Und wieder mal ein baldiger Weltuntergang

19 04 2017

Wieder einmal probiert sich ein selbst ernannter „messenger of god“ als Weltuntergangsprophet. Horacio Villegas heißt der Mann und er behauptet noch dazu, dass er bereits 2015 den Wahlsieg von Donald Trump vorausgesagt habe. Belege dafür hat er natürlich keine, aber – wie mehrere Medien meldeten – einen exakten Termin. Den 13. Mai finde ich dabei sogar ziemlich gut gewählt, denn es ist ein Samstag –  Weltuntergangsparties können also bereits am Freitag beginnen.

Fünf Monate später soll dann bereits alles vorbei und der dritte Weltkrieg beendet sein. Warum der Mann darauf verweist, dass am 13. Oktober 1917 eine Heilige namens Maria (die mit der jungfräulichen Geburt) an vielen Orten Portugals erschienen sein und das baldige Ende des 1. Weltkriegs vorausgesagt haben soll. Irgendwie hat der Mann da schlecht recherchiert, denn der 13. Oktober 1917 ist das Datum des so genannten Sonnenwunders von Fatima (… für das mehrere Erklärungsansätze existieren) – und warum der 3. Weltkrieg ausgerechnet am 100. Jahrestag der ersten vermeintlichen Mariensichtung dort stattfinden soll, das erklärt der Mann auch nicht.

Ist aber – wie bei all solchen schäbigen Angstmacherprognosen – auch egal: Wenn er recht hat, dann wird ihn niemand mehr feiern können; liegt er – wie alle anderen bisher – falsch, dann findet er bestimmt eine Ausrede.

Wenn schon das Thema Weltuntergang, dann doch lieber so wie bei diesem wunderbaren Mann aus Nürnberg namens El Mago Masin:

 

 (Horacio Villegas geht mit der Startnummer 25  an den Start der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Buchholz bleibt! – auf Youtube (mit englischen Untertiteln)

16 04 2017

Das kleine Filmchen „Buchholz bleibt“, die Abschlußarbeit einiger Studenten von der Hochschule für Gestaltung, Offenbach aus dem Jahr 1990, hatte ich schon im Jahr 2009 ausdrücklich gelobt. Völlig unbemerkt von mir hat der Kameramann das Ganze bereits vor einigen Jahren nach Youtube gestellt und sogar mit englischen Untertiteln versehen.

Für das knapp 15 Minuten lange Portrait eines Mannes, der mit absurden Messungen nachzuweisen glaubt, dass die Gravitation immer schwächer wird – und deshalb folgerichtig Bäume an den Boden kettet, benötigt man nur eine ganz kleine Tüte Popcorn:





Prognoseresterampe 2017 (Teil 2): Noch mehr Blabla mit einer ganz kleinen Prise Trump

5 04 2017

Im 2. Teil der Prognoseresterampe fange ich mit der Seite annabelle.ch an, dort durfte bereits Mitte Dezember letzten Jahres die Astrologin Nicole von Bredow einen Blick auf das kommende Jahr mit dem Titel „2017 wird ein gutes Jahr zur Selbstfindung“ werfen. Viel scheint sie allerdings nicht gesehen zu haben, denn auf die Einstiegsfrage …

Was für ein Jahr! Politische Donnerschläge wie der Brexit oder die Wahl Donald Trumps, aber auch überraschende Todesfälle und Trennungen sorgten 2016 für Aufregung. Dürfen wir 2017 mehr Ruhe erwarten?

… antwortet sie zunächst mit …

Leider nein. 2016 war das Mars-Jahr. Der Mars ist bekannt dafür, Spannungen zu erzeugen und den Kampfgeist zu wecken. Dieser Einfluss ist zwar im nächsten Jahr vorbei, doch Ruhe kehrt nicht ein. Denn 2017 steht im Zeichen der Sonne.

… um dann das Ganze aber doch irgendwie „friedlicher“ enden zu lassen:

Die Sonne steht für Selbstdarstellung. In der Astrologie ist die Sonne der wichtigste «Planet» in einem Horoskop. Nach uralter Tradition herrschen die Himmelskörper im Turnus von sieben Jahren jeweils zwölf Monate lang und färben das Jahr mit ihrer Energie ein. Bei der Sonne heisst das, dass sich die Menschen weniger auf Konflikte mit anderen und mehr auf sich selber konzentriert. Es wird also etwas friedlicher als das vergangene Jahr.

Nachdem sie einem Jahr der Liebe eine Absage erteilt hat („Die Sonne ist kein Liebesplanet“ – beim Astrogipfel las sich das aber ganz anders …) erklärt sie das offensichtlich von ihr erfundene „Gummistiefelprinzip“, das bei google als ersten Treffer genau das verlinkte Interview auflistet:

Frauen in Gummistiefeln, die in sich ruhen und selbstbewusst sind, können viel anziehender sein als Frauen, die gestylt, aber unsicher in Highheels herumstolzieren.

Aha! Gilt dann für Frauen, die in sich ruhen und sicher in Highheels laufen das Highheelsprinzip? Und was ist mit dem Flipflopprinzip oder dem Weißetennissockeninsandalenprinzip? Ach, egal – immerhin äußert sich die Dame sogar zu Donald Trump:

Einerseits hilft das Sonnenjahr Egomanen wie Putin und Trump, die jetzt noch mehr bestärkt werden und im Licht stehen. Aber wir können darauf hoffen, dass Trump die Flügel etwas gestutzt bekommt. Das ist auch an seinem Horoskop ablesbar.

… und „präzisiert“ dann noch:

Trump wird im Januar an seine persönlichen Grenzen stossen. Der Widerstand, den er erfährt, wird ihm Mühe bereiten, und seine Freiheiten, die er sich erhofft hat, werden stark begrenzt sein.

Ach ja, diese Begrenzung nennt sich übrigens amerikanische Verfassung …

Der Freiburger Astrologe Winfried Henke sieht sich als Protagonist einer „spirituellen Astrologie“ und reißt in seinem Text für 2017 gleich mal das vermeintliche Fundament der Astrologie („wie oben, so unten“) ein, denn nachdem er das zunächst so fabuliert …

Wie oben so unten, die schöpferische Ordnung des Himmels spiegelt sich auf Erden wieder. Sie gibt uns Orientierung und Lebenshilfe. Der kreative Tanz der Gestirne stimmt uns auf die Harmonie des Universums ein.

… fährt er mit Folgendem fort:

Wenn oben nicht mehr wie unten ist, wenn der Himmel sich immer weniger schöpferisch und kreativ sondern immer mehr disharmonisch und destruktiv auf Erden spiegelt, dann ist es wieder so weit. In der aktuellen Weltsituation geraten immer mehr Menschen und Systeme aus der himmlischen Ordnung und in irdische Unordnung.

Und wie will er erkennen, ob für seinen nächsten Kunden dann wirklich das „wie oben, so unten“ gilt bzw. ob sich bei diesem Menschen der Himmel dann doch eher negativ „spiegelt“? Egal, denn auch zu Trump wird im leztzten Abschnitt erwähnt:

Der Schicksalsplanet Saturn wird 2017 im Galaktische Zentrum bei ca. 21°-28°Schütze hin und her pendeln und das evolutionäre Gewissen der Menschheit und jedes Einzelnen prüfen. Beispielsweise steht Donald Trumps Zwillings-Sonne in herausfordernder Opposition dazu. Und Angela Merkels Schütze-Mars steht dazu in harter Konjunktion. Diese beiden Weltpolitiker werden somit von Saturn, dem Meister des Schicksals im Galaktischen Zentrum geprüft und herausgefordert…

Evolutionäres Gewissen? Politiker werden geprüft und herausgefordert? Wenn wir schon „spirituell argumentieren“ wollen dann möchte ich den Herrn Henke an einen Bibelspruch erinnern (Mathäus 5,37): Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel. – ich möchte ergänzen: vielleicht nicht von Übel aber von Blabla!

Bei Astroschmid liegt die Blabla-Dichte bei beinahe 100%. Beispiele gefällig? Bitteschön:

  • die sozialen und ökologischen Errungenschaften, auch z.B. in der Gesundheitsversorgung (Chiron) [haben] eine Tendenz zum „Verdunsten“
  • im Weltgeschehen [gilt es] Schwierigkeiten (Saturn) mit Recht und Gerechtigkeit (Schütze) zu überstehen
  • man [stellt] sich auf der Welt wieder mehr der Frage der Verantwortung
  • Gerechtigkeit (Jupiter) durch Diplomatie (Waage) [hat] gute Chancen

Nach Astroschmid jetzt der „Astro-Uranus„, der neben einem Jahreshoroskop für die einzelnen Sternzeichen auch ein wenig allgemeinen Text auf Lager hat. Es gibt also ein „verheißungsvolles Omen„, es soll „Überraschendes“ geschehen (was wird natürlich nicht verraten) und zwei Prognoseklassiker aus der Binsenweisheitensektion:

  • Es wird ein Jahr des Umbruchs und der Erneuerung sein.
  • Altes muss etwas Neuem weichen, das besser sein muss.

Ein wenig konkreter wird es erst am Ende der Seite, wobei das Wort „wenig“ noch weit übertrieben erscheint. Auch hierfür ein paar Beispiele:

  • Diese allerdings ist weit weniger gut konstelliert und ein kritisches Datum, an dem sich keine neuen guten Aktivitäten in Gang bringen lassen, doch zerstörerische Aktivitäten begünstigt sind. Zwillinge, Jungfrau und Schützen wissen jetzt alles besser. Jetzt Genussgifte meiden, lieber Füße baden und Blattgemüse und Kresse säen!
  • Am 6. September erwartet uns ein Vollmond voller Mitgefühl in den Fischen, und wenn über den Leermond vom 20.9 in Waage eine Jupiter-Uranus-Opposition bis zum 28.9. zunimmt, an dem Tag exakt wird, an dem auch Pluto wieder voranzulaufen beginnt, also stark wird, dann möge Gott uns gnädig sein.
  • Der 1. Adventssonntag am 3. 12. Bringt einen Vollmond in den Zwillingen. Der Merkur wird rückläufig und Neptun hat das Wort. Also Vorsicht beim Einkauf. 2 Wochen später ist Neumond im Steinbock, da wird man realistischer einkaufen, falls noch möglich.

Noch mehr inhaltsloses Blabla also …

Bei Gabriele Moog gibt es zu den Themen Politik, Finanzen, Partnerschaft und Gesundheit jeweils sehr kurze Texte, die inhaltlich aus einem inhaltsleeren Phrasengenerator stammen könnten.

Mal sehen ob das nächste Paket der Prognosenresterampe ein wenig mehr konkrete Prognosen liefert …

(Das waren  Nummer 20 bis 24 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Prognoseresterampe 2017 (Teil 1): Viel Blabla und Katastrophengeraune beim alljährlichen Astro-Gipfel

28 03 2017

Schon Ende März, also höchste Zeit sich endlich mit den gesammelten Prognosen für das bereits seit fast drei Monaten laufende Jahr zu beschäftigen. Als Erstes ein Blick auf den alljährlichen „Astrogipfel“ aus der Astrowoche:

Wie üblich gab es bei den dieses Mal fünf Zukunftsdeutern überwiegend Belangloses zu lesen. So schrieb der Astrologe Erich Bauer folgendes zum Weltgeschehen:

Im Sonnenjahr 2017 stehen Uranus und Pluto zusammen gegen Jupiter. Das hat Auswirkungen auf bestehende Konflikte, aber auch auf Partnerschaft und Liebe. […] Mit der Sonne als Dirigent werden zuallererst einmal die Eigenschaften der einzelnen Tierkreiszeichen verstärkt – und zwar die positiven genauso wie die negativen. Es kommt dann auf jeden einzelnen an, in welche Richtung er sich bewegt, wohin er sich treiben lässt, ob mehr in die positive oder die negative Richtung.

Das gilt natürlich auch für diejenigen, die ganz oben sind, also unsere Regenten. In diesem Zusammenhang kann es leicht passieren, dass so mancher das Sonnenjahr dahingehend missbraucht, um wie allzumal der Sonnenkönig von Frankreich seine ohnehin ausgeprägten Vorstellungen einer Regentschaft noch maßlos auszubauen. Dass dann in seinem „Orchester“ noch ein Uranus im Widder und ein Pluto im Steinbock mitmischen, macht das Ganze noch bedrohlicher. Uranus würde sich nämlich gegen jegliche Tyrannei auflehnen, Widerstand, vielleicht sogar einen Aufstand anzetteln. Saturn, der im Zeichen Schütze steht, würde dafür die ideologische Legitimität abgeben.

Dem Himmel sei Dank existiert auch Jupiter. Er befindet sich bis in den Oktober hinein im Zeichen Waage. Er macht Hoffnung. Er ist 2017 der Prophet für Frieden. Solange dieser Planet in der Waage steht, bleibt es bei kleineren Scharmützeln und beim Säbelgerassel der verschiedenen selbst ernannten Sonnenkönige und -königinnen. Dieser Jupiter zieht dann im Herbst in das Zeichen Skorpion. Davor wird mir Angst und Bange. Dieser Jupiter scheut sich nicht vor einem größeren Konflikt. Es kommt also voll und ganz darauf an, ob es diesem Jupiter, solange er im Tierkreiszeichen Waage steht, gelingt, die Bereitschaft zum Frieden dermaßen zu stärken, dass er auch die Zeit überlebt, in der Jupiter durch den Skorpion wandert.

Aha, nichts Konkretes wieder einmal, aber genug Gefasel das Bauer dann irgendwie auf aktuelle Situationen irgendwo in der Welt deuteln kann. Ansonsten erwartet er „dass zerstrittene Beziehungen wieder Frieden finden“, ja sogar  dass „solche Partner, die eine Scheidung hinter sich haben, können jetzt durch eine erneute Heirat von vorne beginnen“ könnten … … nicht nur bei mir liegt er damit schon mal völlig falsch. Ach ja, und 2017 sollen sich außerdem mehr Menschen als sonst unsterblich verlieben – ich gönne das ja jedem, aber als Prognose ist das wenig brauchbar.

Ruth Siegenthalers Jahresprognose liefert nur Belanglosigkeiten a la

„In das Kapitel von Neptun und Chiron in den Fischen gehören auch erlittene Verletzungen in dieser und in früheren Inkarnationen. Dies kann sich so äußern, dass wir wegen eines unbedeutenden Ereignisses auf die Barrikaden gehen. Fehlt die Bereitschaft, unsere Reaktionen zu beobachten und vernünftig zu entscheiden, was der Vergangenheit angehört und was nicht, laufen wir Gefahr, unnötige Dramen zu produzieren.“

Blablabla …

Nur wenig konkreter ist Christine Schoppa, die für 2017 erwartet dass „Großfamilien entstehen“ und das Ganze mit dem üblichen Sternengelaber garniert. Ein klein wenig Katstrophengeraune gibt es noch dazu:

„In der Wirtschaft kann das starke finanzielle Einbußen zur Folge haben. Aber nicht nur diese eine Komponente hat dieser Aspekt zu bieten, ich sehe ihn auch als Übeltäter im Bereich Wetter- und Umweltkatastrophen, hier ist alles möglich, von starken Stürmen bis hin zu Erdbeben. Hinzu kommt dann Ende März noch das Quadrat von Jupiter und Pluto, was das ganze noch verstärkt. Jupiter zeigt sich also in den ersten drei Monaten diesmal nicht von seiner Glücksseite.“

Aha, wir haben also gerade jetzt mit Stürmen und Erdbeben zu rechnen …

Auch Gabriele Sperzel übt sich in allgemeinem Katastrophengeraune:

Das schon aus den Jahren 2012 bis 2015 bekannte Quadrat zwischen Uranus und Pluto erlebt von Januar bis März 2017 eine Wiederbelebung. Diese Konstellation ist aus astrologischer Sicht verantwortlich für die weltweiten Umstürze und Naturkatastrophen. Der Aspekt bleibt auch weiterhin latent vorhanden.

Dazu wird eine Finanzkrise bis „ca. 2020“ vorausgesagt, für die irgendwelche Planeten verantwortlich gemacht werden. Also das übliche Gelaber …

Fehlt noch der unvermeidliche Michael Allgeier, der als Herausgeber von Allgeiers Astrologischem Jahreskalender später noch einem eigenen Artikel hier erhalten wird, und der hier nur eine Kurzversion seiner Jahresprognose zum „Besten“ geben darf. Es fängt aber recht positiv an:

Die Welt ist zerrissen, es gibt so viele Brandherde wie noch nie. Und ja, auch 2017 wird es Krisen geben. Aber, die schlimmen, lang anhaltenden Aspekte fehlen nahezu völlig.

Ach wirklich? Und warum?

Saturn und Neptun, die im Vorjahr für so viele Krisen verantwortlich waren, haben sich aufgelöst.

Upps! Die Planeten haben sich aufgelöst? Das hätte ich wahrscheinlich irgendwo gelesen … . Und es gibt das übliche Katastrophengeraune:

Ein kritisches Quadrat bildet Jupiter allerdings zu Pluto zwischen dem 23. März und 6. April sowie zwischen dem 29. Juli und 10. August. In diesen Phasen regiert die Gier. Es ist der Aspekt des Reichtums, der nie genug bekommen kann. Auch Katastrophen wie größere Erdbeben sind unter dieser Spannung zu erwarten.

Ansonsten wird allerdings alles gut, zumindest wenn man Herrn Allgeier glauben will. Und sensationelle Tipps hat er auch noch auf Lager:

Das sind Phasen, in denen wir mit Klugheit und Umsicht unsere berufliche Zukunft planen sollten und in denen wir mit Bedacht Geld in größere Anschaffungen wie Autos oder Immobilien erfolgreich investieren sollten.

Dass dies nur für einen kleinen Teil des Jahres gelten soll wundert mich allerdings schon, sorgen die Sterne dafür, dass man zu den anderen Zeiten im Jahr das nicht tun sollten? Und am Ende wird den Lesern noch eine riesige Portion Honig  ums Maul geschmiert:

In der Waage macht uns Jupiter liebevoller, schöner, reicher und glücklicher. Alle Beziehungen, ob persönlich, geschäftlich oder politisch, werden von diesem Einfluss profitieren können. Dieser Jupiter kündigt nicht zuletzt ein Jahr der großen Liebe an, es ist der Hochzeitsstern schlechthin. Beruflich und geschäftlich fördert er Zusammenschlüsse und Kooperationen.

Ach ja, alles wird gut und zwar für ausnahmslos alle Menschen! Das mag manchen Menschen eine trügerische Hoffnung geben, ist wohl nett gemeint, aber als „Jahresvorschau“ völliger Blödsinn.

Auf jeden Fall fällt auf, dass der Name Trump bei keiner Prognose auftaucht – das kann natürlich daran liegen, dass diese Texte vor der US-Wahl geschrieben und nachher nicht mehr redigiert wurden …

(Das waren  Nummer 15 bis 19 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Absoluter Lesebefehl: Die Schweriner Volkszeitung spricht mir (und hoffentlich vielen anderen) aus der „Seele“

13 03 2017

Ja ich weiß, die „Seele“ gibtes eigentlich gar nicht (das ist meine Meinung), aber der Spruch dass einem ein Text „aus der Seele“ spricht war selten so angesagt wie bei diesem wunderbaren Artikel aus der Schweriner Volkszeitung (den ich mir gleich auf Webcire gesichert habe)  mit dem Titel:

Homöopathie, Superfood und Co. :

Die große Esosifizierung

Der Artikel nimmt die Twitter-Katastrophe der Techniker-Krankenkasse zum Anlass für einen wunderbaren Rundumschlag gegen die Esoterisierung der Gesellschaft – mit klaren Worten! Ein paar Beispiele gefällig`Bitteschön:

Wussten Sie, dass Krabbeln als neuester Fitnesstrend gilt? Ist so! Stand jüngst in einer seriösen Zeitung, die diese Entwicklung auf dem Körperoptimierungsmarkt immerhin kritisch verarztete. Dafür muss man in diesen Tagen bereits dankbar sein.

Zum Mitschreiben: Diesen Stuss findet man auf den Seiten einer gesetzlichen (!) Krankenkasse. Auch diese Warnung: „Keineswegs sollten Sie vergessen, dass bei der sanften Heilmethode auch Mittel verwendet werden, die in hoher Dosis schädlich oder gar giftig sein können.“ Von einer Selbsttherapie sei deshalb überwiegend abzuraten, die Behandlung solle mit einem speziell dafür ausgebildeten Arzt oder Heilpraktiker abgesprochen werden. Fragt sich, ob Ärzte seriös sein können, die sich für so etwas hergeben.

Egal, ob Thalia, Hugendubel & Co. oder ein inhabergeführtes Fachgeschäft: die Ratgeberecke wird größer und größer. Wachstumstreiber sind Eso-Wälzer mit Titeln wie „Homöopathie zum Aufmalen – Zeichen, die helfen“ oder „Heilen mit Symbolen – die 64 wichtigsten Heilzeichen“.

Ach ja, bei dieser Gelegenheit mitten in der Fastenzeit: Detox ist Unsinn! Der Körper entgiftet sich laufend selbst, er lagert keine Schlacke an. Zu diesem Zweck hat die Evolution (ja, die!) dafür gesorgt, dass wir mit Nieren und Lebern ausgestattet werden. Das Regal, das übel schmeckende, aber angeblich Organfunktionen ersetzende Teebeutel anbietet, kann also weg.

… und am Ende der wichtigste Satz:

Ja und? Da können wir doch einfach weich und tolerant sein, sagen Sie sich jetzt. Darüber sollten Sie aber nochmal einen Moment lang nachdenken. Machen Sie sich dabei vielleicht eins klar: Leute, die an Superfood, an „Energiemuster, die in Wasser eingeprägt werden“ (das denken Homöopathen), an Entgiftung durch Tees und an veganes Duschgel (gibt es wirklich) glauben, die haben etwas mit Ihnen gemeinsam. Das Wahlrecht.

Nicht dass ich irgendjemanden das Wahlrecht aberkennen möchte, aber wir Skeptiker haben noch viel zu tun, damit der – meist teure – Schwachsinn als das entlarvt wird was er wirklich ist: Abzocke für Denkfaule!





RP-Online checkt eine Hellseherin und macht sich lächerlich

9 03 2017

Die Überschrift im Leverkusener Lokalteil der Rheinischen Post klingt sensationell:

Vorhersage für das Jahr 2016: Leverkusener Wahrsagerin lag bei vielen Fakten richtig

Tatsächlich? Schauen wir doch einfach mal nach, wie „richtig“ die Dame wirklich lag – und wie lächerlich der Lokalredakteur hier „Fakten“ geprüft hat. Fangen wir mit dem ersten von 4 Themen an, zu dem sich die Dame geäiußert hatte, es ging um den im Oktober 2015 neu gewählten Bürgermeister von Leverkusen Uwe Richrath, und das hatte die Hellseherin gesagt (nachdem sie natürlich keine Ahnung über seinen vorherigen Beruf hatte):

„Herr Richrath ist ein netter Mensch. Das sage ich, obwohl ich ihn überhaupt nicht kenne. Er hat zwei oder drei echte Feinde, die ihm übel mitspielen wollen. Aber er ist durchaus in der Lage, sich durchzusetzen. Und ich sehe, dass er ein Mensch ist, der andere führen und begeistern kann. Glauben Sie mir, der wird seinen Weg machen.“ Privat sieht die Hellseherin für Richrath auch größere Veränderungen für kommendes Jahr: „Ein Umzug, eine Renovierung – genauer kann ich es leider nicht sagen.“ Da müsse sie ihn treffen.

Reinstes Blabla also, denn einem neu gewählten Bürgermeister ein paar Feinde anzudichten (wie wäre es mit den Verlierern der Wahl?) und ihm zu attestieren, dass er wohl irgendwie begeistern kann (warum wurde er sonst gewählt?) ist in etwa so schwierig wie wenn die Hellseherin der ehrenamtlichen Leitung eines Tierheims Tierliebe nachgesagt hätte und sich dafür feiern lassen wollte. Trotzdem gibt es jetzt zumindest ein wenig Lob für die Hellseherin:

Die Umzugsabsichten verwies der Stadtchef gestern ins Reich der Träume. Auch echte Feinde hat er bisher nicht ausgemacht: „Ob ich nett bin, müssen andere beurteilen“, betont er. Wer in der Stadtverwaltung nachfragt, bekommt allerdings durchweg positive Einschätzungen über die Freundlichkeit Richraths, viele bescheinigen ihm auch gute Menschenführung. Trefferquote: 50 %

Nein, denn alle konkreten Prognosen (Umzug und/oder Renovierung) waren falsch, also 0%!

Weiter zum zweiten Thema: Hochwasser! Die Frage lautete „Wann gibt es das nächste Rhein-Hochwasser im Stadtgebiet?, und die Antwort war folgende:

„Legen Sie mich nicht auf den Monat genau fest, aber innerhalb der kommenden fünf Monate wird es ein Hochwasser in Leverkusen geben, das kann ich klar sehen.“

Nun ja, als Rheinanwohner kenne ich Hochwasser natürlich recht gut, und es gibt fast in jedem Jahr Sperrungen der ufernahen Radwege wegen Hochwasser. Die Prognose war also ein fast sicherer Treffer, der jedoch nicht beeindrucken kann. Warum der selbst  ernannte Faktenchecker der RP allerdings folgendes schreibt ist wirklich nicht zu erklären:

Ende Mai wurde der Rheinradweg zwischen Wiesdorf und Rheindorf wegen Hochwassers gesperrt. Die Schiffsbrücke an der Wupper ebenso. Die Techischen Betriebe Leverkusen (TBL) standen bereit, Hochwassertore und die mobile Schutzwand in Hitdorf aufzubauen. Ein Frachtschiff fuhr sich in Höhe des Krancafés am Hitdorfer Hafen fest, der Kapitän hatte wegen des Hochwassers ein Hindernis übersehen. Trefferquote: 100 %

OK, es gab – wie fast in jedem Jahr – Hochwasser, aber das festgefahrene Frachtschiff ist kein Beleg für irgendetwas, sondern reines Gefasel, das nichts mit der Prognose zu tun hat. Da die Dame mit ihrer Fünfonatsprognose knapp richtig lag darf man ihr hier den Treffer nicht verweigern, aber die Prognose war doch sehr schwachbrüstig: Ich würde vorab von einer Hellseherin dann schon erwarten, dass sie den Zeitraum etwas genauer eingrenzt und auch die Höhe der Hochwasserwelle nennen kann – falls nicht verweise ich jetzt schon mal auf meine weiter unten folgenden Sensationsprognosen (… die die RP gerne überprüfen darf).

Das dritte Thema – die Autobahnbrücke in Leverkusen – wird im „Faktencheck“ nicht erwähnt (war eh nur Blabla), dann also gleich zu Nummer vier der Prognosen von Hellseherin Rosalia – jetzt geht es um das Thema Flüchtlinge, im Detail um folgende Frage: “ Wie wird sich die Situation rund um den Flüchtlingszustrom nach Leverkusen im kommenden Jahr entwickeln?“  Und das war die Antwort der Hellseherin:

„Ich sehe, dass sich die Haltung in der Bevölkerung der Stadt grundlegend ändern wird. Das hat allerdings nichts mit mangelnder Hilfsbereitschaft zu tun, sondern vor allem mit der Tatsache, dass das Geld im kommenden Jahr deutlich knapper werden wird. Und wo es nicht mehr so viel zu verteilen gibt, werden die Angst und auch der Ärger entsprechend zunehmen.“

Es ging also ums Geld, und ansonsten um nichts! Wie der vermeintliche Lokalredakteur der Rheinischen Post daraus einen Treffer macht ist schon sensationell:

Vorhersage Flüchtlingszustrom

 „Ich sehe, dass sich die Haltung in der Bevölkerung grundlegend ändern wird“, sagte Madame Rosalia. Angst und auch der Ärger würden entsprechend zunehmen.

Ergebnis: Tags darauf bestätigten die Kölner Silvesterkrawalle und ihre Auswirkungen die Wahrsagerin auf die denkbar unangenehmste Weise. Gleichwohl wird in Leverkusen weiterhin engagierte Flüchtlings-Arbeit geleistet.

Trefferquote: 80 %

Nö! Trefferquote 0%! Über die Silvesterkrawalle hatte die Hellseherin genau was gesagt? Gar nichts! Dass es in der Frage und der Antwort um Leverkusen ging, auch darüber im aktuellen Artikel kein einziges Wörtchen! Für diese Meisterleistung des Lokaljournalismus habe ich eben gerade die Kategorie „Fakenews“ für diesen Blog eingeführt …

Und ja, ich bin bereit gegen diese Hellseherin anzutreten und habe extra für Leverkusen folgende Prognosen aus den Fingern gesaugt erwürfelt nach intensivem Telepadingsbums-Kontakt zu meinem Guru (er weiß wer gemeint ist) hellgesehen:

  • gegen Abend eines jeden der nächsten 365 Tage wird mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen sein!
  • in den nächsten 5 Monaten wird es mindestens drei Tage geben, an denen in Leverkusen (!!!) Wasser vom Himmel fällt!
  • der Bürgermeister von Leverkusen wird in den nächsten 10 Wochen von der Lokalzeitung zu einem Thema wörtlich zitiert werden!
  • am Autobahnkreuz Leverkusen wird es binnen der nächsten 12 Monate mindestens 3 Staus und mindestens 17 Mal „stockender Verkehr“ geben!

Ja ja, ich weiß, ich werde zu 100% richtig liegen! Jetzt erwarte ich von der Rheinischen Pest Post aber spätestens im Mai 2018 auch eine entsprechende Lobhudelei!





Skeptikerkritik am ZDF sorgt für Chefastrologen-Mimimi

30 01 2017

Klemens Ludwig ist aktuell der Vorsitzende des DAV, des Deutschen Astrologen Verbands, und er war in den Wochen um den Jahreswechsel ziemlich aktiv. Unter anderem hatte er auch heute.de ein Interview gegeben (auch dem hessischen Rundfunk, verschiedenen Zeitungen und schon 2015 der FAZ), und der GWUP-Blog hatte ebenso wie der hpd auf dieses Interview mit deutlicher Kritik am ZDF reagiert. Soweit so gut – das alljährliche Spielchen, obwohl man sich selbstverständlich schon fragen darf warum heute.de, als Teil unserer öffentlich-rechtlicher Medien mit Bildungsauftrag, dem Herren ein solches, vollkommen unkritisches Interview schenken muss. Seine Reaktion ist ein großes Mimimi bei Huffingtonpost.de.

Ein Dorn im Auge ist ihm schon der alljährliche Prognoserückblick und sein Argument ist amüsant:

Dass dabei vor allem die Prognosen herangezogen werden, die in das Weltbild der Skeptiker passen, liegt auf der Hand.

Als Autor der jährlichen Prognoserückschau muss ich dem Mann vehement widersprechen, denn ich nehme jede auf esoterischem Gedankengut fußende Prognose die ich finden kann in die Auswahl auf. Dass viele davon von Astrologen gemacht werden, dafür kann ich aber nichts.  Warum kritisiert Herr Ludwig nicht diese Astrologen? Die sind es doch, die mit ihren Prognosen das Bild der Sterndeutung in der Öffentlichkeit prägen! Wenn kein Astrologe solche Prognosen machen würde, dann könnte man wegen der Prognosen auch keine kritisieren. Ist doch ganz einfach …

Nach ein wenig herumnörgeln am hpd (weil dieser die dauerlachende Binsenweisheitenschleuder namens Dalai Lama recht kritisch sieht) zeigt Ludwig erstaunliche Wissenslücken bei seinem eigenen Fachgebiet.

Zu den ominösen „unterschiedlichen empirischen Studien“ fällt mir nur das Winston Churchill zugeschriebene Zitat ein: „Ich glaube nur Statistiken, die ich selbst gefälscht habe“. Ich komme später noch einmal darauf zurück.

Aha, die Studien zu seinem ureigenen Fachgebiet kennt er also gar nicht? Oder interessiert er sich einfach nicht dafür? Und dann noch den falschen Churchill-Spruch … Argumente lesen sich anders. Mal sehen ob er nochmal darauf zurückkommt. Zuerst aber wirft er den Skeptikern Intoleranz vor und beruft sich dabei auf einen Kommentator bei heute.de. Weder weiß Herr Ludwig wer da kommentiert hat, noch ob diese Person irgendetwas mit der GWUP oder dem hpd zu tun hat – aber diese Kritik am Umgang mit den Fernsehgebühren (auch wenn der Artikel „nur“ online war, der Journalist wurde vom ZDF bezahlt) zeigt natürlich ganz genau … … dass Herr Ludwig es beim Thema Dünnhäutigkeit mit dem aktuellen amerikanischen Präsidenten aufnehmen könnte.

Es folgt eines der liebsten Argumente aller Astrologen:

Was die Astrologie-Kritiker angeht, so bin ich fest davon überzeugt, dass nur eine verschwindend geringe Minderheit unter ihnen sich jemals auf ein persönliches Horoskop eingelassen hat. Das ist das gewichtigste Argument für die Astrologie, die seriöse Astrologie.

Tja hier liegt Herr Ludwig bei mir (und einigen anderen GWUP-Kollegen) vollkommen falsch. Ich zum Beispiel habe etwa zwei Dutzend Horoskope zu meiner echten Geburtszeit gelesen, davor oder danach mit einigen der erstellenden Astrologen gesprochen und mein Fazit ist ein ganz anderes: Genau das, was die Studien eben auch zeigen. Und natürlich darf ich das verbreiten, mache ich ja auch – genau so wie Herr Ludwig für die Astrologie Werbung machen darf, ist es mein Recht darauf hinweisen, was die Wissenschaft über astrologische Behauptungen so herausgefunden hat: Bringt Nix! Bestenfalls unterhaltsam!

Aber natürlich hat Herr Ludwig seine eigenen Beweise:

Insofern beweist sich Astrologie im praktischen Alltag, und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung zahllose Menschen nennen, die durch eine astrologische Beratung Orientierung und Perspektive erhalten haben. Das ist der Beweis für die Astrologie, keine fragwürdigen Untersuchungen oder Statistiken.

Nein, das ist kein Beweis für die Astrologie! Das ist vielleicht ein Hinweis darauf, dass Herr Ludwig ein netter, freundlicher und empathischer Mensch ist, als Beleg für die Astrologie (welche eigentlich? Es gibt ja so viele verschiedene „Schulen“ …) taugt das nichts. Aber immerhin schreibt er auch noch folgendes:

Ich kann keinen Skeptiker ernst nehmen, der sich nicht auf die individuelle Deutung seines eigenen Horoskops eingelassen hat. Nur über den Weg kann Sinn und Unsinn der Astrologie erfasst werden.

Dann muss er mich ja jetzt richtig ernst nehmen …

Und dabei stehen die Astrologen ausgesprochen gut da.

Nein, tun sie nicht. Wie stand es so schön zum Jahreswechsel im Spiegel?

Eine historische Studie, 1985 in „Nature“ publiziert, hat zweifelsfrei und unter aktiver Mitwirkung von Astrologen gezeigt, dass Astrologen – entgegen ihren eigenen Vorhersagen – anhand des Geburtsdatums keinerlei über den Zufall hinausgehende valide Aussagen über die Persönlichkeit einer Testperson machen können. Obwohl der Autor Shawn Carlson alle Wünsche von Astrologen hinsichtlich des Studiendesigns und der Auswertung umgesetzt hatte. Natürlich gibt es trotzdem Astrologen, die die Resultate bis heute anzweifeln.

Umgekehrt sind Testpersonen nicht in der Lage, aus einer Reihe von astrologischen Persönlichkeitsprofilen das für sie erstellte herauszufinden. Besonders anschaulich zeigte das der französische Psychologe und Astrologe Michel Gauquelin in den späten Sechzigerjahren: Er schickte an 150 Versuchspersonen ein angeblich persönliches Horoskop und fragte sie, wie sehr der Text auf sie persönlich zutreffe. Über 90 Prozent fanden sich darin wieder. Tatsächlich handelte es sich bei dem Text um ein echtes, von einem Astrologen erstelltes Horoskop – aber das zum Geburtsdatum des französischen Serienmörders Marcel Petiot.

Herr Ludwig kann natürlich jederzeit einen Vorschlag machen, wie man seine Behauptung testen kann …

Und übrigens: Wie ein ernsthafter Dialog zwischen Astrologen und Skeptikern (darunter ehemalige Astrologen) aussieht könnte er hier (über 80 Seiten lang) nachlesen.

 








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