Der Vesuv brach nicht aus und den Euro gibt es noch (mit Quellen und Outtakes)

13 12 2012

Jetzt ist er wieder online, der alljährliche Prognosenrückblick der GWUP, und wie seit einigen Jahren gewohnt gibt es hier die Quellenhinweise und ein paar Outtakes.

Die Überschrift war nicht erste Wahl, aber meinen Favoriten „Die UFOs kamen nicht zu Olympia“ konnte ich leider nicht verwenden, da ich ihn nicht mehr mit dem damals verfügbaren Youtube-Video  belegen kann. Schade eigentlich, denn die UFOs sollten zunächst zur Olympiade, später dann zu den Paralympics erscheinen. Dann mussten eben zwei andere Prognosen in die Überschrift. Der erste Abschnitt ist wie gewohnt recht allgemein gehalten:

 Der Euro abgeschafft, der Vesuv ausgebrochen, die Olympischen Spiele in London von Terroranschlägen überschattet – die Jahresrückblicke 2012 würden anders ausfallen, wenn die Prognosen von Astrologen, Hellsehern und Wahrsagern tatsächlich eingetroffen wären. Aber auch in diesem Jahr versagten die selbst ernannten Propheten auf ganzer Linie, wie die alljährliche Auswertung solcher Prognosen durch die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)“ zeigt.

 Die Quellen zu Vesuv und Euro folgen gleich, die Quelle zu zumindest einem Attentat während der Olympischen Spiele in London ist noch online verfügbar, trägt aber jetzt den Titel „Sorry for this video: I don’t know the date… (don’t watch this video anymore)“.

 Für die absurdesten Prognosen des Jahres 2012 sorgte wieder einmal das kanadische Medium Nikki Pezaro: Vögel, die am Jahresende Menschen angreifen sollten, auftauchende Tiefseemonster, der Fund des heiligen Grals – auch 2012 schienen einige ihrer über 200 Prognosen eher aus einem Hollywooddrehbuch stammen. Immerhin stand sie mit ihrer Prognose, dass der Vesuv ausbrechen würde, nicht ganz alleine: Auch ihr Kollege Blair Robertson wagte eine ähnliche Voraussage. Noch schlimmer sollte es bei Kurt Allgeier kommen, denn er erwartete Ende Juni und Mitte Juli Naturkatastrophen, „die wohl sogar noch heftiger sein werden, als wir sie zuletzt erlebt haben“. Seine Kollegin Susanne Eder hatte ebenfalls für Mitte Juli „Bombenattentate, Terroranschläge, Flugzeugunfälle und andere Katastrophen“ im Angebot. Für den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit Jahren diese Prophezeiungen sammelt und auswertet, sind solche Schwarzsehereien nicht überraschend: „Traditionell werden für die Zukunft immer Katastrophen aller Art vorausgesagt, die in den letzten Jahren um dramatische Schilderungen der Folgen wirtschaftlicher Krisen ergänzt wurden.“ So prophezeite die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller für 2012 das Ende von EU und Euro, Christiane Durer sah eine Währungsreform, den „kompletten Zusammenbruch des derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsystems“ sowie das Zerbrechen der Euro-Zone voraus und Thomas Ritter las in altindischen Palmblätter von Aufständen und Plünderungen in verschiedenen europäischen Hauptstädten, denen in Rom schließlich auch der Papst zum Opfer fallen sollte.

Die Links zu Nikki Pezaro und Blair Robertson hatte ich schon hiergepostet. Das ins weiße Haus stürzende Flugzeug habe ich aber ebenso draußen gelassen wie Blair Robertsons Prognose der Abwahl Obamas. Interessant ist hier nur, dass Robertson bei seiner Prognose blieb, auch als die Meinungsumfragen kurz vor der Wahl Obama dann doch eine Favoritenrolle zugestanden. Christiane Durer und Rosalinde Halle hatte ich auch bereits hier gewürdigt, die kurz- und schmerzlose Europrognose von Frau Haller lautete: 2012 Ende Euro/EU. Thomas Ritters Unsinn ist noch immer hier zu finden (… und in meinem Lieblingswebarchiv, allerdings ohne Sonderzeichen). Ritter dürfte im Moment übrigens unterwegs sein, denn er wollte ja eigentlich am 12.12.2012 an einem „Zeitreiseexperiment“ in Australien teilnehmen und nachher mit seinem Kristallschädel zu den Mayas fahren. Dummerweise ist ihm das gute Stück aber vor einigen Monaten zu Boden gefallen und hat heftig gelitten

Angesichts der vielen Katastrophenprognosen kann man sich fragen, ob es wirklich noch eines Weltuntergangs bedarf, den manche auf den 21. Dezember dieses Jahres berechnet haben wollen. Über das, was zu diesem vermeintlichen Ende des Maya-Kalenders passieren soll, herrscht allerdings keinerlei Einigkeit. Einmal soll ein Planet sich der Erde nähern oder gar mit ihr kollidieren, ein anderes Mal soll die Erde von einem ominösen „Synchronisationsstrahl“ getroffen werden, wieder andere erwarten eine Umpolung des Erdmagnetfelds (Polsprung) – jeweils mit dramatischen und katastrophalen Folgen. „Die zu diesem Termin seit Jahren kursierenden Mutmaßungen sind allesamt hanebüchener Unsinn,“ so Kunkel, der sich darüber ärgert, dass mit solchen Voraussagen bei Leichtgläubigen und insbesondere auch bei Jugendlichen Angst verbreitet wird. „Rudimentäre Kenntnisse der Astronomie reichen, um viele der für dieses Datum behaupteten Besonderheiten zu widerlegen.“

Klar, hier muss als Quelle Florians Blog her. Vielen Dank für seine nimmermüde Aufklärungsarbeit! Auch die GWUP hat seit einigen Tagen eine Sonderseite zum Thema eingerichtet, auf der man auch eigene Weltuntergangspartys registrieren kann. Diese Weltuntergangsprognose aus Australien habe ich für die Pressemeldung unterschlagen.

