Ein astrologischer Wahrsagercheck: Frau Keidel-Joura hat immer Recht!

4 01 2019

In einer selbst verfassten Pressemeldung auf openPR mit dem Titel

Wahrsagercheck 2018: Treffsichere Sterne

setzt sich die Bremer Astrolgin Christine Keidel-Joura mit ihren eigenen Prognosen für das abgelaufene Jahr 2018 auseinander und hat natürlich nur Treffer entdeckt. Dass ich die treffer von Frau Keidel-Joura nirgends vermerkt habe liegt natürlich daran, dass mir ihre Prognosen schleicht und einfach unbekannt waren. Erstellt hatte sie diese für eine Veranstaltung, und ja, sie scheint dort Vorhersagen gemacht zu haben, denn:

„Die Astrologie zeigt Tendenzen, Wahrscheinlichkeiten, Bildhaftes. Sie dient vor allem der Sinnfindung. Manchmal sind die Konstellationen allerdings ziemlich eindeutig. Dann ist es auch möglich, Vorhersagen zu wagen“, so die Astrologin.

Und welche Prognosen hat sie gewagt? Zum Beispiel diese:

Schon im letzten Januar hat sie beim Themenabend zu den Konstellationen im neuen Jahr geäußert, dass wir 2018 in Bremen wieder deutliche Chancen auf mehr Sonne und einen schönen Sommer haben würden.

„Chancen auf mehr Sonne“ gilt für jedes Jahr, denn auch wenn es den ganzen Sommer geregnet hätte, die Chance, dass im Sommer die Sonne scheint, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass der Sommer aber wegen irgendeiner Sternkonstellation besonders heiß wurde, das dürfte bei Meteorologen Kopfschütteln hervorrufen.

Dass es im Sommer 2018 recht reiß hergehen dürfte, war zudem an der einmaligen Mondfinsternis in Verbindung mit einer besonderen Mars-Konstellation zu erkennen. Hier kam unser hell leuchtender Nachbarplanet der Erde so nahe wie zuletzt im Hitzesommer 2003.

Um welche Mars-Konstellation ging es? Wie war das Wetter, als diese Konstellation das letzte Mal herrschte? OK, der Mars war in 2018 nah an der Erde und 2003 auch – und 2003 gab es auch eine Hitzewelle – aber wenn das zusammenhängen würde, dann könnten das wahrscheinlich die Meteorologen erklären. Eine weitere Prognose sieht Frau Keidel-Joura als Treffer:

„Neue Erfahrung in alten Systemen“, lautete außerdem ihr Titel für die Konstellationen im Juni und Juli 2018.

Natürlich fand Frau Keidel-Joura dafür „Entsprechungen“, egal ob bei Trump, der EU, oder mit der Maaßen-Affäre – aber Moment, die war doch wirklich erst ab September, so dass die Prognose dafür nicht gelten kann. Und irgendwelche Nachrichten, die zu seiner Blabla-Prognose passen lassen sich immer finden. Auch die Börsenprognose von Frau Keidel-Joura ist windelweich:

An der Börse kann es zu einer Konsolidierung kommen.

Ja, kann es. Oder auch nicht. Da eine Konsolidierung Seitwärts- oder Abwärtsbewegung der Kurse bedeuten kann, ist eine solche Prognose also nicht gerade sensationell und die Kursverluste am Jahresende sind auch für diese „Prognose“ kein Beleg

Wenn Frau Keidel-Joura ernsthaft daran interessiert ist kann sie mir ja ihre Prognosen für 2019 schicken (ich würde sie nicht veröffentlichen), allerdings sollte sie auch dazu schreiben was als Beleg für einen Eintritt der Prognose gelten soll und was eben nicht. Ansonsten haben ihre Prognosen die Qualität der folgenden Verkehrsnachricht:

Im Sendegebiet kann es aktuell zu Staus auf Autobahnen kommen.

Jeder Stau macht die „Nachricht“ richtig, wenn kein Stau da ist ist sie auch richtig – aber hilfreich ist das natürlich nicht.

*Update: Ich hatte Mond und Mars verwechselt und musste deswegen einen Abschnitt korrigieren. Frau Keidel-Joura hatte hier recht, der Mars war 2018 wirklich ähnlich nahe  der Erde wie 2013 (da gab es auch eine Hitzewelle), das ist aber ein astronomischer Fakt und hat mit Astrologie nichts zu tun.

 

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Werbung mit Spaßdoktortiteln: Dreist und lächerlich!

3 07 2017

Als ich vor einigen Tagen zufällig über eine Webseite stolperte, in der sich ein Heilpraktiker als „Dr. hom.“ bezeichnete zauberte mir das ein Grinsen ins Gesicht. Hatte es da vielleicht wirklich jemand gewagt, einen jener Spaßdoktortitel auf seiner Webseite zu verewigen, die vor einigen Jahren für ein wenig Furore sorgten? Damals gab es diese im Sonderangebot bei Groupon, und in der Folge kaufte sich so mancher einen solch lustigen Titel – der aber in mindestens zwei Fällen zu Hausdurchsuchungen (bei einer  Bloggerin und einem Zauberkünstler) führte. Die zuständige Staatsanwaltschaft kannte da kein Pardon und ermittelte wegen Titelmißbrauch, obwohl zumindest bei dem Zauberkünster der Titel (Dr. h.c. of Immortality) schon reichlich lächerlich war. Auch heute noch kann man diese Titel hier für 49,90 Euro erwerben und darf sich dann gemäß der Seite zur rechtlichen Situation mit einem Namenszusatz folgender Art schmücken:

Name Zuname
Doctor h.c. of metaphysiks, MLDC Institute (USA)
oder 
Doctor h.c. Name Vorname of metaphysiks, (MLDC/USA)

Neben „metaphysics“ gibt es ja ganz viele andere Titel, eben auch „homeopathy„, „dowsing„, „astral projection„, „immortality“ oder „divinity“ … … die man aber nicht irgendwie abkürzen darf (das wäre ja dann ganz eindeutig Titelmißbrauch) und die man wohl auch nicht werblich einsetzen darf. Ich hatte damals vermutet, dass bei einigen Titeln durchaus Verwechslungsgefahr mit einem echten Titel bestünde, aber in einem juristischen Forum wurde – meines Erachtens zurecht – auch vermutet:

Nur macht man sich mit so einen Titel mehr lächerlich als zu imponieren- das ist wohl aber sicherlich nicht im Sinne des Anbieters und des Bestellers ;)

Lächerlich ist es sicher, wenn die Lokalredaktion Dahme-Spreewald der Märkischen Allgemeinen in einem Artikel (schon in der Überschrift) stolz darüber berichtet, dass eine sozial engagierte Lehrerin „den Ehrendoktor verliehen vom Miami Life Development Church Institute (MLDC) in Florida, USA“ bekommen habe. Genauer nachrecherchiert hat die Redaktion ganz sicher nicht, aber ein nettes Geschenk für die Lehrerin war das allemal – sie sollte aber beim Tragen des Titels die notwendige Vorsicht walten lassen.

Ganz anders sieht das bei denjenigen aus, die den Titel tatsächlich ganz dreist auf ihrer Webseite oder sonstwo benutzen, und bei denen der für kleines Geld gekaufte Titel irgendwie zum eigenen Angebot passt, denn die machen sich nicht nur lächerlich, sondern gegebenenfalls auch strafbar. Folgende 7 Beispiele habe ich binnen einer Stunde gefunden:

  • Da ist der Leiter eines privaten Lehrinstitut für Erste Hilfe, der sich mit dem Titel  „Dr. h.c. of Alternative Health, MLDC Institute (USA)“ schmücken zu müssen glaubt. Der Grund dafür erschließt sich mir nicht, denn für richtige „Erste Hilfe“ qualifiziert Alternativmedizin ja eher weniger.
  • Unklar ist mir auch, warum ein an Kunst interessierter Augenoptikermeister meint, es sei gut für seine Galerie wenn er mit dem gleichen Titel – „Dr. h.c. of alter. health, MLDC Institute (USA)“ – hausieren geht – auf einer zweiten Seite mit hohem Schwurbelfaktor passt das dann schon besser …
  • In einer am 27.12.2016 abgelaufenen Werbung für ein „Institut Lichtblick“ aus Altena findet sich der Titel „Dr. h.c. of alter. therapy, MLDC Institute (USA)“ – ob der Mann das heute noch nutzt war aber nicht herauszufinden.
  • Auf dieser Webseite findet sich der gleiche Titel auch heute noch, und soll wohl das Angebot für Reiki und Matrix-Energetics unterstützen.
  • Nicht auf ihrer aktuellen Webseite, aber auf psychomeda listet eine Therapeutin aus Ingolstadt unter Qualifikation und Ausbildung doch tatsächlich den „Dr.h.c. of psychic sciences(MLDC)“ – ob sie nicht weiß/wusste, dass „psychic“ eben nicht „psychologisch“ bedeutet?
  • Bei diesem Fitnesstrainer ist der erworbene Titel durchaus passend, denn er hat sich den „Dr. h.c. of Motivation, MLDC Institute (USA)“ grkauft – und Motivation sollte ja eine Kernkompetenz jedes Fitnesstrainers ein.
  • Den Gipfel an Dreistigkeit liefert aber dieser zertifizierte Microsoft-Trainer: Er gibt sich tatsächlich als Dr. h. c. mult aus („Counseling„, „Motivation„, „Ministerial Education„) und stellt die drei erworbenen Urkunden (gab’s da etwa Mengenrabatt?) auf seiner Webseite zur Schau.

OK, es gibt also Menschen, die tatsächlich so dreist sind, ihren für ein paar Euro gekauften Spaßdoktortitel werbemäßig einzusetzen. Ob dies Titelmißbrauch ist oder nicht, das müssen andere entscheiden. Immerhin gehört der von mir zu anfangs genannte Dr. hom nicht zu diesen Leuten, denn sein nur auf seiner Webseite und bei jameda benutzte Titel ist definitiv nicht für ein paar Euro gekauft, sondern tatsächlich an einer Universität erworben. Der Mann stammt aus Südafrika und hatte an der Durban University of Technology den Titel eines MD hom (Medical Doctor of homeopathy) erworben. Daraus dann in Deutschland einen Dr. hom. zu machen ist ja nicht allzu weit hergeholt – dass er seinen Titel hier so nicht führen darf, dürfte ihm aber bekannt sein. Wie dieser Bericht anläßlich seiner ersten Teilnahme an einer Wahl in Deutschland schließen lässt, waren die Versuche seinen Titel auch hierzulande anerkennen zu lassen erfolglos. Und das ist natürlich auch gut so, denn wenn ein Doktortiel der Ausweis für eine wissenschaftliche Arbeit sein soll, wäre ein „Dr. hom“ ein Widerspruch in sich.





Buchholz bleibt! – auf Youtube (mit englischen Untertiteln)

16 04 2017

Das kleine Filmchen „Buchholz bleibt“, die Abschlußarbeit einiger Studenten von der Hochschule für Gestaltung, Offenbach aus dem Jahr 1990, hatte ich schon im Jahr 2009 ausdrücklich gelobt. Völlig unbemerkt von mir hat der Kameramann das Ganze bereits vor einigen Jahren nach Youtube gestellt und sogar mit englischen Untertiteln versehen.

Für das knapp 15 Minuten lange Portrait eines Mannes, der mit absurden Messungen nachzuweisen glaubt, dass die Gravitation immer schwächer wird – und deshalb folgerichtig Bäume an den Boden kettet, benötigt man nur eine ganz kleine Tüte Popcorn:





RP-Online checkt eine Hellseherin und macht sich lächerlich

9 03 2017

Die Überschrift im Leverkusener Lokalteil der Rheinischen Post klingt sensationell:

Vorhersage für das Jahr 2016: Leverkusener Wahrsagerin lag bei vielen Fakten richtig

Tatsächlich? Schauen wir doch einfach mal nach, wie „richtig“ die Dame wirklich lag – und wie lächerlich der Lokalredakteur hier „Fakten“ geprüft hat. Fangen wir mit dem ersten von 4 Themen an, zu dem sich die Dame geäiußert hatte, es ging um den im Oktober 2015 neu gewählten Bürgermeister von Leverkusen Uwe Richrath, und das hatte die Hellseherin gesagt (nachdem sie natürlich keine Ahnung über seinen vorherigen Beruf hatte):

„Herr Richrath ist ein netter Mensch. Das sage ich, obwohl ich ihn überhaupt nicht kenne. Er hat zwei oder drei echte Feinde, die ihm übel mitspielen wollen. Aber er ist durchaus in der Lage, sich durchzusetzen. Und ich sehe, dass er ein Mensch ist, der andere führen und begeistern kann. Glauben Sie mir, der wird seinen Weg machen.“ Privat sieht die Hellseherin für Richrath auch größere Veränderungen für kommendes Jahr: „Ein Umzug, eine Renovierung – genauer kann ich es leider nicht sagen.“ Da müsse sie ihn treffen.

Reinstes Blabla also, denn einem neu gewählten Bürgermeister ein paar Feinde anzudichten (wie wäre es mit den Verlierern der Wahl?) und ihm zu attestieren, dass er wohl irgendwie begeistern kann (warum wurde er sonst gewählt?) ist in etwa so schwierig wie wenn die Hellseherin der ehrenamtlichen Leitung eines Tierheims Tierliebe nachgesagt hätte und sich dafür feiern lassen wollte. Trotzdem gibt es jetzt zumindest ein wenig Lob für die Hellseherin:

Die Umzugsabsichten verwies der Stadtchef gestern ins Reich der Träume. Auch echte Feinde hat er bisher nicht ausgemacht: „Ob ich nett bin, müssen andere beurteilen“, betont er. Wer in der Stadtverwaltung nachfragt, bekommt allerdings durchweg positive Einschätzungen über die Freundlichkeit Richraths, viele bescheinigen ihm auch gute Menschenführung. Trefferquote: 50 %

Nein, denn alle konkreten Prognosen (Umzug und/oder Renovierung) waren falsch, also 0%!

Weiter zum zweiten Thema: Hochwasser! Die Frage lautete „Wann gibt es das nächste Rhein-Hochwasser im Stadtgebiet?, und die Antwort war folgende:

„Legen Sie mich nicht auf den Monat genau fest, aber innerhalb der kommenden fünf Monate wird es ein Hochwasser in Leverkusen geben, das kann ich klar sehen.“

Nun ja, als Rheinanwohner kenne ich Hochwasser natürlich recht gut, und es gibt fast in jedem Jahr Sperrungen der ufernahen Radwege wegen Hochwasser. Die Prognose war also ein fast sicherer Treffer, der jedoch nicht beeindrucken kann. Warum der selbst  ernannte Faktenchecker der RP allerdings folgendes schreibt ist wirklich nicht zu erklären:

Ende Mai wurde der Rheinradweg zwischen Wiesdorf und Rheindorf wegen Hochwassers gesperrt. Die Schiffsbrücke an der Wupper ebenso. Die Techischen Betriebe Leverkusen (TBL) standen bereit, Hochwassertore und die mobile Schutzwand in Hitdorf aufzubauen. Ein Frachtschiff fuhr sich in Höhe des Krancafés am Hitdorfer Hafen fest, der Kapitän hatte wegen des Hochwassers ein Hindernis übersehen. Trefferquote: 100 %

OK, es gab – wie fast in jedem Jahr – Hochwasser, aber das festgefahrene Frachtschiff ist kein Beleg für irgendetwas, sondern reines Gefasel, das nichts mit der Prognose zu tun hat. Da die Dame mit ihrer Fünfonatsprognose knapp richtig lag darf man ihr hier den Treffer nicht verweigern, aber die Prognose war doch sehr schwachbrüstig: Ich würde vorab von einer Hellseherin dann schon erwarten, dass sie den Zeitraum etwas genauer eingrenzt und auch die Höhe der Hochwasserwelle nennen kann – falls nicht verweise ich jetzt schon mal auf meine weiter unten folgenden Sensationsprognosen (… die die RP gerne überprüfen darf).

Das dritte Thema – die Autobahnbrücke in Leverkusen – wird im „Faktencheck“ nicht erwähnt (war eh nur Blabla), dann also gleich zu Nummer vier der Prognosen von Hellseherin Rosalia – jetzt geht es um das Thema Flüchtlinge, im Detail um folgende Frage: “ Wie wird sich die Situation rund um den Flüchtlingszustrom nach Leverkusen im kommenden Jahr entwickeln?“  Und das war die Antwort der Hellseherin:

„Ich sehe, dass sich die Haltung in der Bevölkerung der Stadt grundlegend ändern wird. Das hat allerdings nichts mit mangelnder Hilfsbereitschaft zu tun, sondern vor allem mit der Tatsache, dass das Geld im kommenden Jahr deutlich knapper werden wird. Und wo es nicht mehr so viel zu verteilen gibt, werden die Angst und auch der Ärger entsprechend zunehmen.“

Es ging also ums Geld, und ansonsten um nichts! Wie der vermeintliche Lokalredakteur der Rheinischen Post daraus einen Treffer macht ist schon sensationell:

Vorhersage Flüchtlingszustrom

 „Ich sehe, dass sich die Haltung in der Bevölkerung grundlegend ändern wird“, sagte Madame Rosalia. Angst und auch der Ärger würden entsprechend zunehmen.

Ergebnis: Tags darauf bestätigten die Kölner Silvesterkrawalle und ihre Auswirkungen die Wahrsagerin auf die denkbar unangenehmste Weise. Gleichwohl wird in Leverkusen weiterhin engagierte Flüchtlings-Arbeit geleistet.

Trefferquote: 80 %

Nö! Trefferquote 0%! Über die Silvesterkrawalle hatte die Hellseherin genau was gesagt? Gar nichts! Dass es in der Frage und der Antwort um Leverkusen ging, auch darüber im aktuellen Artikel kein einziges Wörtchen! Für diese Meisterleistung des Lokaljournalismus habe ich eben gerade die Kategorie „Fakenews“ für diesen Blog eingeführt …

Und ja, ich bin bereit gegen diese Hellseherin anzutreten und habe extra für Leverkusen folgende Prognosen aus den Fingern gesaugt erwürfelt nach intensivem Telepadingsbums-Kontakt zu meinem Guru (er weiß wer gemeint ist) hellgesehen:

  • gegen Abend eines jeden der nächsten 365 Tage wird mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen sein!
  • in den nächsten 5 Monaten wird es mindestens drei Tage geben, an denen in Leverkusen (!!!) Wasser vom Himmel fällt!
  • der Bürgermeister von Leverkusen wird in den nächsten 10 Wochen von der Lokalzeitung zu einem Thema wörtlich zitiert werden!
  • am Autobahnkreuz Leverkusen wird es binnen der nächsten 12 Monate mindestens 3 Staus und mindestens 17 Mal „stockender Verkehr“ geben!

Ja ja, ich weiß, ich werde zu 100% richtig liegen! Jetzt erwarte ich von der Rheinischen Pest Post aber spätestens im Mai 2018 auch eine entsprechende Lobhudelei!





Skeptikerkritik am ZDF sorgt für Chefastrologen-Mimimi

30 01 2017

Klemens Ludwig ist aktuell der Vorsitzende des DAV, des Deutschen Astrologen Verbands, und er war in den Wochen um den Jahreswechsel ziemlich aktiv. Unter anderem hatte er auch heute.de ein Interview gegeben (auch dem hessischen Rundfunk, verschiedenen Zeitungen und schon 2015 der FAZ), und der GWUP-Blog hatte ebenso wie der hpd auf dieses Interview mit deutlicher Kritik am ZDF reagiert. Soweit so gut – das alljährliche Spielchen, obwohl man sich selbstverständlich schon fragen darf warum heute.de, als Teil unserer öffentlich-rechtlicher Medien mit Bildungsauftrag, dem Herren ein solches, vollkommen unkritisches Interview schenken muss. Seine Reaktion ist ein großes Mimimi bei Huffingtonpost.de.

Ein Dorn im Auge ist ihm schon der alljährliche Prognoserückblick und sein Argument ist amüsant:

Dass dabei vor allem die Prognosen herangezogen werden, die in das Weltbild der Skeptiker passen, liegt auf der Hand.

Als Autor der jährlichen Prognoserückschau muss ich dem Mann vehement widersprechen, denn ich nehme jede auf esoterischem Gedankengut fußende Prognose die ich finden kann in die Auswahl auf. Dass viele davon von Astrologen gemacht werden, dafür kann ich aber nichts.  Warum kritisiert Herr Ludwig nicht diese Astrologen? Die sind es doch, die mit ihren Prognosen das Bild der Sterndeutung in der Öffentlichkeit prägen! Wenn kein Astrologe solche Prognosen machen würde, dann könnte man wegen der Prognosen auch keine kritisieren. Ist doch ganz einfach …

Nach ein wenig herumnörgeln am hpd (weil dieser die dauerlachende Binsenweisheitenschleuder namens Dalai Lama recht kritisch sieht) zeigt Ludwig erstaunliche Wissenslücken bei seinem eigenen Fachgebiet.

Zu den ominösen „unterschiedlichen empirischen Studien“ fällt mir nur das Winston Churchill zugeschriebene Zitat ein: „Ich glaube nur Statistiken, die ich selbst gefälscht habe“. Ich komme später noch einmal darauf zurück.

Aha, die Studien zu seinem ureigenen Fachgebiet kennt er also gar nicht? Oder interessiert er sich einfach nicht dafür? Und dann noch den falschen Churchill-Spruch … Argumente lesen sich anders. Mal sehen ob er nochmal darauf zurückkommt. Zuerst aber wirft er den Skeptikern Intoleranz vor und beruft sich dabei auf einen Kommentator bei heute.de. Weder weiß Herr Ludwig wer da kommentiert hat, noch ob diese Person irgendetwas mit der GWUP oder dem hpd zu tun hat – aber diese Kritik am Umgang mit den Fernsehgebühren (auch wenn der Artikel „nur“ online war, der Journalist wurde vom ZDF bezahlt) zeigt natürlich ganz genau … … dass Herr Ludwig es beim Thema Dünnhäutigkeit mit dem aktuellen amerikanischen Präsidenten aufnehmen könnte.

Es folgt eines der liebsten Argumente aller Astrologen:

Was die Astrologie-Kritiker angeht, so bin ich fest davon überzeugt, dass nur eine verschwindend geringe Minderheit unter ihnen sich jemals auf ein persönliches Horoskop eingelassen hat. Das ist das gewichtigste Argument für die Astrologie, die seriöse Astrologie.

Tja hier liegt Herr Ludwig bei mir (und einigen anderen GWUP-Kollegen) vollkommen falsch. Ich zum Beispiel habe etwa zwei Dutzend Horoskope zu meiner echten Geburtszeit gelesen, davor oder danach mit einigen der erstellenden Astrologen gesprochen und mein Fazit ist ein ganz anderes: Genau das, was die Studien eben auch zeigen. Und natürlich darf ich das verbreiten, mache ich ja auch – genau so wie Herr Ludwig für die Astrologie Werbung machen darf, ist es mein Recht darauf hinweisen, was die Wissenschaft über astrologische Behauptungen so herausgefunden hat: Bringt Nix! Bestenfalls unterhaltsam!

Aber natürlich hat Herr Ludwig seine eigenen Beweise:

Insofern beweist sich Astrologie im praktischen Alltag, und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung zahllose Menschen nennen, die durch eine astrologische Beratung Orientierung und Perspektive erhalten haben. Das ist der Beweis für die Astrologie, keine fragwürdigen Untersuchungen oder Statistiken.

Nein, das ist kein Beweis für die Astrologie! Das ist vielleicht ein Hinweis darauf, dass Herr Ludwig ein netter, freundlicher und empathischer Mensch ist, als Beleg für die Astrologie (welche eigentlich? Es gibt ja so viele verschiedene „Schulen“ …) taugt das nichts. Aber immerhin schreibt er auch noch folgendes:

Ich kann keinen Skeptiker ernst nehmen, der sich nicht auf die individuelle Deutung seines eigenen Horoskops eingelassen hat. Nur über den Weg kann Sinn und Unsinn der Astrologie erfasst werden.

Dann muss er mich ja jetzt richtig ernst nehmen …

Und dabei stehen die Astrologen ausgesprochen gut da.

Nein, tun sie nicht. Wie stand es so schön zum Jahreswechsel im Spiegel?

Eine historische Studie, 1985 in „Nature“ publiziert, hat zweifelsfrei und unter aktiver Mitwirkung von Astrologen gezeigt, dass Astrologen – entgegen ihren eigenen Vorhersagen – anhand des Geburtsdatums keinerlei über den Zufall hinausgehende valide Aussagen über die Persönlichkeit einer Testperson machen können. Obwohl der Autor Shawn Carlson alle Wünsche von Astrologen hinsichtlich des Studiendesigns und der Auswertung umgesetzt hatte. Natürlich gibt es trotzdem Astrologen, die die Resultate bis heute anzweifeln.

Umgekehrt sind Testpersonen nicht in der Lage, aus einer Reihe von astrologischen Persönlichkeitsprofilen das für sie erstellte herauszufinden. Besonders anschaulich zeigte das der französische Psychologe und Astrologe Michel Gauquelin in den späten Sechzigerjahren: Er schickte an 150 Versuchspersonen ein angeblich persönliches Horoskop und fragte sie, wie sehr der Text auf sie persönlich zutreffe. Über 90 Prozent fanden sich darin wieder. Tatsächlich handelte es sich bei dem Text um ein echtes, von einem Astrologen erstelltes Horoskop – aber das zum Geburtsdatum des französischen Serienmörders Marcel Petiot.

Herr Ludwig kann natürlich jederzeit einen Vorschlag machen, wie man seine Behauptung testen kann …

Und übrigens: Wie ein ernsthafter Dialog zwischen Astrologen und Skeptikern (darunter ehemalige Astrologen) aussieht könnte er hier (über 80 Seiten lang) nachlesen.

 





Der Hahn der Zeit -Prognosen für 2017 aus der chinesichen „Astrologie“

29 01 2017

Aktuell feiern die Chinesen ihr Neujahrsfest und da dürfen Prognosen gemäß chinesischer „Astrologie“ nicht fehlen. Das Wort Astrologie steht hier deshalb in Gänsefüßchen, weil die chinesische „Astrologie“ mit den Sterndeutung (das ist ja die Bedeutung von Astrologie) so gar nichts zu tun hat, weil es hier gar nicht um Sterne geht. Wer Genaueres wissen will soll sich an Tante Wikipedia wenden …

Aber die ein oder andere Prognose gibt es natürlich trotzdem, und da jetzt wiealle 12 Jahre, das Jahr des Hahns beginnt kann man dessen vermeintliche Eigenschaften auch dem folgenden Jahr zuschreiben. Die chinesische „Astrologie“ hat nicht nur 12 Tiere zu bieten, die sich in einer festen Reihenfolge abwechseln, sondern auch noch fünf „Elemente“ (Holz, Feuer,Erde, Metall, Wasser), die sich ebenfalls in fester Reihenfolge abwechseln und in jedem zweiten Jahr wechseln. Jetzt ist – wie im letzten Jahr auch – Feuer dran, wir haben also das Jahr des Feuerhahns.

In diesem Artikel (auf handelsblatt.com) werden dem Hahn folgende Eigenschaften zugeschrieben:

In China steht der Hahn für Einfallsreichtum und Talent, allerdings auch für Hochmut und Arroganz.

Und was bedeutet das jetzt für das kommende Jahr? Fragen wir einfach den Wahrsager He Mingliang, denn der will es ja jetzt schon wissen:

  • Europa rutscht in die Rezession
  • Die Lage der EU-Staaten werde sich deutlich verschlimmern.
  • Konflikten zwischen China und Japan
  • Konflikte zwischen Nord- und Südkorea
  • US-Präsidenten Donald Trump nicht  für aufziehende Konflikte verantwortlich
  • USA wird der ökonomische Wachstumsmotor

Ein wenig anders sieht es sein Kollege Raymond Lo aus Hongkong. Keine Konflikte, keine Rezession – der Feuerhahn soll die Wirtschaft weltweit nach oben treiben. Besonders die folgenden Branchen sieht Lo im Aufwind:

  • Energiesektor
  • Unterhaltungsindustrie
  • Finanzwesen
  • Transportwesen
  • Schifffahrtswesen
  • Kommunikationsindustrie.

Bei Herrn He kann man das mit der Rezession in Europa und die USA als Wachstumsmotor überprüfen, für Konflikte zwischen den genannten Ländern wird man in jedem Jahr irgendwelche Belege finden können. Lo sagt 6 Branchen Wachstum voraus, wie man das aber genau verifizieren soll, das wird leider nicht genannt. Warten wir einfach ab, was der Feuerhahn uns denn so bringt.

(Die Herren He und Lo sind Nummer 12 und 13 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Weltuntergang nächsten Freitag und ein positives Ereignis am 3. Oktober

25 07 2016

Nachdem der letzte, doch tatsächlich aus dem Maya-Kalender herausfantasierte Weltuntergang Anfang Juni erwartungsgemäß nicht stattgefunden hat und auch die vielen Katastrophen des Herrn Salazar ausgeblieben sind gibt es nun wieder einmal eine Prognose für den kommenden Freitag. Florian Freistetter hat den vermeintlich aus der Bibel herausgelesenen Schwachsinn bereits entsprechend gewürdigt, und auch bei news.de scheint man das glücklicherweise nicht allzu ernst zu nehmen:

Ein gigantisches Erdbeben soll am 29. Juli die Menschheit dahinraffen. Zudem soll Jesus auf einem weißen Pferd zurückkehren.

Herrlich! Man kann sich das so richtig schön bildlich vorstellen, wenn über das die Menschheit dahinraffende Erdbeben irgendein Typ auf einem weißen Pferd daherreitet … … aber natürlich gilt auch hier:

Beweisen können die Fanatiker ihre Theorie jedoch nicht.

Natürlich nicht, es ist ja auch keine „Theorie“ sondern nicht mehr als ein absurdes und lächerliches Hirngespinst.

Die seltsamste Reaktion kam von einer Seite, auf der ansonsten – außer ein paar schönen astronomischen Bildern – eine absolut sensationelle Schwurbeldichte herrscht. Den Weltuntergang Ende Juli kontert der Autor mit folgendem:

Extrem bedeutendes, positives Ereignis am 2./3.10.2016!

Berechnet wird das mit allerlei Zahlengeschwurbel, das an Lächerlichkeit kaum zu überbieten ist. Beispiel gefällig? Also gut: Man nehme drei Zahlenangaben (in Tagen) aus der Bibel, addiere diese und erhält 3885 Tage. 3885, das sind 5 x 777 – also deutet die Bibel doch ganz sicher auf das Jahr 5777 hin (… und wo sind jetzt die Tage hin?), und am 2./3. Oktober ist doch das jüdische Neujahrsfest und gemäß diesem Kalender beginnt dann das Jahr 5777 … … und das soll dann der Beginn eines Jubeljahres sein. Genaueres wird dem Leser allerdings vorenthalten.

Immerhin, nach aktueller Planung wird der 3. Oktober dieses Jahres ein besonderer Tag für mich und meine liebste Frau sein: wir haben nämlich für diese Woche Urlaub geplant und werden auf einer noch näher zu definierenden Insel irgendwo im Süden verweilen …








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