Der Vesuv brach nicht aus und den Euro gibt es noch (mit Quellen und Outtakes)

13 12 2012

Jetzt ist er wieder online, der alljährliche Prognosenrückblick der GWUP, und wie seit einigen Jahren gewohnt gibt es hier die Quellenhinweise und ein paar Outtakes.

Die Überschrift war nicht erste Wahl, aber meinen Favoriten „Die UFOs kamen nicht zu Olympia“ konnte ich leider nicht verwenden, da ich ihn nicht mehr mit dem damals verfügbaren Youtube-Video  belegen kann. Schade eigentlich, denn die UFOs sollten zunächst zur Olympiade, später dann zu den Paralympics erscheinen. Dann mussten eben zwei andere Prognosen in die Überschrift. Der erste Abschnitt ist wie gewohnt recht allgemein gehalten:

 Der Euro abgeschafft, der Vesuv ausgebrochen, die Olympischen Spiele in London von Terroranschlägen überschattet – die Jahresrückblicke 2012 würden anders ausfallen, wenn die Prognosen von Astrologen, Hellsehern und Wahrsagern tatsächlich eingetroffen wären. Aber auch in diesem Jahr versagten die selbst ernannten Propheten auf ganzer Linie, wie die alljährliche Auswertung solcher Prognosen durch die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)“ zeigt.

 Die Quellen zu Vesuv und Euro folgen gleich, die Quelle zu zumindest einem Attentat während der Olympischen Spiele in London ist noch online verfügbar, trägt aber jetzt den Titel „Sorry for this video: I don’t know the date… (don’t watch this video anymore)“.

 Für die absurdesten Prognosen des Jahres 2012 sorgte wieder einmal das kanadische Medium Nikki Pezaro: Vögel, die am Jahresende Menschen angreifen sollten, auftauchende Tiefseemonster, der Fund des heiligen Grals – auch 2012 schienen einige ihrer über 200 Prognosen eher aus einem Hollywooddrehbuch stammen. Immerhin stand sie mit ihrer Prognose, dass der Vesuv ausbrechen würde, nicht ganz alleine: Auch ihr Kollege Blair Robertson wagte eine ähnliche Voraussage. Noch schlimmer sollte es bei Kurt Allgeier kommen, denn er erwartete Ende Juni und Mitte Juli Naturkatastrophen, „die wohl sogar noch heftiger sein werden, als wir sie zuletzt erlebt haben“. Seine Kollegin Susanne Eder hatte ebenfalls für Mitte Juli „Bombenattentate, Terroranschläge, Flugzeugunfälle und andere Katastrophen“ im Angebot. Für den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit Jahren diese Prophezeiungen sammelt und auswertet, sind solche Schwarzsehereien nicht überraschend: „Traditionell werden für die Zukunft immer Katastrophen aller Art vorausgesagt, die in den letzten Jahren um dramatische Schilderungen der Folgen wirtschaftlicher Krisen ergänzt wurden.“ So prophezeite die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller für 2012 das Ende von EU und Euro, Christiane Durer sah eine Währungsreform, den „kompletten Zusammenbruch des derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsystems“ sowie das Zerbrechen der Euro-Zone voraus und Thomas Ritter las in altindischen Palmblätter von Aufständen und Plünderungen in verschiedenen europäischen Hauptstädten, denen in Rom schließlich auch der Papst zum Opfer fallen sollte.

