Buchholz bleibt! – auf Youtube (mit englischen Untertiteln)

16 04 2017

Das kleine Filmchen „Buchholz bleibt“, die Abschlußarbeit einiger Studenten von der Hochschule für Gestaltung, Offenbach aus dem Jahr 1990, hatte ich schon im Jahr 2009 ausdrücklich gelobt. Völlig unbemerkt von mir hat der Kameramann das Ganze bereits vor einigen Jahren nach Youtube gestellt und sogar mit englischen Untertiteln versehen.

Für das knapp 15 Minuten lange Portrait eines Mannes, der mit absurden Messungen nachzuweisen glaubt, dass die Gravitation immer schwächer wird – und deshalb folgerichtig Bäume an den Boden kettet, benötigt man nur eine ganz kleine Tüte Popcorn:





Meine Volkshochschule (vhs Mainz) ist nur noch peinlich …

9 09 2014

Mein Versuch die Lokalpresse (AZ Mainz) über die Lächerlichkeit einiger Kurse „meiner“ Volkshochschule zu informieren war leider nicht erfolgreich, aber inzwischen gab es in der Folge eines offenen Briefs auf dem gwup-Blog ein ganz kleines Shitstörmchen auf der facebook-Seite der vhs Mainz, das nach einer versuchten Erklärung der vhs ein klein wenig angeschwollen ist. Der von der vhs eingestellte Text ist aber auch wirklich so was von peinlich …

Noch mal kurz um was es eigentlich geht: Die vhs Mainz bietet unter anderem einen Kurs namens „Pendelpraxis I“ an, in dem die Kunden – gegen Zahlung einer Kursgebühr – lernen sollen „Lebensmittel, Medikamente, Kosmetika und mehr auf Verträglichkeit und biologische Qualität zu testen„.  Dies ist entweder (höchst unwahrscheinlich) eine wissenschaftliche Weltsensation oder (ziemlich sicher bis zum Beweis des Gegenteils!) der übliche esoterische Schwachsinn, der bisher noch bei jedem ordentlichen Test versagt hat. Der Kurs kann also nicht leisten was er verspricht und ist daher eine Mogelpackung, ja man könnte sogar von Betrug an den Kunden reden – oder würde man sich nicht betrogen fühlen wenn z. B. in einem Sprachkurs Englisch die Kursleitung dieser Sprache gar nicht möchtig wäre? Hinzu kommt, dass es ja noch mehr hanebüchene Kursangebote gibt, aber dazu später noch mehr.

Es beginnt mit einer schon ‚mal etwas eigenartigen Überschrift:

Ein Wort in eigener Sache 

Und dann beschwert sich die vhs darüber, dass einzelne Leute die Seite der vhs wegen des angebotenen Pendelkurses negativ bewertet haben und weist darauf hin, dass dies nur wegen diesem Kurs erfolgte. Nun ja, es ist ja auch eine Beleidigung für den Intellekt wenn eine öffentliche Bildungseinrichtung esoterischen Unsinn anbietet statt – gemäß dem eigenen Leitbild – die Menschen aufzuklären. Dann versucht die vhs  irgend etwas zu erklären, aber was eigentlich? Auf das Thema der Kritik selbst wird jedenfalls kaum eingegangen, dafür wird ein wenig mit Zahlen jogliert – ich habe mit erlaubt den Text Satz für Satze und auch die Rechnerei zu kommentieren (in rot):

Volkshochschulen stehen allen Menschen offen. Richtig, aber was hat das mit der Kritik zutun?

Sie trennen nicht, sondern sie verbinden. Blabla!

Sie teilen nicht auf, weder nach sozialer Herkunft noch nach akademischer und nicht akademischer Ausbildung. Noch mehr Blabla!

Sie sind Orte der Offenheit und Toleranz und bieten damit auch Menschen mit unterschiedlichen und gegensätzlichen Auffassungen die Möglichkeit, individuelle Bildungsbedürfnisse zu befriedigen. Seit wann hat Bildung etwas mit gegensätzlichen Auffassungen zu tun? Soll eine vhs auch die „Bildungsbedürfnisse“ von Kreationisten, Anhängern der Hohlwelttheorie oder gar Holocaustleugnern befriedigen? Besonders bei Letzterem würde jede vhs – zurecht – wohl Probleme bekommen, obwohl dies ja auch nach Meinung der Vertreter dieses Wahnsinns „nur“ eine gegensächliche Auffassung von Geschichte ist!

Volkshochschulen sind damit ein Abbild unserer pluralen Gesellschaft, und das ist auch gut so. Noch immer keine Antwort auf die konkrete Kritik!

Die Teilnahme an Veranstaltungen der Volkshochschule basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Was für eine Binsenweisheit!

Niemand wird gezwungen gegen seinen Willen eine bestimmte Veranstaltung zu besuchen. Natürlich nicht!

Erwachsene entscheiden selbst, welche Themen sie interessieren und sind daher engagiert bei der Sache. Was hat das jetzt mit dem Pendelkurs zu tun?

Und auch das ist gut so. Zu oft bei dem scheidenden Berliner Bürgermeister zugehört?

Manchmal hilft auch ein Blick auf Zahlen, um eine vermeintliches Problem angemessen zu bewerten. Na dann her mit den Zahlen!

Die Volkshochschule Mainz hat im vergangenen Jahr 74042 Unterrichtsstunden durchgeführt. Der – einzige – Pendelkurs umfasst 9 Unterrichtsstunden. Dies entspricht einem Anteil von 0,12 Promille. OK, in soweit richtig gerechnet.

Selbst wenn man alle Veranstaltungen, die im Übrigen auch unter der Überschrift „Esoterik“ angeboten werden, zusammennimmt, ergibt dies 77 Unterrichtsstunden. Als ob es eine Rechtfertigung ist wenn man zugibt nicht nur ausnahmsweise einmal sondern sogar mehrfach esoterischen Unsinn angeboten zu haben. Dass die Überschrift stimmt macht das Ganze nicht besser.

Dies entspricht einem Anteil von 1 Promille, d. h. von 1000 durchgeführten Unterrichtsstunden entfällt 1 Unterrichtsstunde auf den Bereich Esoterik. Ja, und das ist genau die eine pro Tausend Stunden zuviel, denn damit wird nicht aufgeklärt sondern – wie mehrere Kommentatoren zurecht anmerkten – Volksverdummung betrieben.

Schließlich – auch durch dauerhaftes Wiederholen wird aus einer Unwahrheit keine Wahrheit. Ein wahrer Satz! Und aus esoterischen Hirngespinsten wird auch an einer vhs keine Bildung!

Die Behauptung, hier würden Steuergelder eingesetzt, ist schlicht falsch. Na ja, immerhin zahlt die vhs keine Steuern – alleine dadurch ergibt sich eine Art Bezuschussung.

An dieser Stelle können und sollen nicht die komplizierten und nach Bundesland unterschiedlichen Bezuschussungen in der Weiterbildung dargelegt werden. Nein, müssen sie auch nicht! Aber immerhin geben sie zu, dass es bisweilen Bezuschussungen gibt. Für das Thema Pendel- und andere Esoterikkurse ist dies allerdings unerheblich.

Nur – wer solche Behauptungen aufstellt, sollte sich, an den eigenen wissenschaftlichen Ansprüchen gemessen, vorher sachkundig machen. Und das war alles? Am Ende statt dem Versuch einer Argumentation ein billiges Ablenkungsmanöver – traurig, dass „meine“ (ich habe mehrere Kurse dort besucht) vhs sich so lächerlich macht.

Die Kommentare auf dieses Armutszeugnis in „beleidigter Leberwurst“- Stimmung waren eindeutig – ein paar Beispiele:

Die Verträglichkeit von Lebensmitteln durch Pendeln zu ermitteln oder gar zu verbessern, dürfte wohl unstreitig „Humbug“ sein und nicht wissenschaftlich aufgeklärt. Bei der In Anspruch genommenen Neutralität verbietet es sich, solch einen unwissenschatlichen Kram anzubieten. Ich finde, dass sich die VHS, die auf welchem Weg auch immer staatliche Vorteile in Anspruch nimmt, zum Mittäter einer Täuschung gegenüber den Kursteilnehmern macht und damit einen Schaden sowohl finanziell herbeiführt (Kursgebühr und Verschwendung öffentlicher Förderung) als auch moralisch (Förderung von Humbug, Täuschung der Teilnehmer).

Wie ärmlich. Auf den berechtigten Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit, ja sogar aktiver Volksverdummung reagiert die VHS Mainz mit einem Belehrungspamphlet in ablenkendem, altväterlichem Politikerduktus. 

Wenn ich im letzten Jahr 9 schwere Körperverletzungen begangen habe und insgesamt 77 Gewalttaten, wird das dann dadurch entschuldigt, das ich 73.965 Menschen, denen ich in Fußgängerzonen und im Straßenverkehr begegnet bin, nichts angetan habe? Nichts anderes ist die Argumentation hier. Für eine Bildungseinrichtung ungeeigneter Unsinn bleibt für eine Bildungseinrichtung ungeeigneter Unsinn, egal wie sinnvoll der Rest ist.

Und ein weiterer Kommentator hatte noch folgende Bitte:

Liebe(r) Verfasser(in) des obigen Textes, ich bitte Sie, den Anteil Ihres esoterischen Angebots am Gesamtprogramm noch einmal zu berechnen, diesmal inklusive wirklich aller esoterischer und pseudowissenschaftlicher Inhalte; ich und viele weitere hier helfen gerne.

Na klar helfen wir, also ich zum Beispiel. Ich habe mir das aktuelle Kursprogramm nochmal durchgeschaut und folgende eindeutig esoterischen Kursangebote gefunden:

U12301 Pendelpraxis I 9
U12302 Mit der Wünschelrute unterwegs 12
U12303 Jahresabschiedsritual 2,67
U12304 Tarot – die Grundlagen des Kartenlegens 16
U12305 Tarot, ein Weg zur Persönlichkeitsentwicklung 20
U12306 Tarot, ein Weg zur Persönlichkeitsentwicklung Workshop 4
U12201 Astrologie Basics 16

Das sind jetzt 79,67 Stunden – aber damit sind wir noch nicht am Ende, denn auch in anderen Kursbereichen lauert Esoterik satt. Nehmen wir zum Beispiel Schüßlersalze, zwei weitere Kurse in der völlig unkritisch (Aufklärung???) mit esoterischen Heilungsversprechen die Kunden verdummt werden:

U82101 Schüßler-Salze 4,3
U82100 Schüßler-Salze 4,3

So richtig lächerlich wird es wenn man in Kursbeschreibungen hanebüchenen Nonsens wie den folgenden liest:

Die Probleme einer adäquaten Ernährung werden aus feinstofflicher Betrachtung besprochen: Über die Nahrung haben wir mit feinstofflichen Wirkungen zu tun, die uns belasten oder beleben.

Durch die feinstoffliche Betrachtung kann verstanden werden, was in diesen Situationen geschieht.

… setzt genau in diesem scheinbaren Nichts – nämlich in den feinstofflichen Ebenen – an.

Diese Zitate stammen aus den folgenden Kursbeschreibungen:

U82106 Hilfe, wer zieht mir Energie ab? Hintergründe und Tipps 2
U82107 Hilfe, wer zieht mir Energie ab? Hintergründe und Tipps 4,3
U82108 Anspannung, Ängste, innere Unruhe – woher kommen sie, wie lösen sie sich? 2
U82109 Anspannung, Ängste, innere Unruhe – woher kommen sie, wie lösen sie sich? 4,3
U82118 Nahrung – die Basis unserer Lebensfreude, Essen wir mehr als wir sehen? 2
U82119 Nahrung – die Basis unserer Lebensfreude, Essen wir mehr als wir sehen? 4,3

… und wenn das keine Esoterik ist, was soll das bitte sonst sein? Aber es gibt noch mehr:

U72100 Feng-Shui – Basics 6,6
U24103 Gesünder wohnen – Erdstrahlen und Elektrosmog 4
U81734 Handreflexzonen-Therapie 4
U81735 Handreflexzonen-Therapie 4

Dabei sind weitere Kurse aus verschiedenen Themenbereichen, die von Heilpraktikern (!!!) gehalten werden (vielleicht sollte sich ‚mal ein Psychologe das diesbezügliche Angebot der vhs Mainz ansehen …), ebenso wenig berücksichtigt wie einige Kurse zur traditionellen chinesischen „Medizin“ . Immerhin haben wir jetzt schon

125,77 Esoterikstunden

und das sind wahrscheinlich noch lange nicht alle.

Ich versuche das jetzt ‚mal auf der Seite der vhs Mainz zu verlinken – vielleicht gibt es ja noch eine Reaktion ….





Donnerstagsvideos (7): Liebe!!!

20 03 2014

Heute geht es – passend zum Frühlingsanfang um das Thema Liebe. Helene Fischer würde die Dame hierzulande heißen, aber keine Angst, jetzt kommt kein Überfall mit schnulzigen Schlagern – denn diese Forscherin kommt aus England und heißt Helen Fisher und sie erforscht die Liebe und was sie mit uns macht:

Hier „the brain in love“ (bei TED mit deutschen Untertiteln):

Auch zu „why we love, why we cheat“ gibts Untertitel bei TED:

Und die ultimative Frage „why do fools fall in love“ wird hier geklärt:

Upps – hier natütrlich:

Viel Spaß!





Wissenschaft bestätigt Tierkreiszeichen? Nein, tut sie nicht!

25 02 2014

Auf astrophenix.de, einem astrologischen Onlinejournal – fand sich ein Artikel mit dem Titel „Wissenschaft bestätigt Tierkreiszeichen„, der wieder einmal zeigt, dass Astrologen immer dann wenn sie meinen, eine wissenschaftliche Untersuchung würde ihre Behauptungen bestätigen, stolz die Öffentlichkeit informieren – während sie die überwiegend negativen Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen geflissentlich ignorieren. In diesem Fall geht es um einen Artikel in P.M., der – auf der Titelseite angekündigt – tatsächlich mit dem Titel „Das erste Horoskop der Wissenschaft“ angekündigt wurde. Allerdings geht es in diesem Thema gar nicht um Horoskope, sondern um Forschungen, die zum Beispiel Zusammenhänge zwischen Geburtsmonat und Langlebigkeit untersuchen. Das ist nicht neu, und wurde bereits 2004 in dem BuchMai-Frau sucht Dezember-Mann – Wie der Geburtsmonat Gesundheit, Partnerschaft und Karriere beeinflusst“ von Prof. Dr. Peter Axt und der Ärztin Dr. Michaela Axt-Gadermann beschrieben, und nicht nur dort.

Ich gebe ja zu, dass ich den Artikel im P.M. nicht gelesen habe, aber das oben erwähnte – nicht unbedingt hochwissenschaftliche – Buch schon, und auch von dem britischen Psychologen Richard Wiseman sind ähnliche Forschungen bekannt. Bei Astrophenix jedenfalls freut sich der Autor „Astro-Fox“ über die Aussage im P.M.-Artikel, dass der „Geburtsmonat statistisch gesehen für das Menschenleben prägend“ sei und zieht natürlich gleich Rückschlüsse auf die Astrologie. Natürlich betrachtet er zunächst sein eigenes Sternzeichen und den überwiegend dazugehörigen Monat November, ein Geburtsmonat bei dem die Lebenserwartung hierzulande ein paar Monate höher ist als beim Durchschnitt der Bevölkerung:

Obwohl dem Skorpion der “Tod” zugeordnet ist, sagt eine im Artikel aufgeführte Studie sinngemäß: “Die Herbstgeborenen” haben eine besonders hohe Lebenserwartung”.

Aha! Dem Skorpion ist der Tod zugeordnet – den Novembergeborenen aber ein etwas längeres Leben. Ein Widerspruch? Niemals! Die Astrologie kennt keine Widersprüche!

Nun – das erscheint möglicherweise widersprüchlich. Ist es aber nicht. Wer sich mit dem Tod auseinandersetzen soll, benötigt mit “diesem” Erfahrung – diese gewinnt man nicht in einem frühen eigenen Tod, sondern, wenn man das Fortgehen anderer Menschen erlebt.

Blöd ist nur, dass in dem Artikel auch erwähnt zu werden scheint, dass diese statistischen Analysen auf der Südhalbkugel auch funktionieren, dort aber um ein halbes Jahr verschoben. So hatte bereits die „born lucky“-Studie von Richard Wiseman ergeben, dass auf den britischen Inseln diejenigen Personen sich am glücklichsten fühlten, die im Sommer geboren wurden, genau wie auch auf Neuseeland, nur dass der Sommer dort eben nicht im Mai sondern im November beginnt. Manchen Astrologen scheint dies übrigens unbekannt zu sein, denn der Österreicher Dietmar Hager erklärte Ende 2013 in einem Interview mit der Zeitung Kurier:

Wenn wir der Natur in der Widderlaufzeit zuschauen, sehen wir, dass die ersten Pflanzen die Schneedecke durchbrechen. 

Auf der Südhalbkugel wird es zu diesem Zeitpunkt aber kälter und ungemütlicher, das Argument ist also schlicht und einfach falsch. Und auch in anderen Weltgegenden – zum Beispiel in der Gegend um den Äquator – passt das eben nicht. Trotzdem gilt in Neuseeland und am Äquator die selbe Astrologie wie hierzulande. Immerhin scheint dem Astro-Fox das aufgefallen zu sein, denn er schreibt:

Zu Folge einer aufgeführten Studie erscheint es sinnvoll, für Geburten der Südhalbkugel den Tierkreis um 180° zu drehen – eine Idee, die meines Wissens schon Michael Roscher anführte.

Mag ja sein, dass ein Astrologe diese Idee schon einmal hatte, aber damit sind für den Astro-Fox wohl alle australischen, neuseeländischen, argentinischen und urguayanischen Astrologen absolute Flaschen, da sie die völlige Falschheit ihrer Horoskope bisher offensichtlich gar nicht bemerkt haben.

Und überhaupt: Mich würde ja am meisten interessieren wie die Astrologen dann den Übergang vom Nordhemisphärenhoroskop („normal“) zum Südhemisphärenhoroskop („um 180 Grad geklappt“) definieren würden. Reicht es bei Menschen, die südlich des Äquators (wenn auch nur ein paar Meter – z.B. in Kampala, Uganda oder Quito, Ecuador; beide Städte liegen auf dem Äquator) geboren sind einfach „umzuklappen“ und damit aus einem „Widder“ eine „Waage“ und aus einer „Jungfrau“ einen „Stier“ zu machen? Oder wird das irgendwie schrittweise gemacht, und falls ja in welchen Schritten?

Egal! Es mag ja spannend, und manchmal sogar nützlich (siehe hier zum Thema Allergien) sein, solche Daten auszuwerten, meines Wissens sind diese Effekte jedoch relativ klein. Auf keinen Fall sind sie ein Beleg für die Gültigkeit irgendwelcher astrologischer Deutungsphantasien. Nicht einmal auf der Nordhalbkugel …





Wählen! Jetzt!

1 09 2013

Nein, es geht jetzt nicht um die Bundestagswahl (im Moment dürfte ganz Deutschland auf einem der 5 (!!!) übertragenden Sender das Kandidatenduell Merkel vs. Steinbrück sehen), es geht um eine ganz andere Wahl, für die wirklich illustre Kandidaten zur Verfügung stehen. Gewählt werden soll – bis zum 11. September, 17 Uhr – das Maskottchen der

also auf deutsch: der Gesellschaft zur Rettung häßlicher Tiere. Und wie die Organisatoren – zu recht – schreiben:

The Ugly Animal Preservation Society is dedicated to raising the profile of some of Mother Nature’s more aesthetically challenged children.  The panda gets too much attention.

Eben, man sollte auch die anderen, gefährdeten Tiere unterstützen, auch wenn sie nicht so knufig sind wie ein Panda. Die Abstimmung selbst ist ganz einfach:

Man gehe auf den YouTube-Kanal dieser Organisation, schaue sich die kurzen (< 2:30min) „Bewerbungsvideos“ an und schenke seinem/n Liebling(e) ein „Mag ich“. Wer dann am meisten gemocht wurde, der wird das Maskottchen dieser wunderbaren Aktion. Meine beiden Favoriten sind übrigens der „Blobfish“ ….

… und jener komische Frosch aus dem Titicaca-See (der so hervorragend vorgestellt wird):





Die vhs Mainz und ihr Leitbild: Epic Fail!

22 06 2013

In seinem Blogbeitrag Hokuspokus in der Wissenschaftsstadt hat scilogs-Autor Michael Kahn über einige fragwürdige Kurse an der Volkshoschschule Darmstadt geschrieben und – zurecht – gefragt, ob solche Kurse in der vhs einer Stadt, die sich seit 1997 mit dem Beinamen „Wissenschaftsstadt“ schmückt, nicht vollkommen deplaziert sind. Bei seiner Kritik bezieht er sich auf den Begriff „Wissenschaftsstadt“, und  kommentiert:

Ich meine allerdings, eine Wissenschaftsstadt erkennt man an anderen Dingen, vorrangig an der Wertschätzung, die den Wissenschaften dort in der Öffentlichkeit entgegengebracht wird.

Nicht erwähnt hat er, dass sich auch im Leitbild der vhs der Begriff Wissenschaftsstadt findet …

Wir sind die Erwachsenenbildungseinrichtung der Wissenschaftsstadt Darmstadt und arbeiten im öffentlichen Auftrag.

… und dass der „Slogan“ der vhs ihren kritisierten Angeboten zur Homöopathie schon mal fundamental widerspricht:

Slogan: Übermorgen nicht von vorgestern sein! Heute noch zu Ihrer vhs!

Damit man übermorgen nicht von vorgestern ist werden also Kurse angeboten, deren „Wissen“ längst veraltet ist – den Slogan sollte die vhs Darmstadt schleunigst umformulieren.

Aber hier soll es ja um die vhs meiner Heimatstadt Mainz gehen. Dass es hier auch bisweilen recht zweifelhafte Kurse gibt hatte ich schon vor über drei Jahren angemerkt (als ich mal zeitweise nicht hier wohnte), und nachdem mir eine freundliche Mitarbeiterin der vhs letztes Wochenende nach dem Besuch auf dem wunderschönen Mainzer Wochenmarkt das aktuelle Programmbuch in die Hand drückte, habe ich natürlich sofort nachgeschaut, ob der von mir damals erwähnte Pendelkurs noch immer im Angebot ist. Und tatsächlich, er ist es, und das regte gleich eine diesbezügliche Nachfrage bei der Dame an.  Meinen Vorwurf, dass dies doch Betrug an ihren Kunden sei, wenn das, was in der Kursbeschreibung steht, gar nicht geleistet werden könne, konterte sie mit einem lockeren „man wolle eben für alle etwas bieten“. In den letzten Tagen habe ich dann ‚mal ein wenig im Programm gewühlt, immer die folgenden Sätze aus dem Leitbild der vhs Mainz vor Augen:

Die vhs orientiert sich an den Prinzipien der Aufklärung, Demokratie und Würde des Menschen.

Bedarfsgerechte, preisbewusste und qualitativ hochwertige Bildungsangebote sowie qualifiziertes und engagiertes Personal bilden die Basis, um als konkurrenzfähiges Dienstleistungsunternehmen auf dem  Markt zu bestehen und das in uns gesetzte Vertrauen zu bestätigen.

Tja, wie der Pendelkurs mit dem Begriff „Aufklärung“ und die – auf deutsch – Verarschung der Kursteilnehmer mit der „Würde des Menschen“ (ok, das ist jetzt bewusst etwas hochgestochen) in Einklang zu bringen sind, wissen wohl nur die Veratwortlichen der vhs Mainz. Es wäre ja auch wirklich zu vernachlässigen, wenn dies der einzige Kurs wäre, der jedweder Aufklärung widerspricht – aber das ist leider nicht so. Die Referentin des Pendelkurses hat noch ein zweites Thema im Angebot: Die Aura – eine ganz normale Erscheinung. Hier beginnt die Beschreibung schon mit einem Satz, der sich selbst widerspricht:

Seriöse Wissenschaftler beschäftigen sich bereits mit den feinstofflichen, meist nicht sichtbaren Energien von Lebewesen und Materie.

Entweder ein Wissenschaftler ist seriös, oder er beschäftigt sich mit feinstofflichen Energien. Und der nächste Satz ist dann eine glatte Lüge:

Die menschliche Aura umgibt den Körper in mehreren Schichten, deren Größe und Farben sich je nach Gesundheits- und Bewusstseinszustand verändern.

Nein, das sind Hirngespinste!

