vhs-Blödsinn: Astrologiekurs im Vogelsbergkreis!

29 01 2022

Ach ja, mal wieder eine Volkshochschule, bei der ein Astrologiekurs beworben wird … … es ist ermüdend, denn dass Astrologie an einer vhs nichts zu suchen hat, weil es einfach Unsinn ist, dürfte inzwischen doch allgemein bekannt sein. Warum macht also die vhs Oberhessen das? Und was macht sie?

OK, die letzte Frage ist einfach zu beantworten, denn die vhs bietet 2 astrologische Veranstaltungen an – zum einen eine Art Einführungskurs (für 65 Euro) und einen Astrologieworkshop für 55 Euro. Es gibt wohl Menschen, die solche Kurse haben wollen – aber es gibt auch Menschen, die Impfungen für Blödsinn halten oder meinen, dass die Erde eine Scheibe ist.

Wieso Volkshochschulen Astrologie anbieten weiß ich nicht, aber mit solchen – unwissenschaftlichen – Kursen machen sich Volkshochschulen einfach lächerlich (ich weiß, es gibt noch mehr Volkshochschulen die soe einen Unsinn anbieten). So sehr ich die Institution Volkshochschule liebe (habe schon viele tolle Kurse dort besucht) so sehr ärgere ich mich über Angebote wie diese. Warum wird Unsinn und Kundenverarsche angeboten?





Das ultimative Jahreshoroskop für alle Sternzeichen (geklaut von diversen Lifestyle-Seiten)

26 01 2022

Ich mach‘ jetzt mal auf Astrologie, also auf Lifestyle-Astrologie. Das ist ganz einfach, denn in diversen Online-Lifestyle-Magazinen findet man fast täglich wunderbare „astrologische Erkenntnisse“ … … und natürlich glaube ich denen sofort, sogar wenn sie sich direkt widersprechen. Aber Astrologie ist ja scheinbar wieder sooooo modern geworden (warum eigentlich?), dass man den Fans doch ein wenig Futter liefern muss. So habe ich hier mal Jahreshoroskope für alle Sternzeichen zusammengebastelt – und ich bin sicher, dass die genau so fundiert sind wie die zahllosen Jahreshoroskope in Zeitungen, Zeitschriften oder auf YouTube, Instagram oder wo auch immer. Meine astrologische Vorurteilsschleuder ist geladen und liefert die folgenden Jahreshoroskope (Alles ist natürlich gut belegt):

Für Widder sieht es für das Jahr 2022 eigentlich gut aus, denn sie „haben Glück in der Liebe“ und „finden die große Liebe“. Allerdings droht auch das „Liebesaus“ – liegt es daran, dass Sie „besonders streitsüchtig“ und „wahnsinnig kompliziert“ sind? Damit kann man schon mal „den Partner zur Weißglut treiben“ – aber Widder sind ja sowieso „als Single besonders zufrieden“.

Stiere treffen 2022 zwar „die beste Entscheidung ihres Lebens“, aber sie „haben einfach kein Glück“. Trotzdem „wird alles gut“, ggf. sind sie ja als „Stalker“ erfolgreich. Ansonsten gelten Stiere ja generell als „extrem arrogant“ und „total unhöflich“ – vielleicht hinterlassen Sie deshalb „keinen guten ersten Eindruck“ – macht aber nichts, da Sie sowieso „das Alleinsein geniessen“.

Auf Zwillinge wartet 2022 ein „Karrieresprung“, aber es droht auch das „Liebesaus“. Als „fieser Charakter“ sind sie „besonders toxisch“, „lästern über jeden“ und „verbreiten schlechte Laune“. Als „beziehungsunfähige“ „Intelligenzbestie“ gelten Sie wenigstens als „perfekter Quarantänepartner“.

Krebse dürfen 2022 einen „Karrieresprung“ und „Glück in der Liebe“ erwarten – klingt perfekt nach „Alles wird gut“. Da Krebse aber auch „überempfindlich“ und „extrem unsicher“ sind „hassen sie sich selbst“ und „sind immer schlecht gelaunt“.

Auch Löwen treffen 2022 „die beste Entscheidung ihres Lebens“, aber Sie „haben Pech“ und „verlieben sich in die falsche Person“ – also „bleiben Sie Single“. Sie gelten als „überheblich und herablassend“ und als „extremer Besserwisser“ „verbreiten Sie schlechte Laune“.Außerdem „fahren Sie immer zu schnell“ – liegt es daran, dass Sie „zu viel Geld ausgeben“?

Als Jungfrau wartet 2022 das „Glück in der Liebe“, dabei „können Sie gar nicht flirten“ und „laufen vor der Liebe davon“. Wenigstens sind Sie „wie gemacht für’s Speed-Dating“, da merkt man vielleicht nicht, dass Sie normalerweise „unsympathisch wirken“. Immerhin „wirken Sie nett auch wenn Sie eiskalt“ und ein „Sexmuffel“ sind.

Waagen gehören zu den Leuten, die 2022 die „beste Entscheidung ihres Lebens“ treffen und sogar „die große Liebe finden“. Aber 2022 „haben Sie kein Glück“ und „bleiben Single“. Dass Sie „nicht so schlau“ sind merkt man daran, dass Sie „an Verschwörungstheorien glauben“ und einen „Hang zum Übernatürlichen“ haben.

Auch Skorpione haben 2022 „Pech“ und „verlieben sich in die falsche Person“. Sie haben aber eh die „meisten Vorurteile“, „haben selten Mitleid“ und „sehen schnell rot“. Ob Sie deswegen „unbeliebt“ sind oder weil Sie „extrem rachsüchtig“ sind müsste noch geklärt werden.

Schützen dürfen 2022 „Glück in der Liebe“ erwarten. Als „geborene Fremdgeher“ sind Sie aber „beziehungsunfähig“ und „laufen vor ihren Problemen davon“. Sie gehören zu den „größten Angebern“ und „neigen zu Wutausbrüchen“ – lassen sich aber „leicht täuschen“.

Für Steinböcke haben die Sterne für 2022 auch „Glück in der Liebe“ im Angebot und man könnte denken „Alles wird gut“. Aber sie sind weiter „immer unzufrieden“ – vielleicht weil sie „immer Pech haben“. Als „Perfektionist“ sind Sie „extrem pingelig“ , „besonders nervig“ und gelten als „besonders zickig“. Ihre „Zeit verbringen Sie eh lieber alleine“ …

Bei Wassermännern (und natürlich auch -frauen) soll 2022 „alles gut“ werden. Als „großer Tagträumer“ glauben Sie „sie haben immer Recht“, außerdem wollen Sie „die Welt retten“ aber „kommen immer zu spät“ – das macht Sie „immer traurig“.

Bei Fischen steht 2022 ein „Karrieresprung“ an, außerdem „verlieben Sie sich in die falsche Person“ und „bleiben Single“. Als „Fußfetischist“ sind Sie „besonders oft traurig“, „extrem unsicher“ und „unberechenbar“. Immerhin kann man sich darauf verlassen,dass Sie „richtig faul“ sind.





Nostradamus? Baba Vanga? Stephen Hawking! – Clickbait mit Leichen!

19 01 2022

Wenn es um die alljährlichen Katastrophenprognosen geht kommt man um zwei Namen nicht herum: Nostradamus und Baba Vanga. Diverse Clickbaitseiten posten …

Wer denn jetzt diese Prognosen aus den Schriften des Nostradamus oder aus den nicht vorhandenen Schriften der bulgarischen Hellseherin Baba Vanga lässt sich meist nicht mehr nachvollziehen, denn seinen Namen mag dafür offensichtlich schon lange niemand mehr hergeben. Und so werden auch für 2022 wieder diverse Katstrophenprognosen den beiden in die Prophetenschuhe geschoben – gemäß dem Motto: Tote können sich nicht wehren!

Einen – für mich – ganz neuen Twist gibt es jetzt aber doch für 2022, denn in folgenden Video werden katastrophale Prognosen für 2022 einem andern Toten zugeschrieben: Stephen Hawking!

OK, Hawking ist tatsächlich Autor mehrerer Warnungen an die Menschheit, aber selbstverständlich hat er niemals ein Jahr genannt und ansonsten waren seine Warnungen sowieso eher allgemeiner Art. Das Ganze ist also vollkommen hanebüchener Unsinn.

Bleibt die Frage, wer denn so einen Schwachsinn im Namen Hawkings postet, denn für die Deutung der Hawking-Aussagen wollte natürlich niemand namentlich die Verantwortung übernehmen. Immerhin hat die dazugehörige YouTube-Präsenz namens „Jeryko“ immerhin über 900000 Abonennten – und ist aber schon an anderer Stelle (nicht gerade positiv) erwähnt worden: in dem Artikel „Ideenklau auf YouTube – Die Maschen der Nachmacher“ aus dem jahr 2017 wird die Seite explizit erwähnt …





Epic Fail: Der bayrische Rundfunk macht Astrologie-Werbung!

17 01 2022

Der bayrische Rundfunk hat einen Sender namens „BR Schlager„, den ich bisher nicht kannte – und wahrscheinlich auch nicht kennen will. Schlagermusik verursacht bei mir physische Schmerzen begleitet von heftigem Augenrollen und – wenn ich nicht rechtzeitig abschalte – dem schmerzhaften Aufrollen meiner Zehennägel. Da ich in den letzten Wochen gleich zwei Interviews mit verschiedenen BR-Formaten hatte in denen es um die alljährliche Prognoserückschau ging war ich schon überrascht, dass dieser BR-Sender einer Astrologin ein paar Minuten geschenkt hat – und der Interviewer hat gleich mehrere hanebüchene Aussagen kommentarlos stehen lassen.

Das Interview findet man hier, und es beginnt mit einem Teaser der den ganzen Quatsch auch noch „wichtig“ machen soll:

„Menschen, die was zu erzählen haben – zu Gast bei BR Schlager“

Der Moderator fragt „ganz seriös“ was denn die Sterne über die Zukunft sagen können (sollen) – und erhält folgende Antwort von der Astrologin Jasmin Rachlitz (Transskript von mir):

„Ja, er kann uns natürlich ein ganze Menge verraten. Wie können unsere Stärken, unsere Talente ganz anders erkennen. Wir können die Zeitqualität ganz anders einschätzen. Wir können – ähm – Termine berechnen, ob das nun für eine Prüfung, für ein – äh – wichtigen Geschäftsgespräch ist – ja wir können auch Hochzeitstermine berechnen. Die Astrologie kann – also – uns also eine sehr gute Lebenshilfe sein.

Aha, die Astrologie kann Termine berechnen? Aber warum? Und weiß das auch mein Geschäftspartner oder die Institution, bei der ich gerade eine Prüfung ablegen muss? Der Moderator fragt mal vorsichtig nach:

„Aber man muss daran glauben, oder gibt es eben tatsächlich Belege, dass es tatsächlich so eintritt – auch wenn man vielleicht skeptisch ist.“

Für die Astrologin ist das natürlich ein Angebot, dass man nicht ausschlagen darf. Ihre Antwort:

„Ja, Skepsis ist immer gut. Ich würde sagen, die Astrologe kann man als Erfahrungswissenschaft bezeichnen – und ich selbst bin auch immer wieder darüber erstaunt wie zuverlässig sie sein kann.“

Was jetzt folgt ist eine Frechheit! Ein „Experiment“ – die Redaktion hat sich das Horoskop von 2021 vorgelesen … … und natürlich haben die weitgehend gestimmt! OK, es waren Zeitschriftenhoroskope (die stimmen für jeden, egal welches Sternzeichen man liest), aber jetzt kommt eine Werbung durch den BR, für die sich der Sender hoffentlich bezahlen liess. Der Moderator fragt:

„Um wirklich Orientierung zu bieten muss es [das Horoskop] doch gut auf den Menschen zugeschnitten sein, denk‘ ich zumindest ‚mal.“

Frau Rachlitz freut sich hörbar, denn jetzt kann sie ihr Astrologiewerbungsblabla einfach starten:

„Ja, da haben sie vollkommen recht. Je genauer es ist, also das heißt wenn wir ein Geburtshoroskop ganz individuell für Jemanden berechnen – öh, man benötigt dazu den Geburtstag, -zeit und -ort – dann kann man natürlich eine viel präzisere Aussage machen. Dann wird das Ganze – auch wirklich dann wirklich fast ein bisschen wissenschaftlich, hätt‘ ich gesagt …“

Nein, Frau Rachlitz! Astrologie ist niemals wissenschaftlich, solange kein Astrologe seine Behauptungen wissenschaftlich belegen kann. Bis dahin ist das schlicht und einfach eine – ziemlich dreiste – Werbelüge!

Der Rest ist Seelenbalsam von Frau Rachlitz – reinstes Blabla über gesellschaftlichen Zusammenhalt und Planetengeblubber über irgendwas …

Boah, was für ein Mist in einem öffentlich rechtlichen Radiosender. Ist der BR inzwischen aus dem Bildungsauftrag ausgetreten?





Noch mehr Musik: Dating mit den Sternen

14 01 2022

Die Band Versengold kenne ich eigentlich gar nicht, aber nachdem ich auf ein Lied von denen gestoßen bin kann ich mir vorstellen, bei einem Konzert von denen durchaus Spaß zu haben. Mein Lieblingssatz aus dem Text:

Bella gib mir Tiernamen, wenn du draufstehst – und such dir eines von den Viechern aus

OK, hier das Video aus youtube:





Wie wär’s mit ein wenig Musik?

5 01 2022

Das Duo „Mon Mari et Moi“ aus Kaiserslautern war mir bisher gänzlich unbekannt. Sie machen „Lieder zum täglichen Gebrauch“ und sind dabei auch über die letzte Prognoserückschau der GWUP gestolpert. Tja, jetzt gibt es eben auch ein Lied über die ausgefallene Zombieapokalypse:

Vielen Dank!





Der Rückblick auf 2022 könnte so toll sein …

4 01 2022

… danke @SarahBosetti! Der wäre schön – und ich bin natürlich immer optimistisch …

Ein Fehler: Herr Ruthe muss doch keine Angst haben, er kann doch auch ohne Politik (Bieber und Baum, Flossen, Hals-Nasen-Ohren-WG …)

So, jetzt lassen wir das Jahr mal loslegen …





Und auch in 2021 gibt es eine Prognoserückschau mit dem schönen Titel: Die Zomieapokalpse fiel aus!

15 12 2021

Ein neues Virus aus Russland sollte 2021 weltweit die Gehirne von Menschen infizieren und diese in Zombies verwandeln – was wie das Sujet eines billigen Horrorfilms klingt, war Ende 2020 in diversen europäischen Boulevardmedien als Voraussage für das jetzt ablaufende Jahr zu lesen. Diese und andere weltweite Katastrophen – zum Beispiel der Einschlag eines Asteroiden auf der Erde – wurden dem Renaissance-Dichter Nostradamus zugeschrieben und erwiesen sich – erwartungsgemäß – als absoluter Humbug. Auch sonst lieferte die alljährliche Auswertung esoterischer Zukunftsprognosen durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) wenig Greifbares und wie üblich keine überraschenden Treffer.Natürlich war zum Jahreswechsel 2020/21 Corona ein häufiges Thema in den Prognosen von Wahrsagern, Hellsehern und Astrologen. „Hier hielten sich optimistische Prognosen eines baldigen Endes der Pandemie und Warnungen vor weiteren, schlimmeren Auswirkungen in etwa die Waage“ berichtet der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der Prognosen dieser Art seit 20 Jahren sammelt und auswertet. So sahen die Astrologin Christine Dittrich-Elm und ihr Kollege Roland Jakubowitz das Ende der Pandemie im Frühjahr 2021, während andere – wie die amerikanische Wahrsagerin Judy Hevenly – noch Auswirkungen bis in die folgenden Jahre voraussagten. Die absoluten Wahrversager beim Thema Corona kamen jedoch aus den Reihen der sogenannten Querdenker: Ob Abschaltung des Internets (mehrfach), Sperre der Stromversorgung in Deutschland oder Tod aller Geimpften im September – mit solchen Prophezeiungen machten sich die Protagonisten eher lächerlich.

Der Wahltermin, die Geburtsdaten der Kandidaten und der Kandidatin – einige Astrologen nahmen die Bundestagswahl in den Fokus ihres Blicks in die Sterne. Warum Peter-Johannes Hensel am Wahltermin zweifelte, blieb unklar, sein Kollege Malkiel Dietrich hielt den Wahltermin für schlecht gewählt, plädierte für eine Verschiebung und sah 25 % der Stimmen bei der AfD. Für Taufiq Mempel war Armin Laschet „bis 2024 der Mann für diese Zeit“, zu einem möglichen Wahlergebnis äußerte er sich jedoch nicht. Für Kunkel eine kluge Strategie: „Mit genauen Prognosen kann man falsch liegen, solange man sich nur rein astrologisch äußert, kann man sich zumindest nicht blamieren.“ Ein Gegenbeispiel liefert die Kartenlegerin Silvie Kollin, die im Januar Markus Söder als nächsten Bundeskanzler erpendelte und damit ebenso daneben lag wie die von einem Radiosender spaßeshalber befragte Orakelhündin Lucy.

In der Regenbogenpresse dominierten bei den dort üblichen Promi-Prognosen die bekannten Themen Liebe, Gesundheit oder Karriere sowie – bei jungen Familien aus Königshäusern – die Vorhersage von Nachwuchs. Treffer sind dabei nicht ausgeschlossen, Fehlprognosen aber auch nicht, selbst dann, wenn sie mehrfach vorausgesagt wurden. In den USA ließen sich weder Melania und Donald Trump scheiden, noch trat Joe Biden vom Präsidentenamt zurück (Nikki Pezzaro und andere) und auch Queen Elizabeth ist weiter im Amt, obwohl ein Wechsel an der Spitze des britischen Königshauses seit Jahren zu den Standardprognosen gehört. Zum Standard gehören seit einiger Zeit auch kurze Astrologiebeiträge in verschiedenen Lifestylemagazinen. Keine Woche vergeht ohne Listen von Sternzeichen, denen Eigenschaften – mal positiv, mal negativ – zugeschrieben werden. Wenn dann ein und dem selben Sternzeichen in verschiedenen Artikeln die Eigenschaften „nicht so schlau“ und „besonders gebildet“ zugeordnet werden, kann sich Kunkel ein Lächeln nicht verkneifen. „Ich hoffe ja, dass die Leserinnen und Leser diese Art von Fastfood-Vorurteilen nicht allzu ernst nehmen. Es mag sich ja gut anfühlen, wenn man als besonders umweltbewußt klassifiziert wird – bei extrem arrogant oder total unhöflich dürfte das eher nicht der Fall sein.“





Der alljährliche Rückblick: Corona stand nicht in den Sternen

9 12 2020

… eigentlich war die Veröffentlichung ja erst für Donnerstag geplant, aber da es schon heute veröffentlich wurde muss ich das hier natürlich auch tun, und wie gewohnt mit Links und Quellen anreichern. Ich hatte in diesem Jahr zu wenig Zeit um alle Prognosen hier auf einer eigenen Seite zu würdigen, aber – wie immer – werdn alle benutzten Quellen hier zur Verfügung gestellt, einige als Screenshots unter dem Beitrag weil sich Webseiten manchmal ändern …

Corona stand nicht in den Sternen

Die Prophetenpleiten des Jahres

Es hätte das Jahr der Hellseher sein können. Hätten Vertreter dieser Zunft Anfang des Jahres in ihren Prognosen Stichworte wie Lockdown oder Maskenpflicht erwähnt, man hätte sie zwar anfangs belächelt, aber bereits im Frühjahr hätten sie stolz auf ihre Prognosetreffer verweisen können. Doch die weltweite Corona-Pandemie und ihre Folgen sucht man in den esoterischen Zukunftsprognosen vergeblich. Auch für das abgelaufene Jahr hat die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) die Prognosen der esoterischen Augurenzunft ausgewertet, und wie in jedem Jahr blamierten sich Wahrsager, Astrologen und Hellseher auf ganzer Linie

Für den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit fast 20 Jahren solche Prognosen und Weissagungen auswertet, ist dies keine Überraschung: „Prognosen beziehen sich in der Regel auf bereits bekannte Szenarien, und da gehörte eine Pandemie und ihre Folgen bisher nicht dazu.“ Im Nachhinein gab es allerdings diverse astrologische Erklärungen der Pandemie, z.B. von Christine Keidel-Joura (sah den Höhepunkt der Pandemie Anfang März erreicht), Birgit Braun (analysierte Mondfinsternisdaten von 2019 weltweit) oder Sylvia Grotsch (fand Hinweise im Horoskop für Berlin vom 20.3.2019). Nur warum fiel das diesen und anderen Sterndeutern erst auf als die Pandemie begonnen hatte?

Amüsanter waren nur die Versuche einiger Protagonisten der Szene, irgendwelche früheren, sehr schwammigen Prognosen als Hinweis auf Corona zu deuten. So sah Elizabeth Teissier für den 12. Januar ein „schlimmes Ereignis“ voraus und deutete das ebenso als Hinweis auf Corona wie Dr. Christoph Niederwieser, der in einem seiner Texte aus dem Jahr 2016 von irgendwelchen Krisen und möglichem Wandel geschrieben hatte. „Wenn man einen Prognosetreffer nachträglich wortreich erklären muss, dann kann die Prognose nicht so toll gewesen sein“, erläutert Kunkel und ergänzt: „Da gefallen mir die skurrilen Prognosen besser, die sind wenigstens unterhaltsam.“ Das kanadische Medium Nikki Pezaro lehnte sich auch für 2020 diesbezüglich weit aus dem Fenster: ein Riesenaffe à la King Kong sollte auf einer einsamen Insel entdeckt werden, ein Roboter eine Bank überfallen und Pinguine in einer Stadt die Menschen belästigen.

Auch für 2020 wurden – wie in jedem Jahr – die üblichen Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis, Waldbrände) vorhergesagt, und wie in jedem Jahr waren diese Prognosen entweder trivial (Waldbrände in Australien oder Kalifornien gibt es alljährlich) oder zu ungenau (bei Erdbeben möchte man schon vorher das ungefähre Datum wissen). Sportprognosen wurden durch die Corona-Krise ausgebremst: die englische Fußballnationalmannschaft konnte kein wichtiges Turnier gewinnen (Nicolas Aujula) und auf der Webseite von Judy Hevenly verschwanden noch im Januar prognostizierte Olympiasieger (siehe unten, ich habe einen Screenshot …). Einfacher waren die Prognosen zur US-amerikanischen Präsidentenwahl. Hevenly, der Leipziger Palmblattdeuter Thomas Ritter und der Fernsehprediger Pat Robertson sahen Trumps Sieg voraus, Robertson sogar mit folgendem Weltuntergang. Der Astrologe Dincer Güner prognostizierte seine Abwahl, andere (Hevenly, Pezaro, Hellseher Craig Hamilton-Parker) waren sicher, dass Joe Biden nicht antreten würde. Jedes denkbare Szenario wurde vorhergesagt, Kunkel fehlt nur eine Prognose „Dass Trump das Ergebnis der Wahl in vielen Bundesstaaten vor Gericht anfechten würde, hat meines Wissens niemand prophezeit.“

In der Regenbogenpresse dominierten bei den dort üblichen Promiprognosen die bekannten Themen Liebe, Gesundheit und Karriere. Außerdem wurde – wie jedes Jahr – für junge Familien aus Königshäusern Nachwuchs vorhergesagt. Treffer sind bei solchen Prognosen nicht zu vermeiden. Eher überraschend war für Kunkel ein Treffer des Vorsitzenden des Deutschen Astrologenverbands: Klemens Ludwig hatte sich Ende 2018 festgelegt, dass der deutsche Aktienindex bis 2024 „auf mindestens 8500 Punkte fallen“ würde. Im März 2020 war es dann tatsächlich soweit und Kunkel gratuliert: „Auch wenn’s nur an wenigen Tagen war und es in der astrologischen Analyse um langfristige Tendenzen ging – der DAX war unter 8500 Punkten und die Prognose damit richtig.“

Die Prognosen für das nächste Jahr schreiben sich laut Kunkel praktisch von selbst. „Neben den üblichen Katastrophenprognosen und Weltuntergängen dürfte die Nachfolge im Kanzleramt ebenso Thema sein wie weitere Folgen der Pandemie. Jetzt ist das Szenario ja bekannt.“ Spektakuläre Treffer erwartet er aber auch 2021 nicht.

*hier ein Screenshot der Webseite von Judy Hevenly vom 25.01.2020 – es gab noch Sportprognosen, hier zwei (von mehreren) Beispiele:





Ich muss mir 2027 ein Buch kaufen …

31 01 2020

Wow! Es gibt seit Dezember ein Buch über mich! OK, ich wurde nicht gefragt und ich kenne den Autor (ein Astrologe aus Österreich) nicht persönlich (… und er mich sicher auch nicht) – aber ich habe mich zwei Mal zu Prognosen von ihm geäußert. Immerhin scheint das vollkommen ausreichend dafür gewesen zu sein, dass er nun ein Buch über mich geschrieben hat. Ganz besonders interessiert mich natürlich, was er über mich so herausgefunden zu haben glaubt, denn er schreibt auf amazon:

Als Check seiner Integrität analysiert der Astrologe die Persönlichkeit von Michael Kunkel samt präzisen Prognosen bis zum Jahr 2027.

Ach ja, dann warte ich mal bis 2027, denn dann kann ganz einfach geprüft werden, wie gut seine „präzisen Prognosen“ tatsächlich sind bzw. (dann) waren.

Ob ich um ein Rezensionsexemplar bitten soll, dass mir bitte erst 2027 zugestellt wird? Doch! habe ich gemacht!

 

 








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