Die Fußball-EM stand erstaunlich selten im Fokus der Wahrsager und Hellseher hierzulande. Frau Hallers Prognose eines Ausscheidens der deutschen Mannschaft in der Vorrunde war zwar daneben, aber immerhin lag sie bei den restlichen Viertelfinalisten richtig. Ein Erfolg der Hellseherin? Kunkel relativiert: „Wer nach einer langen Liste von Fehlprognosen einmal halbwegs richtig liegt, kann nicht von sich behaupten, in die Zukunft sehen zu können“. Die meisten Sterndeuter hielten sich aber von prüfbaren Prognosen zur EM völlig fern, prognostizierten bestenfalls Ungefähres von Spiel zu Spiel oder ließen sich zu der (falschen) Aussage hinreißen, dass der Sieger des zweiten Halbfinalspiels auch Europameister werden würde. Statt Astrologen und Hellsehern wurden lieber Tiere nach dem Ausgang der Spiele der deutschen Nationalelf gefragt, und allein wegen der Menge an Orakeltieren hätte man mit einem tierischen Superorakel à la Krake Paul rechnen können. Affen, Schnecken, Hamster, Hunde, Katzen, Schweine, Elefanten, Tiger, Schildkröten – die Liste der von Zeitungen, Radiosendern, Firmen oder Privatpersonen (meist via Youtube) ins Rennen geschickten Tiere war lang, und mit der im Vorjahr durch ihre monatelange Flucht vor dem Schlachter bekannt gewordenen Kuh Yvonne war sogar tierische Prominenz am Start. Nach dem Halbfinale gab es allerdings kein einziges Tier mehr, das bei allen Spielen richtig gelegen hatte …

Die astrologische Prognose wegen des Siegers des zweiten Halbfinalspiels findet sich hier, und ich hatte noch ein paar andere Astrologen erwähnt, auch Rosalinde Hallers Prognose. Zu den Tieren hatte ich wochenlang im Blog die jeweils aktuellen Entwicklungen beschrieben – nachzulesen über diesen Link.

Immerhin gibt es auch einen Treffer zu verzeichnen. Seit der Hochzeit von Prinz William mit Kate Middleton wird in der Regenbogenpresse über eine baldige Schwangerschaft im britischen Königshaus spekuliert, und vor wenigen Tagen meldeten die Agenturen, dass Kate tatsächlich schwanger ist. Dies hatten unter anderem Blair Robertson und Nikki Pezaro für 2012 sowie Nikki Pezaro und die Kartenlegerin Casia Cheyenne bereits für 2011 vorausgesagt, aber hätte es zu dieser Prognose wirklich eines Hellsehers oder Astrologen bedurft? Bis zur Niederkunft kann nun noch über das Geschlecht des Kindes spekuliert werden – hier gíbt es immerhin eine Erfolgschance von 50%. Unklar ist noch, ob sich Rosalinde Haller hier wieder eine Voraussage zutraut, denn bei Victoria von Schweden lag sie mit ihrer Prognose „Es wird ein Bub“ daneben.

Frau Hallers Prognose zum falschen Geschlecht des Schwedenbabys hatte ich schon hier gewürdigt (der Link oben gilt auch hier). Die Frau hat ja auch noch eine richtige Prognose abgegeben, denn sie hat tasächlich den britischen Thronerben für 2013 vorausgesagt. Die anderen Prognosen sind in obigen Links zu finden, bzw. in den Prognosen zu den Vorjahren.

Ob sich die Astrologen, Hellseher und Wahrsager 2013 etwas mehr anstrengen? Einen Anreiz dafür hätten sie, denn mehrere europäische Skeptikerorganisationen bieten bis zum 30. September 2013 einen Preis in Höhe von einer Million Euro für denjenigen, der ein paranormales Phänomen wie Hellsehen unter kontrollierten, wissenschaftlichen Bedingungen belegen kann. Die bereits vorliegenden Prognosen haben laut Kunkel allerdings keine Chance: „Bisher gibt es für 2013 nur die üblichen, schwammigen Katastrophenprognosen – wenn da nicht mehr kommt, können zumindest die selbst ernannten Propheten die Million nicht gewinnen.“

Hier fehlt natürlich noch ein Link zur Euromillion, den die gibt es tatsächlich – allerdings nur bis Ende September 2013.

Leider habe ich eines nicht unterbringen können:

Meine Lieblingsweissagung für 2012 …

…  von meinem (charismatischen) Lieblings-Sektenführer und Autor des herrlichen Sheng-Fui-Buches, die er im Dezember 2011 auf facebook veröffentlichte:

Es ist zu erwarten, dass bei übermäßiger Anwendung der Udo-Jürgens-Regel in diesem Zusammenhang auf einigen Hüften mit katastrophalen Zunahmis zu rechnen ist. (Dank an Herrn D. für die Zunahmis!)

Diese Prognose kann man natürlich gerne ins nächste Jahr fortschreiben, denn das machen die selbst ernannten Propheten bei ihren Katastrophen ja auch …

Und wie immer die Bitte: Wer eine Prognose findet, egal wo, bitte kurze Nachricht an mich – ich sammele nämlich weiter (… wie man an meinem letzten Blogbeitrag ja auch sehen kann).





Wo bleiben die Ufos?

9 09 2012

Heute ist ‚mal wieder so ein Tag, an dem Sensationelles passieren soll. Das Ganze erinnert verdächtig an letztes Jahr, da hatten irgendwelche Idioten zum Eröffnungsspiel der Frauenfußball-WM einen verheerender Terroranschlag für Berlin vorausgesagt … … der natürlich ausblieb. Jetzt soll es heute, zum Abschluss der Paralympics in London, so weit sein. Eine ganze Reihe von Videos will das auf wie immer völlig unsinnige Weise „belegen“. Schauen wir mal in eins rein:

Ein satanisches Ritual also! Und die Illuminaten!Und die Bomben sind schon gelegt:

Und der Mann kann das sogar beweisen! Na ja, jetzt nicht das mit der Bombe – aber den Termin des Anschlags. Das macht er mit einer „Illuminaten-Uhr“, die nach etwa 5 Minuten im Video erscheint und die einen Countdown anzeigt. Und jetzt hat der Mann ganz einfach berechnet …

… auf welches Datum der Countdown zielt:

Kleine Zwischenfrage: Wieviele Tage hat nochmal der August???????

