Bahnhofsbuchhandlungsfundsachen (1): Wirres von Kurt Allgeier

27 01 2017

Auf meinen regelmäßigen, ja quasi wöchentlichen, beruflichen Reisen besuche ich immer wieder gerne die jeweilige Bahnhofsbuchhandlung – und kurz vor Weihnachten bin ich über das folgende Machwerk gestolpert: wsc_mp003

Ein wenig seltsam ist es schon, wenn ein im Jahr 1566 Verstorbener irgendwie für einen neuen Jahreskalender verantwortlich sein soll, aber den hat er natürlich nicht selbst geschrieben. Autor der Nostradamus-Seiten in diesem Büchlein ist Kurt Allgeier, und der greift wieder tief in die Katastrophenkiste.

In seinem ersten Text, „Die neue Menschheit“ auf den Seiten 6 und 7, faselt der Mann etwas von übersinnlichen Kräften, die irgendwann allen Menschen zur Verfügung stehen werden – möglicherweise erst nach dem 3. Jahrtausend. Oder doch früher? Immerhin schreibt er ein paar Zeilen vorher „in Kürze“ und vergißt auch nicht darauf hinzuweisen, dass vorher aber noch der ganz große Krieg kommen muss. Diese Lieblingsprognose aller Nostradamiker darf natürlich auch hier nicht fehlen.

Nach einem Mond-Aspekte-Kalender, einem Mondkalender und einem langen Artikel über verschiedene Heiler geht es dann endlch um das Jahr 2017. Für jeden Monat gibt es 2 Seiten und einen Nostradamustext, der irgendwie zu diesem Monat passen soll. Der Januar steht dabei unter der Überschrift „Wir müssen Vernunft bewahren!„, und hat gleich ein paar Prognosen zu bieten – allerdings nicht nur für den Januar:

  • kein Weltkrieg 2017
  • Marine Le Pen wird nicht französische Präsidentin, aber im Süden Frankreichs werden ihre Anhänger einen eigenen Staat gründen (!!) – es folgt ein Bürgerkrieg, den Frankreich aber nicht alleine gewinnen kann, da die Abtrünnigen von „reichen Scheichs mit Geld, Waffen und Kriegern unterstützt werden„.

Wow! Was für ein absurdes Szenario für Frankreich! Aber wir haben ja noch weitere Monate … Im Text zum Februar spekuliert der Herr darüber ob nicht Osama Bin Laden der Antichrist gewesen sei (weil’s irgendwie astrologisch passen soll) und zweifelt an Bin Ladens Tod. Für März gräbt er wieder seinen bereits an anderer Stelle erwähnten „Evolutionssprung“ aus, nachdem alle Menschen übersinnliche Fähigkeiten haben sollen – nennt aber dieses Mal auch einen Termin: 2055! Für April gibt es wieder so etwas wie eine Prognose (katastrophales Erdbeben in Griechenland), für Mai bis September ziemlich wirres Gefasel (blutiger Anschlag auf den Vatikan, arabisches Großreich, Atomkrieg) – aber die erwähnten Katastrophen werden nicht mit dem entsprechenden Monat und schin gar nicht mit 2017 in Verbindung gebracht.

Weiter geht es mit dem Oktobertext: „Die Erde wird kippen„! Jetzt geht es um eine dreitägige (!!!) Sonnenfinsternis (seiner Meining nach ist so etwas grundsätzlich möglich – dass eine Sonnenfinsternis immer nur in einem recht schmalen Korridor stattfindet scheint der Mann nicht zu wissen), um den Nordpol (der vor 12000 Jahren noch in der Karibik gelegen haben soll – eine Theorie, die mir völlig neu ist)  und den Polsprung – alles irgendwie zusammengerührt und dann mit Nostradamus verbunden. Der Novembertext  („Der Untergang von Paris„) beschäftigt sich nochmal mit dem 3. Weltkrieg und Allgeier behauptet, Nostradamus hätte auch etwas über New York geschrieben. Am Ende – im Dezembertext – geht es nur in der Überschrift um die dauernd erwähnten Katastrophen, der Rest des Textes beschäftigt sich wieder mit seinem offensichtlichen Liebelingsthema, dem Evolutionssprung zur „neuen Menschheit“…

Das Ganze ist völlig wirr, teils widersprüchlich und was das jetzt genau mit 2017 zu tun haben soll, das bleibt definitiv das Geheimnis dieses älteren Herrn, der seine Begeisterung für Nostradamus („hatte ja bisher immer Recht“ – hahaha) immer wieder in den Text hineinlügen muss. Immerhin warnt er – mehrfach – vor einem Rechtsruck im Land, weil dieser nämlich (natürlich von Nostradamus „vorhergesehen“) dann den großen Krieg auslösen würde. Andererseits schreibt er auf Seite 5, dass wir bereits mitten in diesem Krieg sein sollen …

Den Rest des Büchleins bilden ein Kalender mit Bauernregeln, Namenstagen und – völlig überraschend – sogar etwas irgendwie Wissenschaftlichem: den Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond. Dazu gibt es noch ein Jahreshoroskop (von Erich Bauer geschrieben, weitgehend Positives für alle) und Werbung für ein paar Astrologen und Hellseher. Was das Ganze jetzt mit Nostradamus zu tun haben soll? Wohl eher gar nichts, aber immerhin ist der Umsatz des Verlages, der dieses krude Machwerk herausbringt, jetzt um 6,50 Euro gestiegen.

(Kurt Allgeier ist Nummer 10 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)

 

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