Was uns 2009 erwartet (Teil 4) – Huter’s Astrologischer Kalender

23 02 2009

Huter’s Astrologischer Kalender, den man heute zum Jahreswechsel in Bahnhofsbuchhandlungen findet, ist ein echter Klassiker. Wie lange es ihn schon gibt habe ich nicht genau herausfinden können, aber noch heute werden bei ebay Ausgaben aus den Fünfziger Jahren angeboten. Sogar aus dem Jahr 1926 stammte die Ausgabe, über die Stephan Bachter 2004 einen kurzen Text geschrieben hatte (den ich auf der Wahrsagercheckwebseite netterweise verwenden durfte … … ja, ich habe mich mindestens ein Mal vertippt), und der mit ziemlich konkreten Prognosen aufwartete:

1939 ist von einem verlustreichen Krieg Polens gegen Rußland die Rede. Das deutsche Regierungsoberhaupt soll erkranken oder gewaltsam sterben. Außerdem hieß es wörtlich: “In Europa spielen sich keine weiteren bedeutsamen Einflüsse ab” … Für 1941 schrieb der Astrologe: “Ein allgemeiner Weltfriede ist bei dem tiefen Stand der Sonnen-Minima-Periode zu erwarten. In Europa entwickelt sich eine Völkerunion, wirtschaftlich und militärisch.”

1942 war von einer günstigen Entwicklung der großen Kulturnationen Deutschland und Rußland die Rede, ansonsten galt: “Allgemein wird die Friedensperiode sich fortsetzen und günstige Bedingungen für die kulturelle Entwicklung bestehen. Große internationale Fragen der Religion, Kunst und Wissenschaft werden durch Konferenzen gelöst, wodurch sich die Menschheit einer einheitlichen Weltanschauung nähert”.

1945 geht nach der astrologischen Voraussage von Huter die vorteilhafte Entwicklung in Deutschland weiter. Nur im Parlament kommt es hin und wieder zu Aufregungen wegen der Kolonialfrage – Deutschland hat natürlich seine im Ersten Weltkrieg verlorenen Kolonien zurückerhalten, die nun wachsen und gedeihen. Die deutsche Innen- und Außenpolitik hätte, wäre es nach den Sternen gegangen, im Jahr 1945 viel Erfolge zu verzeichnen gehabt.

Nun ja, das ist lange her – und die neueste Ausgabe hält sich da doch weit mehr zurück. Die „Horoskope“ der verschiedenen Länder (Deutschland, Österreich, Israel, China, Schweiz, Indien, Iran, Italien) enthalten kaum Konkretes, es überwiegt Astrogeschwurbel a la „Der Aszendent steht in Harmonie zur Sonne im neunten Haus. Dies verweist auf eine starke Phase der Wissensgewinnung.“ oder „Es ist ein Jahr, wo man sich wieder mit den Grundwerten intensiv auseinandersetzen wird und streitbar seine Meinung vertritt“ (beide Zitate aus dem Deutschlandhoroskop, Seite 56). Für solche Sätze mag offensichtlich niemand seinen Namen hergeben – die Autorenschaft bleibt bei all diesen Texten im Dunkeln. Neben einem EU-Horoskop gibt es erstaunlicherweise auch eines der GUS – vermutlich hat die Redaktion gar nicht gemerkt, dass man heutzutage eigentlich nur noch von Russland spricht und die GUS schon lange in der Bedeutungslosogkeit versunken ist. Aktuell dürfen wir nach dem Deutschlandhoroskop übrigens ein schnelles Ende der Finanzkrise erwarten, oder kann man folgenden Abschnitt auch anders deuten: „Im Frühjahr 2009, von  März bis Juni, herrscht nochmals ein harmonischer Aspekt der Arbeitsmarktthemen und Finanzen begünstigt.

Außerdem im Angebot „Thema der sozialen Gerechtigkeit wird zum Dauerwahlkampfthema“ (wer hätte das gedacht???), „... weiterer Hinweis für eine florierende Außenhandelsbeziehung, speziell im ersten Quartal 2009“ (sieht nach einer glatten Fehlprognose aus!) oder „neue Skandale werden die Republik erschüttern“ (Gääääähn – alte Skandale erschüttern eher selten) – insgesamt das gewohnte allgemeine Gefasel. Das gilt übrigens für all diese Horoskope – egal um welches Land es geht. Zu den „exakteren“ Prognosen zählen zum Beispiel ein „Regierungsumsturz„, der in Italien „wahrscheinlich“ sein soll, und für die USA soll mit „dem Uranus am IC ein ständiges Brodeln, aber auch Naturkatastrophen“ verbunden sein.

Weiter hinten findet sich noch ein Text, der sich „Die Jahrhundertkonstellation“ nennt und in dem es um „Saturn – Uranus – Pluto 2009 – 2015“ geht. Da der Text im Juli 20o8 geschrieben wurde ist das Thema Finanzkrise noch gar nicht erwähnt – aber aus den Sternen war das wohl für die Huter-Autoren eh nicht ersichtlich: im Kalender für 2008 stand ja auch etwas von positiven Entwicklungen im Bereich des Wirtschaftlichen – für die Monate September bis Dezember. Im Text zur Jahrhundertkonstellation wird zunächst eine Aussage zur Wahl des US-Präsidenten getroffen – typisch astrologisch gibt es einerseits „konservative Aspekte“ andererseits aber einen  „Hinweis auf radikale Umbrüche in der Gesellschaft„. Danach geht es um die Wirtschaft und es werden steigende Rohstoffpreise und rasante Geldentwertung erwähnt – und wieder mal Regierungsumstürze und Kriegshandlungen. Dazwischen immer wieder Hinweise auf die Geschichte, bzw. auf Zeiten, an denen ähnliche Konstellationen „herrschten“. Und dauernd wird um den heißen Brei gefaselt und immer alles und das Gegenteil vorhergesagt. Eine tolle Taktik, die man angesichts der jetzt herrschenden Finanzkrise an folgendem Abschnitt sehr schön sieht:

Wie bereits erwähnt hat das Aufeinandertreffen dieser drei Planeten Uranus, Saturn und Pluto das letzte Mal eine große Korrektur an den Börsen der Welt bedeutet. Die Trendumkehr kündigt sich innerhalb von Uranus und Saturn an, d.h. es ist gültig von Februar 2008 bis April 2011 und ist wie die Geschichte zeigt für die Börsenentwicklung negativ. Dieser Bericht wird im Juli 2008 geschrieben und es bleibt eine Vermutung offen, dass wir uns bereits in dem Uranus-Saturn-Zyklus befinden, der ab November wirksam wird. Aufgrund des Jupitereinflusses im Steinbock und 2009 ganzjährig im Wassermann ist jedoch zu rechnen, dass die Börsen nochmals eine Erholungsphase einläuten.

Also negativ und Erholungsphase? Das geht zwar in der realen Welt nicht gleichzeitig, aber die Sterne deuten zumindest in diesem Buch immer auf alles gleichzeitig hin. Es kann eben so oder so kommen, oder anders …

In weiteren, sich astrologisch nennenden Texten geht es um „Wechseljahre von Mann und Frau aus astrologischer Sicht„, „Astrologie und Religion – Wissen und Liebe“ und „Politische Astrologie – Vergangenheit und Zukunft„. In letzterem Text wird tatsächlich am Ende empfohlen, dass Politiker sich von „profilierten Astrologen“ beraten lassen sollten … … an Selbstüberschätzung scheinen Astrologen auch dann zu leiden, wenn sie ihren eigenen Namen verschweigen.

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: