Absoluter Lesebefehl: Die Schweriner Volkszeitung spricht mir (und hoffentlich vielen anderen) aus der „Seele“

13 03 2017

Ja ich weiß, die „Seele“ gibtes eigentlich gar nicht (das ist meine Meinung), aber der Spruch dass einem ein Text „aus der Seele“ spricht war selten so angesagt wie bei diesem wunderbaren Artikel aus der Schweriner Volkszeitung (den ich mir gleich auf Webcire gesichert habe)  mit dem Titel:

Homöopathie, Superfood und Co. :

Die große Esosifizierung

Der Artikel nimmt die Twitter-Katastrophe der Techniker-Krankenkasse zum Anlass für einen wunderbaren Rundumschlag gegen die Esoterisierung der Gesellschaft – mit klaren Worten! Ein paar Beispiele gefällig`Bitteschön:

Wussten Sie, dass Krabbeln als neuester Fitnesstrend gilt? Ist so! Stand jüngst in einer seriösen Zeitung, die diese Entwicklung auf dem Körperoptimierungsmarkt immerhin kritisch verarztete. Dafür muss man in diesen Tagen bereits dankbar sein.

Zum Mitschreiben: Diesen Stuss findet man auf den Seiten einer gesetzlichen (!) Krankenkasse. Auch diese Warnung: „Keineswegs sollten Sie vergessen, dass bei der sanften Heilmethode auch Mittel verwendet werden, die in hoher Dosis schädlich oder gar giftig sein können.“ Von einer Selbsttherapie sei deshalb überwiegend abzuraten, die Behandlung solle mit einem speziell dafür ausgebildeten Arzt oder Heilpraktiker abgesprochen werden. Fragt sich, ob Ärzte seriös sein können, die sich für so etwas hergeben.

Egal, ob Thalia, Hugendubel & Co. oder ein inhabergeführtes Fachgeschäft: die Ratgeberecke wird größer und größer. Wachstumstreiber sind Eso-Wälzer mit Titeln wie „Homöopathie zum Aufmalen – Zeichen, die helfen“ oder „Heilen mit Symbolen – die 64 wichtigsten Heilzeichen“.

Ach ja, bei dieser Gelegenheit mitten in der Fastenzeit: Detox ist Unsinn! Der Körper entgiftet sich laufend selbst, er lagert keine Schlacke an. Zu diesem Zweck hat die Evolution (ja, die!) dafür gesorgt, dass wir mit Nieren und Lebern ausgestattet werden. Das Regal, das übel schmeckende, aber angeblich Organfunktionen ersetzende Teebeutel anbietet, kann also weg.

… und am Ende der wichtigste Satz:

Ja und? Da können wir doch einfach weich und tolerant sein, sagen Sie sich jetzt. Darüber sollten Sie aber nochmal einen Moment lang nachdenken. Machen Sie sich dabei vielleicht eins klar: Leute, die an Superfood, an „Energiemuster, die in Wasser eingeprägt werden“ (das denken Homöopathen), an Entgiftung durch Tees und an veganes Duschgel (gibt es wirklich) glauben, die haben etwas mit Ihnen gemeinsam. Das Wahlrecht.

Nicht dass ich irgendjemanden das Wahlrecht aberkennen möchte, aber wir Skeptiker haben noch viel zu tun, damit der – meist teure – Schwachsinn als das entlarvt wird was er wirklich ist: Abzocke für Denkfaule!





RP-Online checkt eine Hellseherin und macht sich lächerlich

9 03 2017

Die Überschrift im Leverkusener Lokalteil der Rheinischen Post klingt sensationell:

Vorhersage für das Jahr 2016: Leverkusener Wahrsagerin lag bei vielen Fakten richtig

Tatsächlich? Schauen wir doch einfach mal nach, wie „richtig“ die Dame wirklich lag – und wie lächerlich der Lokalredakteur hier „Fakten“ geprüft hat. Fangen wir mit dem ersten von 4 Themen an, zu dem sich die Dame geäiußert hatte, es ging um den im Oktober 2015 neu gewählten Bürgermeister von Leverkusen Uwe Richrath, und das hatte die Hellseherin gesagt (nachdem sie natürlich keine Ahnung über seinen vorherigen Beruf hatte):

„Herr Richrath ist ein netter Mensch. Das sage ich, obwohl ich ihn überhaupt nicht kenne. Er hat zwei oder drei echte Feinde, die ihm übel mitspielen wollen. Aber er ist durchaus in der Lage, sich durchzusetzen. Und ich sehe, dass er ein Mensch ist, der andere führen und begeistern kann. Glauben Sie mir, der wird seinen Weg machen.“ Privat sieht die Hellseherin für Richrath auch größere Veränderungen für kommendes Jahr: „Ein Umzug, eine Renovierung – genauer kann ich es leider nicht sagen.“ Da müsse sie ihn treffen.

Reinstes Blabla also, denn einem neu gewählten Bürgermeister ein paar Feinde anzudichten (wie wäre es mit den Verlierern der Wahl?) und ihm zu attestieren, dass er wohl irgendwie begeistern kann (warum wurde er sonst gewählt?) ist in etwa so schwierig wie wenn die Hellseherin der ehrenamtlichen Leitung eines Tierheims Tierliebe nachgesagt hätte und sich dafür feiern lassen wollte. Trotzdem gibt es jetzt zumindest ein wenig Lob für die Hellseherin:

Die Umzugsabsichten verwies der Stadtchef gestern ins Reich der Träume. Auch echte Feinde hat er bisher nicht ausgemacht: „Ob ich nett bin, müssen andere beurteilen“, betont er. Wer in der Stadtverwaltung nachfragt, bekommt allerdings durchweg positive Einschätzungen über die Freundlichkeit Richraths, viele bescheinigen ihm auch gute Menschenführung. Trefferquote: 50 %

Nein, denn alle konkreten Prognosen (Umzug und/oder Renovierung) waren falsch, also 0%!

Weiter zum zweiten Thema: Hochwasser! Die Frage lautete „Wann gibt es das nächste Rhein-Hochwasser im Stadtgebiet?, und die Antwort war folgende:

„Legen Sie mich nicht auf den Monat genau fest, aber innerhalb der kommenden fünf Monate wird es ein Hochwasser in Leverkusen geben, das kann ich klar sehen.“

Nun ja, als Rheinanwohner kenne ich Hochwasser natürlich recht gut, und es gibt fast in jedem Jahr Sperrungen der ufernahen Radwege wegen Hochwasser. Die Prognose war also ein fast sicherer Treffer, der jedoch nicht beeindrucken kann. Warum der selbst  ernannte Faktenchecker der RP allerdings folgendes schreibt ist wirklich nicht zu erklären:

Ende Mai wurde der Rheinradweg zwischen Wiesdorf und Rheindorf wegen Hochwassers gesperrt. Die Schiffsbrücke an der Wupper ebenso. Die Techischen Betriebe Leverkusen (TBL) standen bereit, Hochwassertore und die mobile Schutzwand in Hitdorf aufzubauen. Ein Frachtschiff fuhr sich in Höhe des Krancafés am Hitdorfer Hafen fest, der Kapitän hatte wegen des Hochwassers ein Hindernis übersehen. Trefferquote: 100 %

OK, es gab – wie fast in jedem Jahr – Hochwasser, aber das festgefahrene Frachtschiff ist kein Beleg für irgendetwas, sondern reines Gefasel, das nichts mit der Prognose zu tun hat. Da die Dame mit ihrer Fünfonatsprognose knapp richtig lag darf man ihr hier den Treffer nicht verweigern, aber die Prognose war doch sehr schwachbrüstig: Ich würde vorab von einer Hellseherin dann schon erwarten, dass sie den Zeitraum etwas genauer eingrenzt und auch die Höhe der Hochwasserwelle nennen kann – falls nicht verweise ich jetzt schon mal auf meine weiter unten folgenden Sensationsprognosen (… die die RP gerne überprüfen darf).

Das dritte Thema – die Autobahnbrücke in Leverkusen – wird im „Faktencheck“ nicht erwähnt (war eh nur Blabla), dann also gleich zu Nummer vier der Prognosen von Hellseherin Rosalia – jetzt geht es um das Thema Flüchtlinge, im Detail um folgende Frage: “ Wie wird sich die Situation rund um den Flüchtlingszustrom nach Leverkusen im kommenden Jahr entwickeln?“  Und das war die Antwort der Hellseherin:

„Ich sehe, dass sich die Haltung in der Bevölkerung der Stadt grundlegend ändern wird. Das hat allerdings nichts mit mangelnder Hilfsbereitschaft zu tun, sondern vor allem mit der Tatsache, dass das Geld im kommenden Jahr deutlich knapper werden wird. Und wo es nicht mehr so viel zu verteilen gibt, werden die Angst und auch der Ärger entsprechend zunehmen.“

Es ging also ums Geld, und ansonsten um nichts! Wie der vermeintliche Lokalredakteur der Rheinischen Post daraus einen Treffer macht ist schon sensationell:

Vorhersage Flüchtlingszustrom

 „Ich sehe, dass sich die Haltung in der Bevölkerung grundlegend ändern wird“, sagte Madame Rosalia. Angst und auch der Ärger würden entsprechend zunehmen.

Ergebnis: Tags darauf bestätigten die Kölner Silvesterkrawalle und ihre Auswirkungen die Wahrsagerin auf die denkbar unangenehmste Weise. Gleichwohl wird in Leverkusen weiterhin engagierte Flüchtlings-Arbeit geleistet.

Trefferquote: 80 %

Nö! Trefferquote 0%! Über die Silvesterkrawalle hatte die Hellseherin genau was gesagt? Gar nichts! Dass es in der Frage und der Antwort um Leverkusen ging, auch darüber im aktuellen Artikel kein einziges Wörtchen! Für diese Meisterleistung des Lokaljournalismus habe ich eben gerade die Kategorie „Fakenews“ für diesen Blog eingeführt …

Und ja, ich bin bereit gegen diese Hellseherin anzutreten und habe extra für Leverkusen folgende Prognosen aus den Fingern gesaugt erwürfelt nach intensivem Telepadingsbums-Kontakt zu meinem Guru (er weiß wer gemeint ist) hellgesehen:

  • gegen Abend eines jeden der nächsten 365 Tage wird mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen sein!
  • in den nächsten 5 Monaten wird es mindestens drei Tage geben, an denen in Leverkusen (!!!) Wasser vom Himmel fällt!
  • der Bürgermeister von Leverkusen wird in den nächsten 10 Wochen von der Lokalzeitung zu einem Thema wörtlich zitiert werden!
  • am Autobahnkreuz Leverkusen wird es binnen der nächsten 12 Monate mindestens 3 Staus und mindestens 17 Mal „stockender Verkehr“ geben!

Ja ja, ich weiß, ich werde zu 100% richtig liegen! Jetzt erwarte ich von der Rheinischen Pest Post aber spätestens im Mai 2018 auch eine entsprechende Lobhudelei!





Skeptikerkritik am ZDF sorgt für Chefastrologen-Mimimi

30 01 2017

Klemens Ludwig ist aktuell der Vorsitzende des DAV, des Deutschen Astrologen Verbands, und er war in den Wochen um den Jahreswechsel ziemlich aktiv. Unter anderem hatte er auch heute.de ein Interview gegeben (auch dem hessischen Rundfunk, verschiedenen Zeitungen und schon 2015 der FAZ), und der GWUP-Blog hatte ebenso wie der hpd auf dieses Interview mit deutlicher Kritik am ZDF reagiert. Soweit so gut – das alljährliche Spielchen, obwohl man sich selbstverständlich schon fragen darf warum heute.de, als Teil unserer öffentlich-rechtlicher Medien mit Bildungsauftrag, dem Herren ein solches, vollkommen unkritisches Interview schenken muss. Seine Reaktion ist ein großes Mimimi bei Huffingtonpost.de.

Ein Dorn im Auge ist ihm schon der alljährliche Prognoserückblick und sein Argument ist amüsant:

Dass dabei vor allem die Prognosen herangezogen werden, die in das Weltbild der Skeptiker passen, liegt auf der Hand.

Als Autor der jährlichen Prognoserückschau muss ich dem Mann vehement widersprechen, denn ich nehme jede auf esoterischem Gedankengut fußende Prognose die ich finden kann in die Auswahl auf. Dass viele davon von Astrologen gemacht werden, dafür kann ich aber nichts.  Warum kritisiert Herr Ludwig nicht diese Astrologen? Die sind es doch, die mit ihren Prognosen das Bild der Sterndeutung in der Öffentlichkeit prägen! Wenn kein Astrologe solche Prognosen machen würde, dann könnte man wegen der Prognosen auch keine kritisieren. Ist doch ganz einfach …

Nach ein wenig herumnörgeln am hpd (weil dieser die dauerlachende Binsenweisheitenschleuder namens Dalai Lama recht kritisch sieht) zeigt Ludwig erstaunliche Wissenslücken bei seinem eigenen Fachgebiet.

