Versäumte Videos: Hank’s Ass von 2013 …

17 05 2018

… ist wirklich klasse und sollte auch hierzulande weiter geteilt werden, insbesondere weil es seit 2016 deutsche Untertitel gibt:

(Danke an Claudia W., die das auf Facebook geteilt hat)

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Vormerken: Am 24. Juni fällt wieder ein Weltuntergang aus

8 05 2018

Dieses Mal soll es ein Sonntag sein, denn am 24. Juni soll wieder einmal die Welt untergehen. das meint zumindest der Versschwörungstheoretiker Jean-Marc Joseph Rodrigue, der dieses Datum irgendwie berechnet haben will indem er die Zahlen 666 (böse!) und 42 (woher er die hatte ist unbekannt, aber ich hätte eine Idee) kombiniert und dann irgendetwas gerechnet hat. Eine andere Quelle beschreibt das so:

Mathieu Jean-Marc Joseph Rodrigue addierte also die Zahl 666 und die 42 Monate mit seinen früheren Berechnungen und erhielt so das Datum für den Weltuntergang

Hier wird der Mann sogar noch als „Forscher“ bezeichnet … … aber egal, er wird genauso daneben liegen wie David Meade, dessen Weltuntergang erst vor Kurzem – am 23. April – hätte stattfinden sollen. War natürlich nichts, denn der von ihm seit Jahren propagierte Extraplanet im Sonnensystem will sich weder zeigen noch auf Kollissionskurs mit der Erde gehen. Was hinter solchen Meldungen steckt steht hier:

Obwohl ihn die Wissenschaft also längst als Unsinn enttarnt hat, wird Nibiru in schöner Regelmäßigkeit alle paar Jahre aus der Mottenkiste geholt und aufpoliert. Doch warum halten so viele an ihrem Irrglauben fest? Im Falle von David Meade lässt sich diese Frage ganz einfach beantworten: Er macht gutes Geld mit seinem gedruckten Geschwafel über Nibiru. Mehrere Bücher zu dem Thema gehen auf sei Konto, auf seiner Webseite verlinkt er auf eine Firma, die Luxus-Untergrund-Bunker zum Überleben eines Atomschlags herstellt. Denn der Weltuntergang ist längst zu einem eigenen Industrie-Zweig geworden.

Stimmt, und dieser „Industriezweig“ stinkt zum Himmel. Aber es scheint genug Menschen zu geben, die sich von solchen schwachsinnigen Lügen verarschen lassen wollen.

Wenn ich Lust auf Lügen habe, dann suche ich auf YouTube die Stimme des kürzlich verstorbenen Schauspielers Wolfgang Völz in seiner (Sprech-)Rolle als Käpt’n Blaubär! Das sind zwar auch Lügen, aber sehr charmante, wie zum Beispiel diese:





Das Krankenhaus und der „falsche“ Energetiker – eine Wiener Melange aus aktuellem Anlass

20 03 2018

Seit Tagen geistert ein 95000-Euro-Skandal durch die österreichische Presse: Die Sache mit dem gerade im Bau befindlichen Wiener Krankenhaus Nord und dem von einer Verantwortlichen engagierten „Bewusstseinsforscher“, der diese Summe für die folgenden, im Rahmen eines Krankenhausbaues doch recht seltsamen, Dienstleistungen erhalten hat:

Für die direkt Beteiligten hatte das kein gutes Ende, denn wie der ORF berichtete gab es harte Konsequenzen:

Die bisherige Programmleiterin und ihr Stellvertreter befänden sich nun auf Urlaub, erklärte KAV-Direktorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb in einer Pressekonferenz. Sie seien am Montag ihrer Funktionen enthoben worden, weitere disziplinarrechtliche Schritte würden geprüft. Die beiden sollen den Auftrag für die „energetische Reinigung“ des KH Nord erteilt haben.

Inzwischen gab es einen weiteren Rücktritt (anderer Link) aber was dieser „Bewusstseinsforscher“ (ein ehemaliger Verkäufer von Autos und dazugehörigem Zubehör gemäß seiner Homepage)  denn nun genau gemacht hat, um sein Entgeld von 95000 Euro zu rechtfertigen, ist weiterhin weitgehend unklar. Auf jeden Fall soll es jetzt einen Untersuchungsausschuss (besserer Link) geben um das Ganze genauer zu prüfen.

Viel spannender ist allerdings, dass in der österreichischen Presse mehrmals von einem „Energetiker“ (oder heißt es nicht doch EnergetHiker“?) geschrieben wurde, einer österreichischen Spezialität, so einzigartig wie das Wiener Schnitzel. Während deutsche Heilpraktiker in Österreich sich möglicherweise wegen Quacksalberei verantworten müssten, sind östereichschische Energetiker gemäß Wikipedia zwar nicht zur Ausübung von medizinischen Tätigkeiten berechtigt, aber sie dürfen ja doch einiges, wie man auf dieser Seite sieht. Beispiele gefällig`Bitteschön:

Das vorliegende Berufsbild gilt für alle Personen, die im Rahmen des freien Gewerbes Hilfestellung
zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit:
– mittels der Methode von Dr. Bach,
– mittels Interpretation der Aura,
– mittels Magnetfeldanwendung,
– durch sanfte Berührung des Körpers bzw. gezieltes Auflegen der Hände an bestimmten Körperstellen,
– mittels Cranio Sacral Balancing
– durch Berücksichtigung der Auswirkungen der energetischen Geometrie und Lichtphysik,
– mittels Numerologie,
– durch Berücksichtigung von Planetenkonstellationen und lunaren Energien mittelbar oder unmittelbar am Menschen tätig sind.

Aber das was in diesem neu zu bauenden Klinikum geschah hat damit natürlich gar nichts zu tun, Der Obmann der Wiener Energetiker, ein gewisser Herr Lechner regt sich auf und weiß da ganz genau Bescheid (schönerer Link):

Mit dem „Energetiker“ des KH Nord sei die gesamte Branche in Verruf geraten. Energetiker ist deshalb unter Anführungszeichen gesetzt, weil – so betont Lechner – „der Herr gar kein Energetiker ist. Er hat keinen Gewerbeschein als Energetiker.“

Na und? Weiter faselt der Obmann von „Regeln“, gegen die der Mann verstoßen haben soll::

1.) „Energetiker geben keine unseriösen Versprechen bezüglich der zu erwartenden Wirkung der angewandten Methode und verpflichten sich zur Bescheidenheit im Umgang mit Erfolgen.“ 

Nun ja – was bedeutet das? Beispiele, bei denen Energetiker dagegen verstossen fördert eine google-Suche sofort zutage – aber gegen den 2, Punkt hat der Mann beim Krankenhaus definitiv verstossen:

2.) „Sie haben für Honorartransparenz einen klar definierten Arbeitsumfang und einen ordnungsgemäßen Vertragsabschluss vor Auftragsbeginn Sorge zu tragen.“

Und dann holt der Obmann so richtig aus:

Wahre Energetiker „harmonisieren Schwingungen. Man kann gar nicht Schutzringe zu deren Ausgrenzung machen“

Ich bin ja nicht sicher, das angesichts solcher, in einer Minute gefundenen, Angebote so etwas nicht auch im Angebot irgend eines Energetikers zu finden ist, aber immerhin weiß ich, dass es zur „Berufsanmeldung“ (die Anführungszeichen sind natürlich Absicht) keinerlei Ausbildung bedarf. Das hat 2015 eine Skeptikerin bewiesen und sich als Energetikerin – ohne jede Ausbildung (für was eigentlich?) und ohne jede Leistungsbeschreibung – registrieren lassen (leider ist ihre tolle Homepage von damals nicht mehr online).

Wenn es um Energieen geht, dann sollte man sich doch dann eher an „Die Stimme der Energie“ halten, ein Stückchen von der zweiten LP, die ich in meinem Leben erworben habe (die erste verschweige ich lieber – ok, ich oute mich: es war Juliane Werding, da wo auch der Hit „Am Tag als Conny Kramer starb“ drauf war …. … ja, so alt bin ich schon) , und das die wichtigsten Eigenheiten von Energie kurz zusammen fasst:

Alles andere ist esoterischer Firlefanz!





Abstruse Geschäftsidee (… und der Polsprung ist ausgefallen)

14 03 2018

Mit Geschäftsideen ist das so eine Sache. Manche sind auf den ersten Blick Unsinn, andere starten zur falschen Zeit und wieder andere sind einfach unverständlich. Während die erstere Variante keines Kommentares bedarf, es bei der zweiten Variante manchmal tragisch zu früh sein kann („Wow! 2018 fehlt hier noch ne Videothek, und das mit dem Internet brauchen wir wirklich nicht“) lässt einen die dritte Variante dann doch eher mit diversen Fragezeichen im Gesicht zurück.

Eine solche Geschäftsidee soll im Juni, rechtzeitig zur Weltmeisterschaft der Gegen-den-Ball-Kicker in Putinland, so richtig gestartet werden: AFC (Astrologisches Fußballcoaching) soll diese Firma heißen, die – gemäß diesem Artikel der Huffpost –  bereits in Köln gegründet wurde. Und was soll da passieren? Nun ja, so genau weiß man das nicht, denn der Gründer des Ganzen (der auch mal hier – aus unerfindlichen Gründen – portraitiert wurde) gibt ja auf die gestellten Fragen nur fürchterliches Geschwafel von sich. So reagiert er auf diese, ziemlich konkrete Frage …

Dennoch haben Sie in einem früheren Interview behauptet, dass Sie die Zukunft des Weltfußballs voraussehen könnten. Wie geht das zusammen?

… mit einer Antwort, die mit der Frage absolut gar nichts zu tun hat:

Schauen Sie, die Astrologie ist anders, als die meisten denken. Der Bürger denkt noch immer, ein Astrologe sitzt im Zelt vor einer Glaskugel und hat Visionen oder dergleichen. Das sind Jahrmarktsphantasien, die nichts mit der Realität zu tun hat. Die Astrologie steht in unseren Tagen nun mal in der Zirkusecke, und die Astrologen sind auch noch selbst schuld daran.

Und auch auf die Nachfrage „Wie meinen Sie das?“ folgt nur allgemeines Blabla, aber immerhin hat er es damit scheinbar geschafft, die Antwort auf diese Frage zu vermeiden. Noch besser ist seine astrologische Antwort auf die Frage „Worum geht es denn beim Fußball im Wesentlichen? Kann man das überhaupt mit Bestimmtheit sagen?„:

Ja. Ich kann Fußball astrologisch definieren.

Eine astrologische Definition für Fußball? Her damit! Aber es folgt:

Worum geht es? Auch wenn sich das für manche Ohren da draußen zunächst mal wie eine Binsenweisheit anhört: Es geht im Fußball um Tore.

Es hört sich nicht nur wie eine Binsenweisheit an, es ist einfach eine! Und wenn das die astrologische Definition sein soll, dann braucht niemand die Astrologie, denn dass es im Fußball um Tore geht weiß man auch ohne Sterndeutung. Immerhin wissen wir durch dieses Interview jetzt, dass es ab Juni eine Firma gibt, die

Profis, Trainern und Funktionären ambulante wie langfristige Hilfe und Begleitung anbietet.

Ach? Astrologische Hilfe und Begleitung? Ambulant (ein stationärer Aufenthalt beim Astrologen wäre jedem Trainer auch schwer zu erklären)? Also versucht wieder einmal jemand mit Astrologie Geld zu verdienen und fokussiert sich auf Fußball. OK, es gibt Fußballer, die auf Astrologie stehen, und auch Trainer (wie der ehemalige französische Nationaltrainer Domenech) mögen der Sternkunde zugetan sein, aber ob er Mann wirklich mit der Sternkunde etwas bewegen kann? Ich glaube es nicht, stelle mich aber gerne als Berater für entsprechende Testszenarien zur Verfügung, wenn der Gründer sich darauf einlässt.

Immerhin dürfte der Start dieses Geschäftsmodells nicht durch eine Art Weltuntergang gestört werden, denn der auf Facebook von einem einschlägig bekannten Schwurbifex vorausgesagte „Polsprung“ (ein Szenario, das seit vielen Jahren durch die esoterische Weltuntergangsszene wabert) hat offensichtlich auch am 13. März 2018 nicht stattgefunden. Kurz vor Mitternacht zeigt meine Kompaßnadel noch brav – zumindest ungefähr – in Richtung Norden.





Gibt’s tatsächlich: Ein Gesetz gegen das Ausnutzen von Aberglauben und Leichtgläubigkeit

25 02 2018

Im schweizerischen Tagblatt fand sich am Wochenende ein interessanter Artikel mir dem Titel „Der Teufel hat hier nichts verloren“. Thema war eine Besonderheit im Strafrecht des Kantons Thurgau, denn dort gibt es unter den „Übertretungsstraftatbeständen“ einen wohl ziemlich einmaligen Paragrafen (Nr. 32) der wie folgt lautet:

Wer gewerbsmässig den Aberglauben oder die Leichtgläubigkeit anderer durch Wahrsagen, Traumdeuten, Kartenlegen, Geisterbeschwören, Teufelsaustreibungen oder auf ähnliche Art und Weise ausbeutet, wird mit Busse bestraft.

Wow! So einfach kann ein Gesetz gegen esoterische Abzocke formuliert sein! Ob dies ein gewisser Herr Lehmann wusste, als er 2009 ausgerechnet in Kreuzlingen ein Hotel bezog um Kunden für seine Wahrsagerei anzulocken? Immerhin hatte das für ihn keinerlei Konsequenzen, denn wie die Zeitung meldete wurde der Paragraf erst ein einziges Mal angewendet und führte 2011 zu einem Bußgeld von 300 Franken. Die Täterin hatte ihrem Opfer irgendwelche Rituale versprochen und dafür immer wieder Geld verlangt – bis diese eben die Polizei informierte. Für eines der Rituale sollte das Opfer ein altes T-Shirt und ein Ei parat halten – das scheint 2011 eine beliebte Abzockermethode gewesen zu sein, denn auch in Düsseldorf wurde 2011 ein ähnlicher Fall aktenkundig, der übrigens auch zu einer Bestrafung (1200 Euro) geführt hatte.

Dass der Paragraf früher statt Teufelsaustreibungen die „Anleitung zum Schatzgraben“ unter Strafe stellte ist ein interessantes Detail – offensichtlich scheint dies heutzutage nicht mehr als Problem angesehen zu werden. Warum es überhaupt so ein Gesetz gibt kann man in der Begründung der früheren Fassung nachlesen:

Diese Bestimmung wurde schon oft vermisst. Bisher war die Bestrafung der Wahrsager usw. nur möglich, wenn der Tatbestand des Betrugs erfüllt war, was nicht immer zutrifft und namentlich nicht leicht bewiesen werden kann. 

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – außer dass man der Liste der unter Strafe gestellten gewerbsmäßigen Tätigkeiten bestimmt noch die ein oder andere hinzufügen könnte. Nutzen nicht auch religiöse Würdenträger die Leichtgläubigkeit von Menschen gewerbsmäßig aus? Und wer definiert eigentlich was man als „Aberglaube“ zu verstehen hat?





Die Angst der Homöopathen vor der Öffentlichkeit (mit aktuellem Update)

6 02 2018

Aus dem Internet – insbesondere Facebook – kennt man das ja: Unliebsame Kommentatoren werden geblockt, deren Beiträge kommentarlos gelöscht. Was macht man aber, wenn man nicht im Internet unterwegs ist sondern an einer Uni eine „Ringvorleseung“ anbietet? Man macht die Kritiker auf Old-School-Art mundtot!

So geschehen an der Uni Kiel, und dankenswerter Weise von ein paar Studenten ordentlich dokumentiert. OK, die „Ringvorlesung“ war schon mal keine Veranstaltung der Universität, wollte aber wohl mit der Wahl des Titels „Ringvorlesung“ irgendwie suggerieren, dass es sich um eine offizielle Veranstaltung der Universität handelte. War es aber gar nicht …

Die erste Veranstaltung sollte eine Einführung in die Homöopathie beinhalten und wurde – wie die ganze Veranstaltungsreihe – natürlich nicht von der Uni veranstaltet sondern fand mit finanzieller Unterstützung der einschlägig bekannten Carstens-Stiftung (die „Ringvorlesung“ im Sommersemester 2017 wurde dort auch beworben) statt. Das weitgehend neutrale Protokoll dieser Veranstaltung hatte jedoch Folgen. Denn ab dem zweiten Termin hatten die Veranstalter keine Lust mehr auf solche Protokolle und bemühten fadenscheinige Begründungen um den Zuhörern einen Maulkorb zu verpassen. Das gelang in Form einer von den Zuhörern eingeforderten „Schweigepflichtserklärung“, die auf der verlinkten Seite netterweise abgebildet ist. Es ist schon komisch, dass man eine Werbeveranstaltung für die Homöopathie macht und dann den Zuhörern verbietet darüber zu reden. Aber es wurde noch schlimmer …

Bei der dritten Veranstaltung sollten sich die Unterzeichner der Schweigepflichtserklärung sogar noch ausweisen! Man kann natürlich dem Veranstalter hier ein gewisses Hausrecht zugestehen, aber wenn man das Ganze „Ringvorlesung“ nennt, dann ist das schon sehr deplaziert. Aus der Beschreibung es – abgebrochenen – Besuchs der dritten Veranstaltung ist dann auch der wahre Grund der eingeforderten Schweigepflichtserklärung klar ersichtlich: Man wolle solche Protokolle wie von der ersten Veranstaltung verhindern …

Tja, liebe Homöopathen, Kritiker mundtot machen ist eine ziemlich lächerliche Strategie. Wenn ihr nicht wollt, dass irgendjemand über eure „Vorlesungen“ berichtet, dann haltet sie statt an der Uni („Ringvorlesung“? Pah!) in Hinterzimmern von Kneipen oder in der Praxis eines eurer Mitglieder ab – an der Uni hat dieser Nonsens schon lange nichts mehr zu suchen (es sei denn ihr könnt Evidenz nachweisen). Denk- und Diskussionsverbote von den Besuchern eurer Veranstaltungen zu fordern ist aber einfach nur armselig. In anderen Zusammenhängen werbt ihr doch sehr gerne für euren Kram

Bleibt zu hoffen, dass die Uni Kiel sich wenigstens für die Zukunft die Titulierung dieser Werbeveranstaltung als „Ringvorlesung“ verbittet (… oder keine Räume mehr zur Verfügung stellt).

Update: Die letzte „Ringvorlesung“ – terminiert auf den 30.01.2018 – wurde „aus persönlichen Gründen der Referentin“ (!!!) abgesagt. Noch besser aber ist, dass sich das Präsidium der Universität wie folgt äußerte:

[…] ich kann Ihnen bestätigen, dass das Präsidium der CAU den Arbeitskreis gebeten hat, zukünftige Veranstaltungen in anderen Räumlichkeiten abzuhalten. Vonseiten der Universität werden keine Räume mehr zur Verfügung gestellt. Eine detaillierte Bewertung der Veranstaltungsinhalte war mit dieser Entscheidung allerdings nicht verbunden […]

Klingt gar nicht mal schlecht! Danke an eNBeWe, aus dessen Blog über „Coding, Life and more“ de meisten Informationen stammen. Sehr gute skeptische Basisarbeit und dann auch noch erfolgreich! Klasse!





Homöopathische Blähungen

22 01 2018

Die Deutsche Apotheker-Zeitung hat in den letzten Monaten durchaus kritisch über Homöopathie und Heilpraktiker berichtet, umso ärgerlicher dann der Werbeartikel von letzter Woche. Es ging um Mittel gegen Blähungen bei Babys und dabei wird auch ein brandneues Mittel völlig unkritisch erwähnt, dass auf der Herstellerseite mit folgenden Worten angepriesen wird:

Carum Carvi® Baby-Kümmelzäpfchen sind ein homöopathisches Arzneimittel mit Auszügen aus natürlichem Kümmel.

OK, in den Zäpfchen ist Kümmel drin, aber irgendeine Indikation darf natürlich nicht angegeben werden:

Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angaben einer therapeutischen Indikation. Tritt während der Anwendung des Arzneimittels keine Besserung der Beschwerden ein, ist medizinischer Rat einzuholen.

Der Hersteller ist selbst ernannter Speziallieferant und beschreibt seine Produktlinie wie folgt:

Die Pädia-Produkte eignen sich für Groß und Klein – für Babys kurz nach der Geburt und Kinder im Jugendalter. Wir entwickeln sie mit all unserer Kompetenz und Erfahrung, die wir uns als Spezialist in der Kinderheilkunde über die Jahre hinweg erworben haben. Verantwortungsbewusst passen wir sie immer wieder erneut an gestiegene Anforderungen und neue wissenschaftliche Entwicklungen an.

Das mit den „neuen wissenschaftlichen Entwicklungen“ ist angesichts eines neuen „homöopathischen“ Produkts natürlich sehr seltsam, ignoriert das doch sämtliche diesbezüglichen Forschungsergebnisse. Noch seltsamer aber wird es wenn man sich das Produkt näher anschaut, denn irgendwie scheint der Hersteller das mit der Homöopathie nicht verstanden zu haben.

Nehmen wir als erstes das Simile-Prinzip, das beim Informationsnetzwerk Homöopathie wie folgt beschrieben wird:

Was bei Gesunden bestimmte Symptome auslöst, wird Patienten verabreicht, die ähnliche Beschwerden schildern. Ein Beispiel: Weil Bienenstiche eine schmerzhafte Schwellung auslösen, soll „potenzierte Biene“ schmerzhafte Schwellungen heilen.

Bei Blähungen würde man also als homöopathisches Mittel etwas mit Zwiebeln oder Weißkohl vermuten, und tatsächlich findet man hier als Indikation für „Allium Cepa“ (Zwiebel) unter (vielen) anderen:

Flatulenz (Blähsucht)

Aber das neue Mittel besteht aus Kümmel! Kümmel? Als homöopathisches Mittel gegen Blähungen? Ist Kümmel nicht ein altes Hausmittel GEGEN Blähungen? Doch, ist es, wie man beim Netdoktor nachlesen kann. Also müsste ein homöopathisches Kümmelmittel doch eigentlich Blähungen fördern und nicht lindern …

Immerhin hat man das homöopathische Mittel nicht durch die „homöopathische Potenzierung“ (was das ist kann man auch beim Informationsnetzwerk Homöopathie nachlesen: „Verdünnen und Verschütteln („Potenzieren“) soll die Heilkraft jedes Stoffes verstärken.„) noch weiter – vermeintlich, homöopathisch – verstärk und gibt folgende Mengenangabe an:

Auszug aus Kümmel [Carum carvi, ethanol. Decoctum (Urtinktur (=D1))]

Die Zäpfchen bestehen also aus Kümmel und Alkohol (!!! für Babys????), das irgendwie dem Fett der Zäpfchen beigemischt wird. Immerhin hat der hersteller nicht weiter potenziert sondern gleich irgend eine alkoholische Kümmellösung (vermutlich 1:10) benutzt, denn sonst müssten gemäß homöopathischer Simileregel und der bekannten homöopathischen Potenzierungs(un)logik diese Zäpfchen ja geradezu als Blähungsbooster wirken.

Wir haben also ein homöopathisches Mittel, dass den zentralen Regeln der Homöopathie vollkommen widerspricht. Ich werde mal beim Hersteller nachfragen, warum sich dieses Mittel eigentlich homöopathisch nennen darf bzw. was an diesem Mittel überhaupt homöopathisch ist. Auf die Antwort – wenn denn eine kommt – bin ich schon mal gespannt.








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