Frau Treppner will die Dollarmillion …

12 11 2015

Ja, ich weiß. In den letzten Monaten war hier nicht allzu viel zu lesen, aber ich hatte einfach zu viel zu tun. Natürlich habe ich auch mehr als die 18 bisher hier erwähnten Prognosetexte/-seiten für die alljährliche Auswertung gesammelt, die ca. 50 weiteren Blogeinträge, Newsletter und Youtube-Videos waren nur so langweilig, dass ich mir lakonische Kommentare dazu verkniffen habe. Aber seit gestern gibt es etwas Interessantes, und da muss ich einfach kommentieren – und nicht nur weil ich dort auch erwähnt werde …

Es geht – nach langer Zeit ‚mal wieder – um Frau Treppner, eine Frau, die sich im Internet als große Kartenlegerin, Hellseherin und was-weiß-ich-noch zu inszenieren versucht. Legendär ihre fast schon wahnwitzigen Interviews im DAF (Deutsches Anleger Fernsehen), in denen man zum Beispiel erfahren konnte, dass sich Gold prostituiert. Für 2008 hatte sie sich selbst eine ganze Reihe von Treffern bei ihren DAX-Prognosen gut geschrieben, sogar für Monate für die sie gar keine Prognose abgegeben hatte. Jetzt aber will sie es wirklich wissen, denn sie will die Dollarmillion von der JREF (James Randi Educational Foundation) abkassieren, die bekanntlich für den Nachweis einer parawissenschaftlichen Fähigkeit ausgelobt ist. Mal schauen was die Dame dazu so schreibt

Sie behauptet sich schon einmal bei der JREF beworben zu haben und dann zur GWUP verwiesen worden zu sein:

Ich weiß nicht mehr genau wann, 2007 oder 2008, da hatte ich mich schon einmal beworben. So weit ich mich erinnere, war aber Hüter des Heiligen Grals die GWUP. Irgendwie konnte man sich über diese Vereinigung bewerben. Das tat ich.

Ich weiß ja nicht ob sie sich wirklich beworben hat, aber bei ihren mir bekannten „Prognosen“ dürfte sie durch jede Vorprüfung gefallen sein. Jetzt also der nächste Versuch:

Ich, nicht dumm,[…]

da masse ich mir kein Urteil an …

[…] hab mich dann direkt bei dem Verein „JREF“ (James Randi Educational Foundation) beworben. Mein Englisch ist etwas mühselig. Vielleicht hat man mein Anliegen damals nicht verstanden, auf jeden Fall gab es auch keine Antwort.

Könnte das daran liegen, dass die Kriterien für einen solchen Antrag nicht erfüllt wurden? Das erfordert nämlich nicht nur das Lesen eines englischen (!!!) Textes, sondern auch das Verstehen desselben.

Nach einigem Blabla über ihre tollen Prognosen im Rahmen irgendwelcher Fernsehaufnahmen (ich erinnere mich) – natürlich lag sie immer richtig, wurde allerdings herausgeschnitten – will sie sich nun dem ultimativen Test stellen. Zumindest behauptet sie das:

Nun ist die Zeit aber reif für eine weitere Offensive. Schließlich habe ich mir die Sporen mit der Börsen-Astrologie mehrfach verdient. Bis hin zur Wallstreet. Ok, ich bin auch nicht 100 %, aber die muss ich auch nicht unter Beweis stellen, sofern ich die Anforderungen richtig heraus lesen konnte.

Nein, sie braucht keine 100%, sie muss nur besser als der Zufall sein (was sie bei den mir bekannten Prognosen niemals war) …

Ich würde mich ja auch der GWUP stellen, aber 1. haben die keine Eier in der Hose und Angst vor mir und 2. würden dann Laien mir als Profi die Regeln diktieren. Der Ehre wegen und für den Freifahrtschein aller Astrologen würde ich es natürlich machen. Als Löwe mag ich auch Herausforderungen. Ich bin mindestens genauso blasiert wie die Buchhalter.

Angst? Vor Ihnen, Frau Treppner? Lächerlich! Und nein – bei solchen Tests werden keine Regeln einseitig diktiert. Man entwirft gemeinsam ein – wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes – Testprotokoll.

Ich bin ja neugierig,ob Frau Treppner nur labert oder sich tatsächlich bewirbt. Bei der GWUP hat sie zumindest schlecht recherchiert, denn ihr Halbsatz …

In Deutschland befasst sich mit dem paranormalen Belegen die GWUP (hier gibt es aber keinen Zaster)

… ist definitiv falsch. OK, man könnte offensiver darauf hinweisen, aber die 10.000 Euro sind noch da. Und wenn sie den GWUP-Test besteht, dann darf sie sich auch gerne für die Dollarmillion der JREF bewerben, denn das wäre eine Referenz an der die JREF nicht vorbei kommt. Und dass sie eine Referenz braucht, das hat sie immerhin herausgelesen:

wie man bei JREF lesen kann, gilt das übliche Bewerbungsverfahren nicht mehr. Ab sofort muss man Referenzen vorlegen (habe ich!!! – zig-fach!) …

Aber ob diese Referenzen als solche anerkannt werden? Da wäre ich doch skeptisch! Aber man braucht ja noch etwas:

… und mit einem Fernseh-Team kann man ab Anfang nächsten Jahres, sofern ich es richtig übersetzt habe, sofort geprüft werden.

Nein, Frau Treppner, das haben sie nicht so ganz richtig verstanden! Ein unabhängiges (!!) Fernsehteam alleine reicht nicht, denn, egal ob bei der GWUP oder der JREF, zunächst muss das Testprotokoll, also die Regeln, abgestimmt werden.

Ich will aber mal nicht so sein und erkläre hier kurz wie das geht – es ist nämlich gar nicht so schwer:

  1. Schreiben Sie auf was sie zu können glauben (z.B. mittels Astrologie die Kurse bestimmter Aktien oder Indizes voraussagen)
  2. Beschreiben Sie genau (und vorab), wann eine ihrer Prognosen als Treffer gilt und wann eben nicht (z.B. Der Wert einer Aktie XY/eines Index fällt/steigt im Zeitraum Z – das kann jeder von ihnen frei zu wählende Zeitraum sein; „fällt“ heißt Wert wird kleiner, „steigt“ heißt Wert wird größer im angegebenen Zeitraum, der zum Börsenbeginn in z.B. Frankfurt beginnt und mit dem Closing dortselbst endet)
  3. Es gilt die einfache Regel: „knapp daneben ist auch vorbei“! Wenn die Aktie/der Index ein paar Tage früher oder später steigt oder fällt, dann ist die Prognose nicht „fast richtig“ sondern einfach falsch!

Wieviele Treffer bei wie vielen Versuchen sie dann zum Bestehen des Tests benötigen würden, das kann ihnen ein Statistiker, möglicherweise auch ich, dann gerne sagen. Erst aber müssen Sie ihre Hausaufgaben machen – das Fernsehteam brauchen sie erst wenn das Protokoll mit GWUP oder JREF abgestimmt ist.





Murmeltiere, der Super Bowl und Berliner Sportprognosen

4 02 2015

Beim Sammeln von Prognosen stolpert man bisweilen über das ein oder andere skurrile Highlight oder erinnert sich an alte Filme – oder beides. Ja, am Montag war der 2. Februar – genau jener Tag den Bill Murray alias Phil Connors im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer und immer wieder durchleben musste – und natürlich hat Mulmeltier Phil aus Punxsutawney auch dieses Mal wieder das Wetter für die nächtsten 6 Wochen vorausgesagt (es bleibt kalt). Ihm widersprach übrigens Artgenosse Willie aus dem kanadischen Örtchen Wiarton, der ebenso seit vielen Jahren sein Prognoseglück versucht. Keine Lust an einer Wetterprognose scheint das Murmeltier aus einer Stadt in Wisconsin gehabt zu haben: es biss den Bürgermeister ins Ohr.

Weiter südlich, genauer gesagt in Phoenix, Arizona fand am Sonntag der Super Bowl, das Finale der American Football Profis, statt. Die Huffington Post hatte vorab 25 Wahrsager und Hellseher gefragt, ob sie nicht den Sieger vorhersehen könnten – und immerhin 16 hatten auf den richtigen Sieger getippt. OK, das richtige Ergebnis war nicht darunter und einer der Auguren tippte zwar den richtigen Sieger, hatte sich aber beim Namen des Gegners ziemlich vertan. Und klar, das Ganze war für die natürlich nur ein Spaß, aber hätte einer oder eine aus der Hellsehertruppe tatsächlich ganz zufällig das richtige Ergebnis vorhergesagt, dann wäre dies bestimmt wieder werbetechnisch ausgeschlachtet worden. So bleibt nur die Bitte eines Teilnehmers, der im Falle seines Prognoseversagens seinen Namen gaaaaanz klein gedruckt sehen wollte, so höchstens Schriftgrad 3 Pt (das ist ca. 1 mm).

In Berlin durfte bereits letzte Woche der Handleser Nestrovo über die Zukunft einiger Berliner Sportvereine schwurbeln. Dass dabei nicht allzu viel herauskam wundert nicht, denn Nestrovo ist einschlägig vorbelastet. Ende 2009 versprach er den Hauptstadtkickern von der Hertha den Klassenerhalt – den diese dann prompt als Tabellenletzter deutlich verfehlten. Ob es für die Fußballer ein gutes Omen ist wenn er wieder den Nichtabstieg voraussagt? Das liest sich dann so …

Am Ende schafft es Hertha, aber für den Trainer bleibt es ein Drahtseilakt.

… und mit Mirko Slomka nennt er sogar einen möglichen neuen Trainer (der sich dann bis 2018 halten können soll). Den Eishockey-Eisbären sagt er eine gute Saison voraus, allerdings nicht den Meistertitel – der soll dann 2016 folgen (das merke ich mir natürlich). Während Nestrovo für die „Eisernen“ von Union Berlin aus den Karten nur belangloses Blabla lesen kann, ist es für die Basketballer von Alba Berlin etwas anders:

Albas Herrschaft ist, wenn sie sich im Verein nicht ganz dumm anstellen, auf zwei Jahre hin unschlagbar.

OK, Alba ist zur zeit klarer Tabellenführer, und international?

Weil das Team gefestigt ist, wird es auch international achtbar abschneiden.

Das ist allerdings keine Prognose, denn die Mannschaft hat bereits die Zwischenrunde der Europaliga erreicht und dort auch schon 2 Spiele gewonnen – das achtbare Abschneiden ist also bereits erfüllt. Aber wie das mit der zweijährigen Herrschaft zu verstehen ist, das weiß ich natürlich nicht – eigentlich müssten das doch zwei Meistertitel sein, oder? Für die Berliner Handballer kann der Mann offensichtlich gar nichts aus den Karten lesen – ist wohl auch besser so.  Bei den amtierenden deutschen Herren-Volleyballmeister, den Berlin Recycling Volleys (irgendwie finde ich den Namen lustig), sagt Nestrovo dieses Mal keine erneute Meisterfeier voraus sondern tippt auf den Konkurrenten Friedrichshafen. Aber nächstes Jahr soll es wieder so weit sein. Das wäre dann ja – mit den Eisbären und Alba – schon der dritte Berliner Meistertitel für 2016! Aber warten wirs lieber ab, wetten würde ich auf keine der drei Titelgewinne.

(Nestrovo ist Nummer 14 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)





Prognosen 2015: Viel Blabla aus der Lokalpresse

1 01 2015

Zum Jahreswechsel finden es so manche Zeitungen unterhaltsam und lustig doch einfach Astrologen und Wahrsager über die Aussichten für das neue Jahr zu befragen. Dabei sind die Artikel oder Interviews in der Regel immer gleich aufgebaut:

Als erstes wird der Astrologe, die Kartenlegerin oder was auch immer kurz vorgestellt, dann folgen ein paar allgemeine Fragen zur Methode und am Ende darf dann natürlich ein wenig Blabla zum kommenden Jahr nicht fehlen. Manchmal gibt es sogar kleine skeptische Einsprengsel, aber so richtig negativ darf man den Unsinn natürlich nicht darstellen. Dafür gilt der einfache Merksatz: Scharlatane sind immer die anderen! Für den/die Interviewte(n) ist das kostenlose Werbung der Extraklasse – und die Zeitung kann wieder eine Seite füllen.

Auch dieses Jahr gibt es dafür einige Beispiele, neben dem, das ich bereits vor Wochen erwähnte. Fangen wir mal im Norden an, bei der Kartenlegerin Ilona Nemitz aus Proseken bei Wismar, die für die Schweriner Volkszeitung interviewt wurde. Befragt wurde sie zu weitgehend lokalen Themen, und ihre Karten haben immerhin positive Nachrichten für die Fußballfans dort, denn Hansa Rostock soll wohl nicht aus der dritten Liga absteigen (das werde ich natürlich am Jahresende prüfen). Auch darf sie in der Zeitung erzählen, was sie noch so anbietet:

Auch mit der Kunst und Gabe des Besprechens und Handauflegens helfe sie – das sind uralte Heilmethoden, von denen sich Befürworter eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte bei verschiedenen Symptomen versprechen. Die Wirkungsweise wird von ihnen auf nicht näher bestimmbare Energieströme zurückgeführt.

Nun ja, Heilpraktikerin ist sie schon ‚mal nicht (darf also auch keine „Heilung“ anbieten) und dass die „nicht näher bestimmbare Energieströme“ nur in der Fantasie der Dame und ihrer Kunden existieren ist bei dem Gelaber ja sowieso egal. Ansonsten gibt es noch gute Aussichten en masse, wofür sie auch die Numerologie nutzt:

„Nach der Numerologie wird es ein phantastisches Jahr“, verspricht Frau Nemitz. Die Quersumme aus 2015 ergibt 8. „Eine starke Zahl, die für Energie und Leidenschaft steht“, deutet die Wahrsagerin. Wenn Projekte anstehen, dann sollten sie unbedingt im nächsten Jahr in Angriff genommen werden.

Was für ein Tipp! Ich meine, wenn Projekte anstehen, dann sollte man sie sowieso unbedingt in Angriff nehmen – egal welche Quersumme die Jahreszahl hat.

Im Thüringer Eichsfeld wohnt die als Hobbyastrologin bezeichnete Angela Gaßmann, die für die Thüringer Allgemeine auf das neue Jahr blickt. Eigentlich ist die Frau ja Taxiunternehmerin, wird aber auf dieser Seite auch als Astrologische Lebensberaterin geführt. Das führt dann zu Sätzen wie diesem:

Es dürfte aber noch in der ersten Hälfte des Jahres weiterhin mit unerwarteten Veränderungen und Überraschungen zu rechnen sein.

Oder auch dem folgendem Abschnitt:

Gute Aussichten auf plötzliche Entschärfung von Konflikten bestehen in der Jahresmitte. Da scheinen Bemühungen zu plötzlichem Umdenken zu führen. Konflikte und Unruhen werden aber in diesem Jahr nicht weniger werden. Die Wut derer, die sich seit Jahren ausgenutzt, unterdrückt und zu kurz gekommen fühlen, explodiert. Die Rebellion richtet sich besonders gegen alteingesessene Institutionen und Verantwortliche im staatlichen und kirchlichen Bereich. So kann viel Neues geschaffen werden – gleichzeitig tritt aber auch die Gegenwehr derer auf den Plan, die Macht, Einfluss und Kontrolle nicht aufgeben wollen.

Wie immer also: Nichts Genaues weiß man nicht! Da kann man nur hoffen, dass die Taxifahrer ihre Ziele besser finden – aber die können notfalls ja ihr Navi einsetzen. Würden sie die Astrologie als Navi nutzen, dann würden die Kunden wohl kaum ihr Ziel erreichen …

Im Aschaffenburger Main-Echo gibt es gleich eine ganze Serie zum Thema „Ausblick 2015„. Neben einem „Trendbeobachter“, einer Fachlehrerin der ortsansässigen Bekleidungsfachschule (Thema Mode), einem Wirtschaftsweisen, einer Politikerin und einem Politikwissenschaftler darf leider auch der Astrologe Klemens Ludwig einen kurzen Text verfassen, der inhaltlich von absolut lächerlicher Schwammigkeit ist. Große Erschütterungen am Jahresanfang …

Die ersten Monate 2015 sind von großen Erschütterungen geprägt. Bis Ende März werden sich die internationalen Konflikte verschärfen. Ähnliches gilt für innergesellschaftliche Spannungen, etwa die Frage nach dem Umgang mit dem Islam.

… und irgendetwas am Jahresende:

In den letzten sechs Wochen des Jahres kommt eine Zeit, die Lügen und Täuschungen nicht länger zulässt. Ab Mitte November werden Skandale öffentlich, die zuvor erfolgreich gehütet worden sind. Das untergräbt das allgemeine Vertrauen in Autoritäten.

Herr Ludwig ist nicht aussagekräftiger als ein Meteorologe, dessen Wetterprognose für den Folgetag irgendein Wetter sowie nachts tiefere Temperaturen als tagsüber vorhersagt.

In der Waiblinger Kreiszeitung darf die Heilpraktikerin Bettina Zapf  über das neue Jahr schwurbeln, und sie tut das auch ausführlich. Aber zunächst darf sie unwidersprochen allerlei Unsinn behaupten, so behauptet sie z.B.:

Wer die Zukunft – etwa das Datum des eigenen Todes – kenne, der könne sich besser darauf einstellen.

Bedeutet das nicht, dass sie behauptet sie könne das Todesdatum eines Menschen aus den Geburtsdaten vorhersagen? Eine Behauptung die übrigens leicht testbar wäre, aber ich bin sicher, dass sich Frau Zapf niemals einem solchen Test stellen wird, denn dann würde man ja sofort sehen, dass dies hanebüchener Unsinn ist. Ansonsten soll das neue Jahr für Frauen besonders gut werden, zumindest in der Gegend um Waiblingen:

Es fällt, wie gesagt, für die Frauen optimistischer aus als für die Männer. Die werden von Pluto zu Veränderungen gedrängt. Sie könnten, das sagt Uranus, sich in Richtung Innovationen und Computertechnik umorientieren. Zusätzlich wenden sie sich vielleicht musischen Dingen zu – oder verpassen ihrer Ehe eine Rund-um-Erneuerung. Gut beraten sind die Waiblinger, wenn sie auf ihre Partnerinnen bauen, denn diese werden Sicherheit geben wie Felsen in der Brandung.

Mehr als dieses inhaltsleere Geschwurbel hat die Frau nicht drauf – peinlich!

Zum Ende ein Blick in die Schweiz, in das Ostschweizer Tagblatt. Dort durfte die aus dem Radio bekannte Astrologin Elisabeth Keel in einem längeren Interview zunächst versuchen die Astrologie zu erklären und dann etwas zu 2015 sagen. Dabei versteigt sie sich zu dieser schönen Aussage:

Die Astrologen sind gewissermassen Psychologen mit anderen Methoden.

Stimmt, Frau Keel, nur dass diese „anderen Methoden“ eben jeder nachprüfbaren Grundlage entbehren und bisher bei allen wissenschaftlichen Tests gnadenlos durchgefallen sind. Immerhin gibt es skeptische Nachfragen – und die Erkenntnis, dass Frau Keel die Statistik gar nicht mag:

Die Statistik funktioniert nicht in bezug auf die Astrologie, weil sie dafür das falsche Messinstrument ist.

Und neben dem Hinweis dass dies genau so sei wie bei der Homöopathie, kann sie ein wenig Quantenschwurbel nicht lassen:

Die Quantenphysik rüttelt ausserdem am Grundprinzip, dass Gesetzmässigkeiten in der Natur kausale Zusammenhänge voraussetzen.

Auch das Lieblingszitat aller Esoteriker darf nicht fehlen:

Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die nicht abschliessend erklärbar sind.

Am Ende gibt es dann doch noch ein paar Sätze zum Jahr 2015, und es beginnt mit einem von jedem Inhalt befreiten Rundumschlag mit einer Prise Naturkatastrophen:

2015 ist ein Jupiterjahr und verspricht daher viel Schwung, Optimismus, Wachstum und Expansion. Das ganze Jahr über gibt es immer wieder höchst dynamische Sternkonstellationen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit von grossen, einschneidenden Ereignissen wie zum Beispiel Naturkatastrophen oder politischen Umwälzungen. Weil aber Jupiter die Jahresherrschaft übernimmt, werden wir insgesamt viele Glücksmomente erleben.

Nach einer Fußballprognose (der FC St. Gallen wird vielleicht Meister, wahrscheinlich aber nicht) kommen noch diese wunderbaren Sätze über das Jahr 2015 für die Schweiz:

Nächsten Sommer nun wird der Glücksplanet Jupiter ins Zeichen der Jungfrau wechseln. Das sind sehr gute Ausgangsbedingungen für die Schweiz. Allerdings gibt es noch andere Konstellationen, die anzeigen, dass wir uns weiterhin gegen den Rest der Welt behaupten müssen. Gerade im Verhältnis mit der EU werden wir gefordert sein.

 Der Interviewer ist immerhin sehr nett und merkt an:

Das tönt jetzt wieder sehr schwammig.

Stimmt! Wobei „sehr schwammig“ eine ziemliche Untertreibung für dieses Geblubber ist.

(Das sind Nummer 6 bis 10 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)





Prognosen 2015: Das Jahr wird irgendwie! (… und meine Lokalzeitung macht Esoterikwerbung)

8 12 2014

Das Ende des aktuellen Jahres naht, und schon kriechen die ersten Auguren aus ihren Löchern und beglücken uns mit ihren Prognosen für 2015. Manche dieser vermeintlichen Zukunftskenner werden aber auch von irgendwelchen Zeitungsschreiberlingen aus ihren Löchern gezerrt – und wenn so etwas sogar bei meiner Lokalzeitung passiert, dann finde ich das wenig erheiternd. Es ist schon ein paar Tage her, da konnte man in der Mainzer Allgemeinen Zeitung einen Artikel mit dem Titel

Mainz: 75-Jährige Gonsenheimerin Herlert-Schaaf sagt mit Lenormand-Karten die Zukunft voraus

lesen. Und das tut die Frau gegen Ende des Artikels auch tatsächlich indem sie für das Jahr 2015 folgende „Weisheiten“ zum besten gibt:

Für 2015 sieht sie große Neuerungen, die Glück bringen werden. Und auch für die neue Regierung erkennt sie „Ansehen und Anerkennung“. Die „Schranken“ und Hindernisse würden sich lösen. Und: „Die Dinge tragen bald Früchte und entwickeln sich.“

Äh, ja – und das soll eine ihrer Prognosen sein? Um welche „neue Regierung“ geht es hier eigentlich ? Welche „Schranken und Hindernisse“ werden sich lösen? Und welche „Dinge tragen bald Früchte„?

Der Autor dieser Persiflage auf einen journalistischen Artikel scheint sich mit diesem inhaltsleeren Geplapper zufrieden zu geben und resumiert tatsächlich mit dem Satz: „Na, das will man doch hören!“ Nein, Herr Braun, das will man nicht! Und außerdem finde ich es schon peinlich wenn in der von mir abonnierten Zeitung schamlose Werbung für eine mehr als zweifelhafte Dienstleitung als redaktioneller Artikel ausgegeben wird. Kritische Rückfragen scheint der Autor nicht zu kennen, stattdessen zitiert er lieber die hanebüchenen Behauptungen der Seniorin zum Mischen der Karten:

„Dabei wird das Unterbewusstsein angezapft. Und das Unterbewusstsein kennt Ihr Leben.“

Nein, beim Mischen wird nichts angezapft sondern es werden nur die Karten gemischt. Hätte der Mann übrigens gleich ausprobieren können, indem er nochmal die Karten mischt … … aber nein, stattdessen wird die Werbeveranstaltung weiter getrieben. Dass ausgerechnet die Kartenlegerin darauf hinweist, dass es auch Scharlatane gibt macht den Artikel nicht besser. Immerhin wird deutlich warum die Frau solch zweifelhafte Angebote macht:

Anfangs deutete Herlert-Schaaf nur ihren Freunden die Zukunft. Doch die finanzielle Not machte daraus einen Nebenverdienst. [..] „Ich hatte kein Geld mehr. Ohne das Wahrsagen hätte ich mein Haus verkaufen müssen“, erzählt die gelernte Stenografin.

Aha, es ging und geht also ums Geld! Und das nimmt sie auch heute noch reichlich: 75 Euro kostet ein Termin bei ihr – dabei sagt sie doch auch:

„Man darf keinen Reichtum daraus schlagen“, sagt sie. „Sonst verliert man die Begabung.“

Rückfrage oder Kommentar des Journalistendarstellers der für den Artikel verantwortlich zeichnet dazu? Fehlanzeige!  Dabei könnte man doch sofort auf die Idee kommen, dass sie ihre Fähigkeit längst verloren hat, zumindest wenn man ihre lächerliche Prognose zu meiner Heimatstadt liest:

Auch die politischen Entwicklungen in Mainz kann sie voraussagen. Der Stadt Mainz soll es demnach zukünftig gut ergehen.

Wow! Das wird bestimmt so kommen! Doch, ganz bestimmt, denn sie sagt es doch selbst:

„Meine Prognosen stimmen zu 80 bis 90 Prozent“

Belege bitte!

(Das war die Nummer 1 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)





Die Rache der Hellseherin

5 06 2014

Mist! Ich habe Muskelkater! Und es liegt am dauernden Kopfschütteln wegen eines Artikels im „Express“, Ausgabe Düsseldorf, der folgenden Titel trägt:

„Ich sehe den Tod meines Peinigers auf der Flucht!“

Es geht um die Dame, die von dem Ex-Partner einer Kundin (der sie die Trennung von eben diesem per Kartenlegen empfahl) fast ermordet wurde, und die nun in einem Interview mit einem Pressemenschen (der das Ganze auch noch falsch rezipiert, denn der Angreifer war nicht ihr Kunde) folgendes von sich gegeben haben soll:

Ich spüre, dass er sich auf der Flucht nicht ergeben wird. Ich spüre, dass ihn Polizisten auf der Flucht erschießen werden. Möglicherweise in der Türkei.

Ja, klar! Sie „spürt“ das! Den Angriff selbst hatte sie offensichtlich überhaupt gar nicht vorher „gespürt“ bzw. vorausgesehen, aber jetzt weiß sie schon so ziemlich ganz genau wie’s weitergehen wird. Ich kann ja verstehen, dass sich ihre Sympathie für den mutaßlichen Täter in Grenzen hält, aber eine solche „Weissagung“ (ich zitiere aus dem Artikel) ist schon starker Tobak. Aber was soll’s, sie wird natürlich weiter ihren Kunden irgendwelchen Unsinn erzählen, denn:

„Ich lebe schließlich davon.“

 

 

 





Wenn Kartenlegen zu ernst genommen wird …

1 06 2014

… dann kann es wirklich gefährlich werden. Als ich letzten Donnerstag las, dass eine selbst ernannte Wahrsagerin Opfer einer Mordattacke wurde habe ich mich mangels genauerer Kenntnisse des Sachverhalts mit einem Kommentar zurückgehalten. Inzwischen ist die Frau außer Lebensgefahr und der mutmaßliche Täter identifiziert. Die Wahrsagerin hatte der Partnerin des mutmaßlichen Täters nahegelegt, sich wieder von ihm zu trennen und stattdessen zu ihrem früheren Partner, offensichtlich einem Stammkunden der Wahrsagerin, zurückzukehren. Nachdem die Frau dies ihrem Partner mitgeteilt hatte rastete dieser offensichtlich vollkommen aus, bedrohte sie zunächst per Telefon und SMS und schritt dann zur blutigen Tat.

Dass sich Wahrsager, Kartenleger oder andere selbst ernannte „Lebensberater“ mit ihren völlig aus der Luft gegriffenen „Tipps“ für ihre Kunden viel zu oft und viel zu weit aus dem Fenster lehnen ist keine Neuigkeit. Was sie damit bei anderen Beteiligten eventuell anrichten, das musste diese Düsseldorfer Wahrsagerin nun schmerzlich erfahren. Selbstverständlich wünsche ich der Wahrsagerin „Gute Genesung“ und hoffe dass der mutmaßliche Täter gefasst wird.





Auch 2014 im Angebot: Weltuntergänge

4 01 2014

Danke an die Tageszeitung „Die Welt“ für diese schöne Zusammenfassung der aktuell vorausgesagten Weltuntergänge für 2014. Es ist zwar nicht alles neu (die für den Juni 2014 angedrohte Säurewolke hatte ich schon vor Monaten erwähnt), aber die Ragnarök-Geschichte aus der nordischen Mythologie kannte ich noch nicht und das mit dem 4. März (Fastnachtsdienstag!) ist mir auch neu. Aber bei letzterem Datum soll es ja „nur“ um Erschütterungen an den Börsen, wenn auch in „ungeahntem Ausmaß“ gehen.

Bleibt der viel zu frühe Weltuntergang am 22. Februar, der aber immerhin auf einen Samstag fällt, so dass man am Abend zuvor noch eine ausgiebige Weltuntergangsparty feiern kann. Als Kleiderordnung empfiehlt sich der Wikingerlook a la Hägar oder Wickie, als Getränk wird Met serviert – das kann ja nur eine erfolgreiche Feier werden. Ob sich dieses Mal auch wieder jemand die Rechte an den Feierlichkeiten zu sichern versucht wie damals 2012?

Inzwischen ganz vergessen ist das Katastrophenszenario eines möglicherweise auf die Erde stürzenden Asteroiden, das 2003 durch die Presse geisterte und eine Katastrophe für den 21. März 2014 befürchten liess. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass dieser Asteroid tatsächlich die Erde treffen würde wurde aber bereits damals von den Astronomen auf 1:909000 geschätzt und taugt damit heute nur dazu einzelne Verschwörungstheoretiker ein wenig in Panik zu versetzen. Inzwischen ist auch bekannt, dass der durchaus große Gesteinsbrochen knappe 20 Millionen km an der Erde vorbeifliegen wird, und zwar am 26. März 2014.

Als Hinweis auf den chinesischen Kalender entpuppt sich derweil eine „Weltuntergangsprognose“ von Apples Sprachprogramm Siri. Wie vereits im Vorjahr (am 7. August) weist Siri auch 2014 (am 27. Juli) und 2015 (am 14. August) auf den Beginn des chinesischen „Geistermonats“ mit dem drastischen Satz „Opening Gates of Hades“ hin.

Auf Facebook propagiert indes eine kleine Gruppe von Genervten den Weltuntergang am 28.6.2014 – die Begründung ist eindeutig: „ständig kommen irgendwelche bekannten Sekten und sagen den Weltuntergang voraus, wir jetzt auch„. Recht haben sie, und das Datum ist in Bezug auf einen Weltuntergang ebenso wahrscheinlich wie die anderen genannten Termine.








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