Zu den ominösen „unterschiedlichen empirischen Studien“ fällt mir nur das Winston Churchill zugeschriebene Zitat ein: „Ich glaube nur Statistiken, die ich selbst gefälscht habe“. Ich komme später noch einmal darauf zurück.

Aha, die Studien zu seinem ureigenen Fachgebiet kennt er also gar nicht? Oder interessiert er sich einfach nicht dafür? Und dann noch den falschen Churchill-Spruch … Argumente lesen sich anders. Mal sehen ob er nochmal darauf zurückkommt. Zuerst aber wirft er den Skeptikern Intoleranz vor und beruft sich dabei auf einen Kommentator bei heute.de. Weder weiß Herr Ludwig wer da kommentiert hat, noch ob diese Person irgendetwas mit der GWUP oder dem hpd zu tun hat – aber diese Kritik am Umgang mit den Fernsehgebühren (auch wenn der Artikel „nur“ online war, der Journalist wurde vom ZDF bezahlt) zeigt natürlich ganz genau … … dass Herr Ludwig es beim Thema Dünnhäutigkeit mit dem aktuellen amerikanischen Präsidenten aufnehmen könnte.

Es folgt eines der liebsten Argumente aller Astrologen:

Was die Astrologie-Kritiker angeht, so bin ich fest davon überzeugt, dass nur eine verschwindend geringe Minderheit unter ihnen sich jemals auf ein persönliches Horoskop eingelassen hat. Das ist das gewichtigste Argument für die Astrologie, die seriöse Astrologie.

Tja hier liegt Herr Ludwig bei mir (und einigen anderen GWUP-Kollegen) vollkommen falsch. Ich zum Beispiel habe etwa zwei Dutzend Horoskope zu meiner echten Geburtszeit gelesen, davor oder danach mit einigen der erstellenden Astrologen gesprochen und mein Fazit ist ein ganz anderes: Genau das, was die Studien eben auch zeigen. Und natürlich darf ich das verbreiten, mache ich ja auch – genau so wie Herr Ludwig für die Astrologie Werbung machen darf, ist es mein Recht darauf hinweisen, was die Wissenschaft über astrologische Behauptungen so herausgefunden hat: Bringt Nix! Bestenfalls unterhaltsam!

Aber natürlich hat Herr Ludwig seine eigenen Beweise:

Insofern beweist sich Astrologie im praktischen Alltag, und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung zahllose Menschen nennen, die durch eine astrologische Beratung Orientierung und Perspektive erhalten haben. Das ist der Beweis für die Astrologie, keine fragwürdigen Untersuchungen oder Statistiken.

Nein, das ist kein Beweis für die Astrologie! Das ist vielleicht ein Hinweis darauf, dass Herr Ludwig ein netter, freundlicher und empathischer Mensch ist, als Beleg für die Astrologie (welche eigentlich? Es gibt ja so viele verschiedene „Schulen“ …) taugt das nichts. Aber immerhin schreibt er auch noch folgendes:

Ich kann keinen Skeptiker ernst nehmen, der sich nicht auf die individuelle Deutung seines eigenen Horoskops eingelassen hat. Nur über den Weg kann Sinn und Unsinn der Astrologie erfasst werden.

Dann muss er mich ja jetzt richtig ernst nehmen …

Und dabei stehen die Astrologen ausgesprochen gut da.

Nein, tun sie nicht. Wie stand es so schön zum Jahreswechsel im Spiegel?

Eine historische Studie, 1985 in „Nature“ publiziert, hat zweifelsfrei und unter aktiver Mitwirkung von Astrologen gezeigt, dass Astrologen – entgegen ihren eigenen Vorhersagen – anhand des Geburtsdatums keinerlei über den Zufall hinausgehende valide Aussagen über die Persönlichkeit einer Testperson machen können. Obwohl der Autor Shawn Carlson alle Wünsche von Astrologen hinsichtlich des Studiendesigns und der Auswertung umgesetzt hatte. Natürlich gibt es trotzdem Astrologen, die die Resultate bis heute anzweifeln.

Umgekehrt sind Testpersonen nicht in der Lage, aus einer Reihe von astrologischen Persönlichkeitsprofilen das für sie erstellte herauszufinden. Besonders anschaulich zeigte das der französische Psychologe und Astrologe Michel Gauquelin in den späten Sechzigerjahren: Er schickte an 150 Versuchspersonen ein angeblich persönliches Horoskop und fragte sie, wie sehr der Text auf sie persönlich zutreffe. Über 90 Prozent fanden sich darin wieder. Tatsächlich handelte es sich bei dem Text um ein echtes, von einem Astrologen erstelltes Horoskop – aber das zum Geburtsdatum des französischen Serienmörders Marcel Petiot.

Herr Ludwig kann natürlich jederzeit einen Vorschlag machen, wie man seine Behauptung testen kann …

Und übrigens: Wie ein ernsthafter Dialog zwischen Astrologen und Skeptikern (darunter ehemalige Astrologen) aussieht könnte er hier (über 80 Seiten lang) nachlesen.

 





Die Hamburger Morgenpost und der Wahrsager-König

29 01 2017

Die Hamburger Morgenpost hat auf ihrer Webpräsenz folgende Überschrift zu bieten:

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Es geht um Craig Hamilton-Parker, einen britischen Wahrsager, der 2016 bei einigen Themen richtig gelegen haben soll (Trump, Brexit, Terroranschlag in Nizza – die dazugehörigen Prognosen habe ich leider nicht gefunden),  der aber auch schon in früheren Jahren mit Horrorprognosen aufgefallen ist. So hatte er für 2014 unter anderem vorausgesagt:

  • Syrien wird in 2 Länder aufgeteilt und Assad versteckt sich irgendwo
  • Japan baut ene Atombombe
  • Großbrand in Mexico-City
  • Flutkatastrophe in New Orleans

Die falschen Prognosen (das waren längst nicht alle) werden in der Morgenpost natürlich nicht erwähnt, dafür aber die folgenden fünf Prognosen für 2017. Fangen wir mit Nummer eins an:

Es soll eine Krise in der Euro-Zone geben, nachdem Dänemark und Italien den Verbund verlassen.

Das ist sehr interessant, denn Dänemark gehört zwar zur EU, aber nicht zur Euro-Zone. Nummer zwei ist dann wieder schönstes Katastrophengeraune:

 Ein giftiger Bio-Gas-Angriff soll auf eine Schule in Europa verübt werden.

Die restlichen drei Prognosen kommen mir irgendwie bekannt vor, sie wurden in ähnlicher Form schon Nostradamus in die Schuhe geschoben:

  • Nord- und Südkorea sollen zu einem Land werden und Kim Jung-un gestürzt werden.
  • In den USA sollen bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen.
  • Außerdem sagt Hamilton-Parker einen versuchten Mord-Anschlag auf den Papst im Vatikan voraus.

Schaut man auf die Webseite von Hamilton-Parker findet man noch viel mehr Prognosen, und der Mann reiht sich locker in die lange Liste der Katastrophenprognostiker ein. Hier ein paar seiner weiteren Prognosen für 2017 – und wenn Manches davon irgendwie bekannt scheint, dann liegt das wohl daran, dass die Wahrsager und Hellseher wohl gerne voneinander abschreiben:

  • USA experiences a serious drought during the summer of 2017 while Europe has floods.
  • Large fire at the UK Houses of Parliament
  • New War spills into Afghanistan as revolution erupts in Uzbekistan
  • Ancient Giant Squid makes the news – found frozen in ice.
  • Volcanic eruption in Iceland causes toxic gas cloud over Norway
  • Conflicts between China and USA as satellite computers are hacked.
  • Japan initiates an arms race in the Far East after provocation from China and North Korea.
  • Kim Jong-un will be fall from power later in the year – maybe December 2017 or January 2018
  • Serious threat of escalating conflict between China and India over northern border of Kashmir.
  • Sample of Shakespeare’s bones exhumed and show that he was poisoned. Clues to a new play found in his grave.
  • Terrorists make toxic or biological attack on school in Europe.
  • Alliance between Russia and USA partitions Syria. Syria is left like a wasteland.
  • August 21, 2017 eclipse over America coincides with huge stock market fall and long-term inflation.
  • December 2017 – possibly into mid 2018 – there will be a world-wide flu like epidemic from a strange disease that attacks the immune system and will kill many in the third world.

Immerhin sind prüfbare Prognosen dabei, und netterweise „prüft“ der Mann auch selbst seine Prognosen – bzw. er sucht Belege, dass seine Prognosen irgendwie zutreffend waren. Ein Beispiel für 2017 hat er schon, und zwar bei dieser Prognose:

It could happen in 2017. My feeling is volcanic problems around Italy, around the area of Vesuvius and maybe the Island of Ischia and Naples itself. There’s problems there.

Das Erdbeben in Mittelitalien vom 19. Januar ist zwar kein Vulkanausbruch, aber immerhin … … es war etwas in Italien …

(Hamilton-Parker ist die Nummer 14 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Der Hahn der Zeit -Prognosen für 2017 aus der chinesichen „Astrologie“

29 01 2017

Aktuell feiern die Chinesen ihr Neujahrsfest und da dürfen Prognosen gemäß chinesischer „Astrologie“ nicht fehlen. Das Wort Astrologie steht hier deshalb in Gänsefüßchen, weil die chinesische „Astrologie“ mit den Sterndeutung (das ist ja die Bedeutung von Astrologie) so gar nichts zu tun hat, weil es hier gar nicht um Sterne geht. Wer Genaueres wissen will soll sich an Tante Wikipedia wenden …

Aber die ein oder andere Prognose gibt es natürlich trotzdem, und da jetzt wiealle 12 Jahre, das Jahr des Hahns beginnt kann man dessen vermeintliche Eigenschaften auch dem folgenden Jahr zuschreiben. Die chinesische „Astrologie“ hat nicht nur 12 Tiere zu bieten, die sich in einer festen Reihenfolge abwechseln, sondern auch noch fünf „Elemente“ (Holz, Feuer,Erde, Metall, Wasser), die sich ebenfalls in fester Reihenfolge abwechseln und in jedem zweiten Jahr wechseln. Jetzt ist – wie im letzten Jahr auch – Feuer dran, wir haben also das Jahr des Feuerhahns.

In diesem Artikel (auf handelsblatt.com) werden dem Hahn folgende Eigenschaften zugeschrieben:

In China steht der Hahn für Einfallsreichtum und Talent, allerdings auch für Hochmut und Arroganz.

Und was bedeutet das jetzt für das kommende Jahr? Fragen wir einfach den Wahrsager He Mingliang, denn der will es ja jetzt schon wissen:

  • Europa rutscht in die Rezession
  • Die Lage der EU-Staaten werde sich deutlich verschlimmern.
  • Konflikten zwischen China und Japan
  • Konflikte zwischen Nord- und Südkorea
  • US-Präsidenten Donald Trump nicht  für aufziehende Konflikte verantwortlich
  • USA wird der ökonomische Wachstumsmotor

Ein wenig anders sieht es sein Kollege Raymond Lo aus Hongkong. Keine Konflikte, keine Rezession – der Feuerhahn soll die Wirtschaft weltweit nach oben treiben. Besonders die folgenden Branchen sieht Lo im Aufwind:

  • Energiesektor
  • Unterhaltungsindustrie
  • Finanzwesen
  • Transportwesen
  • Schifffahrtswesen
  • Kommunikationsindustrie.

Bei Herrn He kann man das mit der Rezession in Europa und die USA als Wachstumsmotor überprüfen, für Konflikte zwischen den genannten Ländern wird man in jedem Jahr irgendwelche Belege finden können. Lo sagt 6 Branchen Wachstum voraus, wie man das aber genau verifizieren soll, das wird leider nicht genannt. Warten wir einfach ab, was der Feuerhahn uns denn so bringt.

(Die Herren He und Lo sind Nummer 12 und 13 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Bahnhofsbuchhandlungsfundsache (Teil 2): Prognosen bis ins Jahr 2026 in „Mystiker & Propheten“

28 01 2017

Noch eine Fundsache aus einer Bahnhofsbuchhandlung war dieses dünne Machwerk, das schon auf der Titelseite gleich mehrfach irritiert:

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Die fette Angstmacherüberschrift über den islamischen Staat wird übrigens im Büchlein nicht beantwortet, aber das ist nicht das einzig Merkwürdige. Das war also irgendwie schon die Nr. 2/2016 und soll außerdem für Aug /Sep / Okt gelten – da müsste man doch eigentlich erwarten, dass zumindest das versprochene  Deutschland-Horoskop für 2016 nicht ganz falsch sein würde. Inhaltlich war es reinstes Katastrophengeraune, und an den zahlreichen Problemen (Finanzkrise!) sollten dann natürlich die Politiker, die Presse – und auch die Migranten schuld sein. Hier ein Beispiel:

Durch Wind, starken Regen, ungewöhnliche Wärme und einen nicht abbrechenden Zustrom von Migranten können ab September und Oktober 2016 alte, überwunden geglaubte, aber auch neue, und bislang in Europa unbekannte Krankheiten auftreten – es besteht die Tendenz zu einer seuchenartigen Ausbreitung dieser Leiden.

Nein, Herr Cornelius W. Tobiés (der scheint für diese Texte verantwortlich zu sein, bei XING firmiert er übrigens als Dolmetscher/Übersetzer) was sie da vor sich hin raunten war schlicht und einfach Unsinn, zumindest für 2016. Und statt der von Ihnen vermuteten „Gewaltakte der linksksradikalen Gruppierungen“ gab es hierzulande doch viel mehr an rechtsradikelen Übergriffen.

Aber schauen wir mit Herrn Tobiés doch einfach mal in das Jahr 2017. Was will er von diesem Jahr wissen?

Vor allem in Deutschland wird es jedoch wegen der rskalierenden sozialen Ungerechtigkeit Unruhen geben. Die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung und die Wut gegen grassierende Korruption sind groß genug, um eine regelrechte Revolution auszulösen, die mehr ist als nur ein politischer Aufruhr.

Aha, eine Revolution in Deutschland! Und was wird mit der Bundestagswahl?

Die Bundestagswahl 2017 wird ein Desaster. Zum einen verweigert sich wieder ein erheblicher Teil der Bevölkerung zu wählen und erkennt nicht die Sinnlosigkeit dieser Aktion, denn dadurch werden Parteien begünstigt, die niemand mehr so richtig möchte. Und zum anderen gibt es einen großen Stimmenzuwachs einer neuen Partei, die in den vergangenen Jahrennicht ernst genommen wurde und der sich jede etablierte Partei verweigerte.

Einen Einzug der AfD in den Bundestag vorherzusagen war Mitte 2016 nicht allzu schwer, aber genau die AfD traut sich der Autor nicht zu benennen. Lieber ein wenig mehr Blabla, denn dahinter lässt sich Vieles verbergen.  Und dass Herr Tobiés Linke nicht mag sieht man an folgendem Abschnitt:

Wahlbetrug ist erkennbar, denn er wird nicht subtil begangen sondern einfach nur dreist. Die linken Parteien sind hier maßgeblich die Rädelsführer.

Und? Wie geht das mit dem Wahlbetrug? Wieder schweigt der Autor bevor er mit einer großen Portion Terror nachlegt:

Deutschland gerät immer mehr in den Fokus von Terroristen. Im November kann es zu einem furchtbaren Anschlag in einer Großstadt im Ruhrgebiet kommen. Viele Tote und Verletzte werden zu beklagen sein.

Das übliche Geblubber also – es „kann“ zu einem Anschlag kommen – oder auch nicht. Und eine Großstadt im Ruhrgebiet ist ja schon mal eine recht große Auswahl –  und falls es woanders einen Anschlag gibt, und nicht im November, dann war immerhin das mit dem Anschlag richtig.

Herr Tobiés sollte bei seinen Übersetzungen bleiben …

Die übrigen Seiten werden mit großformatigen, meist apokalyptischen, Bildern gefüllt und es wird die ganze Riege der üblichen Katastrophenprognostiker, von Irlmaier über Baba Vanga und dem Mühlhiasl bis zu dem natürlich niemals fehlen dürfenden Nostradamus aufgeführt. Meine Spende für diesen Verlag wird einmalig bleiben.

(Cornelius W. Tobiés ist Nummer 11 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Bahnhofsbuchhandlungsfundsachen (1): Wirres von Kurt Allgeier

27 01 2017

Auf meinen regelmäßigen, ja quasi wöchentlichen, beruflichen Reisen besuche ich immer wieder gerne die jeweilige Bahnhofsbuchhandlung – und kurz vor Weihnachten bin ich über das folgende Machwerk gestolpert: wsc_mp003

Ein wenig seltsam ist es schon, wenn ein im Jahr 1566 Verstorbener irgendwie für einen neuen Jahreskalender verantwortlich sein soll, aber den hat er natürlich nicht selbst geschrieben. Autor der Nostradamus-Seiten in diesem Büchlein ist Kurt Allgeier, und der greift wieder tief in die Katastrophenkiste.

In seinem ersten Text, „Die neue Menschheit“ auf den Seiten 6 und 7, faselt der Mann etwas von übersinnlichen Kräften, die irgendwann allen Menschen zur Verfügung stehen werden – möglicherweise erst nach dem 3. Jahrtausend. Oder doch früher? Immerhin schreibt er ein paar Zeilen vorher „in Kürze“ und vergißt auch nicht darauf hinzuweisen, dass vorher aber noch der ganz große Krieg kommen muss. Diese Lieblingsprognose aller Nostradamiker darf natürlich auch hier nicht fehlen.

Nach einem Mond-Aspekte-Kalender, einem Mondkalender und einem langen Artikel über verschiedene Heiler geht es dann endlch um das Jahr 2017. Für jeden Monat gibt es 2 Seiten und einen Nostradamustext, der irgendwie zu diesem Monat passen soll. Der Januar steht dabei unter der Überschrift „Wir müssen Vernunft bewahren!„, und hat gleich ein paar Prognosen zu bieten – allerdings nicht nur für den Januar:

  • kein Weltkrieg 2017
  • Marine Le Pen wird nicht französische Präsidentin, aber im Süden Frankreichs werden ihre Anhänger einen eigenen Staat gründen (!!) – es folgt ein Bürgerkrieg, den Frankreich aber nicht alleine gewinnen kann, da die Abtrünnigen von „reichen Scheichs mit Geld, Waffen und Kriegern unterstützt werden„.

Wow! Was für ein absurdes Szenario für Frankreich! Aber wir haben ja noch weitere Monate … Im Text zum Februar spekuliert der Herr darüber ob nicht Osama Bin Laden der Antichrist gewesen sei (weil’s irgendwie astrologisch passen soll) und zweifelt an Bin Ladens Tod. Für März gräbt er wieder seinen bereits an anderer Stelle erwähnten „Evolutionssprung“ aus, nachdem alle Menschen übersinnliche Fähigkeiten haben sollen – nennt aber dieses Mal auch einen Termin: 2055! Für April gibt es wieder so etwas wie eine Prognose (katastrophales Erdbeben in Griechenland), für Mai bis September ziemlich wirres Gefasel (blutiger Anschlag auf den Vatikan, arabisches Großreich, Atomkrieg) – aber die erwähnten Katastrophen werden nicht mit dem entsprechenden Monat und schin gar nicht mit 2017 in Verbindung gebracht.

Weiter geht es mit dem Oktobertext: „Die Erde wird kippen„! Jetzt geht es um eine dreitägige (!!!) Sonnenfinsternis (seiner Meining nach ist so etwas grundsätzlich möglich – dass eine Sonnenfinsternis immer nur in einem recht schmalen Korridor stattfindet scheint der Mann nicht zu wissen), um den Nordpol (der vor 12000 Jahren noch in der Karibik gelegen haben soll – eine Theorie, die mir völlig neu ist)  und den Polsprung – alles irgendwie zusammengerührt und dann mit Nostradamus verbunden. Der Novembertext  („Der Untergang von Paris„) beschäftigt sich nochmal mit dem 3. Weltkrieg und Allgeier behauptet, Nostradamus hätte auch etwas über New York geschrieben. Am Ende – im Dezembertext – geht es nur in der Überschrift um die dauernd erwähnten Katastrophen, der Rest des Textes beschäftigt sich wieder mit seinem offensichtlichen Liebelingsthema, dem Evolutionssprung zur „neuen Menschheit“…

Das Ganze ist völlig wirr, teils widersprüchlich und was das jetzt genau mit 2017 zu tun haben soll, das bleibt definitiv das Geheimnis dieses älteren Herrn, der seine Begeisterung für Nostradamus („hatte ja bisher immer Recht“ – hahaha) immer wieder in den Text hineinlügen muss. Immerhin warnt er – mehrfach – vor einem Rechtsruck im Land, weil dieser nämlich (natürlich von Nostradamus „vorhergesehen“) dann den großen Krieg auslösen würde. Andererseits schreibt er auf Seite 5, dass wir bereits mitten in diesem Krieg sein sollen …

Den Rest des Büchleins bilden ein Kalender mit Bauernregeln, Namenstagen und – völlig überraschend – sogar etwas irgendwie Wissenschaftlichem: den Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond. Dazu gibt es noch ein Jahreshoroskop (von Erich Bauer geschrieben, weitgehend Positives für alle) und Werbung für ein paar Astrologen und Hellseher. Was das Ganze jetzt mit Nostradamus zu tun haben soll? Wohl eher gar nichts, aber immerhin ist der Umsatz des Verlages, der dieses krude Machwerk herausbringt, jetzt um 6,50 Euro gestiegen.

(Kurt Allgeier ist Nummer 10 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)

 








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