In einem anderen Video sind es nicht die Illuminaten, sondern UFOs, die zur Schlußfeier der Paralympics einschweben sollen. Na ja, eigentlich hätten sie ja schon früher kommen sollen, zur Schlußfeier der Olympischen Spiele:

Aber irgendwie scheinen sie sich verspätet zu haben – hat da vielleicht auch das Personal gestreikt? Immerhin hat sich der Autor einen Grund zusammen fantasiert, der den Termin auf das Paralympicsfinale verschiebt. Es ist ein Film namens 28 Days Later, der netterweise auch noch als Endzeithorrorthriller beschrieben wird. Im Film geht es zwar um nichts Außerirdisches sondern um irgendeinen gefährlichen und hochansteckenden Virus – aber das macht für einen Verschwörungstheoretiker ja keinen Unterschied. Immerhin stimmt die Rechnung: Vom 12. August bis zum 9.9. sind es tatsächlich 28 Tage.

Da auch heute nichts passieren wird, können sich die beiden Verschwörungstheoretiker ja zusammen tun – damit kriegen sie doch ganz schnell eine saubere Verschwörungsverschwörungstheorie hin, die alles erklärt. Vielleicht so:

Die UFOs hatten schon eine kleine Vorhut geschickt, die dann die Bombe der Illuminaten in der U-Bahn entdeckte und entschärfte. Weil nicht klar war, ob noch weitere Explosionen drohen wurde die Landung verschoben … (der Macher von Video 2 wird irgendwann schon den neuen Termin nennen). Glücklicherweise geht damit auch der Plan der Illuminaten nicht auf – ihre Bombe ist ja nicht mehr scharf …





Morgen im Programm: Entrückung in den FKK-Himmel

23 07 2012
Vor gut einem Jahr, kurz vor dem 21. Mai 2012 sorgte ein spinnerter amerikanischer Prediger für einen kleinen Medienhype als er just für diesen Tag die „Entrückung“ ankündigte, der nur ein halbes Jahr später das unwiderrufliche Ende der Welt folgen sollte. Harold Camping heißt der Mann, der – nachdem er Ähnliches schon 1994 falsch prophezeit hatte – inzwischen solchen Voraussagen abgeschworen hat. Für alle, die sich nicht mit „Entrückung“ auskennen: Es bedeutet, dass die braven, Rechtgläubigen schon mal vorab zu ihrem Herrgott in den Himmel auffahren dürfen um es sich dort – in der Nähe ihres Idols – auf immer und ewig gut gehen zu lassen. Wie Camping voriges Jahr ankündigte würden die Auserwählten all ihren irdischen Tand auf unserem Planeten zurücklassen, so dass man sich nicht wundern sollte wenn an diesem Tag irgendwo verlassene Autos, Tiere oder herrenlose Kleidung rumliegen würden. Das wäre eben das sichtbare Zeichen dafür, dass hier ein Mensch entrückt worden wäre.
Olle Kamellen? Nein! Hier und hier kann man lesen, dass am 24. Juli 2012, also morgen, wieder ‚mal kollektives Entrücken angesagt ist. Der Prophet ist übrigens gerade einmal halb so alt wie der über 90 jährige Camping und heißt Mark Alexander (… was born in Kerala, India in the year 1967). Es ist also zu  erwarten ist, dass er in Zukunft noch weitere solcher Unsinnsprognosen hinausposaunen wird. Dass diese Ankündigung keinen ähnlichen Medienhype wie die letztjährige von Camping verursachte, könnte daran liegen, dass der Mann in Australien lebt. Schade eigentlich, denn ich fand viele der damals anläßlich dieses Termins ins Internet gestellten Fotospäße ziemlich lustig. Glücklicherweise ist das Zeugs ja zumindest teilweise noch verfügbar.

Ob sich die doch überwiegend als äußerst prüde geltenden Anhänger solcher Spinnereien den Himmel wirklich wie ein riesiges FKK-Gelände vorstellen?

mit Dank an den Blasphemieblog





Labertaschenparade 2012, Teil 3: Kleine Blogauswahl und mehr

8 07 2012

Gerade mal 22 Astrologen, Hellseher und andere Zukunftsschwurbler hatte ich bisher hier erwähnt – da wird es langsam Zeit den großen Rest der Auguren, die sich für 2012 so Manches ausgedacht haben, zumindest namentlich zu erwähnen. OK, so richtig Überraschendes ist nicht dabei – erstaunlich war nur jene Hellseherin, die Science-Blogger Ulrich Berger überzeugen wollte und zu einem Test einlud

Hier erst mal 13 weitere (von inzwischen etwa 80) Kandidaten, die vielleicht am Jahresende im Rückblick erwähnt werden (die verlinkten Seiten zeigen nicht unbedingt auf einen für den Jahresrückblick relevanten Artikel):

