Epic Fail: Der bayrische Rundfunk macht Astrologie-Werbung!

17 01 2022

Der bayrische Rundfunk hat einen Sender namens „BR Schlager„, den ich bisher nicht kannte – und wahrscheinlich auch nicht kennen will. Schlagermusik verursacht bei mir physische Schmerzen begleitet von heftigem Augenrollen und – wenn ich nicht rechtzeitig abschalte – dem schmerzhaften Aufrollen meiner Zehennägel. Da ich in den letzten Wochen gleich zwei Interviews mit verschiedenen BR-Formaten hatte in denen es um die alljährliche Prognoserückschau ging war ich schon überrascht, dass dieser BR-Sender einer Astrologin ein paar Minuten geschenkt hat – und der Interviewer hat gleich mehrere hanebüchene Aussagen kommentarlos stehen lassen.

Das Interview findet man hier, und es beginnt mit einem Teaser der den ganzen Quatsch auch noch „wichtig“ machen soll:

„Menschen, die was zu erzählen haben – zu Gast bei BR Schlager“

Der Moderator fragt „ganz seriös“ was denn die Sterne über die Zukunft sagen können (sollen) – und erhält folgende Antwort von der Astrologin Jasmin Rachlitz (Transskript von mir):

„Ja, er kann uns natürlich ein ganze Menge verraten. Wie können unsere Stärken, unsere Talente ganz anders erkennen. Wir können die Zeitqualität ganz anders einschätzen. Wir können – ähm – Termine berechnen, ob das nun für eine Prüfung, für ein – äh – wichtigen Geschäftsgespräch ist – ja wir können auch Hochzeitstermine berechnen. Die Astrologie kann – also – uns also eine sehr gute Lebenshilfe sein.

Aha, die Astrologie kann Termine berechnen? Aber warum? Und weiß das auch mein Geschäftspartner oder die Institution, bei der ich gerade eine Prüfung ablegen muss? Der Moderator fragt mal vorsichtig nach:

„Aber man muss daran glauben, oder gibt es eben tatsächlich Belege, dass es tatsächlich so eintritt – auch wenn man vielleicht skeptisch ist.“

Für die Astrologin ist das natürlich ein Angebot, dass man nicht ausschlagen darf. Ihre Antwort:

„Ja, Skepsis ist immer gut. Ich würde sagen, die Astrologe kann man als Erfahrungswissenschaft bezeichnen – und ich selbst bin auch immer wieder darüber erstaunt wie zuverlässig sie sein kann.“

Was jetzt folgt ist eine Frechheit! Ein „Experiment“ – die Redaktion hat sich das Horoskop von 2021 vorgelesen … … und natürlich haben die weitgehend gestimmt! OK, es waren Zeitschriftenhoroskope (die stimmen für jeden, egal welches Sternzeichen man liest), aber jetzt kommt eine Werbung durch den BR, für die sich der Sender hoffentlich bezahlen liess. Der Moderator fragt:

„Um wirklich Orientierung zu bieten muss es [das Horoskop] doch gut auf den Menschen zugeschnitten sein, denk‘ ich zumindest ‚mal.“

Frau Rachlitz freut sich hörbar, denn jetzt kann sie ihr Astrologiewerbungsblabla einfach starten:

„Ja, da haben sie vollkommen recht. Je genauer es ist, also das heißt wenn wir ein Geburtshoroskop ganz individuell für Jemanden berechnen – öh, man benötigt dazu den Geburtstag, -zeit und -ort – dann kann man natürlich eine viel präzisere Aussage machen. Dann wird das Ganze – auch wirklich dann wirklich fast ein bisschen wissenschaftlich, hätt‘ ich gesagt …“

Nein, Frau Rachlitz! Astrologie ist niemals wissenschaftlich, solange kein Astrologe seine Behauptungen wissenschaftlich belegen kann. Bis dahin ist das schlicht und einfach eine – ziemlich dreiste – Werbelüge!

Der Rest ist Seelenbalsam von Frau Rachlitz – reinstes Blabla über gesellschaftlichen Zusammenhalt und Planetengeblubber über irgendwas …

Boah, was für ein Mist in einem öffentlivh rechtlichen Radiosender. Ist der BR inzwischen aus dem Bildungsauftrag ausgetreten?





Noch mehr Musik: Dating mit den Sternen

14 01 2022

Die Band Versengold kenne ich eigentlich gar nicht, aber nachdem ich auf ein Lied von denen gestoßen bin kann ich mir vorstellen, bei einem Konzert von denen durchaus Spaß zu haben. Mein Lieblingssatz aus dem Text:

Bella gib mir Tiernamen, wenn du draufstehst – und such dir eines von den Viechern aus

OK, hier das Video aus youtube:





Wie wär’s mit ein wenig Musik?

5 01 2022

Das Duo „Mon Mari et Moi“ aus Kaiserslautern war mir bisher gänzlich unbekannt. Sie machen „Lieder zum täglichen Gebrauch“ und sind dabei auch über die letzte Prognoserückschau der GWUP gestolpert. Tja, jetzt gibt es eben auch ein Lied über die ausgefallene Zombieapokalypse:

Vielen Dank!





Der Rückblick auf 2022 könnte so toll sein …

4 01 2022

… danke @SarahBosetti! Der wäre schön – und ich bin natürlich immer optimistisch …

Ein Fehler: Herr Ruthe muss doch keine Angst haben, er kann doch auch ohne Politik (Bieber und Baum, Flossen, Hals-Nasen-Ohren-WG …)

So, jetzt lassen wir das Jahr mal loslegen …





Und auch in 2021 gibt es eine Prognoserückschau mit dem schönen Titel: Die Zomieapokalpse fiel aus!

15 12 2021

Ein neues Virus aus Russland sollte 2021 weltweit die Gehirne von Menschen infizieren und diese in Zombies verwandeln – was wie das Sujet eines billigen Horrorfilms klingt, war Ende 2020 in diversen europäischen Boulevardmedien als Voraussage für das jetzt ablaufende Jahr zu lesen. Diese und andere weltweite Katastrophen – zum Beispiel der Einschlag eines Asteroiden auf der Erde – wurden dem Renaissance-Dichter Nostradamus zugeschrieben und erwiesen sich – erwartungsgemäß – als absoluter Humbug. Auch sonst lieferte die alljährliche Auswertung esoterischer Zukunftsprognosen durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) wenig Greifbares und wie üblich keine überraschenden Treffer.Natürlich war zum Jahreswechsel 2020/21 Corona ein häufiges Thema in den Prognosen von Wahrsagern, Hellsehern und Astrologen. „Hier hielten sich optimistische Prognosen eines baldigen Endes der Pandemie und Warnungen vor weiteren, schlimmeren Auswirkungen in etwa die Waage“ berichtet der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der Prognosen dieser Art seit 20 Jahren sammelt und auswertet. So sahen die Astrologin Christine Dittrich-Elm und ihr Kollege Roland Jakubowitz das Ende der Pandemie im Frühjahr 2021, während andere – wie die amerikanische Wahrsagerin Judy Hevenly – noch Auswirkungen bis in die folgenden Jahre voraussagten. Die absoluten Wahrversager beim Thema Corona kamen jedoch aus den Reihen der sogenannten Querdenker: Ob Abschaltung des Internets (mehrfach), Sperre der Stromversorgung in Deutschland oder Tod aller Geimpften im September – mit solchen Prophezeiungen machten sich die Protagonisten eher lächerlich.

Der Wahltermin, die Geburtsdaten der Kandidaten und der Kandidatin – einige Astrologen nahmen die Bundestagswahl in den Fokus ihres Blicks in die Sterne. Warum Peter-Johannes Hensel am Wahltermin zweifelte, blieb unklar, sein Kollege Malkiel Dietrich hielt den Wahltermin für schlecht gewählt, plädierte für eine Verschiebung und sah 25 % der Stimmen bei der AfD. Für Taufiq Mempel war Armin Laschet „bis 2024 der Mann für diese Zeit“, zu einem möglichen Wahlergebnis äußerte er sich jedoch nicht. Für Kunkel eine kluge Strategie: „Mit genauen Prognosen kann man falsch liegen, solange man sich nur rein astrologisch äußert, kann man sich zumindest nicht blamieren.“ Ein Gegenbeispiel liefert die Kartenlegerin Silvie Kollin, die im Januar Markus Söder als nächsten Bundeskanzler erpendelte und damit ebenso daneben lag wie die von einem Radiosender spaßeshalber befragte Orakelhündin Lucy.

In der Regenbogenpresse dominierten bei den dort üblichen Promi-Prognosen die bekannten Themen Liebe, Gesundheit oder Karriere sowie – bei jungen Familien aus Königshäusern – die Vorhersage von Nachwuchs. Treffer sind dabei nicht ausgeschlossen, Fehlprognosen aber auch nicht, selbst dann, wenn sie mehrfach vorausgesagt wurden. In den USA ließen sich weder Melania und Donald Trump scheiden, noch trat Joe Biden vom Präsidentenamt zurück (Nikki Pezzaro und andere) und auch Queen Elizabeth ist weiter im Amt, obwohl ein Wechsel an der Spitze des britischen Königshauses seit Jahren zu den Standardprognosen gehört. Zum Standard gehören seit einiger Zeit auch kurze Astrologiebeiträge in verschiedenen Lifestylemagazinen. Keine Woche vergeht ohne Listen von Sternzeichen, denen Eigenschaften – mal positiv, mal negativ – zugeschrieben werden. Wenn dann ein und dem selben Sternzeichen in verschiedenen Artikeln die Eigenschaften „nicht so schlau“ und „besonders gebildet“ zugeordnet werden, kann sich Kunkel ein Lächeln nicht verkneifen. „Ich hoffe ja, dass die Leserinnen und Leser diese Art von Fastfood-Vorurteilen nicht allzu ernst nehmen. Es mag sich ja gut anfühlen, wenn man als besonders umweltbewußt klassifiziert wird – bei extrem arrogant oder total unhöflich dürfte das eher nicht der Fall sein.“





Der alljährliche Rückblick: Corona stand nicht in den Sternen

9 12 2020

… eigentlich war die Veröffentlichung ja erst für Donnerstag geplant, aber da es schon heute veröffentlich wurde muss ich das hier natürlich auch tun, und wie gewohnt mit Links und Quellen anreichern. Ich hatte in diesem Jahr zu wenig Zeit um alle Prognosen hier auf einer eigenen Seite zu würdigen, aber – wie immer – werdn alle benutzten Quellen hier zur Verfügung gestellt, einige als Screenshots unter dem Beitrag weil sich Webseiten manchmal ändern …

Corona stand nicht in den Sternen

Die Prophetenpleiten des Jahres

Es hätte das Jahr der Hellseher sein können. Hätten Vertreter dieser Zunft Anfang des Jahres in ihren Prognosen Stichworte wie Lockdown oder Maskenpflicht erwähnt, man hätte sie zwar anfangs belächelt, aber bereits im Frühjahr hätten sie stolz auf ihre Prognosetreffer verweisen können. Doch die weltweite Corona-Pandemie und ihre Folgen sucht man in den esoterischen Zukunftsprognosen vergeblich. Auch für das abgelaufene Jahr hat die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) die Prognosen der esoterischen Augurenzunft ausgewertet, und wie in jedem Jahr blamierten sich Wahrsager, Astrologen und Hellseher auf ganzer Linie

Für den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit fast 20 Jahren solche Prognosen und Weissagungen auswertet, ist dies keine Überraschung: „Prognosen beziehen sich in der Regel auf bereits bekannte Szenarien, und da gehörte eine Pandemie und ihre Folgen bisher nicht dazu.“ Im Nachhinein gab es allerdings diverse astrologische Erklärungen der Pandemie, z.B. von Christine Keidel-Joura (sah den Höhepunkt der Pandemie Anfang März erreicht), Birgit Braun (analysierte Mondfinsternisdaten von 2019 weltweit) oder Sylvia Grotsch (fand Hinweise im Horoskop für Berlin vom 20.3.2019). Nur warum fiel das diesen und anderen Sterndeutern erst auf als die Pandemie begonnen hatte?

Amüsanter waren nur die Versuche einiger Protagonisten der Szene, irgendwelche früheren, sehr schwammigen Prognosen als Hinweis auf Corona zu deuten. So sah Elizabeth Teissier für den 12. Januar ein „schlimmes Ereignis“ voraus und deutete das ebenso als Hinweis auf Corona wie Dr. Christoph Niederwieser, der in einem seiner Texte aus dem Jahr 2016 von irgendwelchen Krisen und möglichem Wandel geschrieben hatte. „Wenn man einen Prognosetreffer nachträglich wortreich erklären muss, dann kann die Prognose nicht so toll gewesen sein“, erläutert Kunkel und ergänzt: „Da gefallen mir die skurrilen Prognosen besser, die sind wenigstens unterhaltsam.“ Das kanadische Medium Nikki Pezaro lehnte sich auch für 2020 diesbezüglich weit aus dem Fenster: ein Riesenaffe à la King Kong sollte auf einer einsamen Insel entdeckt werden, ein Roboter eine Bank überfallen und Pinguine in einer Stadt die Menschen belästigen.

Auch für 2020 wurden – wie in jedem Jahr – die üblichen Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis, Waldbrände) vorhergesagt, und wie in jedem Jahr waren diese Prognosen entweder trivial (Waldbrände in Australien oder Kalifornien gibt es alljährlich) oder zu ungenau (bei Erdbeben möchte man schon vorher das ungefähre Datum wissen). Sportprognosen wurden durch die Corona-Krise ausgebremst: die englische Fußballnationalmannschaft konnte kein wichtiges Turnier gewinnen (Nicolas Aujula) und auf der Webseite von Judy Hevenly verschwanden noch im Januar prognostizierte Olympiasieger (siehe unten, ich habe einen Screenshot …). Einfacher waren die Prognosen zur US-amerikanischen Präsidentenwahl. Hevenly, der Leipziger Palmblattdeuter Thomas Ritter und der Fernsehprediger Pat Robertson sahen Trumps Sieg voraus, Robertson sogar mit folgendem Weltuntergang. Der Astrologe Dincer Güner prognostizierte seine Abwahl, andere (Hevenly, Pezaro, Hellseher Craig Hamilton-Parker) waren sicher, dass Joe Biden nicht antreten würde. Jedes denkbare Szenario wurde vorhergesagt, Kunkel fehlt nur eine Prognose „Dass Trump das Ergebnis der Wahl in vielen Bundesstaaten vor Gericht anfechten würde, hat meines Wissens niemand prophezeit.“

In der Regenbogenpresse dominierten bei den dort üblichen Promiprognosen die bekannten Themen Liebe, Gesundheit und Karriere. Außerdem wurde – wie jedes Jahr – für junge Familien aus Königshäusern Nachwuchs vorhergesagt. Treffer sind bei solchen Prognosen nicht zu vermeiden. Eher überraschend war für Kunkel ein Treffer des Vorsitzenden des Deutschen Astrologenverbands: Klemens Ludwig hatte sich Ende 2018 festgelegt, dass der deutsche Aktienindex bis 2024 „auf mindestens 8500 Punkte fallen“ würde. Im März 2020 war es dann tatsächlich soweit und Kunkel gratuliert: „Auch wenn’s nur an wenigen Tagen war und es in der astrologischen Analyse um langfristige Tendenzen ging – der DAX war unter 8500 Punkten und die Prognose damit richtig.“

Die Prognosen für das nächste Jahr schreiben sich laut Kunkel praktisch von selbst. „Neben den üblichen Katastrophenprognosen und Weltuntergängen dürfte die Nachfolge im Kanzleramt ebenso Thema sein wie weitere Folgen der Pandemie. Jetzt ist das Szenario ja bekannt.“ Spektakuläre Treffer erwartet er aber auch 2021 nicht.

*hier ein Screenshot der Webseite von Judy Hevenly vom 25.01.2020 – es gab noch Sportprognosen, hier zwei (von mehreren) Beispiele:





Ich muss mir 2027 ein Buch kaufen …

31 01 2020

Wow! Es gibt seit Dezember ein Buch über mich! OK, ich wurde nicht gefragt und ich kenne den Autor (ein Astrologe aus Österreich) nicht persönlich (… und er mich sicher auch nicht) – aber ich habe mich zwei Mal zu Prognosen von ihm geäußert. Immerhin scheint das vollkommen ausreichend dafür gewesen zu sein, dass er nun ein Buch über mich geschrieben hat. Ganz besonders interessiert mich natürlich, was er über mich so herausgefunden zu haben glaubt, denn er schreibt auf amazon:

Als Check seiner Integrität analysiert der Astrologe die Persönlichkeit von Michael Kunkel samt präzisen Prognosen bis zum Jahr 2027.

Ach ja, dann warte ich mal bis 2027, denn dann kann ganz einfach geprüft werden, wie gut seine „präzisen Prognosen“ tatsächlich sind bzw. (dann) waren.

Ob ich um ein Rezensionsexemplar bitten soll, dass mir bitte erst 2027 zugestellt wird? Doch! habe ich gemacht!

 

 





Die Prognoserückschau 2019 – mit allen Quellen

12 12 2019

Kein Polsprung und kein harter Brexit

 

Die Prophetenpleiten des Jahres

 

Ein innerhalb weniger Tage um 5000 km springender magnetischer Nordpol, der die Erdachse verschiebt und den europäischen Kontinent in ein Inselarchipel zerbrechen lässt – die Katastrophenprognosen der selbst ernannten Nostradamusdeuterin Rose Stern für die im Dezember 2019 beginnende Endzeit erweisen sich glücklicherweise als ebenso falsch wie der vom US-amerikanischen Pastor Peter Begley für den 21. Januar vorhergesagten Weltuntergang nach einer Mondfinsternis. Die alljährliche Prognosenpleite von Wahrsagern, Hellsehern und Astrologen setzte sich auch 2019 fort.

Der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der für die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) seit 18 Jahren Prognosen von Hellsehern, Wahrsagern und Astrologen sammelt und auswertet, fand auch für 2019 kaum Treffer. Neben den üblichen Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis, Waldbrände) floppten auch realistischere Prognosen wie ein harter Brexit (Craig Hamilton-Parker), das Ende von Facebook (Julie McKenzie) oder der Rücktritt der Bundesregierung im Frühjahr (Udo Golfmann). Beim US-Präsidenten waren sich die Auguren gar nicht einig: Er tritt zurück (Rose Smith), bleibt Präsident (Susan Rowlan) oder wird Opfer eines Anschlags (Nikki Pezaro, Craig Hamilton-Parker und andere). „Anschläge auf US-Präsidenten werden in jedem Jahr vorhergesagt“, kommentiert Kunkel, dem absurde Prognosen wie die Entdeckung eines Riesenaffen à la King Kong, ein ins Weiße Haus einbrechender Papagei (beide Nikki Pezaro) oder der gleichzeitige Bundesligaabstieg von Bayern München und Borussia Dortmund (Martin Wagner) wesentlich besser gefallen. „Mit solchen Prognosen wird wenigstens keine Angst unter Leichtgläubigen geschürt.“

Die Mehrzahl der Astrologen wagt sich dabei seltener auf das dünne Eis exakter Prognosen. Naturkatastrophen, Kriege oder irgendwelche gesellschaftlichen Umwälzungen werden zwar erwähnt (z.B. bei Michael Allgeier, Cord Kleinschmidt, Karin Mayer, Elizabeth Teissier), aber der in der Regel verwendete Konjunktiv verwässert die sowieso schon vagen Aussagen zusätzlich. Mancher Astrologe gibt auch offen zu, dass er gar nicht weiß, was passieren wird. „… welchen Bereich dies betrifft, sehen wir erst, wenn es soweit ist, und zwar von Mai bis Juli“ wird Martin A. Banger zum Thema „Verunsicherungen in der Bevölkerung“ zitiert. „Wenn es soweit ist, dann weiß ich es auch“, reagiert Kunkel amüsiert. Glaubt man dem Deutschen Astrologen-Verband, dann sind Prognosen sowieso nicht das zentrale Thema der Sterndeutung – umso überraschender, dass sein Vorsitzender Klemens Ludwig im Wirtschaftsteil des Spiegel eine relativ genaue Voraussage wagte: „Der DAX wird bis 2024 auf mindestens 8500 Punkte fallen, da lege ich mich fest.“ Kunkel verspricht, diese Prognose nicht zu vergessen.

Die in der Regenbogenpresse beliebten Promiprognosen lieferten auch 2019 die üblichen Themen: Promipaare trennen sich, Singles finden einen Partner, bei Älteren werden Gesundheitsprobleme, bei Frischvermählten eine Schwangerschaft vorhergesagt – für Kunkel sind solche Voraussagen zumindest teilweise prüfbar, allerdings meist auch sehr trivial: „Die Hälfte der Auguren dürfte das Geschlecht des Kindes von Prinz Harry und Herzogin Meghan richtig vorhergesehen haben.“ Der britische Hellseher Nicolas Ajula gehörte nicht dazu, er sah die Geburt eines Mädchens – und eine Schwangerschaft bei der 52-jährigen Nicole Kidman. Kaum prüfbar ist, ob Angela Merkel im November wirklich an Rücktritt dachte (Elizabeth Teissier) oder ob Helene Fischer sich irgendwann wieder für Florian Silbereisen interessieren könnte (Astrolgin Susy Schädler).

Auch für 2020 hat Kunkel schon die ersten Prognosen gesammelt, vermisst aber bisher ein Thema: „Eine Prognose zum Ausgang der Fußball-EM kenne ich noch nicht, aber das wird sich sicher bald ändern.“ Auf einen eigenen Tipp verzichtet er lieber: „Da kenne ich mich zu wenig aus.“





Uri Geller lässt den Brexit ausfallen!

22 03 2019

OK, in den letzten Wochen habe ich vor lauter Sammeln von Prognosen hier gar nichts geschrieben (die Liste der Prognosen für 2019 wird irgendwann signifikant erweitert) und sowieso habe ich noch ein paar andere Dinge zu tun, aber Uri Geller hat es geschafft, dass ich hier wieder mal etwas schreibe, Er will nämlich den Brexit verhindern, indem er der britischen Ministerpräsidentin via Telepathie quasi befiehlt, den Brexit dann doch nicht zu machen. Wer das nicht glaubt der lese hier, da, oder dort nach. Man kann natürlich nur abwarten, ob die Premierministerin wirklich für diese Art von Telepathie empfänglich sein sollte oder ob sie einfach nur aus politischen Gründen den Brexit absagt – immerhin hatte Uri Geller ja auch den Sieg vin Donald Trump vorhergesagt – weil dessen Name 11 Buchstaben hat. Theresa May hat nur 10, vielleichtsollte sie sich noch einen Buchstaben irgendwo zulegen, damit sie gemäß Gellers 11-Buchstaben-Regel doch noch zu einer Anführerin wird.





Ein astrologischer Wahrsagercheck: Frau Keidel-Joura hat immer Recht!

4 01 2019

In einer selbst verfassten Pressemeldung auf openPR mit dem Titel

Wahrsagercheck 2018: Treffsichere Sterne

setzt sich die Bremer Astrolgin Christine Keidel-Joura mit ihren eigenen Prognosen für das abgelaufene Jahr 2018 auseinander und hat natürlich nur Treffer entdeckt. Dass ich die treffer von Frau Keidel-Joura nirgends vermerkt habe liegt natürlich daran, dass mir ihre Prognosen schleicht und einfach unbekannt waren. Erstellt hatte sie diese für eine Veranstaltung, und ja, sie scheint dort Vorhersagen gemacht zu haben, denn:

„Die Astrologie zeigt Tendenzen, Wahrscheinlichkeiten, Bildhaftes. Sie dient vor allem der Sinnfindung. Manchmal sind die Konstellationen allerdings ziemlich eindeutig. Dann ist es auch möglich, Vorhersagen zu wagen“, so die Astrologin.

Und welche Prognosen hat sie gewagt? Zum Beispiel diese:

Schon im letzten Januar hat sie beim Themenabend zu den Konstellationen im neuen Jahr geäußert, dass wir 2018 in Bremen wieder deutliche Chancen auf mehr Sonne und einen schönen Sommer haben würden.

„Chancen auf mehr Sonne“ gilt für jedes Jahr, denn auch wenn es den ganzen Sommer geregnet hätte, die Chance, dass im Sommer die Sonne scheint, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass der Sommer aber wegen irgendeiner Sternkonstellation besonders heiß wurde, das dürfte bei Meteorologen Kopfschütteln hervorrufen.

Dass es im Sommer 2018 recht reiß hergehen dürfte, war zudem an der einmaligen Mondfinsternis in Verbindung mit einer besonderen Mars-Konstellation zu erkennen. Hier kam unser hell leuchtender Nachbarplanet der Erde so nahe wie zuletzt im Hitzesommer 2003.

Um welche Mars-Konstellation ging es? Wie war das Wetter, als diese Konstellation das letzte Mal herrschte? OK, der Mars war in 2018 nah an der Erde und 2003 auch – und 2003 gab es auch eine Hitzewelle – aber wenn das zusammenhängen würde, dann könnten das wahrscheinlich die Meteorologen erklären. Eine weitere Prognose sieht Frau Keidel-Joura als Treffer:

„Neue Erfahrung in alten Systemen“, lautete außerdem ihr Titel für die Konstellationen im Juni und Juli 2018.

Natürlich fand Frau Keidel-Joura dafür „Entsprechungen“, egal ob bei Trump, der EU, oder mit der Maaßen-Affäre – aber Moment, die war doch wirklich erst ab September, so dass die Prognose dafür nicht gelten kann. Und irgendwelche Nachrichten, die zu seiner Blabla-Prognose passen lassen sich immer finden. Auch die Börsenprognose von Frau Keidel-Joura ist windelweich:

An der Börse kann es zu einer Konsolidierung kommen.

Ja, kann es. Oder auch nicht. Da eine Konsolidierung Seitwärts- oder Abwärtsbewegung der Kurse bedeuten kann, ist eine solche Prognose also nicht gerade sensationell und die Kursverluste am Jahresende sind auch für diese „Prognose“ kein Beleg

Wenn Frau Keidel-Joura ernsthaft daran interessiert ist kann sie mir ja ihre Prognosen für 2019 schicken (ich würde sie nicht veröffentlichen), allerdings sollte sie auch dazu schreiben was als Beleg für einen Eintritt der Prognose gelten soll und was eben nicht. Ansonsten haben ihre Prognosen die Qualität der folgenden Verkehrsnachricht:

Im Sendegebiet kann es aktuell zu Staus auf Autobahnen kommen.

Jeder Stau macht die „Nachricht“ richtig, wenn kein Stau da ist ist sie auch richtig – aber hilfreich ist das natürlich nicht.

*Update: Ich hatte Mond und Mars verwechselt und musste deswegen einen Abschnitt korrigieren. Frau Keidel-Joura hatte hier recht, der Mars war 2018 wirklich ähnlich nahe  der Erde wie 2013 (da gab es auch eine Hitzewelle), das ist aber ein astronomischer Fakt und hat mit Astrologie nichts zu tun.

 








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