Die Links zu Nikki Pezaro und Blair Robertson hatte ich schon hiergepostet. Das ins weiße Haus stürzende Flugzeug habe ich aber ebenso draußen gelassen wie Blair Robertsons Prognose der Abwahl Obamas. Interessant ist hier nur, dass Robertson bei seiner Prognose blieb, auch als die Meinungsumfragen kurz vor der Wahl Obama dann doch eine Favoritenrolle zugestanden. Christiane Durer und Rosalinde Halle hatte ich auch bereits hier gewürdigt, die kurz- und schmerzlose Europrognose von Frau Haller lautete: 2012 Ende Euro/EU. Thomas Ritters Unsinn ist noch immer hier zu finden (… und in meinem Lieblingswebarchiv, allerdings ohne Sonderzeichen). Ritter dürfte im Moment übrigens unterwegs sein, denn er wollte ja eigentlich am 12.12.2012 an einem „Zeitreiseexperiment“ in Australien teilnehmen und nachher mit seinem Kristallschädel zu den Mayas fahren. Dummerweise ist ihm das gute Stück aber vor einigen Monaten zu Boden gefallen und hat heftig gelitten

Angesichts der vielen Katastrophenprognosen kann man sich fragen, ob es wirklich noch eines Weltuntergangs bedarf, den manche auf den 21. Dezember dieses Jahres berechnet haben wollen. Über das, was zu diesem vermeintlichen Ende des Maya-Kalenders passieren soll, herrscht allerdings keinerlei Einigkeit. Einmal soll ein Planet sich der Erde nähern oder gar mit ihr kollidieren, ein anderes Mal soll die Erde von einem ominösen „Synchronisationsstrahl“ getroffen werden, wieder andere erwarten eine Umpolung des Erdmagnetfelds (Polsprung) – jeweils mit dramatischen und katastrophalen Folgen. „Die zu diesem Termin seit Jahren kursierenden Mutmaßungen sind allesamt hanebüchener Unsinn,“ so Kunkel, der sich darüber ärgert, dass mit solchen Voraussagen bei Leichtgläubigen und insbesondere auch bei Jugendlichen Angst verbreitet wird. „Rudimentäre Kenntnisse der Astronomie reichen, um viele der für dieses Datum behaupteten Besonderheiten zu widerlegen.“

Klar, hier muss als Quelle Florians Blog her. Vielen Dank für seine nimmermüde Aufklärungsarbeit! Auch die GWUP hat seit einigen Tagen eine Sonderseite zum Thema eingerichtet, auf der man auch eigene Weltuntergangspartys registrieren kann. Diese Weltuntergangsprognose aus Australien habe ich für die Pressemeldung unterschlagen.

Die Fußball-EM stand erstaunlich selten im Fokus der Wahrsager und Hellseher hierzulande. Frau Hallers Prognose eines Ausscheidens der deutschen Mannschaft in der Vorrunde war zwar daneben, aber immerhin lag sie bei den restlichen Viertelfinalisten richtig. Ein Erfolg der Hellseherin? Kunkel relativiert: „Wer nach einer langen Liste von Fehlprognosen einmal halbwegs richtig liegt, kann nicht von sich behaupten, in die Zukunft sehen zu können“. Die meisten Sterndeuter hielten sich aber von prüfbaren Prognosen zur EM völlig fern, prognostizierten bestenfalls Ungefähres von Spiel zu Spiel oder ließen sich zu der (falschen) Aussage hinreißen, dass der Sieger des zweiten Halbfinalspiels auch Europameister werden würde. Statt Astrologen und Hellsehern wurden lieber Tiere nach dem Ausgang der Spiele der deutschen Nationalelf gefragt, und allein wegen der Menge an Orakeltieren hätte man mit einem tierischen Superorakel à la Krake Paul rechnen können. Affen, Schnecken, Hamster, Hunde, Katzen, Schweine, Elefanten, Tiger, Schildkröten – die Liste der von Zeitungen, Radiosendern, Firmen oder Privatpersonen (meist via Youtube) ins Rennen geschickten Tiere war lang, und mit der im Vorjahr durch ihre monatelange Flucht vor dem Schlachter bekannt gewordenen Kuh Yvonne war sogar tierische Prominenz am Start. Nach dem Halbfinale gab es allerdings kein einziges Tier mehr, das bei allen Spielen richtig gelegen hatte …

Die astrologische Prognose wegen des Siegers des zweiten Halbfinalspiels findet sich hier, und ich hatte noch ein paar andere Astrologen erwähnt, auch Rosalinde Hallers Prognose. Zu den Tieren hatte ich wochenlang im Blog die jeweils aktuellen Entwicklungen beschrieben – nachzulesen über diesen Link.

Immerhin gibt es auch einen Treffer zu verzeichnen. Seit der Hochzeit von Prinz William mit Kate Middleton wird in der Regenbogenpresse über eine baldige Schwangerschaft im britischen Königshaus spekuliert, und vor wenigen Tagen meldeten die Agenturen, dass Kate tatsächlich schwanger ist. Dies hatten unter anderem Blair Robertson und Nikki Pezaro für 2012 sowie Nikki Pezaro und die Kartenlegerin Casia Cheyenne bereits für 2011 vorausgesagt, aber hätte es zu dieser Prognose wirklich eines Hellsehers oder Astrologen bedurft? Bis zur Niederkunft kann nun noch über das Geschlecht des Kindes spekuliert werden – hier gíbt es immerhin eine Erfolgschance von 50%. Unklar ist noch, ob sich Rosalinde Haller hier wieder eine Voraussage zutraut, denn bei Victoria von Schweden lag sie mit ihrer Prognose „Es wird ein Bub“ daneben.

Frau Hallers Prognose zum falschen Geschlecht des Schwedenbabys hatte ich schon hier gewürdigt (der Link oben gilt auch hier). Die Frau hat ja auch noch eine richtige Prognose abgegeben, denn sie hat tasächlich den britischen Thronerben für 2013 vorausgesagt. Die anderen Prognosen sind in obigen Links zu finden, bzw. in den Prognosen zu den Vorjahren.

Ob sich die Astrologen, Hellseher und Wahrsager 2013 etwas mehr anstrengen? Einen Anreiz dafür hätten sie, denn mehrere europäische Skeptikerorganisationen bieten bis zum 30. September 2013 einen Preis in Höhe von einer Million Euro für denjenigen, der ein paranormales Phänomen wie Hellsehen unter kontrollierten, wissenschaftlichen Bedingungen belegen kann. Die bereits vorliegenden Prognosen haben laut Kunkel allerdings keine Chance: „Bisher gibt es für 2013 nur die üblichen, schwammigen Katastrophenprognosen – wenn da nicht mehr kommt, können zumindest die selbst ernannten Propheten die Million nicht gewinnen.“

Hier fehlt natürlich noch ein Link zur Euromillion, den die gibt es tatsächlich – allerdings nur bis Ende September 2013.

Leider habe ich eines nicht unterbringen können:

Meine Lieblingsweissagung für 2012 …

…  von meinem (charismatischen) Lieblings-Sektenführer und Autor des herrlichen Sheng-Fui-Buches, die er im Dezember 2011 auf facebook veröffentlichte:

Es ist zu erwarten, dass bei übermäßiger Anwendung der Udo-Jürgens-Regel in diesem Zusammenhang auf einigen Hüften mit katastrophalen Zunahmis zu rechnen ist. (Dank an Herrn D. für die Zunahmis!)

Diese Prognose kann man natürlich gerne ins nächste Jahr fortschreiben, denn das machen die selbst ernannten Propheten bei ihren Katastrophen ja auch …

Und wie immer die Bitte: Wer eine Prognose findet, egal wo, bitte kurze Nachricht an mich – ich sammele nämlich weiter (… wie man an meinem letzten Blogbeitrag ja auch sehen kann).


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2 responses

13 12 2012
Benedikter

Als „Pabstler“ kann ich nur sagen das wir das, mit dem Pabst, nach dem
„Futurologischen-Kongress“ (Stanislaw Lem). Schnellstens erledigen
werden…

13 12 2012
Nix steht in den Sternen @ gwup | die skeptiker

[…] Vesuv brach nicht aus und den Euro gibt es noch, Wahrsagerchecks-Blog am 13. Dezember […]

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