Kalenderblog auf die Frage nach dem kommenden Fußball-Weltmeister mit folgendem Sätzchen geantwortet:

“Das beste Team.”

Genaueres verraten die Sterne wohl nicht, aber vielleicht wissen Tarotkarten oder irgendwelche ‚Psychics‘ mehr? Sue Knock zum Beispiel traut sich was: Sie sieht schon jetzt, dass Ghana die WM gewinnen wird – und dass Deutschland und England nach starkem Beginn abfallen werden (während sich Italien und Frankreich im Laufe des Turniers steigern). Ein Kartenleger auf dieser Seite nennt die vier Halbfinalisten (Brasilien, England, Italien und Argentinien) und überlässt den Rest irgendwelchen Göttern. Das kanadische Medium Blair Robertson setzt auf die Spanier … … also irgendwie kommen immer die gleichen Namen –  oder eben gar keine.

Da sind mir Prognosen wie die Folgenden wesentlich lieber, denn da berufen sich die Autoren eigentlich auf gar nichts. Reine Raterei also? Vielleicht auch einfach eine Mischung aus Spaß, Wunschdenken und Youtube-Spielerei – die bisweilen aber wenig erfolgreich ist. So dauert das erste Video quälend lange 9 Minuten und ist wegen einer extrem dilletantischen Tonmischung weitgehend unverständlich – aber es wird ein ‚Sieger‘ benannt: England!

Der folgende Clip ist zumindest technisch ganz ok – er beginnt mit dem entscheidenden Elfmeter der WM 2006, liefert nette Flaggenanimationen und die erwarteten Ergebnisse aller Vorrundengruppen – für die entscheidenden K.O.-Runden danach reicht dann eine einzige schäbige Grafik (ab 4:20):

Argentinien als Titelträger? Die Fußballfans hierzulande werden eher folgendes Video lieben: Dort wird ein vollständiges Turnierszenario mit allen (!!!!) Spielergebnissen geboten und …

… einem Sieger der dann tatsächlich Deutschland heißen soll.

Da aber sowieso die Prognostiker aus den jeweiligen Ländern wohl am liebsten ihr eigenes Team vorne sehen, ist der folgende Clip für die Fußballfans aller teilnehmenden Länder zu empfehlen:

Herrlich kurz und wunderbar klar wird die Botschaft transportiert: Das eigene Team wird den Cup gewinnen – jetzt oder irgendwann später! Zumindest macht man sich mit einer solchen Prognose bei den heimatlichen Fans nicht unbeliebt.








%d Bloggern gefällt das: