Werbung mit Spaßdoktortiteln: Dreist und lächerlich!

3 07 2017

Als ich vor einigen Tagen zufällig über eine Webseite stolperte, in der sich ein Heilpraktiker als „Dr. hom.“ bezeichnete zauberte mir das ein Grinsen ins Gesicht. Hatte es da vielleicht wirklich jemand gewagt, einen jener Spaßdoktortitel auf seiner Webseite zu verewigen, die vor einigen Jahren für ein wenig Furore sorgten? Damals gab es diese im Sonderangebot bei Groupon, und in der Folge kaufte sich so mancher einen solch lustigen Titel – der aber in mindestens zwei Fällen zu Hausdurchsuchungen (bei einer  Bloggerin und einem Zauberkünstler) führte. Die zuständige Staatsanwaltschaft kannte da kein Pardon und ermittelte wegen Titelmißbrauch, obwohl zumindest bei dem Zauberkünster der Titel (Dr. h.c. of Immortality) schon reichlich lächerlich war. Auch heute noch kann man diese Titel hier für 49,90 Euro erwerben und darf sich dann gemäß der Seite zur rechtlichen Situation mit einem Namenszusatz folgender Art schmücken:

Name Zuname
Doctor h.c. of metaphysiks, MLDC Institute (USA)
oder 
Doctor h.c. Name Vorname of metaphysiks, (MLDC/USA)

Neben „metaphysics“ gibt es ja ganz viele andere Titel, eben auch „homeopathy„, „dowsing„, „astral projection„, „immortality“ oder „divinity“ … … die man aber nicht irgendwie abkürzen darf (das wäre ja dann ganz eindeutig Titelmißbrauch) und die man wohl auch nicht werblich einsetzen darf. Ich hatte damals vermutet, dass bei einigen Titeln durchaus Verwechslungsgefahr mit einem echten Titel bestünde, aber in einem juristischen Forum wurde – meines Erachtens zurecht – auch vermutet:

Nur macht man sich mit so einen Titel mehr lächerlich als zu imponieren- das ist wohl aber sicherlich nicht im Sinne des Anbieters und des Bestellers ;)

Lächerlich ist es sicher, wenn die Lokalredaktion Dahme-Spreewald der Märkischen Allgemeinen in einem Artikel (schon in der Überschrift) stolz darüber berichtet, dass eine sozial engagierte Lehrerin „den Ehrendoktor verliehen vom Miami Life Development Church Institute (MLDC) in Florida, USA“ bekommen habe. Genauer nachrecherchiert hat die Redaktion ganz sicher nicht, aber ein nettes Geschenk für die Lehrerin war das allemal – sie sollte aber beim Tragen des Titels die notwendige Vorsicht walten lassen.

Ganz anders sieht das bei denjenigen aus, die den Titel tatsächlich ganz dreist auf ihrer Webseite oder sonstwo benutzen, und bei denen der für kleines Geld gekaufte Titel irgendwie zum eigenen Angebot passt, denn die machen sich nicht nur lächerlich, sondern gegebenenfalls auch strafbar. Folgende 7 Beispiele habe ich binnen einer Stunde gefunden:

  • Da ist der Leiter eines privaten Lehrinstitut für Erste Hilfe, der sich mit dem Titel  „Dr. h.c. of Alternative Health, MLDC Institute (USA)“ schmücken zu müssen glaubt. Der Grund dafür erschließt sich mir nicht, denn für richtige „Erste Hilfe“ qualifiziert Alternativmedizin ja eher weniger.
  • Unklar ist mir auch, warum ein an Kunst interessierter Augenoptikermeister meint, es sei gut für seine Galerie wenn er mit dem gleichen Titel – „Dr. h.c. of alter. health, MLDC Institute (USA)“ – hausieren geht – auf einer zweiten Seite mit hohem Schwurbelfaktor passt das dann schon besser …
  • In einer am 27.12.2016 abgelaufenen Werbung für ein „Institut Lichtblick“ aus Altena findet sich der Titel „Dr. h.c. of alter. therapy, MLDC Institute (USA)“ – ob der Mann das heute noch nutzt war aber nicht herauszufinden.
  • Auf dieser Webseite findet sich der gleiche Titel auch heute noch, und soll wohl das Angebot für Reiki und Matrix-Energetics unterstützen.
  • Nicht auf ihrer aktuellen Webseite, aber auf psychomeda listet eine Therapeutin aus Ingolstadt unter Qualifikation und Ausbildung doch tatsächlich den „Dr.h.c. of psychic sciences(MLDC)“ – ob sie nicht weiß/wusste, dass „psychic“ eben nicht „psychologisch“ bedeutet?
  • Bei diesem Fitnesstrainer ist der erworbene Titel durchaus passend, denn er hat sich den „Dr. h.c. of Motivation, MLDC Institute (USA)“ grkauft – und Motivation sollte ja eine Kernkompetenz jedes Fitnesstrainers ein.
  • Den Gipfel an Dreistigkeit liefert aber dieser zertifizierte Microsoft-Trainer: Er gibt sich tatsächlich als Dr. h. c. mult aus („Counseling„, „Motivation„, „Ministerial Education„) und stellt die drei erworbenen Urkunden (gab’s da etwa Mengenrabatt?) auf seiner Webseite zur Schau.

OK, es gibt also Menschen, die tatsächlich so dreist sind, ihren für ein paar Euro gekauften Spaßdoktortitel werbemäßig einzusetzen. Ob dies Titelmißbrauch ist oder nicht, das müssen andere entscheiden. Immerhin gehört der von mir zu anfangs genannte Dr. hom nicht zu diesen Leuten, denn sein nur auf seiner Webseite und bei jameda benutzte Titel ist definitiv nicht für ein paar Euro gekauft, sondern tatsächlich an einer Universität erworben. Der Mann stammt aus Südafrika und hatte an der Durban University of Technology den Titel eines MD hom (Medical Doctor of homeopathy) erworben. Daraus dann in Deutschland einen Dr. hom. zu machen ist ja nicht allzu weit hergeholt – dass er seinen Titel hier so nicht führen darf, dürfte ihm aber bekannt sein. Wie dieser Bericht anläßlich seiner ersten Teilnahme an einer Wahl in Deutschland schließen lässt, waren die Versuche seinen Titel auch hierzulande anerkennen zu lassen erfolglos. Und das ist natürlich auch gut so, denn wenn ein Doktortiel der Ausweis für eine wissenschaftliche Arbeit sein soll, wäre ein „Dr. hom“ ein Widerspruch in sich.

Advertisements




Homöopathiewerbung bei T-Online – jetzt noch schamloser!

22 06 2016

Mitte Mai hatte ich mich zu der Ratgeber-Sektion zum Thema Homöopathie im Internetportal von T-Online geäußert, und diese – wegen der mangelnden Hinweise darauf, dass es sich um eine Anzeige handele – als schamlos bezeichnet. Gestern habe ich dort mal wieder nachgesehen und war durchaus überrascht, aber nicht im positiven Sinne. Die Seite gibt es immer noch, absolut wortgleich, aber jetzt ist das Ganze (plötzlich?) keine Anzeige mehr (ganz oben in der Menuzeile erschien früher das – viel zu kleine – Wort „Anzeige“), zumindest gibt es nun keinerlei Hinweis mehr darauf, dass es sich bei diesem Artikel (und anderen) um Werbung handelt. Das ist schon ein wenig eigenartig – man stelle sich vor, das selbe Portal würde plötzlich die Werbung für Mc Donalds, Coca Cola oder VW als redaktionellen Ratgeberinhalt veröffentlichen und als Ratgeber gegen Hunger, Durst oder Umweltverschmutzung bezeichnen … … nein, darauf würde natürlich niemand kommen. Bei der Homöopathie scheint das allerdings anders auszusehen …

Ich habe das dort mal entsprechend kommentiert und bin auf eine Antwort gespannt.





Wenn sich schamlose Werbung als Ratgeber tarnt: Desinformation über Homöopathie bei T-Online

13 05 2016

Bei T-Online gibt es in der Internetpräsenz eine ziemlich große Ratgeber-Sektion, in der man sich über alle nur erdenklichen Themen informieren kann:

tonl01

Ganz rechts gibt es noch die Überschrift „Specials“ – und deren Inhalt ist wirklich, nun ja, speziell! Hier werden nämlich keine von wem auch immer geschriebenen Ratgeber-Artikel angeboten, sondert es handelt sich – im Dropdown eindeutig zu sehen …

tonl2

… um Anzeigen, also reine Werbung. Auf den Unterseiten sieht man dann allerdings nur ganz oben und ganz klein, dass man sich in der Werbeecke befindet (gelb markiert):

tonl03

Übersieht man das sieht es also so aus, als handele es sich z.B. bei den Artikeln zu den Themen Homöopathie und Schüßler-Salze um ganz normale Ratgeber-Artikel mit redaktionellem Inhalt und eben nicht um „Anzeigen“. Manchen mag das bekannt vorkommen, und tatsächlich, Gleiches war und ist bei den „NetMoms“ zu beobachten. Es ist noch gar nicht lange her, da hat die fundierte Kritik an äußerst fragwürdigen „Tipps“ in einem NetMoms-Artikel über den Einsatz von Homöopathie bei Kleinkindern dazu geführt, dass dieser Text in Teilen geändert und dann zumindest ein wenig eindeutiger als Werbung gekennzeichnet wurde. So ziert heute jede Seite zur Homöopathie bei den NetMoms folgendes Logo eines bekannten Herstellers von Homöopathika:

tonl04

Wer bei T-Online diese Anzeigen aufgegeben hat, darüber wird nicht aufgeklärt, aber komischerweise wird jeder Artikel zu Homöopathie von Werbung der DHU umrankt. Ich habe mir einen dieser Artikel, es geht um eine homöopathische Hausapotheke, Satz für Satz angeschaut und meine Kommentare und Fragen in rot dazu gestellt … …

Globuli: Die sanfte Medizin

Als unbedarfter Leser ohne Fachkenntnis erwarte ich jetzt natürlich echte Informationen zum Thema, denn ich bin ja in der Ratgeber-Sektion von T-Online …

Diese homöopathischen Mittel sollten Sie im Haus haben

Husten, Schnupfen, leichte Verletzungen oder eine Prellung: Manchmal lohnt es sich, alternative Heilmittel im Haus zu haben.

Na ja, zumindest für die Hersteller lohnt sich das immer …

Eine homöopathische Hausapotheke im Sammeletui enthält viele nützliche Mittel.

Aus Kundensicht wäre das Wort „nützlich“ meines Erachtens irgendwie zu belegen, den Nutzen für die Hersteller bestreitet niemand (und wir haben es ja hier mit einer Anzeige zu tun).

Wir erklären, welche Präparate sich für welchen Zweck eignen und unterstützend zu einer klassischen Behandlung eingesetzt werden können.

Ein hehres Versprechen, dessen Einlösung gleich überprüft wird. Aber was ist eigentlich eine „klassische Behandlung“?

Natürlich ist die Wirksamkeit bei allen Mitteln höchst umstritten und in keinster Weise wissenschaftlich belegt.

Was ist daran natürlich, wenn die Wirksamkeit „bei allen Mitteln“ umstritten und nicht belegt ist? Wenn ganz oben von Medizin bzw. „sanfter Medizin“ die Rede ist, und wenn versprochen wird dass der Einsatz bestimmter Präparate erklärt wird, dann ist dieser Satz sehr seltsam! Immerhin wird zugegeben, dass die Wirksamkeit der in der Folge vorgestellten homöopathischen (das Wort wurde leider vergessen) Mittel in keinster Weise wissenschaftlich belegt ist.

Ähnliches mit Ähnlichem heilen – auf diesen Grundsatz setzt Homöopathie, die auf den deutschen Apotheker und Arzt Samuel Hahnemann zurückgeht.

Ja, Hahnemann hat das behauptet. Blöd nur, dass der Hahnemannsche Grundsatz in dieser Form auf einem Denkfehler beruht.

Sollten Sie auf homöopathische Mittel setzen wollen, dann gehören einige Präparate am besten in Ihr Hausapotheken-Etui. Das kleine Täschchen passt auch praktisch in die Handtasche und hat die kleinen Helfer so auch unterwegs oder auf Reisen parat.

Schon hier wird also empfohlen für die eigene Hausapotheke Mittel zu erwerben, deren Wirksamkeit „in keinster Weise wissenschaftlich belegt ist“.

Homöopathische Mittel für leichte Verletzungen

Ob Sportverletzung oder Haushaltsunfall – als ein Mittel der Wahl für Zerrungen oder Prellungen gilt Heilpraktikern zufolge Arnica, das es wie alle homöopathischen Mittel in unterschiedlichen Dosierungen gibt.

Das stimmt, Heilpraktiker behaupten das gerne!

Auch beim gewöhnlichen Muskelkater entlastet Arnica die geplagten Muskelstränge.

In welcher Dosierung, bitte? Die Arnica-Pflanze selbst hat übrigens eine ganze Reihe von Wirkungen und wird tatsächlich medizinisch genutzt (Zitat Wikipedia: „… zur äußeren Anwendung bei Verletzungen und bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden„), ist aber wegen diverser Nebenwirkungen nicht für innere Anwendungen zugelassen. Als Globuli darf man sie natürlich schlucken, aber blöderweise konnten wissenschaftliche Studien keinen Nutzeffekt homöopathischer Arnikapräparate feststellen. Dieser Satz ist also eine dreiste Lüge!

Als weiteres Notfallmittel sind Rescuetropfen aus Bachblüten bekannt. Sie sollen das seelische Gleichgewicht nach kleineren Unfällen, Verletzungen, Schreckerlebnissen, oder Aufregungen wieder herstellen.

Das hat aber jetzt mit Homöopathie genau so viel zu tun wie Erdnussbutter mit der Erdrotation. Die – bis auf den Alkohol, ein Schnäpschen kann ja tatsächlich ein wenig die Aufregung lindern – völlig wirkungslosen Rescuetropfen gehören nicht zu den Homöopathika und haben in diesem Artikel nichts verloren. Es sei denn der Hersteller möchte hier werben – und siehe da, auf der NetMoms-Seite zur homöopathischen Hausapotheke sind die Tröpfchen auch zu finden (präsentiert von DHU, s.o.)…

Erkältung oder Halsschmerzen – das kann helfen

Belladonna – das Mittel aus Tollkirsche – kann bei Entzündungen und Fieber eingesetzt werden.

Klar kann es da eingesetzt werden, aber was bringt es? Welche Studien zeigen eine positive Wirkung? Und übrigens: Belladonna ist bekanntlich unverdünnt höchst giftig. Dass in dem Text keinerlei Hinweise auf die notwendige Verdünnung (auch wenn‘s die Homöopathen werbewirksam Potenzierung nennen) angegeben ist, finde ich schon recht merkwürdig. 

Bei Verkühlung, Blasenbeschwerden, bei Übelkeit aufgrund zu fettem Essen oder Verdauungsbeschwerden können Sie es mit Pulsatilla versuchen. Die Arznei aus Küchenschelle lindert die Beschwerden.

Hier fehlt wie oben der Hinweis, dass man natürlich nur homöopathisches Pulsatilla einnehmen sollte, denn einer der Inhaltsstoffe der Pflanzen hat doch recht unangenehme Nebenwirkungen (Erbrechen, Durchfall und Schwindelanfälle …), wenn jemand auf die Idee kommen sollte sich an der Pflanze selbst zu bedienen. Und wo sind die Belege dafür, dass diese „Arznei“ die beschriebenen Beschwerden lindert?

Bei plötzlich auftretenden Erkältungs- oder Grippesymptomen, Halsschmerzen, Heiserkeit, trockenem Husten kann Aconitum Linderung verschaffen.

… und schon wieder fehlt der Hinweis auf die einzunehmende Verdünnung – „roh“ verzehrt kann der Eisenhut (eine der giftigsten Pflanzen Europas) dafür sorgen, dass man in Zukunft definitiv keine Hausapotheke mehr braucht. 

Hilfe bei Insektenstichen, Blasen und Verbrennungen

Lästige Mückenstiche jucken angeblich weniger, wenn Ledum (Sumpfporst) eingesetzt wird.

Ja, angeblich! Ansonsten soll auch hier erwähnt werden, dass die Pflanze selbst diverse eher negative Wirkungen hat: Mögliche Vergiftungserscheinungen sind Erbrechen, Magen- und Darmentzündungen mit Durchfall, Schädigungen der Nieren und Harnwege, Schlafdrang, Schweißausbrüche, Muskelschmerzen und Aborte.

Nach Bienenstichen kann Apis (ganze Biene) die Begleiterscheinungen wie Juckreiz und Entzündungen lindern. Das gilt auch für Wespen- und Hornissenstiche.

Immerhin steht da, dass das Homöopathikum aus einer ganzen (zermatschten) Bine hergestellt wird. Aber Vorsicht! Bei Bienengift-Allergikern kann die Gabe von Apis in niedriger Potenz brandgefährlich sein, denn da reichen einzelne Moleküle umd eine allergische Reaktion auszulösen! Eine entsprechende Empfehlung nahm der WDR vor einiger Zeit nach zahlreichen Beschwerden vom Netz

Wer sich gegen Sonnenbrand schützen möchte, hält sich am besten im Schatten auf und sorgt für ausreichend Hautschutz mit entsprechender Sonnencreme.

Dieser Tipp ist trivial und richtig.

Zeigt die Haut nach zu viel Sonnengenuss rote Pusteln, dann kann das Mittel Sol britannicum gute Dienste leisten.

„Sol britannicum“? Wirklich? Da wird einfach Milchzucker in die Sonne gelegt und mit einem Glasstab umgerührt! Glauben Sie nicht? Ist aber so und hier nachzulesen:

Das Homöopathikum Sol wird hergestellt, indem man Milchzucker konzentrierten Sonnenstrahlen aussetzt und immer wieder mit einem Glasstab verrührt. Es gehört zur Gruppe der Imponderabilien.

Danach wird wahrscheinlich noch kräftig „verdünnt“, bzw. hier eher verrieben, um die gewünschte Potenzierung zu erhalten. Und das soll helfen? Geht es noch lächerlicher?

Auch Belladonna soll bei geröteter, heißer Haut helfen.

Hatten wir ja oben schon …

Sollten sie stärkere Beschwerden haben, gehen Sie unbedingt zum Arzt.

Oder gehen Sie besser gleich zum Arzt, das erspart gegebenenfalls Schmerzen, in jedem Fall Geld und sie bekommen dort in der Regel gleich richtige Arzneimittel, wenn sie denn welche benötigen …

Übelkeit und Durchfall – und was dagegen hilft

Auf Weg in den Urlaub rumort es bei einigen im Magen. Kaum steigen Sie ins Auto oder Flugzeug, geht es los. Wer unter Reiseübelkeit leidet, kann dieser mit ein paar Kügelchen Cocculus (Scheinmyrte) begegnen.

Wurde im Bekanntenkreis bei Kindern ausprobiert – brachte nichts (zum Glück waren Plastiktüten im Auto …)! Belege wieder einmal Fehlanzeige und übrigens beinhaltet auch diese Pflanze psychoaktive Substanzen, so dass es keine schlechte Idee ist, diese nur homöopathisch anzuwenden. 

Bei zu üppigem oder ungewohnten Speisen, die auf Magen und Darm schlagen, kann Nux vomica (Brechnuss) Abhilfe schaffen. 

Bei dieser Pflanze ist der Name Programm – kein Wunder, denn sie erhält mit Strychnin ein sehr bekanntes Gift.

Doch auch hier gilt: Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie auf alle Fälle einen Arzt aufsuchen.

Aber bitte einen richtigen …

Wirkweise von Kritikern in Frage gestellt

Streitpunkt dabei sind die wissenschaftlichen Beweise für dieses Therapiekonzept, die in der Tat fehlen.

Nein! Dass das „Therapiekonzept“ eine Wirkung hat zweifeln viele Kritiker gar nicht an, allerdings ist diese Wirkung vollkommen unabhängig von den (in höheren „Potenzen“ abslout wirkungslosen) Globuli! 

Kritiker halten der Homöopathie außerdem vor, dass die Globuli nur einen Placebo-Effekt erzielen.

Nein, das hält man der Homöopathie nicht vor. Man verweist nur gerne darauf, dass Homöopathika keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung haben – und das ist schlicht und einfach eine in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigte Tatsache, der sich sogar explizite Befürworter von alternativmedizinischen Verfahren nicht entziehen können.

Immerhin sind die eingesetzten Arzneien extrem verdünnt.

Was heißt hier immerhin? Und was bedeutet extrem? In obigem Text wird an keiner einzigen Stelle erwähnt, ab welcher Verdünnung der vorgeschlagene Stoff zu verwenden sei. Dass das mit dem Verdünnen angesichts der vielen „Wirkungen“ der oben genannten Pflanzen eine gute Sache ist dürfte für jeden nachvollziehbar sein. Vielleicht sollten die Verfasser dieser Anzeige bei jedem der oben vorgestellten Stoffe vor den Nebenwirkungen beim „Rohverzehr“ warnen und die Mindestverdünnung ihrer Mittelchen angeben. Und überhaupt: Seit wann benutzen Homöopathen den Begriff „Verdünnung“? Heißt das bei denen normalerweise nicht Potenzierung

Inwiefern homöopathische Arznei das geeignete Mittel ist, muss letztlich jeder selbst entscheiden.

Das ist Unsinn! Man kann zwar selbst entscheiden, welches Mittel man zu sich nimmt – ob das dann geeignet ist oder nicht ist aber eine ganz andere Frage. 

Allerdings gibt es zumindest Hinweise darauf, dass Homöopathie bei bestimmten Krankheitsbildern hilft – etwa bei Hautausschlag, Schmerzen oder Stichen.

Welche Hinweise? Belege bitte! 

Gute Erfolge können die natürlichen Heilmittel auch bei Erkältung, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen erzielen.

Auch hier: Haltlose Behauptungen ohne jeden Beleg! Gerade bei Kopfschmerzen zeigte eine der methodisch besten Studien zur Homöopathie eindeutig, dass Globuli eben nicht wirksam waren.

Grundsätzlich gilt aber: Auch eine homöopathische Behandlung kann den Arztbesuch oder einen Gang zum Heilpraktiker nicht ersetzen. Insbesondere die Dosierung und Anwendungsweise muss immer mit einem Homöopathie-Experten besprochen werden.

Hier sollte man statt „homöopathische Behandlung“ dann doch besser „homöopathische „SELBST-Behandlung“ schreiben, denn es geht doch um eine Hausapotheke, also um Mittel, die man zu Hause im Falle eines Falles schnell anwenden kann- wie etwa ein Pflaster, ein Kühlkissen oder (echte) Kopfschmerztabletten. 

T-Online tut sich mit solchen als Ratgeber-Artikel getarnten Werbetexten sicher keinen Gefallen. Es zumindest viel deutlicher kenntlich gemacht werden, dass es sich bei diesen Artikeln um schnöde Werbeanzeigen handelt. Die kleine Klammer unter dem Seitenmenu ist da definitiv zu wenig.





Die vrm-Akademie wirbt für esoterischen Unsinn

21 01 2016

Bereits im Juni letzten Jahres waren mir auf Grund eines Hinweises auf Facebook ein paar mehr als fragwürdige Angebote in der von den Herausgebern meiner geliebten Lokalzeitung (die mich per Onlineabo auch auf meinen Dienstreisen zuverlässig begleitet) organisierten Erlebnis-Akademie aufgefallen. Jetzt haben sie ein Angebot – unter anderem für das kommende Wochenende – das wirklich nur noch aus haarsträubender Esoterik besteht. Das Selbstverständnis der vrm-Akademie klingt ja noch vielversprechend:

Ihre Tageszeitung, egal ob gedruckt oder online, ist mehr als ein Informationsmedium. Wir nehmen das wörtlich und bieten Ihnen in der VRM-Akademie spannende, oft außergewöhnliche und interessante Seminare, Workshops, Vorträge und Events in überschaubaren Gruppen an.

Da steht nichts von Esoterik, aber dann wird dieser „Kurs“ beworben:

Sie wollen sich selbst oder Ihrer Familie bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Unruhe, Schlaflosigkeit und anderen körperlichen Beschwerden etwas Gutes tun können? Ohne schädliche Nebenwirkungen? Jederzeit anwendbar?

Natürlich wollen wir das! Und es ist ja auch ganz einfach, denn dafür gibt es das Sonuspunktur®-Seminar! Sonuspunktur®? Was soll das sein? Das wird natürlich gleich „erklärt“:

Dann können Sie im Sonuspunktur®-Seminar lernen, wie das auch für medizinische Laien gut möglich ist. Ausgehend von der traditionellen chinesischen Medizin bewirkt ein Ausgleich der körpereigenen Energiebahnen eine Stärkung Ihres Energiesystems und aktiviert Ihre Selbstheilungskräfte. Anders als mit Nadeln in der Akupunktur werden hier verschiedene Stimmgabeln auf Schmerzpunkte, Sehnenansätze, Nerven, Muskel- und Bindegewebe sowie auf Akupunkturpunkte und Reflexzonen gesetzt. Die unterschiedlichen Schwingungsfrequenzen der Stimmgabeln bringen blockierte Bereiche Ihres Körpers wieder in die richtige Schwingung. Die Kurse sind sowohl für medizinische Laien als auch für Menschen, die im medizinischen Bereich tätig sind, geeignet.

Wow! Was für ein Bullshit-Text! Akupunkturpunkte und Reflexzonen sind Hirngespinste! Aber halt, Stimmgabeln und Akupunkturpunkte? Da klingelt etwas bei mir – und tatsächlich, vor vier Jahren war mir der Schwachsinn schon einmal aufgefallen, damals hatte ein homöopathischer Spermienverschüttler ein ähnliches Verfahren im Angebot, unter dem Namen Phonophorese.

Sucht man im Internet nach der Sonuspunktur® findet man zwei Damen, die diese „Anwendungen“ anbieten und mit einem fast identischen Text bewerben. Das ist nicht verwunderlich, denn die beiden haben sich das Verfahren auch irgendwie ausgedacht. Die Beschreibung ist reinstes Bullshitbingo, mit echten Stilblüten:

Dazu gehört die Erkenntnis, dass die Organe etc. über spezielle Eigenschwingungen verfügen, welche im gesunden Zustand bei allen Menschen in etwa gleich sind.

Was? Organe schwingen? Mit welcher Frequenz? Mit welcher Amplitude? Also ich habe ja noch nichts davon gemerkt (ok, es gibt Organe die können schwingen) …

Bei einer Krankheit schwingt wenigstens ein Organ oder Körperteil in einer „falschen“ Frequenz und kann dabei nicht nur die Gesamtharmonie stören, sondern auch andere Organe und Körperteile aus der Balance bringen.

Hmm, ich werde also krank, wenn ich meinen Arm in einer falschen Frequenz schwingen lasse?

Heilversprechen geben die beiden Damen natürlich nicht ab, sie versprechen nur eine eventuelle Aktivierung der Selbstheilungskräfte und wann sie hilfreich sein kann:

Eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch Sonuspunktur® kann hilfreich sein bei:

  • Stress und innerer Unruhe,
  • Schmerz- und Entzündungsprozessen
  • Husten und Erkältungen
  • Konzentrationsstörungen / AD(H)S
  • Energielosigkeit
  • Traurigkeit, Angst
  • Kopfschmerzen und Migräne und
  • Schlafstörungen

sowie auch zur

  • Durchblutungsförderung
  • Verbesserung des Stoffwechsels
  • Ausscheidung von von Schlacken
  • Entstörung von Narben

und vielem mehr.

Bei solchem Entlangschlittern an der Grenze zu Heilversprechen muss man sich natürlich auch noch ein wenig absichern. Das sieht dann bei einer der Damen so aus:

sonus1

Die andere beschreibt das ausführlicher,und fügt noch folgenden Satz hinzu:

Für Schäden, die durch den Verzicht auf anerkannte und übliche medizinische Diagnostik und Anwendung entstehen, kann daher keine Haftung übernommen werden.

Ein Problem gibt es aber: Beide sind weder Ärztinnen noch Heilpraktikerinnen, dürfen also ihre (offensichtlich namentlich geschützte) Sonuspunktur® gar nicht selbst irgendwelchen Kunden „verschreiben“. Hier wird aber eine bekannte rechtliche Grauzone ausgenutzt, denn auch wenn die beiden Damen niemanden ihr Stimmgabelgemache als Heilbehandlung „verschreiben“ dürfen, ist ihnen das Anbieten und Abhalten von Seminaren erlaubt. Und so empfehlen sie den – zahlenden – Kunden (das von der vrm-Akademie beworbene Wochenendseminar kostet 190 Euro) frech die Selbstbehandlung bzw. die Behandlung von Familenmitgliedern.

Dass die Anbieterin dieses Schwachsinns ganz stolz auf die Kooperation mit der vrm-Akademie ist zeigt ein Blick auf ihre Seminarliste, denn dort wird das an prominenter Stelle erwähnt. Es ist schon sehr ärgerlich, wenn ein an sich guter Verlag mit solchen Kooperationen hanebüchenen Unsinn gesellschaftsfähig macht. Dass die Seminare sogar im Weiterbildungsportal RLP zu finden sind macht das nicht besser, ich werde der zuständigen Ministerin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz eine Nachricht zukommen lassen …

 





Kleines Rechenbeispiel zu esoterischen Gewinnmargen: Glaskügelchen für die Erde

13 04 2015

Ich gebe es ja zu, wenn ich Worte wie „Erdheilung“ oder gar „Erdheilritual“ lese, dann rollen meine Augen automatisch und in meine Nase glaube ich weihrauchgeschwängerte Novemberluft aufsteigen zu fühlen – und das hat einen ganz profanen Grund: Meine früheren Nachbarn! Diese hatten ihre Gartenhütte zum „Meditationszentrum“ erklärt und dort bisweilen Erdheilrituale durchgeführt … … ich weiß ja nicht was die dort, keine 10m von meinem Balkon entfernt, getrieben haben, auf jeden Fall war immer eine riesige Portion Weihrauch dabei. Den Novemberabend, an dem ich von einer Dienstreise zurück kommend, in unsere Straße einbog und mir in dem neblig-feuchten, weihrauchgeschwängerten Dunst ein Marder mitten auf der Straße entgegen wankte werde ich wohl nie vergessen. Die damalige Webseite ist sogar noch irgendwie auffindbar, aber da das mit dem Meditationszentrum längst passé zu sein scheint möchte ich mich doch anderen, womöglich wesentlich erfolgreicheren „Erdheilern“ zuwenden. Über den „Erfolg“ bei irgendwelcher Heilung kann ich natürlich nichts sagen, aber zumindest hätten diese Anbieter finanziellen Erfolg, wenn sie denn genug Dumme Kunden finden …

Es geht um eine Firma, die gutgläubigen und wohlmeindenden Erdenfreunden folgendes verkauft:

glasnuggets01Eine „unvergleichlich erschwingliche Möglichkeit der Erde zu helfen“ soll es also sein, wenn man sich diese Glasnuggets zulegt. „Erdheilung so einfach wie noch nie – leicht bezahlbar, diebstahlsicher und umweltneutral.“  posaunt die Werbebotschaft hinaus und bezeichnet diese Wunderdinger als „Reinigend – harmonisierend – aufbauend„. Und weiter mit der Werbebotschaft:glasnuggets02Die Wirkungen klingen geradezu atemberaubend:

  • fördert das biologische, kristalline und feinstoffliche Leben,
  • wirkt sowohl im Wasser wie im Boden und in der Luft,
  • verbindet sich harmonisch mit anderen, harmonisch wirkenden Hilfsmitteln bzw. Feldern,
  • vererbender Effekt im Wasser, was besonders in stehenden Gewässern den Einsatz relativ weniger  Glasnuggets notwendig macht und Flüssen eine permanente Zone der Erneuerung schenkt, aus der sich heilendes Wasser mit der Strömung weiter fließt – somit werden auch physisch unzugängliche Zonen energetisch zugänglich gemacht.
  • Einige mut- und/oder messbare Parameter: ph-Wert, Schwermetalle, Sauerstoffgehalt, Radioaktivität, Boviseinheiten, Informationsstruktur. Bitte teilen Sie uns, wenn Sie die Möglichkeiten zur Messung haben, Ihre Ergebnisse mit!
  • Blockierte Lebensenergie fließt wieder – kann zur „Entstörung“ der lebensstörenden Effekte durch Radar, Mikrowellen-Funktürmen, Elfwellen u.s.w. eingesetzt werden.

Klasse, was diese kleinen Dinger (laut Beschreibung so genannte „Muggelsteine“ mit einer Größe von 17-20 mm) so alles können sollen! Ein wenig blöd ist ja, dass die „mut- und/oder messbaren Parameter“ nur aufgelistet werden und man die Ergebnisse selbst mitteilen soll. Und wenn sich jetzt die Schwermetalle durch die Glasteilchen erhöhen, die Radioaktivität zunimmt oder der Sauerstoffgehalt im Gartenteich sinkt? Immerhin wird das mit den Boviseinheiten ganz bestimmt funktionieren, denn Hirngespinste sind bekanntlich realitätsresistent. Aber wie und wo (warum fragt man natürlich nicht!) wendet man diese Dinger denn nun an? Dazu gibt die Webseite eine etwas eigenartige Antwort:

Fühlige Menschen spüren schnell, wie Energie und Harmonie, Freude und Leben in ein vormals belastetes und wenig lebendiges Gebiet schnell zurückkehrt. Der beschenkte Bereich bekommt seine natürliche Kraft zurück, Naturwesen finden sich ein, die Wasserqualität verbessert sich im Ganzen durch bessere Selbstregulierung u.v.m. kann beobachtet werden. Berichten Sie uns!

Man soll das Ganze also erspüren? Und wenn’s nicht klappt hat man falsch erspürt? Und was macht man jetzt eigentlich genau mit den Glasdingern? Schauen wir mal unter „Anwendung“ nach:

 Geeignet für das Ausbringen im Boden, in alle Arten von Gewässern – fließende und stehende, natürliche wie künstliche, von Kleinstgewässern bis zum offenen Meer – sowie praktisch an allen sinnvollen Orten. Kann leicht versteckt werden und somit auch an Orten platzierbar, die anderen Hilfsmittel nicht zugänglich sind oder wo sie schnell entfernt werden würden.

 Aha, man soll das Zeugs also irgendwo auslegen oder ins Wasser werfen … … weiter:

einige Glasnuggets in einem Elementewirbel platziert, verstärkt dessen Wirkung und verbindet sehr harmonisch mit anderen Hilfsmitteln und Naturwesen,

Was ist ein „Elementewirbel“? Was sind „Naturwesen“ und können die auch beißen (erst am Wochenende hat mich ein geflügeltes Naturwesen überfallen und gestochen – Premiere 2015!)?

Wasser: wirken bei jedem ph-Wert, soweit dies innerhalb der natürlichen Ordnung sinnvoll ist.

Ja, ok – aber wie wirken denn die Dinger??????

Wirkung beginnt sofort sich aufzubauen, Beobachtungen je nach Bereichsgröße ab einigen Tagen bis Wochen mit Ausgangzustand vergleichen.

Welche Wirkung?????

Irgendwie scheinen die Anbieter weder zu wissen, wie ihre Glasdinger wirken, noch wo oder wie man sie verwenden soll. Irgendwie soll man also diese Glasdinger kaufen – für 1,75 Euro pro Stück – und dann irgendetwas damit machen (… und nachschauen was dann passiert). Tolles Produkt, aber nur für den Verkäufer, denn man kann die gleichen Teile auch woanders kaufen … … aber zu ganz anderen Preisen. Hier kosten 10 Stück 0,99 Euro, dort 55 Stück 2,99 Euro (und 220 wegen Mengenrabatt 9,98 Euro). Über die Möglichkeit, solche Glasdingens im 10 kg – Gebinde für 35- 60 Euro zu kaufen möchte ich gar nicht nachdenken.

Gehen wir von der teuersten Version des Einkaufspreises aus, dann kostet ein Glasdingens gerade mal 10 Cent, mit Mengenrabatt wahrscheinlich weniger als 5 Cent. Verkauft wird das Ganze dann für 1,75 Euro pro Stück, also fast dem 20-fachen (oder 35-fachen) des Einkaufspreises. Der Begriff „Raubtierkapitalismus“ dürfte bei den Käufern dieser Erdheildingens eher unbeliebt sein, aber eine solche Gewinnmarge ist ja schon irgendwie … (nein, das sage ich jetzt nicht).

Was stand nochmal in der Werbung? Ach ja: „extrem preiswert“ …





Was ist der Uwe-Hilbig-Preis?

12 02 2015

Googlen hilft werden jetzt viele sagen, und das habe ich auch gemacht, aber es kommt immer nur das gleiche Ergebnis. Warum ich überhaupt danach suche? Nun ja, ich hatte vor einiger Zeit die Wahnwitzprognosen aus dem Nostradamus-Kalender 2015 gelesen und in diesem Büchlein gibt es neben dem vergessenswürdigen Inhalt eben auch einiges an Werbung, und in einer Werbung fand sich dann der folgende Satz:

2 mal den Uwe-Hilbig-Preis als bester Hellseher erhalten

Ein Preis für den besten Hellseher? Das ist natürlich spannend! Bevor ich die Suchmaschine nach dem Uwe-Hilbig-Preis absuchte versuchte ich es mit dem Namen alleine – und fand

  • einen Professor für Ingenieurwissenschaften,
  • ein Reifenservice,
  • eine KFZ-Werkstatt,

und noch eine Person (dazu gleich mehr). Die bereits genannten Personen dürften mit einem Hellseher-Preis eher weniger zu tun haben, aber Moment, was findet Google eigentlich wenn man nach dem Preis selbst sucht? Nun, dafür gibt es genau drei Suchergebnisse, und das sind ebenfalls Werbeanzeigen aus der einschlägigen Esoterikpresse. Das sieht dann z.B. so aus:

hilbi01… oder so: hilbi02
Damit sieht das sehr verdächtig nach einer schamlosen Werbeaussage des Paares aus Hamburg aus, denn dass dieser Preis so gar keine weiteren Spuren im Internet hinterlassen haben sollte ist doch sehr unwahrscheinlich. Es scheint so zu sein, dass der Herr sich diesen wohl gar nicht vorhandenen Preis aus Werbezwecken ans Revert heftet um so in einem Geschäft Seriosität vorzugaukeln, in dem es einfach nicht seriös zugehen kann. Denn zu dem letzten gefundenen Uwe Hilbig passt die Tätigkeit des Schwurbelpaares wie die Faust aufs Auge: der Mann ist professioneller Märchenerzähler, aber im Gegensatz zu den selbst ernannten Hellsehern wohl wirklich seriös …

Damit meine Leser sich auch mit einem Preis brüsten können verleihe ich ihnen hiermit den Helga-und-Fritze-Bademann-Gedächtnis-Preis für was auch immer sie sich einen Preis wünschen (… und wenn’s nur der letzte Pups ist) Im Gegensatz zum Uwe-Hilbig-Preis ist dieser echt und ehrlich verdient, und mit Link auf diesen Artikel darf er gerne auf dem eigenen Blog oder wo auch immer verwendet werden.





Gute Idee, schlechte Durchführung: nutella personalisiert auf eigene Art

17 01 2015

Eigentlich ist es eine tolle Idee. Die wohl bekannteste Nuß-Nougat-Creme (zumindest im Westen unseres Landes, im Osten gab es ja das Konkurrenzprodukt nudossi) bietet den Kunden an, die Gläschen zu personalisieren – jeder kriegt also seine eigene nutella (oder heißt es sein eigenes nutella?) und das sieht man dann eben am Glas. Auf der Webseite wird das so beworben:

Alles was Du brauchst ist Dein nutella-Aktionsglas und zwei Namen, egal ob Vor- oder Kosenamen Deiner Lieben oder Dein eigener Name. Personalisiere dein nutella, denn nutella ist, was Du draus machst!

OK, haben wir probiert! Dabei essen wir beide das Zeugs gar nicht selbst, aber als Geschenk für die Enkel meiner Partnerin war das natürlich eine tolle Idee. Also ein Glas gekauft, die Webseite aufgerufen und dann einen gemeinsamen Namen für die Adressaten eingegeben – und dann enttäuscht feststellen müssen dass der „gewählte Name leider nicht verfügbar ist“. OK, man soll Vor- oder Kosenamen eingeben – und nichts anderes haben wir gemacht: aus dem Nachnamen der Adressaten einen Kosenamen gebildet … … aber das geht eben nicht. Der Grund dafür kann eigentlich nur sein, dass man bei den Nuss-Nougat-Leuten keine personalisierten Aufkleber drucken kann sondern bereits vorab eine Menge der zu druckenden Namen festgelegt hat und auch nur diese liefern möchte. Dafür spricht auch, dass man in Supermärkten verschiedene Standardnamen waschkörbeweise einsammeln könnte, denn dort liegen diverse dieser Aufkleber aus – und verteilen sich großflächig unter den Füßen der Kunden. An über die Ideen der Marketingleute hinausgehende Namen auf den nutella-Gläsern scheint man dort nicht gedacht zu haben, und dieser Verdacht bestätigt sich nach meiner Anfrage auf Facebook auf die ich folgende Antwort erhielt:

Lieber Michael, leider können lediglich Vor-und Kosenamen auf das Etikett gedruckt werden. Aber vielleicht hast du ja einen Spitznamen für deine Familie. Unser Team prüft deinen Vorschlag gerne. Wende dich hierfür in einer kurzen E-Mail an: service@deinnutella.de. Viele Grüße, dein nutella Deutschland-Team

Tja, nicht alle wollen Vornamen oder Kosenamen a la „Schatzi“ auf einem nutella-Glas lesen oder verschenken, da haben die Kunden schon ein wenig mehr Fantasie wie man auch der Facebookseite dazu entnehmen kann. So ist das ein schönes Beispiel für eine nicht zu Ende gedachte Werbeidee. Was „personalisieren“ bedeutet definiert also nutella ganz speziell … … schade!








%d Bloggern gefällt das: