Die Angst der Homöopathen vor der Öffentlichkeit (mit aktuellem Update)

6 02 2018

Aus dem Internet – insbesondere Facebook – kennt man das ja: Unliebsame Kommentatoren werden geblockt, deren Beiträge kommentarlos gelöscht. Was macht man aber, wenn man nicht im Internet unterwegs ist sondern an einer Uni eine „Ringvorleseung“ anbietet? Man macht die Kritiker auf Old-School-Art mundtot!

So geschehen an der Uni Kiel, und dankenswerter Weise von ein paar Studenten ordentlich dokumentiert. OK, die „Ringvorlesung“ war schon mal keine Veranstaltung der Universität, wollte aber wohl mit der Wahl des Titels „Ringvorlesung“ irgendwie suggerieren, dass es sich um eine offizielle Veranstaltung der Universität handelte. War es aber gar nicht …

Die erste Veranstaltung sollte eine Einführung in die Homöopathie beinhalten und wurde – wie die ganze Veranstaltungsreihe – natürlich nicht von der Uni veranstaltet sondern fand mit finanzieller Unterstützung der einschlägig bekannten Carstens-Stiftung (die „Ringvorlesung“ im Sommersemester 2017 wurde dort auch beworben) statt. Das weitgehend neutrale Protokoll dieser Veranstaltung hatte jedoch Folgen. Denn ab dem zweiten Termin hatten die Veranstalter keine Lust mehr auf solche Protokolle und bemühten fadenscheinige Begründungen um den Zuhörern einen Maulkorb zu verpassen. Das gelang in Form einer von den Zuhörern eingeforderten „Schweigepflichtserklärung“, die auf der verlinkten Seite netterweise abgebildet ist. Es ist schon komisch, dass man eine Werbeveranstaltung für die Homöopathie macht und dann den Zuhörern verbietet darüber zu reden. Aber es wurde noch schlimmer …

Bei der dritten Veranstaltung sollten sich die Unterzeichner der Schweigepflichtserklärung sogar noch ausweisen! Man kann natürlich dem Veranstalter hier ein gewisses Hausrecht zugestehen, aber wenn man das Ganze „Ringvorlesung“ nennt, dann ist das schon sehr deplaziert. Aus der Beschreibung es – abgebrochenen – Besuchs der dritten Veranstaltung ist dann auch der wahre Grund der eingeforderten Schweigepflichtserklärung klar ersichtlich: Man wolle solche Protokolle wie von der ersten Veranstaltung verhindern …

Tja, liebe Homöopathen, Kritiker mundtot machen ist eine ziemlich lächerliche Strategie. Wenn ihr nicht wollt, dass irgendjemand über eure „Vorlesungen“ berichtet, dann haltet sie statt an der Uni („Ringvorlesung“? Pah!) in Hinterzimmern von Kneipen oder in der Praxis eines eurer Mitglieder ab – an der Uni hat dieser Nonsens schon lange nichts mehr zu suchen (es sei denn ihr könnt Evidenz nachweisen). Denk- und Diskussionsverbote von den Besuchern eurer Veranstaltungen zu fordern ist aber einfach nur armselig. In anderen Zusammenhängen werbt ihr doch sehr gerne für euren Kram

Bleibt zu hoffen, dass die Uni Kiel sich wenigstens für die Zukunft die Titulierung dieser Werbeveranstaltung als „Ringvorlesung“ verbittet (… oder keine Räume mehr zur Verfügung stellt).

Update: Die letzte „Ringvorlesung“ – terminiert auf den 30.01.2018 – wurde „aus persönlichen Gründen der Referentin“ (!!!) abgesagt. Noch besser aber ist, dass sich das Präsidium der Universität wie folgt äußerte:

[…] ich kann Ihnen bestätigen, dass das Präsidium der CAU den Arbeitskreis gebeten hat, zukünftige Veranstaltungen in anderen Räumlichkeiten abzuhalten. Vonseiten der Universität werden keine Räume mehr zur Verfügung gestellt. Eine detaillierte Bewertung der Veranstaltungsinhalte war mit dieser Entscheidung allerdings nicht verbunden […]

Klingt gar nicht mal schlecht! Danke an eNBeWe, aus dessen Blog über „Coding, Life and more“ de meisten Informationen stammen. Sehr gute skeptische Basisarbeit und dann auch noch erfolgreich! Klasse!

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One response

10 02 2018
Neues von der Globukalypse @ gwup | die skeptiker

[…] hat die “Schweigepflichtserklärung”, die die Teilnehmer allen Ernstes unterschreiben mussten, damit nichts von dem Voodoo-Quatsch nach […]

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