  • Christa Heidecke (Vorsicht! Höchste Schwurbelstufe!)
  • Ursula Ortmann („im psychischen und physischen Bereich bahnbrechende Erneuerungen und Erfahrungen„)
  • Menega Sabidussi (Blabla a la „Seien Sie vom 13. bis 20. Juli im Strassenverkehr und auch sonst besonders umsichtig…“)
  • Stefan Arens (Energiegeblubber)
  • Stefan Ringstorff (Politik und Spamkommentare)
  • Aylin Bulanik (viel Politik und eine falsche Bürgermeisterprognose für Frankfurt)
  • Hellgard Nitsche (Klimawandel ist toll: „Als ob es nicht eine Tatsache ist, dass es der Erde in Warmzeiten immer besser ging, dass es mit mehr Killergas CO2 geradezu paradiesisch auf Erden war, mit einem üppigen Pflanzenwuchs und Bienen so groß wie heute Hasen sind.„)
  • Martin Michalowski (nur Werbung und ein wenig Beruhigung: „Die schrecklichen Prophezeiungen kann ich für 2012 und besonders auch für den 21.12.2012 nicht bestätigen.“ – dazu ein Text, der schon im Titel wunderbaren Unsinn verbindet: „Astromedizin ist kosmische Homöopathie„)
  • Joachim Nusch (Schwarzsehereien und Gelaber)
  • Norbert Giesow (auch hier wird schwarz gesehen …)
  • Monika Heer (sieht sogar ein wenig Positives!)
  • KarinMayer (der übliche Rundumschlag)
  • Petra Dörfert (Keine Prognosen und der folgende, durchaus überraschende Satz: „Um all das vorauszusagen benötigen wir jedenfalls keine Astrologie.„)

Egal was 2012 noch passiert: Wetten dass fast alle hier Genannten im Nachhinein ihre Texte als eingetroffene Prognose gewertet sehen wollen?





Nach der Prognose ist vor der Prognose oder wer tippt noch auf Holland?

11 06 2012

Immerhin! Mindestens 31 Orakeltiere haben letzten Samstag auf die deutsche Elf getippt – und qualifizieren sich damit für die nächste Runde. Ich gehe aber davon aus, dass auch einige der Prognoseversager (… wie die „blöde Kuh Yvonne“) trotz ihrer Pleiten weiter mitspielen werden. Übrigens soll auch der ukrainische Eber Funtik den deutschen Sieg vorausgesagt haben, aber warum sollte man sich auch noch um die ausländischen Tiere kümmern, wenn doch hierzulande genug Viehzeugs im Einsatz ist.

Zunächst aber ein Blick auf die Zahlenakrobaten und ihre Prognosen. Bei EM-Sponsor Castrol ist die Titelwahrscheinlichkeit für die Niederländer nach der Niederlage gegen Dänemark rapide gesunken (7,7% statt 15,6%). Spanien (23,6% – vorher 24,5%) liegt weiter vor dem deutschen Team (14,5% – vorher 12,2%) an der Spitze, England (11,0%) und Russland (8,7%) haben nach dieser Rechnung jetzt ebenfalls größere Chancen. Nach aktueller Castrol-Kalkulation haben die Niederländer sogar kaum noch Chancen aufs Weiterkommen: Die quote liegt bei lediglich bei 33,9% – während Deutschland (78%) und Dänemark (62,4%) nach dieser Rechnung schon fast durch sind.Aber klar, das kann sich am Mittwoch alles wieder ändern …

Durch einen Kommentar bei Astrodicticum Simplex bin ich noch auf zwei weitere Seiten mit Prognosen aufmerksam geworden, die sich mathematischer Methoden bedienen. Bei dem Mathematiker Roger Kaufmann liegt bei den Titelfavoriten derzeit Spanien mit 28,8% deutlich vor Deutschland (21,1%) – dahinter kommt erst ‚mal lange nichts. England (8,0%) und Russland (7,5%) folgen – allerdings sind die Ergebnisse der ersten Spiele aus Gruppe D noch nicht einberechnet. In der Gruppe B wird die Wahrscheinlichkeit eines Viertelfinaleinzugs der Niederländer sogar noch niedriger geschätzt als bei Castrol: mit 20,6% ist sie geringer als für Portugal (21,4%). Die Datamining-Leute haben sogar exakte Spielergabniee vorherberechnet – von den bisherigen 6 Spielen war aber gerade ‚mal eine einzige Tendez richtig …

Auch in dieser Astrologie-Zeitung erschien dann doch noch ein Text zum Spiel gegen Portugal. Eine Prognose kann man das aber kaum nennen: viele, viele Worte, aber keine Traute irgend etwas daraus zu schliessen, oder doch? Am Ende erscheint folgender, recht eigenartiger Satz:

Wer setzt sich noch  gerne vor den Fernseher, wenn er innerlich schon entschieden hat, dass die eigene Mannschaft verliert.

Hmm. Vor der Fehlprognose wird lieber eine vorsorgliche, allgemeine „Entschuldigung“ geschrieben:

Und im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung, Astrologen könnten in die Zukunft blicken, mag an dieser Stelle nochmal betont werden, dass erlebte Zukunft immer von Menschen gestaltet wird. Die bekanntlichermaßen ja auch ab und zu über ihren eigenen Schatten (sprich in diesem Fall die kosmische Anlage) springen können.

Schön! Warum sollte man sich dann überhaupt diese „kosmische Anlage“ anschauen, wenn die Menschen doch auch „ab und zu“ (da hätte ich jetzt doch gerne so etwas Ähnliches wie eine Zahl) diese „ignorieren“ können? Da ist der Starfish-Blog schon ein gaaaanz klein wenig mutiger. Mit diesem Text …

Ich denke deshalb, dass Deutschland am Mittwoch zumindest nicht verlieren wird. Ob die deutsche Mannschaft zum Schluss als Sieger dasteht, ist mit Pluto direkt auf dem AC mit einem Fragezeichen versehen. Vielleicht deshalb ein Unentschieden? Was für die Niederlande auch fatal wäre.

… wird zumindest eine deutsche Niederlage astrologisch ausgeschlossen.

Im Orakel-Zoo herrscht derweil Business as usual. Mit einer Ausnahme werde ich mich erst morgen wieder der Euroviecherei zuwenden, denn es gibt – übrigens wie auch seinerzeit bei Krake Paul – eine Verschwörungstheorie um Trörakel Nelly (die heute nicht nur auf SPON erwähnt wurde sondern auch einen Sieg für Deutschland gegen die Niederlande erkickte!). Ein Kommentator auf Facebook moniert Folgendes:

Also es ist schon merkwürdig, dass die Tore beim „Trainieren“ von Portugal links und von Deutschland rechts standen (aus Sicht des Elefanten) und beim Entscheidungsschuss die Tore plötzlich vertauscht waren. Denn beim Training hat der Elefant komischerweise immer ins rechte Tor geschossen, was da heißen würde das deutsche Tor und demnach Sieg für Portugal. Außerdem wurde beim Training immer das rechte Tor angestrebt, das hat man deutlich erkannt ! Und schwupps, beim entscheidenen Schuss wurden die Tore bzw. die Flaggen ausgetauscht, damit der Elefant auch schön ins portugiesische Tor schießt. Meiner Meinung nach sehr schlechte Vermarktung dieses „EM-Orakels“. Tut mir Leid aber dafür ist die Kommentarfunktion ja da. LG

Bis dahin gebe ich hier das Metaorakel und sage voraus, wie drei Orakel das kommende Spiele gegen die Niederlande voraussagen:

  • Eddy, das saufende EM-Orakel, wird wieder die deutsche Flasche leeren.
  • Ślimak wird knapp auf Unentschieden tippen
  • BR1-Hund Xaver wird sich zwischen Weißwürstchen und niederländischen Holzschuhen entscheiden müssen und sich letztendlich dann doch – nach beherztem Zureden – in Richtung Würstchentor bewegen.

Mal sehen, wie gut meine Quote ist. Beim abendlichen Tippspiel vor dem Portugalspiel hatte ich jedenfalls beim richtigen Fußball keine Chance … … dafür hatte ich die vom notorischen Fußballverweigerer und charismatischen Sektenführer auf Facebook geposteten Fake-Ergebnisse genau getroffen …





Portugal verliert – meint der Orakelzoo bis jetzt

6 06 2012

Noch immer wächst der Orakelzoo (die Elefanten Sharuk und Shanti aus Hamburg sollen mitspielen, ein Papagei namens Lorenzo aus Hannover wird hier erwähnt und eine Krake namens Rosi aus Rosenheim) – und gleichzeitig gibt’s die ersten Prognosen zum Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal. Die Menge der Orakeltiere sorgt dabei dafür, dass mit ziemlicher Sicherheit mindestens ein Tier nach der Vorrunde mit einer 100%igen Trefferquote dastehen wird (ich betrachte natürlich nur die Prognosen zu Spielen der deutschen Mannschaft) – es sei denn, das ein oder andere Spiel geht unentschieden aus. Während die Krakenparade bei der Frauenfußball-WM im letzten Jahr immerhin auch auf Unentschieden tippen konnte, sieht das die übliche Orakelmethode mittels Wahl eines fahnengeschmückten Futternapfs oder –eimers gar nicht vor (ok, es gibt ein paar Ausnahmen). Man könnte sich natürlich etwas einfallen lassen, um auch den Tipp „Unentschieden“ zu ermöglichen, wenn z.B. das jeweilige Tier aus beiden Gefässen futtert oder sich innerhalb einer zu definierenden Zeit partout nicht zwischen den beiden angebotenen Leckereien entscheiden will (das gilt z.B. für die Orakelgarnelen). Beim absoluten Superstar der Orakeltiere – der Kuh Yvonne, die im letzten Jahr das Sommerloch mit ihrer monatelangen Flucht füllte – ist das aber schon ‚mal nicht der Fall, denn sie darf nur zwischen 2 Eimern wählen. Immerhin hat es das von Bayern 3 ausgewählte Vieh bereits jetzt geschafft,  deutschlandweit  in so ziemlich allen Medien erwähnt zu werden und für ihre erste Prognose haben sich laut dieser Meldung 15-20 Fernsehteams angesagt. Wenn sie jetzt auch noch die Fußballspiele richtig voraussagt, dürfte ihr ebenso ein Denkmal gesetzt werden wie dem legendären Paul – und es droht ein neuer „Wiesn-Hit“ (nein, den verlinke ich nicht nochmal).

Bis jetzt, knapp 70 Stunden vor Spielbeginn, ist das Votum des Orakelzoos eindeutig, denn für die Löw-Kicker lautet das Zwischenergebnis:

4 x Sieg – 1 x Unentschieden – 0 x Niederlage

Insbesondere der Tipp von Elefantendame Nelly macht Hoffnung, denn die hatte immerhin im letzten Jahr alle Spiele der deutschen Frauennationalmannschaft richtig getippt (bei den anderen Spielen lag sie bisweilen daneben). Bei ihrer Prognose traf sie sicher ins Tor der Portugiesen (hier der Videobeweis!) – und das sollte dann den männlichen Kickern am Samstag Abend doch auch gelingen … (… oder ist Nelly eine Emanze und möchte die Männer ärgern?)

Kurz zu den anderen, bereits vorliegenden Prognosen für das Portugalspiel:

Bereits letzten Sonntag durfte das Hündchen Louis im ZDF-Fernsehgarten seine Prognose abgeben. Statt eines der unter einer deutschen bzw. portugiesischen Fahne hängenden Würstchens zu wählen entschied es sich für eine Diät, so dass ich das Ganze klar als Unentschieden werten möchte.

Redaktionsmops Otto von Radio Nordbayern hat sich am Montag klar und deutlich entschieden: die deutsche Knackwurst war ihm lieber als der Portugal repräsentierende Tunfisch, also Sieg für ´Schland. 

Herr Zottel hat sich ebenfalls schnell und eindeutig auf eine Seite geschlagen: Deutschland gewinnt

Die Orakelgarnelen haben das deutsche Futter gewählt!

Tja, ich hätte ja auch gerne einige Prognosen von Astrologen, Hellsehern oder Wahrsagern präsentiert, aber bisher kenne ich außer den hier erwähnten keine. Scheinbar ist die professionelle Augurenzunft zu feige um einfache (aber auch einfach nachprüfbare) Prognosen zur EM zu erstellen. Na ja, es ist ja noch ein wenig Zeit bis zum ersten Spiel.





Die Astrologen und die Fußball-EM (fast keine Prognosen)

6 06 2012

In meiner Jahresrückschau 2011 hatte ich prophezeit, dass mindestens 3 Astrologen der deutschen Mannschaft mit ihren jeweiligen Prognosen den Titel versprechen werden. Bis jetzt haben sich die Sterndeuter aber doch ziemlich zurückgehalten – na ja, es ist ja auch noch etwas Zeit bis zum ersten Anpfiff.

Von Winfried Noé habe ich – richtigerweise – gar keine Fußballprognose erwartet. Die macht er auch nicht, aber dafür prophezeit er, dass die EM Ende Juni wegen wichtiger Nachrichten in den Hinterrund rückt: „Doch am 24.6. wird die Uranus-Pluto-Konjunktion gradgenau und vom 26.6. – 1.7. bildet die Sonne im Krebs ein Quadrat zu Uranus und eine Opposition zu Pluto. Dieser mega-bedrohliche Planeten-Mix könnte das Fass zum Überlaufen bringen – in einer Katastrophe wie in Fukushima.“

Jasmin Rachlitz traut sich keine konkrete Prognose zu und flüchtet in sinnfreie Allgemeinplätze: „Fußballeuropameister zu werden, das wird für die deutsche Elf bei der Fußball-EM 2012 in diesem Jahr aus Sicht der Sterne nicht leicht. Doch unmöglich ist es nicht, zumal sich die Mannschaft ganz gut zusammenfinden dürfte. Als verschworene Einheit, in der jeder jedem hilft, könnte sie auch den schlechten kosmischen Einflüssen trotzen und am Ende mit dem begehrten Pokal nach Hause fahren.

In dieser astrologischen Internetpostille wird auch schon wunderbar über die EM geschwurbelt. Irgendwelche Prognosen sucht man allerdings bisher vergeblich, mit einer lächerlichen Ausnahme: „Der Sieger des zweiten Halbfinales wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch das Turnier gewinnen.“ … oder der Gewinner des ersten Halbfinals? Überaschen würde mich allerdings, wenn der Verlierer eines Halbfinals den Titel erringen sollte …

Rosalinde Haller hatte ich schon erwähnt. Sie hatte vorausgesagt, welche Teams die Vorrunde überstehen sollen: „In der Vorrunde sehe ich in Gruppe A , Griechenland und Russland weiter, in Gruppe B Dänemark und Portugal, in Gruppe C Italien und Spanien, in Gruppe D England und Frankreich.“ In wie weit diese Prognose richtig war wird sich erst in ein paar Tagen entscheiden. Für die deutschen Spieler wäre dann schon Mitte Juni Ferienzeit. Den Rest des Beitrags lesen »





Schweine, Elefanten, Frettchen und Kraken – der EM-Orakel-Zoo wächst (mit neuen Updates)

5 06 2012
Am 8. Juni beginnt die Fußball-EM in Polen und der Ukraine und schon seit Tagen melden die Medien die ersten tierischen EM-Orakel, die die Nachfolge des legendären aber bereits verstorbenen Orakelkraken Paul antreten sollen. Hier ein Überblick über den aktuellen Stand des Orakelzoos:
Warum in Kiew tritt ein Eber  namens Funtik antritt wird nicht genau begründet. Vorsichtshalber setzt man dort zusätzlich noch auf einen – ja doch! – Kraken namens Pawlyk.
Dagegen wurde die Elefantenkuh Citta in Krakau regelrecht gecastet. Im Gegensatz zu einem Esel und einem Papagei aus dem örtlichen Zoo lag Citta bei der Prognose des Champions-League-Finales richtig und darf nun auch bei der EM ihre Fähigkeiten ausprobieren.
Eine Art Qualifikation musste auch Mini-Schwein „Uli Fairkel“ aus Bochum durchlaufen. Beim DFB-Pokalfinale lag das Vieh richtig und darf deshalb auch ein paar Spiele orakeln. (Update 2.6.: Das Vieh ist auch auf Facebook und seine bisherigen Prognosen gibt’s bei Youtube … … das Ganze ist übrigens Werbung eines Energieversorgers)
Weiter am Start sind

Aber das sind noch lange nicht alle tierischen Orakel. Noch nicht auf ein Tier festgelegt haben sich baden.fm (zur Auswahl stehen Esel Arthur, Rentier Ella und Murmeltier Jogi) und Radio Trausnitz (das Casting beginnt erst).

Dass die SeaLife-Aquarien in diesem Jahr auf eine Orakelshow verzichten wollen mag ich noch nicht glauben und es wird spannend, ob die Leute dort (wie 2010) wieder mehr auf tierische Vielfalt setzen (die letztjährige Oktopusparade bei der Frauenfußball-WM war wenig erfolgreich). Vielleicht darf ja das „Trörakel“ Nelly (richtig, noch eine Elefantendame) aus dem Serengeti-Park wieder ihre Prognosekunst zeigen. Fast schon traditionell könnte auch der Chemnitzer Zoo wieder irgendwelche Tiere ins Rennen schicken – und vielleicht liegen die dieses Mal nicht gar so oft daneben wie bei der WM 2010.

Auf jeden Fall sind die Orakeltiere wesentlich unterhaltsamer als die in früheren Jahren häufiger vor irgendwelchen Spielen befragten Astrologen.

Update 3.6.: Im ZDF Fernsehgarten sollte Hündchen „Louis“ das Siegerwürstchen anbeißen – tat das aber auch dann nicht, als ihm die Moderatorin das Zeugs von der deutschen Seite quasi in die Schnauze stopfen wollte. Natürlich wertet die Moderatorin das trotzdem als gutes Omen …

Updates 4.6.:

Der Chemnitzer Zoo hat sich doch tatsächlich aus dem Prognosegeschäft zurückgezogen. „Es gibt kein Orakel mehr. Der Aufwand ist zu groß“ wird die Zoochefin zitiert. Gut, dass gleich um die Ecke, beim Minizoo in Aue, Ersatz bereit steht: Mörmel und Ferret heißen die beiden Zwergotter, die die Chemnitzer Fehlprognosenblamage anläßlich der WM 2010 korrigieren und als Otterakel Geschichte schreiben wollen. Mit der Einschätzung Meines Wissens sind wir in Deutschland bis jetzt die Einzigen, die ein Fußball­orakel haben“ liegt Tierpark-Chefin Bärbel Schroller (46) allerdings schon ‚mal meilenweit daneben.

Auch die SeaLife-Aquarien halten sich bisher bedeckt. Laut einer Sprecherin soll es dieses Mal keine Prognosen, aber eine Art Maskottchen für die deutsche Mannschaft geben. Ausgekuckt hat man sich dafür ein Axolotl – ob das dann noch zu einem Axolotrakel mutiert?

Die Badische Zeitung bietet ebenfalls ein EM-Orakel auf, sucht allerdings noch einen Namen für die hübsche Wollschweindame. Ich habe Pauline vorgeschlagen …(… aber das Vieh heißt jetzt Emma)

Noch nicht für ein Tier entschieden hat sich bis heute Radio Charivari. Erst am Mittwoch soll dort ein Orakel gekürt werden.

Die Radiomacher von Bayern 1 haben sich die Dienste von „Zamperl“ Xaver gesichert. Das ist aber noch gar nichts gegen ihre Kollegen von Bayern 3 : Für die geht ein richtiges Promitier ins Rennen: Die inzwischen in Deggendorf beheimatete Kuh Yvonne hatte es im Sommerloch 2011 zu einiger Prominenz gebacht, da sie nach ihrer Flucht von der Weide mehrere Monate lang nicht zu fassen war. Die Folge: Eigener Wikipedia-Artikel und – diese Videos sind nur für ganz Hartgesottene erträglich – ein Wiesn-Hit („Muh, Muh, ich bin die Kuh, und hab‘ ein Herz genau wie du“ – hier sogar mit „Tanzanleitung„). Klar, dass dieses EM-Orakel schon jetzt besondere Aufmerksamkeit in der Presse geniesst.

Schade ist allerdings, dass dieses EM-Orakel aus Bottrop nicht ernst gemeint ist, denn es wäre eine interessante Abwechslung gegenüber dem ansonsten doch überwiegend gleichen Orakelprozess (Tier muss sich für Futter aus einem von zwei mit Fahnen geschmückten Napf entscheiden):

Wir könnten ja hier für Bottrop auch ein EM-Orakel einführen. Vielleicht mit Tauben. Davon scheint die Stadt ja genügend zu haben, was zumindest der Anblick meines Autos regelmäßig verrät. Benötigt würden dafür 16 fahrbare Untersätze. Jedes bekommt die Fahne eines Teilnehmerlandes angeheftet. Die Karosse, die am Ende mit den meisten unschönen Hinterlassenschaften versehen ist, wird im übertragenen Sinne zum neuen Europameister gekürt. Also, liebe Tauben, strengt Euch an! Ihr wisst ja, was Krake Paul wenige Monate nach seiner inakzeptablen Vorhersage ereilt hat.

Update 5.6.:

Ich hatte es erwartet, jetzt ist es amtlich: Das Trörakel Nelly spielt auch mit – und wird seine erste Prognose bereits morgen durch Kicken eines Balles in Anwesenheit eines echten Welt- und Europameisters (Torwartlegende Sepp Maier) abgeben. Im letzten Jahr hatte Nelly immerhin 5 Mal (bei 7 Versuchen) ins richtige Tor getroffen – und insbesondere bei allen Spielen der deutschen Mannschaft richtig gelegen!

Und es kommen noch mehr: Andechs setzt auf die Ziege Traudl, bei radio Bonn darf sich Orakelmops Vito versuchen und bei den Sparkasse-Werbefuzzies Klaas und Joko gehen ein Chamäleon namens Atze und – !!! – ein Mensch mit dem Künstlernamen Nestrovo ins Rennen. Letzterer ist hier kein Unbekannter, denn für 2010 hatte er der Berliner Hertha den Klassenerhalt prophezeit … … der als Tabellen-18. allerdings dann doch nicht geschafft wurde.

Und jetzt noch Pferd Henry aus Michaelshoven … (He, Henry! Man spricht nicht mit vollem Mund!)

Update 6.6.:

Der Weser-Kurier hat in Zwergesel Felix jetzt auch ein Orakeltier und auf YouTube gibt es noch ein paar Orakelgarnelen!





Quathemoc verletzt! Nachnominierung oder Weltuntergang?

10 05 2012

In den Wochen vor Fußballgroßereignissen steigt traditionell die Nervosität unter den Fans. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass sich immer wieder nominierte Spieler in Training oder Testspielen verletzen, so dass dann tagelang diskutiert werden kann, ob der Spieler vielleicht doch noch rechtzeitig gesundet oder ob nicht vielleicht doch ein anderer nachnominiert werden sollte. Aber wer interessiert sich schon für eine Fußball-EM, wenn es bei dem in der Überschrift erwähnten Quathemoc um nichts weniger als den Weltuntergang geht?

Denn Quathemoc ist der aus Vulkanstein gefertigte Maya-Schädel, der als einer von 13 am 21.12.2012 im Maya-Land irgendwie den Weltuntergang verhindern soll. So erzählte es zumindest die BILD und beruft sich dabei auf einen Herrn, der hier schon mehrfach erwähnt wurde. Aktuell erzählt der Mann sogar in einem Video ähnlichen Unsinn, nur das mit dem Weltuntergang verkneift er sich und überlässt das dem Schreiberling der Zeitung mit den großen Buchstaben. Blöd ist jetzt allerdings, dass der Schädel heruntergefallen ist und nun im Kinnbereich eine Macke hat:

Die ist zwar – wie man hier sehen kann – minimal im Vergleich zu der im Video dokumentierten Macke des Herrn Kristallschädelschwurblers (… obwohl: Wenn man bedenkt dass der Typ sogar Kristallschädelwasser vertreibt, könnte man auch auf die Idee kommen, dass der Mann nur ganz konsequent Leichtgläubige von der Last ihres monetären Besitzes befreien will), aber ob der Schädel jetzt noch „funktioniert“ und zum Beispiel nochmals seinen Namen telepathieren kann oder stattdessen nur noch „AUAUAUAUAUAUAUAUAUAUA“ aussendet, das bleibt abzuwarten. Ob das mit dem Aufstieg oder der Weltrettung mit einem verletzten, ja quasi demolierten Quathemoc überhaupt noch funktioniert? Wieso muss eigentlich so ein sensationeller Kristallschädel Schaden nehmen, wenn er von einem profanen Tisch plumpst? Hätte der (ich mein‘ den Schädel, nicht den Tisch) nicht zumindest kurzzeitig die Gravitation aufheben können? Oder wenigstens eine Delle im Fußboden verursachen?

Aber vielleicht ist der Kristallschädelfritze sowieso irgendwie getäuscht worden. Vielleicht hat Quathemoc ja gelogen! Der Besitzer des jetzt demolierten Schädelsteins behauptet zum Beispiel, für den 21.12. wären Maya-Schädel in verschiedenen Farben wichtig, die irgendwie zusammen kommen müssten (weil – wir erinnern uns: Die Nazis waren der Überzeugung, dass 13 solcher Schädel existierten. Wer sie zusammenführt, besitzt einen Schlüssel zur Beherrschung der Welt. – Uäääährxxxx!). In diesem Text  kann man lesen, dass es doch einzig und allein um 13 Kristallschädel geht, und die haben (auch in der reichhaltigen Bebilderung) nur eine Farbe …

Nun gut, das mit den 13 Schädeln ist offensichtlicher Unsinn. Außerdem gibt es ein paar mehr davon, laut dieser Meldung sind’s 51! Die stammen übrigens mitnichten von den Maya (dort gibt’s das notwendige Ausgangsmaterial dafür gar nicht) sondern wahrscheinlich aus Idar-Oberstein. Von solchen Ausflügen in die Realität (… oder die deutsche Provinz – womit ich nichts gegen Idar-Oberstein gesagt haben möchte: ich fand das Städtchen bei meinen paar Besuchen durchaus nett) dürften sich Kristallschädeladepten keinesfalls beunruhigen lassen. Vielleicht grübeln die unterdessen darüber, wie man Quathemoc ggf. ersetzen, oder vielleicht auch reparieren heilen könnte. Für Letzteres bräuchte man einen Superkleber, für die Nachnominierung wohl eher einen neuen Schädel. Aber auch hier hilft das Internet:

Hier gibt’s ein Luxusstück für schlappe 2.400 Euro! Sieht genauso aus wie Quathemoc und wenn der Besitzer ein paar bewusstseinserweiternde Pilze (oder Ähnliches) einwirft, wird ihm auch sicher ein neuer Name dafür eingeflüstert werden einfallen (oder er postuliert -ganz langweilig – Quathemoc’s Kristall-„Seelenwanderung“).

Wenn’s dann doch ein Kristallschädel sein soll, kann man sogar Geld sparen. Der hier kostet nur 900 Euro …

… und im gleichen Laden gibt’s übrigens noch viel mehr Kristallschädel, und auch -schädelchen. In verschiedenen Größen und Farben kostet der Spaß zwischen 14,90 € (40 mm) und 433,00 € (13 cm). OK, da fehlt noch eine Kleinigkeit. Die Steine werden zu diesen Preisen quasi nackt angeboten. Der richtige Esoteriker leistet sich natürlich dazu noch die 25 € teure Aktivierung

Ob Klebstoff und eine Portion frische Aktivierung für Quathemoc reichen um den Weltuntergang zu verhindern?





Blöder Redaktionsschluss

20 03 2012

Der Redaktionsschluss für Allgeiers Astrologisches Jahrbuch 2012 kam im letzten Jahr definitiv zu früh. Zumindest für einige Teile des auf den Seiten 6 bis 23 zu findenden Artikels mit dem Titel „Das Jahr 2012 – Alles ist in Aufruhr“. Das mit vielen dahingeraunten Katastrophen gespickte, aber ansonsten überwiegend sinnfreies Geblubber ist ein Armutszeugnis erster Güte für diesen Familienbetrieb (Herausgeber: Kurt und Michael Allgeier, Redaktion: Barbara Alllgeier und bei der redaktionellen Mitarbeit findet sich noch der Name Riki Allgeier). Warum sollte man sich mit einem solchenText beschäftigen, wenn bei diesen Prognosen zu einzelnen Ländern die entscheidenten Details (aus 2011) nicht einmal vorhergesagt werden konnten? Hier ein Beispiel (S. 19):

Für Lybien ist kein Ende des Regimes Gaddafi zu sehen,  sollte der Machthaber das Jahresende 2011 überlebt haben.

Eine Prognose zu Gaddafi war offensichtlich nicht möglich – Konkretes vermeiden die Allgeiers doch lieber. Für das Land sehen die Sterndeuter übrigens ganz schwarz:

Es sieht nach einem Krieg aus, für den es kein Ende geben kann.

Dagegen waren die Aussichten für Syrien richtig gut (S. 18):

Syrien wird seinen Machthaber Assad nicht los – sollte das nicht 2011 noch geglückt sein.

Bis dahin sieht das ja fast noch richtig aus, wenn nicht dieser komische Nebensatz wäre. Was jetzt kommt ist jedoch schlicht und einfach falsch:

Trotzdem sieht es für das Land relativ friedlich aus. […viel  Astroblabla …] deuten darauf hin, dass man irgendwie doch recht gut in Syrien zurecht kommen wird.

 Was für eine gequirlte …

 








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