Es werden Möglichkeiten zu Reinigung, Stärkung und Schutz aufgezeigt.

Reinigung, Stärkung und Schutz von einem Hirngespinst? Doch, genau darum gehts, und man soll soweit „vorhanden, eigene Geräte (Pendel, Tensor, Rute) mitbringen„. Wenn irgendwelche Eso-Läden solche Kurse abnbieten, dann ist das ja ok (jede/r darf sich bescheissen lassen von wem er/sie will), aber wenn die vhs ein solches Angebot auch noch durch einen Kurs adelt, dann ist das schlicht lächerlich und alleine diese beiden Kurse wären ein Grund, den Verantwortlichen die Benutzung des Wortes „Aufklärung“ zu untersagen. Immerhin sind diese beiden Kurse dann doch in der vhs-Systematik unter („Mensch und Gesellschaft“ – „Neue Wege (Psychologie, Kommunikation, Astrologie, Esoterik)“ -) „Esoterik“ , unter der richtigen Überschrift einsortiert.

Dass es zusätzlich noch eine Rubrik Astrologie gibt macht das Leitbild noch lächerlicher. OK, es gibt nur einen einzigen Kurs (in Psychologischer Astrologie) aber dass die Sterndeutung Unsinn ist sollte sich doch eigentlich auch bis Mainz herumgesprochen haben. Viel interessanter ist, dass die Referentin des Astroquatschs auch noch einen anderen Kurs anbietet: Persönlichkeit – Partnerschaft – Beruf in der heutigen Zeit, und dieser wird in der vhs Systematik nebenan unter „Psychologie“ einsortiert. Gemäß ihrer Homepage benutzt die Referentin folgende Methoden: Magnetfeldtherapie, Psychologische Astrologie, Bioenergetische Energie und Spiritualität. Was das mit Psychologie zu tun haben soll, dürfte Geheimwissen der Verantwortlichen sein.

Auch andere Kurse aus dieser Rubrik scheinen sich nicht unbedingt an dem zu orientieren, was man normalerweise unter Psychologie versteht. Über dies und weitere zweifelhafte Kurse werde ich in einem zweiten Teil berichten.





Immer wieder mittwochs: Lesebefehle! Folge 3: Blogrollfutter

23 01 2013

Man stößt ja immer mal wieder auf neue Blogs, bei denen man hofft, dass der Autor / die Autorin nicht die Lust am Bloggen verliert, weil man gerne mehr davon lesen möchte. Als Erstes ein Beispiel, dass ich nach dem ersten Monat nicht mehr missen möchte …

„Panagrellus“ ist der wissenschaftliche Name eines Fadenwurms, den man – erstaunlicherweise  – auch in Bierdeckeln finden kann. Nach diesem kleinen Tier hat sich ein Blog benannt, in dem es seit dem 16. Dezember 2012 um allerlei Wissenschaftliches geht. Der Autor hat eine wunderbare Definition dessen, über was er schreiben möchte:

Neuigkeiten und Wissenswertes aus Naturwissenschaft und Forschung, angereichert mit Kuriositäten, Klatsch und Tratsch aus dem Forschungsbetrieb. Besonders interessiere ich mich für Evolutionsbiologie, Genetik und Entwicklungsbiologie, aber ich werde meine Komfortzone regelmässig verlassen und  aus allen Bereichen der Lebenswissenschaften berichten. Pseudowissenschaft, Esoterik und Verschwörungstheorien aus naturwissenschaftlicher Sicht zu kommentieren werde ich mir auch nicht verkneifen können.

Und er hat schon erste Beispiele seines Könnens abgeliefert – einfach klasse Texte … … der Mann hat einen generellen Lesebefehl verdient:

Panagrellus

Der zweite Blogrolltipp ergeht an ein Projekt verschiedener, nicht unbekannter Individuen aus der Wissenschaftsblogger- und Twitterszene: eine virtuelle Kneipe mit dem passenden Namen, das

Kneipenlog

Das Ganze hat eine Bar, einen Debattiertisch und einen Platz „Vor der Tür“ (für die Raucher). Klasse Beiträge und lässige „Gespräche“ über alles Mögliche … … ein unverzichtbares Lesevergnügen für mich – ab jetzt!








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